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Mittwoch, 1. Oktober 2008

 

 

 

Eine Briefmarke mit zwei Papageien darauf

 

 

 

Und noch ein intensives Traumbild von einer alten Kommode, auf welcher je ein Stapel hellblauer und ein Stapel weißer Din A4-Papiere lagen. Da kam ein Wind und die Papiere flogen wie in Zeitlupe aufgewirbelt von der Kommode.

 

 

 

Früh habe ich eine Maus gefangen, welche die kleine Katze mit in die Wohnung gebracht hat. Es ist gar nicht so einfach eine Maus zu fangen. Wahrscheinlich stand sie Todesängste aus. Schließlich erwischte ich sie und trug sie hinunter ins Freie. Sie tat einen großen Satz und sprang davon. Mein Freund erwachte und zeigte mir dann demonstrativ die Türklinken, also er deutete mit seinem Finger auf eine Türklinke und fragte mich, was das wohl sei und was für eine Funktion dieses Teil wohl habe. Erst verstand ich nicht und hatte keine Ahnung, worauf er nun hinaus wolle. Er ist nämlich der Meinung, daß ich generell alle Türen laut zuschlage. Auch mit dem Geschirr und den Küchenschranktüren würde ich nicht sonderlich leise hantieren. Man würde mich also schon von weitem hören und wissen, daß ich da bin, ohne mich überhaupt gesehen zu haben.
Als ich mich nach der Arbeit geduscht habe, ist Yoda, der rote Kater, vom Fensterbrett abgerutscht, weil er sich vor etwas Schwarzem, ich glaube es waren Socken, die da lagen, erschrocken hatte. Er konnte nicht mehr auf das Zwischendach springen, sondern fiel weit über ein Stockwerk tiefer auf die Haustreppe. Was ich aber nicht sah. Ich sah nur: er war nicht mehr da! Ich zog mir einen Bademantel über und rannte in Panik runter. Da saß er, total verschreckt, aber zum Glück unverletzt und wohlbehalten unter einem Auto!
Die Tai Ji-Stunde am Abend empfand ich als sehr kraftvoll. Mir kam es so vor, als wäre ich voller Energie, welche ich abgeben konnte.
Wir gingen noch zu dritt etwas trinken. Um zu reden. Ich bestellte Pfefferminztee und aß eine Tomatensuppe. Als wir wieder aus dem Lokal traten schüttete es unerwartet wie aus Kübeln. Wir sind laut lachend und rufend zum Auto gerannt und waren innerhalb kürzester Zeit klatschnaß.
Einmal sagte ich etwas, was ich hinterher bereute. Was vielleicht eine falsche Reaktion hervorrufen konnte.
Auf der Heimfahrt stand ein roter Korb mitten auf der Straße.

 

 

 

Donnerstag, 2. Oktober 2008

 

 

 

Ich träumte, daß ich sein Haus suche. Schließlich fand ich es. Vor dem mehrstöckigen Haus war wie ein silberner Aufzug, eine Art Platte an zwei Seilen niedergelassen, damit ich nach oben gelangen konnte. Doch ich nahm die Treppe. Oben gab es zwei Wohnungen, eine war links und die andere rechts. Darin waren viele junge Menschen, welche ich nicht kannte und die gerade eine Party feierten. Ich war in der Annahme, er sei es gewesen, der den Aufzug heruntergelassen hat, doch oben angekommen fand ich ihn nicht. Einmal sprach ich kurz mit einem jungen Mann. Und dann traf ich auch einen alten Jugendfreund, der mich unbewegt ansah. So als würde er mich nicht richtig wahrnehmen, gar nicht erkennen. Er sagte mir, daß meine anderen Jugendfreunde im Zimmer nebenan wären und feierten. Dahin wollte ich aber nicht. Ich habe auch meine Teller aus weißem Porzellan mit nach oben in seine Wohnung genommen. Trug den Stapel vor mir. Doch mit Erschrecken merkte ich, daß ein Teller - es war der Oberste - schmutzig und schlecht gespült war. Er hatte einen Rand wie von Kakao oder Kaffee. Ich will weg. Doch wo sind jetzt meine Teller? Sie sind auch fort. Ich muß wohl auf sie verzichten.

Gleichzeitig komme ich nach Hause. Fremde feiern in meinem Haus! Im Büro und in der Werkstatt ist alles voller fremder, junger Menschen. Die digitale Zeituhr über dem Büro ist davon sogar kaputtgegangen. Meine jüngste Schwester ist gerade auf eine hohe Leiter geklettert um sie zu reparieren. Ich rufe ihr zu, daß sie es lassen soll, daß ich sie später selbst repariere. Sie braucht sich nicht dafür zu bemühen. Sie so hoch auf der Leiter zu sehen besorgt mich. Drinnen ist alles voller junger Leute, die mich gar nicht zu beachten scheinen. Es herrschte ein regelrechtes Gedränge, so viele Menschen waren da. Zwei ältere Frauen verkaufen hinter Theken mit altmodischen Registrierkassen Getränke, Bier und auch leckere Speisen. Es war auch mit Grün dekoriert. Alkohol, denke ich, sie trinken hier Alkohol, um sich zu berauschen. Ich gehe von Raum zu Raum und sage, daß die Party nun zu Ende ist. Doch die beiden Frauen beschweren sich und wollen nicht aufhören. Es gehe gerade so gut und alles sei in Schwung. Ich habe keine Autorität in meinem Haus, sie und die vielen jungen Leute, welche sich amüsieren, scheinen mich weder wahrzunehmen geschweige denn zu hören. Jetzt sage ich leise wie eine Maus, daß ich die Polizei rufen werde. Innerlich schäme ich mich, daß ich zu solchen Mitteln greifen muß und nicht durch meine Anwesenheit Herr der Lage werde.

Auf einmal ist die Straße vor unserem Haus ein großer, reißender, blauer Fluß geworden, der nach Norden strömt. Er fließt mitten durch unserem Ort. Ich war froh deswegen. Doch da trieben auch die großen Stöcke der weißen Wasserlilien mit der feinen violetten Maserung und den wundervollen Blüten im Wasser davon. Halb Unterwasser treiben sie schnell vorbei. Eigentlich hätte ich gerne mein Haus damit geschmückt, aber ich habe nicht daran gedacht, sie rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Ein wenig wehmütig sehe ich immer wieder eine dieser prachtovllen Blumen auf Nimmerwiedersehen an mir vorbei schwimmen.

 

 

 

Heute lag eine Walnuß mitten auf der Straße. Ein Rabe kam im Sturzflug angeschossen und versuchte sie mit seinem Schnabel zu fassen. Genau in diesem Moment kam auch ein Auto und der Rabe mußte erst einmal wieder das Weite suchen. Ich fuhr einen großen Bogen um die Nuß herum. Ich fragte mich, wie der Rabe es wohl schaffen würde sie aufzubrechen um das Innere zu fressen. Die Speise der Götter.

 

 

 

Freitag, 3. Oktober 2008

 

 

 

Noch vor Salzburg begann es zu regnen und als wir über die Tauern gefahren sind hat es sogar geschneit. Es regnete dann noch die ganze Fahrt über heftig. Ich war sehr aufgeregt, vor allem als wir den kleinen Ort mit der beeindruckenden Kirche sahen. Doris erging es ähnlich. Im Eingangsbereich des Klosters stand eine große Schnitzstatue von einem Mönch, der einem Jungen ein Stück Brot in den Mund gab, gleichzeitig hielt er ein anderes Kind beschützend auf seinem Arm. Auf dem Boden davor lag ein Kristall.

Eine Schwester führte uns ganz nach oben unters Dach in unsere Zimmer. Sperrte am Ende der Treppe eine breite weiße Türe auf. Die Zimmer und auch der ehemalige Gemeinschaftsraum sind immer noch in dem Zustand wie damals, als es das Mädcheninternat noch gab. Im zweiten Stockwerk ist das Heim für die Kinder und im ersten Stockwerk befindet sich der Raum, in dem morgen das Seminar stattfinden würde. Dort trafen wir auch eine Frau, welche gerade einen Blumenschmuck in der Mitte des Zimmers arrangierte. Wir sprachen miteinander. Sie war sehr nett und berührte beim Reden kurz meine Hand, so als würden wir uns schon ewig kennen. Sie nannte uns auch Gastwirtschaften im Ort, wo wir etwas essen konnten. Die Nonnen sprachen von einem Mann, der noch käme. Später bemerkte ich endlich, daß sie meinen Freund damit gemeint haben, der aber kurzfristig doch nicht mitgefahren ist.
Es regnete in Strömen, als wir uns mit unseren aufgespannten Schirmen über den Kopf auf den Weg hoch zum Dorfplatz machten. Es donnerte und blitze genau über uns. Ein paar Mal sind wir heftig zusammengezuckt. Wir haben die beeindruckende Wallfahrtskirche mit dem großen Christopherus und dem Jesuskind auf seiner Schulter auf der Außenwand links von dem Eingang angeschaut. Jedes Mal, wenn ich dieses Motiv sehe, bin ich berührt. Vor der Kirche moderne Kunst. Eine gotische Lichtsäule stand stumm. Die Kirchendecke war mit wunderschönen Blumen bemalt. Aus den Blüten, aus ihrem Innerne, sind Menschen gewachsen. Blütenmenschen, meist betend. Ganz oben in der Mitte unter der Decke vor dem Chor thronte Jesus über der himmelblauen Weltenkugel umspannt von einem leuchtenden Ring aus Regenbogen. Aus seinem Mund kam ein Schwert und wuchs eine weiße Lilie.
Darauf mußte ich immer wieder schauen.
Einmal, genau als wir vorne vor dem Altar gestanden waren, war die Kirche plötzlich taghell von einem Blitz erleuchtet, gleich darauf donnerte es heftig. Von diesem gleißenden, unwirklichen Licht. Hinter den Fensterbögen der Himmel auf einmal stahlblau. Es war dann so, als ob alles Gold darin, alle Heiligenscheine und alle Herzen von diesem Licht mit einem Mal hell aufleuchteten.
Später aßen wir in der Wirtschaft.

 

 

 

Samstag, 4. Oktober 2008

 

 

 

Wir frühstückten in dem wintergartenähnlichen Bereich gleich beim Aufzug. Dort befand sich auch eine kleine Sitzgarnitur aus Weidengeflecht. Und, das war wichtig, ein Kaffeeautomat. Doris hatte Hörnchen für uns dabei und in meinem Korb stapelten sich Brötchen, Äpfel, Gelbe Rüben und auch ein Streußelkuchen von der Mutter meines Freundes.

 

 

 

Ich träumte, daß ich hier in dem Kloster eine Bilderausstellung von Rosemarie Zimmer besuchte. Ich ging an den ausgestellten Bildern entlang. Da waren zum Beispiel zwei abstrakte Werke mit einem dynamischen Pinselstrich in einem kräftigen Königsblau. Blaue Wirbel. Und ich träumte noch, daß das Zimmer, in dem ich schlief, zu einem Krankenhaus gehört, in dem ich liege. Und von einer Frau in meinem Alter, welche eine bestimmte Arbeit über ein kompliziertes Thema verfaßt und veröffentlicht, eine Abhandlung. Dieses Thema erfordert hohe geistige Fähigkeiten. Sie erledigt ihre Aufgabe im intellektuellen Bereich.

 

 

 

Die Rosenblüte

 

 

 

“Daß ich sehe”

 

 

 

Von dem Zauber.

 

 

 

Herzklopfen

 

 

 

Sonntag, 5. Oktober 2008

 

 

 

Ausblick von meinem Zimmer in einem ehemaligen Mädcheninternat eines Klosters mit einem Heim für schwerstbehinderte Kinder

 

 

 

Gestern Abend haben wir eine Sternschnuppe am Himmel gesehen, als wir vom Essen in einem Gasthof auf dem Tanzenberg zurückgekommen waren. Der Nachthimmel ist hier so klar, viel klarer als bei uns. Abertausende von Sternen leuchteten.

 

 

 

Einmal standen Tränen der Rührung in ihren Augen, als wir uns alle gemeinsam nach den Minuten der Stille jeweils zu Beginn des Seminars wieder ansahen. Das Öffnen der Augen. Der erste Blick. Ganz neu. Wie ein Kind. Und so ein unendlich zärtliches Lächeln in ihrem Gesicht.
Das traf mich sehr.

 

 

 

Wegen der Blume im Herzen, die sich dann leise regt.

 

 

 

Schön ist ein Gesicht, das deine Gedanken, Herr, nocheinmal denkt.

 

 

 

Der Abschied. Renate nahm meine beiden Hände und erzählte mir etwas Lustiges. Unter dem Kastanienbaum.
Mir kommt es so vor als seien da zwei Ebenen, wenn ich es so benennen darf. Einmal das Außen, was im Außen passiert, und dann dieses Andere, Innere. Und trotzdem wirken beide irgendwie ganz intensiv ineinander. Fast, als wäre das Außen ein Bild des Inneren. Ein Spiel, ein Tanz.
Auch, wenn es ganz anders war, als ich es mir vorgestellt habe - oder vielleicht gerade deshalb - war es so unglaublich dicht. Mir fehlen die Worte.

 

 

 

Montag, 6. Oktober 2008

 

 

 

Ich habe von einem rechten Fuß geträumt. Aus dem Bereich der großen Zehe ganz vorne entwickelten sich schön geschwungene Linien, ein wundervolles Muster begann nach und nach über den ganzen Fuß zu wachsen. Der Fuß hieß: Poesie.

 

 

 

Ich träumte noch, daß ich zusammen mit Doris ein wunderschönes, handgeschriebenes Rezeptbuch betrachtete. Es hatte ein quadratisches Format und lag aufgeschlagen vor uns. In der Mitte jeder der handbeschriebenen Seiten war stets wie ein Wasserzeichen die Blüte einer Blume hinein gemalt. Einer Rose, zum Beispiel.
Und daß ich meinen grauen Mantel an dem untersten der drei Hacken der Garderobe aufhänge, welche dort übereinander angebracht sind.

 

 

 

Das heutige Kalenderblatt war ein erstaunliches Gemälde von Meret Oppenheim. Es heißt Sonne, Mond, Sterne. Das Bild entstand 1942 und stellt u. a. zwei Menschen dar. Ein Mensch hatte wie einen kristallisierten Stein in seinem Inneren und sein ganzer Oberkörper mit dem Kopf war ein gleißender Strahlenkranz. Die Strahlen des Kopfes mündeten in ein räumlich konstruiertes Gebilde, an dessen oberen Enden acht Sterne strahlten.

 

 

 

Dienstag, 7. Oktober 2008

 

 

 

Wie ich über den Hof ging sank eine Wolke kleiner Vögel zwitschernd aus dem dichten Nebel, der dicht und weiß nur eine Handbreit über den Dächern der Häuser hing. Stieg wieder auf. Drehte bei. Flog fort, auf und ab, über den Garten mit dem Windrad in Richtung der offenen Felder.
Jetzt ist die Zeit, in welcher die Nebel in dem flammenden Gelb der Bäume verschwimmen und der erste Frost mit seinem Atem das Herz der Erde berührt.
Es ist deshalb: denn es soll sich erwärmen. Deshalb spielt der Frost mit ihr.

 

 

 

Mittwoch, 8. Oktober 2008

 

 

 

20081008-1

Blaues Fenster

Ein Blick zwischen den dunkelroten Samtvorhang hindurch in den kleinen Kapellenraum, der neben dem größeren Raum liegt, in dem wir Tai Ji üben. Auf dem Altar mit der goldenen Schnecke liegt eine langstielige Rose. Stehen vier Kerzen. Und dort steht auch ein Bild mit einer Wiese und mit einem Regenbogen.
Heut war das Üben wieder sehr schön. Wir waren zusammen mit dem Lehrer zu viert. Ich hatte auch das Gefühl, daß der Geist vom Zusammensein vom vergangenen Wochenende noch in mir nachwirkte.
Er gab sich große Mühe uns die Feinheiten mancher Bewegungsabfolgen zu vermitteln. Er korrigierte immer wieder. Manchmal scheine ich alles vergessen zu haben und besonders wenn er mir zuschaut bin ich ungelenk wie ein Stock.
Doris hat erzählt, daß sie eine Fernsehsendung über die Osterinseln angesehen hat, auf welche sie zufällig gestoßen war.
Wieder daheim aß ich etwas, schrieb noch und sortierte Fotos. War bald müde.
Heute früh war ein Traumbild von einem hohen Buchregal, aus dem ich ganz oben ein dickes Buch vom Dalai Lama nahm.

 

 

 

Donnerstag, 9. Oktober 2008

 

 

 

Ich habe von einer orangefarbenen Blume, einer Strelitzie, einer Paradiesvogelblume, geträumt, welche sich vor meinen Augen entfächert hat. Ihre orangefarbenen Blätter wogten dabei hin und her wie bei einem kunstvollen Tanz. So als würde die schöne Blume all ihr Können hineinlegen um mich durch ihre Vorführung zu erfreuen und zu verzaubern. Zum Schluß sah ich ihr Gesicht - sie lächelte mich an.

 

 

 

Leben bis zum “Anfangspunkt” zurückverfolgen. Das sagte sie im Traum. Vielleicht noch ein Nachhall vom Wochenende. Es bedeutet vielleicht, das in mir zu suchen. Aber was ist das, der Anfangspunkt? Ist das ein Punkt, von dem aus sich in einem selbst das Leben entfaltet? Erhebt? Von “der anderen Seite” kommend? Vom anderen Ufer? Aus dem Nichts? Von der Sonne hinter der Sonne? Ist das dieser winzigkleine Punkt aus dem Traum von L?

 

 

 

Und gibt es das überhaupt, einen Anfangspunkt von Leben? Ist Leben nicht immer? Oder?

 

 

 

Die Wiese unter dem Fenster steht voller Pilze. Es ist ein regelrechter Ring aus Pilzen in einer ganz ungewöhnlichen Form gewachsen. Er gleicht einem Gebäude mit einer Kuppel oder auch einem Auto. Er beginnt am Ufer des Bächleins, über die Wiese, macht einen weiten Bogen um die Birke herum und führt schließlich wieder zurück zum Ufer des anderen Bächleins, das vom Norden her kommt.

 

 

 

Freitag, 10. Oktober 2008

 

 

 

Ich habe von einem Rosenzweig geträumt, von einer langen Stielrose. Ich zählte die Blüten daran. Ein paar Mal. Ich zählte, glaube ich, elf Blüten.

Und noch ein Traum, daß ein Mann in unserem Hof mit unserer Erlaubnis seinen Campingbus abgestellt hat, vor dem einen Fenster der Werkstatt. Der Campingbus war in zuerst einem Lastkraftwagen. Seine beiden hinteren Türen öffneten sich und der Campingbus rollte heraus. Ich kam gerade nach Hause zurück und da stand der Bus im Hof. Der junge Mann hat viele 100er Scheine und das Besondere an ihm war noch, daß er gerade ein fremdes Land bereist und kennengelernt hatte. Es war, glaube ich, Griechenland. Oder die Türkei. Griechenland. Jetzt sitze ich dem jungen Mann auf dem hellbraunen Teppichboden im Waggon im Schneidersitz gegenüber. Wir sehen uns an. In der Mitte zwischen uns liegen zarte Waldmeisterzweige ausgebreitet. Auch auf dem Bord neben uns stehen in einem durchsichtigen, zylinderförmigen Gefäß Waldmeisterzweige. Und zwei lilafarbene Kleeblumen. Meine hellblauen Augen sind geöffnet und ganz leer. (Im Traum hatte ich hellblaue Augen mit einem helleren Ring außenherum.) Es war nichts mehr in ihnen, kein Leben. Ich war ganz tief versunken in mir, eigentlich gar nicht mehr da. Vielleicht wie in tiefer Meditation. Mein Eltern kamen nach Hause und mein Vater trat in den Bus und schrie. Doch dann beruhigte er sich.
Als ich aus dem Traum aufwachte war mir schwindelig. Nach einer Weile, in der ich dalag und dem Schwindel nachspürte, stand ich auf und wollte aus dem Zimmer gehen. Doch ich fiel gleich wieder um, zum Glück auf das Bett.

Auch “Selbstbestimmung” war in der unruhigen Nacht ein Thema. Fast wie ein Rückblick auf mein bisheriges Leben. Wann ging ich wirklich nach mir selbst, nach meinem tieferen Empfinden, und bei welchen Gelegenheiten tat ich das nicht und warum? Aus Bequemlichkeit? Aus Schwäche?

 

 

 

“Wo hast Du denn das Gelbe hin?” fragte sie mich.
Das Gelbe. Die Mitte. Die Kraft der Mitte. Die Sonne.
Das Meer.

 

 

 

 ...mit einem Wunsch nacheinander verbunden...

 

 

 

Samstag, 11. Oktober 2008

 

 

 

 

 

 

Ich träumte, daß ich durch ein kleines Büchlein mit schönen, pastellfarbenen Aquarellen und Texten blätterte. Eines dieser Aquarelle zeigte einen schachbrettartigen weißschwarzen Boden, der von etwas Hellem, von etwas Pastellfarbenem, schon fast verschwunden war. Das schöne Pastellfarbene hat den schwarzweißen Boden schon fast ganz ausgeblichen, ausgeblichen und aufgelöst und bald wird er ganz verschwunden sein!

 

 

 

In der Frühe sang ein Vogel draußen vor dem Fenster. Ganz ungewöhnlich sang er. Sein zarter Triller rührte mich. Was das nur für ein Vogel ist, der um diese Jahreszeit, jetzt im Herbst, ein jubelndes Morgenlied singt? Ich lauschte.

 

 

 

Sonntag, 12. Oktober 2008

 

 

 

In einem Traumbild sah ich mich auf dem Dachgarten Unkraut jäten. Ich riß zum Beispiel eine große Quecke aus, die hinter einem Stein gewachsen war. Das geschah deshalb, weil wir mit den Blüten nach außen stehen.
Ein großer schwarzer Vogel kam geflogen und setzte sich auf das Vogelhäuschen. Es war keine Krähe, denn um seine Augen war ein breiter, weißer Ring und auch sein Schnabel war kürzer als der Schnabel von Krähen.

 

 

 

Und ein Traumbild von einer Statue des Heiligen Georg. Ich sah nur ihre Beine und diese erinnerten mich von ihrer Form an die Beine des Bremer Rolands. Allerdings war die Statue aus einem hellen Stein. Dann war der Heilige Georg in dem grünen Wipfel eines Baumes.

 

 

 

Heute Morgen sang der Vogel wieder. Ich lauschte.

 

 

 

Blume für dich

 

 

 

Ich fand noch eine kleine Kapelle, in der ein ewiges Licht leuchtete.

 

 

 

Ich fuhr ein Stück. Hielt, weil ich etwas Weißes aus einer Wiese schimmern sah. Ich tat einen Schritt. Bückte mich. Es waren Champignons. Und da war ein Duft, ein Duft, ein bestimmter Duft, den ich aus meiner Kindheit kannte, schon lang vergessen habe und der mich innehalten ließ. Eine Erinnerung. An einen Sommer. An einen heißen Tag. Wie ich einmal als kleines Kind alleine auf einem Feldweg gestanden war. An Zuhause. Es war ein würziger, aber zugleich sehr feiner Duft. Schon waren meine Schuhe vom Tau durchnäßt. Von dem Nebel, der zwischen dem Wald hing. Wie in Milch getaucht. Da stand ein Apfelbaum, die Zweige voller Äpfel. Und da stand ein Wilder Rosenbusch, die Zweige voller Hagebutten. Rote, winzig kleine Birnen.
Gelbes Blattwerk brannte.
Der Duft.
Auf einmal wußte ich: es war Kamille.

 

 

 

Heute lagen zwei tote Vögel vor den Scheiben des Ausstellungsraumes. Eine Amsel und eine kleiner Erlenzeisig.

 

 

 

Ein Kunde hat mit mir Pflanzen getauscht. Er brachte mir zwei große Engelstrompeten und wollte dafür gerne von dem Indischen Blumenrohr, da ihm eine bestimmte Farbe in seinem Garten noch fehlte. Die beiden Blumenkübel stehen jetzt entlang des Zaunes im Hof. Eine dieser weißen Trompetenblüten ist gestern sogar ganz unerwartet noch aufgegangen - ich dachte eigentlich, daß sie heuer bestimmt nicht mehr blühen werden.

 

 

 

Montag, 13. Oktober 2008

 

 

 

Im Traum befand ich mich mit meiner mittleren Schwester auf einer grünen Wiese in der Nähe des Ortes P. Drei große schwarze Adler wackelten in der Wiese hintereinander her und pickten im Gras nach Futter, nämlich Vateradler, Mutteradler und Kindadler. Doch eigentlich erinnerten sie mich viel mehr an aufgeplusterte Hühnervögel. Ich war ganz nahe bei ihnen, meine Schwester stand in einigem Abstand. Sie warnte mich und sagte, ich solle vorsichtig sein, daß mir die großen Vögel nichts tun. Deshalb nahm ich eine gebückte Haltung ein und machte einen runden Rücken, als sie kehrtmachten und wieder an mir vorüber kamen. Doch die Adlerfamilie war vollkommen mit der Futtersuche beschäftigt und zeigte keine Reaktion. Sie entfernten sich dann in südöstlicher Richtung.
Sie flogen gar nicht! Es waren Adler, die sich wie Hühner verhielten.

 

 

 

Als ich die Email, die blauen Zeilen, in der Mittagszeit las, klingelte es auf einmal an der Haustüre. Wer klingelt denn jetzt? Es war der Schornsteinfeger!
Ich weiß nicht, wie oft ich sie schon gelesen habe.

 

 

 

Daß ich das erleben darf.

 

 

 

Am Abend war ich auf einer Lesung von Serap Çileli im Saal der Stadtbücherei, welche Gabi Kepic initiiert hatte. Serap Çileli kämpft gegen Zwangsehe und Ehrenmord. Es geht um das tragische Schicksal von oft blutjungen Mädchen, die von ihren Eltern zwangsverheiratet, und, wenn diese dann nicht nach dem Willen der Eltern und der Tradition “funktionieren” und ausbrechen, im Extremfall sogar von den eigenen Familienmitgliedern umgebracht werden.

Erstarrte Verhaltensmuster unter dem Deckmantel von Tradition, welche größtes seelisches Leid und sogar den Tot von Menschen kaltblütig in Kauf nehmen. - Wie kommt das? Warum ist das in einer menschlichen Gemeinschaft möglich, über Generationen hinweg?, fragte ich mich.
Ich fand, daß es hier eigentlich um diese essentiellen Fragen, welche auch mich im Moment sehr beschäftigen.
Zum Beispiel:
Wie kann es möglich sein, daß Menschen, hier Mütter, welche ja selbst einmal jung gewesen waren und teilweise erschütternde Schicksale durchgemacht haben, dieses Gefängnis aus starren Dogmen trotzdem immer wieder auf ihre Töchter übertragen und sogar so weit gehen, deren Tod in Kauf zu nehmen? Was ist der Mechanismus im Menschen dahinter? Und man kann hier wirklich von einem Mechanismus, im wahrsten Sinne des Wortes, sprechen.
Wie kann es möglich sein, daß Mütter und Väter immer wieder ihre Söhne so erziehen, daß eine Frau praktisch nichts wert ist? Daß ein Mann keine Gefühle zeigen darf, keine Schwäche?
Und auch noch weiterführend:
Was bedeutet dann Selbstbestimmung? Wirkliche Selbstbestimmung? Wie kann sie gelebt werden?

Ich glaube, daß wir die Antwort vor allem auch in uns selber suchen müssen. Nämlich in dem wir unsere eigenen Verhaltens- und Denkmuster überdenken. In dem wir uns selbst hinterfragen. Uns fragen, warum wir in Situationen auf eine bestimmte Art und Weise reagieren und funktionieren.

Sie ist eine engagierte, warmherzige Frau mit Standfestigkeit, Courage und Kraft. Ich bewunderte ihren Vortrag, ihren Sprachausdruck und ihre Wachheit. Und es geht ihr in ihrer Arbeit nicht nur darum, Mißstände anzuprangern, sondern vor allem auch darum konkrete Hilfe anzubieten und für die Zukunft Lösungsansätze aufzuzeigen.
Hier ein Portrait über sie und hier ein Link zu ihrer Website.

 

 

 

In der Reihe vor mir saß eine junge Frau. Sie hielt sich die ganze Zeit über vollkommen aufrecht auf ihrem Stuhl und folgte aufmerksam der Lesung. Einmal, während der anschließenden Diskussion, erhob sie sich, um sich ausdrücklich bei ihr für ihre Arbeit und für ihren Mut zu bedanken.
Das erinnerte mich wieder an Maria Saal. Wie Agi über die Dauer des Seminars vollkommen aufrecht und gesammelt auf dem Stuhl gesessen war.

 

 

 

Dienstag, 14. Oktober 2008

 

 

 

Heute regnete es langsam goldene Blätter vom Himmel herab, der für einen Augenblick aufriß und strahlend blau war. Der Wind spielte mit ihnen, wirbelte die Blätter auf eine ganz bestimmte Weise wie in einem Rhythmus wogend auf und ab.

 

 

 

Mittwoch, 15. Oktober 2008

 

 

 

Dein Lächeln: kostbar
und Dein Blick: Du bist das.

 

 

 

Ich bin mir nicht sicher, ob der kleine Regenbogen, den ich während der Stunde in der letzten Woche an der Wand des Tai Ji-Übungsraums gesehen habe, wirklich war, oder ob ich ihn nur dort hingeträumt hatte.
Heute empfand ich das Üben sehr innig, fast wie Gottesdienst.
Feuchte Augen.

 

 

 

Bienengold

 

 

 

Donnerstag, 16. Oktober 2008

 

 

 

Ich träumte noch, daß die Kreuzfahrt zu Ende ist. Und ein Traum, daß ich an einem Fenster bin.

 

 

 

Dualität, die verbindet.

 

 

 

Freitag, 17. Oktober 2008

 

 

 

In der Nacht war einmal in einem geringen Abstand ein grauer Schleier wie eine Membrane vor meinem Gesicht. Er war wie ein grauer Nebel, undurchdringlich. Wie eine ovale Blase. Ich war in diesem halbwachen Zustand und sah sie nahe vor mir. Die Membrane hatte feine senkrechte Risse. Schnitte. “Nein! Nein! Nein!”, rief ich innerlich, um sie zu verscheuchen. Alles in mir wehrte sich. Geh weg!

 

 

 

Wagt er es überhaupt zu sein?

 

 

 

Daß er nach Gott gesucht hat und den Menschen fand, träumte ich.

 

 

 

Ich schlug ein Buch auf. Auf der linken Seite unten standen Worte von jemanden, die so begannen:
“Du bist von der Sonnenstraße... “

 

 

 

Durch das Himmelsgesetz seine Weisheit nach unten fallen zu lassen... Das Bild dazu war eine Sternenschnur, also Sterne in einem Abstand an einer Schnur nach unten.

für Thomas

 

 

 

Samstag, 18. Oktober 2008

 

 

 

Ich träumte, daß ich die gelben Blätter im Hof zusammenkehre. Als ich mit dem Kehren auf Höhe des Olivenbaumes kam, der dort an der Hauswand steht, fielen auf einmal Oliven herab, welche ich dann mit zusammenkehrte.
Der Olivenbaum hängt heuer voller Oliven. Die meisten sind schon dunkelviolett. Es wäre wohl besser, ich würde sie aufsammeln, als mit dem Herbstlaub zusammenzukehren.
Und ein Bild von unserer alten Eßzimmeruhr, die aussah wie eine schwarze, schmiedeeiserne Blume. Aber ohne Zeiger und Ziffern.

 

 

 

Gestern Abend waren wir zu einer Büroeinweihung eingeladen. Der Mond hing wie ein über alle Maßen großer, orangegelber Ballon am dunstigen Nachthimmel, während wir durch die Dunkelheit dorthin fuhren. Ich hatte Blumen gekauft, um sie der Gastgeberin zu schenken. Einen Strauß mit dieser besonderen, afrikanischen Blume, deren Name mir jetzt nicht mehr einfällt, und deren Blüte eher an eine weißrosafarbene Frucht als an eine Blume erinnert. Aus der sich ein großer Vogel erhebt, öffnet sie sich, um in den Himmel zu fliegen. Während wir aßen ergab es sich, daß sich ein Mann zu uns setzte, der mit der Gastgeberin befreundet war. Er war Fotograf und macht im Rahmen seines Stipendiums etwas Interessantes, nämlich er fotografiert Grenzen. Ich war fasziniert. Leider war das Gespräch nur kurz, denn wir gingen bald. Auf dem Heimweg sammelte ich von den riesigen Blättern der Platanen, welche der Straße entlang wuchsen. Ich legte sie auf den Dachgarten.

 

 

 

Post

 

 

 

Herbstsonne

 

Im Herbst lieben die Rosen den Anblick des Atems, den Anblick des stillen Nebels über dem Wasser und das sanfte Flimmern des Himmels am Abend.

 

 

 

 

 

 

Vorhin fand ich ein schönes Gedicht in dem Büchlein Pflaumenblüte und verschneiter Bambus. Es hat eine besondere Bedeutung für mich - es ist für jemanden:

 

Am Stadtwall gaben wir noch einmal uns die Hand -
In wieviel Tagen werden wir uns wiedersehn?
Denn in den Bergen ist am Bach der Siebenstern
So unverhofft wie Hagelschloßen aufgeblüht...

Wang Wei

 

 

 

Sonntag, 19. Oktober 2008

 

 

 

Die Wolken sind wichtig, weiß ich jetzt, denn sonst würden sich die Sterne nicht bewegen. Nur Wolken bewegen die Sterne ist einer seiner Lieblingsfilme.
Es hat mich berührt, wie er darüber schrieb.

 

 

 

Heute war ich den Tag über Zuhause. Ich habe mich doch etwas erkältet. Zeit, um zu malen und zu um zu schreiben. Um Dinge im Haushalt in Ordnung zu bringen. Als ich einmal kurz vor die Türe gegangen bin, roch es draußen nach frischem Sonnenlaub. Nach weichem Wind. Wie beschreibt man das, diese sanften, unsichtbaren Hände?

 

 

 

 

 

 

Gelbes Blatt.
Rotes Leuchten.
Goldenes Eichenlaub.
Und der Wuchs der Zeit.

 

 

 

Das Lächeln der Sterne und der Mondbär.

 

 

 

Heut schlug ich folgende Worte auf. Das Buch ist so groß. Ich habe Hemmungen daraus zu zitieren:

 

Der “Messende” spricht zu euch:
Was für die Pflanze Wachstum ist,
was für das Tier Bewegung ist,
ist für den Menschen GEBEN.

Geben ist nicht Frucht,
sondern Wachstum, Vorbereitung.
Gebt ihr nicht immer, so verkümmert ihr.
Die Frucht ist die Neue Welt.

(...)

Aus dem Buch “Die Antwort der Engel” von Gitta Mallasz.

 

 

 

Tautropfen und Kleeblume

 

 

 

Montag, 20. Oktober 2008

 

 

 

Da war ein Mann, der von hinten kommend durch die aufgeblätterte Zeitung krabbelte.

 

 

 

Heute habe ich keine grauen, sondern weiße Fischreiher gesehen. Sie standen zusammen mit anderen Vögeln um einen See im Wiesengrund.
Am Morgen Nebel. Die Dächer weiß gereift. Als ich in Richtung Süden fuhr schien die Sonne bereits durch den Nebel hindurch, ein großer, weiß leuchtender Ball umgeben von einem hellen, breiten Ring, der in dem grauen Nebel wie weicher Samt wirkte.
Als ich das Auto abholte bekam ich eine Flasche Rotwein geschenkt. Auf der Heimfahrt las ich auf den hinteren Türen eines LKWs: Wir bringen was Sie brauchen!
Gestern, am späten Abend, hörte ich noch geistliche Musik. Schon vor längerer Zeit einmal habe ich mir eine CD mit Musik von Hildegard von Bingen gekauft. Die hörte ich jetzt, auf dem Sofa liegend. Ich war voller Spannung und Gedankenfetzen wirbelten wild durcheinander. Ich wollte gerade “im Kopf” schreiben, aber eigentlich, so habe ich manchmal den Eindruck, sind Gedanken gar nicht wirklich im Kopf, sondern auch außerhalb. Fand auch keine Ruhe zum Lesen. Gleichzeitig schien mein Herz wie von selbst einen Tanz aufzuführen, dem ich lauschte.

 

 

 

Jedes mal, wenn ich einen Brief von ihr erhalte, bin ich aufgeregt. Es dauert stets erst ein paar Stunden, bis ich den Inhalt richtig wahr- und aufnehmen kann. In ihrer letzten Mail waren zwei Absätze in blauer Schrift.

 

 

 

Doris schrieb mir auch eine Mail. Das Gedicht stand auf einer Postkarte, welche sie vor etwa zehn Jahren einmal gekauft hat:

Wage zu träumen von dir und dem, was du nicht bist
wage zu träumen von dir und dem, was du nicht hast
wage zu träumen von dir wie du wirklich bist
wage zu träumen von dir und nach dem Erwachen
verwasche nicht dein traumhaft wahres Gesicht.

Margot Bickel

 

 

 

Dienstag, 21. Oktober 2008

 

 

 

Ich habe von einem Ring mit bunten Bändern daran geträumt. Der Ring wurde zu einem Tamburin, ebenfalls mit bunten Bändern. Und von einem Mobile mit Tierfiguren, zum Beispiel mit einem Bambi.

 

 

 

Ein
Gedicht
vom
Meer

 

 

Ich habe von einem Gedicht über das Meer in Times New Roman auf dickem Aquarellpapier geträumt. Über die See. Vom Sehen. Salz. Über die Ebbe und die Flut. Es war Ultramarin. Türkis. Saphirblau. Stahlblau. Lichtfunkelnd. Köngisblau. Es handelte von seinen Strandarmen. Von seinem großen Herz. Von seinem Perlmuttglanz. Es handelte vom Wind. Der Wind liebt das Meer. Denn ohne dem Meer wäre er nichts. Er hätte nichts, was er berühren könnte.

 

 

 

Durch das schmiedeeiserne Tor hindurch der Blick auf die Linde.

 

 

 

Mittwoch, 22. Oktober 2008

 

 

 

In der Nacht verwandelte sich das Licht der Straßenlaterne in einen blinken Stern mit einem hellen Ring, um dem am äußersten Rand ein kleiner Lichtfunke im Uhrzeigersinn kreiste. Eine lebendige Blume.

 

 

 

Ich träumte noch: Das Fundament des Lichtes...

 

 

 

Die graue Wand zwischen den beiden Fenstertüren schien sich bei jedem Augenöffnen zu vergrößern. Sie wird immer breiter! Ein Wachtraum. Grüne und blaue Blätter wehen zu den beiden Fenstertüren hinaus...

 

 

 

Müde. Momentan gibt es viel körperliche Arbeit und das bin ich wohl nicht mehr gewohnt. Mußte ein paar Mal während des gemeinsamen Übens am Abend in die Stille hinein husten. Das war mir sehr unangenehm. In meinem Hals schien ein Wollfusel zu hängen. Ich versuchte den trockenen Hustenreiz auch zu unterdrücken, was mir kaum gelang und alle Konzentration erforderte.
Bekam als Dankeschön für das Ausleihen eines Buches einen Pinienzapfen geschenkt, der sich öffnen und seinen Duft verströmen wird. Und eine schöne Karte mit Seerosen.

 

 

 

Jetzt weiß ich: Der Fisch will gefangen werden. Dies las ich in dem Buch Die Astrologie in der jüdischen Mystik von Friedrich Weinreb und es ist wahr. Agi hatte diesen Autor schon mehrmals erwähnt gehabt. Vom Fischer wollen sie gefangen werden. Seine Sprache, die Art wie er schreibt, erinnert mich auch ein wenig an die Ausdrucksweise in den Schriften von Meister Eckhard.
Ich möchte hier gerne einen Abschnitt daraus zitieren, der mich beschäftigt und berührt: “Im alten Wissen sagt man, daß die weitaus meisten Träume vom Menschen vergessen werden. Er träumt sehr viel in der Nacht; wenn er aber erwacht, weiß er davon fast nichts mehr, nur hie und da mal einen Traum. Das Träumen des Menschen, sagt man, geschieht in der Wirklichkeit des Seins, und sein Tagesleben ist Ausdruck dieser Träume. Es ist also keine Reihenfolge, sondern der Tag drückt aus, was man träumt, oder: Im Traum geschieht, was man am Tag erlebt. Beides zu gleicher Zeit. Deine Vorstellungen, Wünsche und Sehnsüchte in der Phantasie drücken sich im Leben des Tages aus, erscheinen ins Tagesleben projeziert.”

 

 

 

Flammende Obstbäume an blühenden Rapsfeldern.

 

 

 

Blüten

 

 

 

Mittag beobachtete ich buntes Herbstlaub auf der Oberfläche des Wassers des Baches und wie es mit ihm langsam in östliche Richtung floß. Ich sah das vom Fenster im ersten Stock aus und eilte hinunter. Was für ein bunter, endloser Reigen! Es waren so viele. Der leise Regen, welcher vom Himmel herabfiel, malte Kreise auf seinem Spiegel.

 

 

 

Donnerstag, 25. Oktober 2008

 

 

 

Da war ein kleines Auge inmitten grauer, ledriger Haut. Das Auge eines Elefanten? Es schloß und öffnete sich wieder.
Und ein Wachbild: Daß unzählige silberne Brillen aus dem Schlafzimmer durch die Fenster fortfliegen. Die silberne Formen wie Brillen, die waagrechte Acht des Unendlichkeitsszeichens, sanken regelrecht in die Fensterrahmen und in das Glas ein und stoben nach draußen.

 

 

 

Blume

 

 

 

Freitag, 24. Oktober 2008

 

 

 

Glitzernde Lichterteppiche, durch hauchdünne Schnüre miteinander verbunden, schienen hoch im Dunkel der Nacht rechts und links der Autobahn zu schweben. Es waren hell erleuchtete Dörfer und Ansiedlungen auf den Berghängen. Ich dachte: Was ist das nur für eine Wunderwelt? Die Luft war mild. Hinter Würzburg kam auf einmal ein unbeschreiblich süßer Duft in das Auto geweht. Ein Duft nach weißen Dolden vielleicht, mit Tausenden von Blütensternen. Ich konnte nicht einordnen, was das für eine Blüte war. Erleichtert sog ich ihn ein, denn er nahm alles Schwere von mir fort. Und einmal flogen Wildgänse über mich hinweg. Und ich sah nacheinander vier große Greifvögel, wahrscheinlich waren es Bussarde, in grünen Äckern nach Beute Ausschau haltend sitzen.
Einmal klingelte das Handy. Eine Kundin rief an, bei deren Wagen das Handbremsseil gerissen war. Zum Glück hatte das Zeit bis Montag.

Auf dem letzten Stück des Weges leuchtete ein Stern vor mir. Es war, glaube ich, der Abendstern.

Auf dem Weg über die Hügel, durch die Wälder und durch die vielen kleinen Ortschaften in Richtung Autobahn hatte ich eine Banane gegessen gehabt. Ich war noch gar nicht richtig bei mir angekommen, mit den Gedanken noch irgendwo im Geschäft. Oder auch schon dort, bei meinem Ankunftsort. Die Schale warf ich achtlos aus dem Fenster. Sie landete aber nicht im Gras des Straßengrabens sondern mitten auf der Fahrbahn. Ich fuhr weiter. Doch die Bananenschale mitten auf der Straße ging mir nicht aus dem Kopf. An der Kreuzung zur Autobahnauffahrt Blaulicht! Ein Unfall war geschehen. Mein Gott! Ich fragte mich erschrocken, was wohl passiert ist und wie es den betroffenen Menschen geht. Und auch: Jetzt muß ich warten! Ich bin doch schon so spät! Ein Krankenwagen und ein Notarztwagen standen in der Kreuzung. Da lag ein rotweinroter Roller! Mit einem mulmigen Gefühl und klopfenden Herzen wendete ich und fuhr zurück, um in Richtung Bundesstraße abzubiegen, welche parallel zur Autobahn verläuft. Dann fahre ich eben so. Nach ein paar Kilometer blieb ich am Rande einer Obstwiese stehen. Wendete noch einmal. Und fuhr den ganzen Weg zurück bis zu der Stelle, an der ich die Bananenschale aus dem Fenster geworfen hatte, um sie aufzuheben. Sie war schon ganz schwarz und plattgefahren. Ich warf sie in die Wiese.

Kurz vor meinem Ziel hielt ich am Straßenrand um durchzuatmen. Hier war die Luft viel milder als zuhause. Schließlich fuhr ich die letzten Meter, parkte den Wagen auf dem Grundstück. Die schwarzbraune Katze begrüßte mich miauend wie eine alte Bekannte und strich schnurrend um meine Beine. Sie verlangte jetzt sofort gestreichelt werden und schien gar keine Scheu vor mir zu haben. Packte meinen Rucksack, die Tasche, die große Emailleschüssel mit den Äpfeln und schritt den schmalen Weg hinab zur Haustüre. Warmes Licht leuchtete durch die Fenster und ich sah in den kleinen, heimeligen Raum mit dem hellen Holz, hinter der Glastüre die schmale Wendeltreppe nach oben. Tief unter mir ahnte ich den See. Mein Herz klopfte vor Aufregung. Ich klingelte. Nach einer kurzen Weile hörte ich Schritte. Da war sie schon und wir umarmten uns froh. Die Türe ist immer offen, sagte sie.

Später saßen wir im Schein des Kaminfeuers zusammen und redeten. Ich war noch immer aufgeregt. Ein paar Mal hatte ich wieder diesen Hustenreiz und zwar immer genau als unser Gespräch auf Dinge kam, die mich gerade im Inneren beschäftigten, was mein Gegenüber natürlich nicht wußte. Es war mir plötzlich nicht möglich auf das Gesagte zu antworten, stattdessen hustete ich hilflos. Einmal sprang sie vom Sofa auf, eilte zum Kamin und hob dort etwas auf, um es fortzuwerfen. Hoffentlich war es nicht von meinen Schuhen, die ich nicht ausgezogen hatte! Daß ich es womöglich von der Straße mit hereingetragen habe.
Reijo sprach von Katherine Hume, welche auch eine Schülerin von Gurdijeff war. Und sie erzählte, daß Katherine Hume sogar eine Zeitlang im Schiffsbau gearbeitet, die Bordwände der großen Dampfer zusammengeschweißt hat. Katherine Hume hat auch, so erfuhr ich, ein Buch über Gurdijeff und The Nuns’s Story geschrieben, welche mit Audrey Hephurn verfilmt wurde. Ich habe den Film einmal als Kind gesehen. Neulich dachte ich erst wieder an ihn, an die Szene, in welcher die Oberin ihr vorschlägt, die wichtige Abschlußprüfung als eine Art Bußübung nicht zu bestehen. Damals hatte mich der Film getroffen und beunruhigt, vor allem eben diese Szene.
Sie erzählte, daß sie von klein auf gerne baut. Mit ihren Händen erschafft. Ja, sie baut, erschafft, dachte ich für mich.
In Maria Saal sagte sie einmal, daß für die Sufis die Hände die Verlängerung des Herzens sind.
Ein Buch lag aufgeschlagen auf ihrem Schloß. Es hatte, glaube ich, einen grünen Einband. Sie hielt ein Lesezeichen daraus in ihrer Hand. Ich wollte fragen, ob das das Buch Der Schlüssel zum Schloß sei, und auch, ob ich es einmal betrachten darf, aber irgendwie kam es nicht dazu. Sie zeigte mir die Karte und fragte mich, ob ich sie möchte. Ich nickte freudig. Es war ein wunderschönes Bi
ld von der Künstlerin Lillian Delevoryas. Es zeigte Maria und das Jesus-Kind wie ein rosafarbener Hauch durchscheinend über einem Strauß pastellfarbener Tulpen in einer Blumenvase, in einem griechischen Krug. Das Bild heißt Greek Connections.

Ich durfte auf dem kleinen ausklappbaren Sofa in ihrem Arbeitszimmer übernachten. Sie nahm das Baumwollbettzeug mit dem Blumenmuster aus dem Schrank hinter der Wendeltreppe und reichte es mir. Hernach richteten wir das Bett. An den Fenstern in dem Zimmer hingen rosafarbene Seidenvorhänge und über den rundlichen Korbstühlen waren weiße Schaffelle gelegt. Einmal wies sie auf ihren kleinen Schreibtisch und sagte, daß ich ihn benutzen könne, wenn ich etwas aufschreiben wolle. Dort, auf der gläsernen Arbeitsfläche, lag auch der Block mit ihren Notizzetteln, rosafarbene Herzen.

 

 

 

Woher kommt die Welt? Von einer einzigen Bewegung von einem Raum in den nächsten?, träumte ich.

 

 

 

für Reijo

 

 

 

Samstag, 25. Oktober 2008

 

 

 

Es stand ein Buch - Die schönsten Gebete der Welt -, oben im Regal. Ich nahm es heraus um darin zu blättern, schlug eine Seite auf und fand die folgenden Zeilen von Joseph von Eichendorff: Was ich wollte, liegt zerschlagen / Herr, ich lasse jedes Klagen, / und das Herz ist still. / Nun aber gib auch Kraft, zu tragen / was ich nicht will.
Und dieses wunderschöne Gedicht von Sri Aurobindo schlug ich auf, genau dort lag auch eine Karte vom Verlag fast wie ein Lesezeichen zwischen den Seiten:

 

 

 

Rose von Gott, Rotschein auf den Saphiren des Himmels,
Rose der Wonne, feuersüß, siebengetönt mit den sieben Ekstasen!
Spring auf im Herzen der Menscheit, o Wunder, o Flamme,
Passionsblume des Namenlosen, Knospe des mystischen Namens.

Rose von Gott, Weisheitsblüten auf den Gipfel des Seins,
Rose von Licht, Kern, unberührbar, erhabenster Schauung!
Leb’ im Geist unsrer Erde, goldnes Geheimnis, Sproß,
Sonne am Haupte des Zeitlosen, Gast der herrlichen Stunde.

Rose von Gott, Stahlklinge der Allmacht, Ikon der Stärke,
Rose der Kraft, mit deinen Diamantschein durchdringst Du die Nacht!
Entflamme im Willen der Sterblichen. Zeichne den Plan deines Wunders.
Bild der Unsterblichkeit, Ausbruch der Gottheit im Menschen.

Rose von Gott, purpurne Wunde des göttlichen Wunsches,
Rose des Lebens, gefüllt und gekrönt mit dem Lied seiner Farbe.
Verwandle den sterblichen Leib, wie ein Zauberspruch süß,
sei Brücke vom Himmel zur Erde, mach todlos die Kinder der Zeit.

Rose von Gott, verzücktes Erröten auf dem Antlitz der Ewigkeit,
Rose der Liebe, Rubintiefe des Seins, Feuer-Sehnsucht der Gnade,
Ersteh’ aus dem sehenden Herzen, das in den Abgründen schluchzt,
mach die Erde zur Heimat des Märchens und Lebens zum seligsten Kuß.

 

 

 

Ich war wie verzaubert von diesem Zimmer. Von jedem noch so kleinen Ding. Von der Uhr, welche in Wahrheit ein Kristall war. Von der weißen Daunenfeder auf dem Fenstersims. Der schwere Vorhang hinter dem Sofa auf dem ich schlief war mit ägyptisch anmutenden Figuren bestickt. Eine schmiedeeiserne Sonne mit den zwölf Tierkreiszeichen außenherum hing still links an der Wand bei der Türe. Auf dem Fenstersims wuchs ein Pfennigsbaum aus einem winzigkleinen rosafarbenen Pflanztöpfchen heraus und bog sich zart in eine Richtung. Da standen eine Kanne, eine Tasse und verschiedene Teesorten auf einem Tablett. Brachtete all die Dinge und war auch ängstlich, daß ich ja nichts davon womöglich versehentlich umwerfe oder beschädige. Schräg vor dem Schreibtisch, also rechts von meiner Schlafstätte, befand sich ein kleines Regal wie ein Nachttischen, auf dem der Kopf Buddhas, eine schwarze Gewitterkerze und ein Teelicht standen. Und noch etwas Viertes, was ich nicht mehr weiß, stand darauf. Streichhölzer für das Teelicht lagen im Fach darunter. Die Streichholzschachtel befand sich in einer kunstvoll verzierten Metallhülle. Auf der Streichholzschachtel lagen bereits fein säuberlich zwei benutzte Streichhölzer. Später legte ich noch ein drittes hinzu.
Wie in dem Märchen von Hans Christian Andersen.

 

 

 

Am Vormittag entdeckte ich auf einem Tischlein hinter dem hellgelben Sofa eine rote Rose, die mit Goldpuder bestäubt war.

 

 

 

Der Garten über dem See.

 

 

 

Nun versuche ich das Erlebte zu Papier zu bringen und die richtigen Worte dafür zu finden. Ich scheue mich. Ich habe die Befürchtung, dem nicht gerecht zu werden.
So ist dies ein kleiner Ausschnitt des Erlebten - eigentlich unvollständig.
Es ist schön in der Runde zu sitzen und zuhören zu dürfen. Vor allem aber auch ihre Gegenwart und die Gegenwart der anderen zu erleben. Ich hatte auch solch verwunderte Gedanken wie: Das kann nicht sein, daß ich das erlebe.
Und: Wie ist das möglich?
Und auch: Wer oder was ist das, dieses “ich”, welches das alles erfährt?
Bin ich das?
Oder Du?
Es waren so viele Augenblicke, welche für mich in einem tieferen Zusammenhang zu stehen scheinen und wichtig sind. Ich möchte sie im Gedächtnis bewahren. Manchmal war es so, als sei die kleinste, ja die zartesete Bewegung zum Beispiel der Hand von einer Bedeutung und unendlich wichtig. Jedes Wort, das gesprochen wurde. Jeder Atemzug. Jeder Laut.
Zu Beginn schlugen wir das Kreuzzeichen.
Sie sprach neben dem Perlenlied auch über die tiefere Bedeutung der Ikone vom Heiligen Georg mit dem Drachen, der gerade aus seiner schwarzen Höhle gekrochen ist. Der Heilige Georg auf seinem weißen Pferd.
Und da war noch die Geschichte von dem Heiligen, der nur den einen winzigkleinen Fehler hatte, manchmal kurz einzunicken. Der Heilige starb und trat vor das Himmelstor. Ihm wurde aufgetragen vor der Himmelspforte zu warten, bis sich diese öffnen würde. Sie öffnete sich, glaube ich, nur einmal alle hundert Jahre. Er wartete und wartete und ließ dabei die Pforte nicht aus den Augen. Schließlich nickte er für einen winzigen Augenblick ein. Als er erwachte sah er gerade noch, wie das Tor wieder in das Schloß fiel!
Sie erzählte das so plastisch und eindrücklich und ich kann mich dabei noch gut an ihre großen funkelnden Augen und an ihre Mimik erinnern.
Sie erzählte, daß diese Geschichte sie sehr lange beschäftigt hat.
Was ist mir noch in Erinnerung, hat sich tief eingegraben? Der sanfte Klang der Unterhaltung auf Ungarisch, als Krisztian etwas gefragt hatte.

Ja.
Jetzt muß ich lächeln.
Zwei Mal hatte ich wieder diesen Husten. Ich versuchte ihn zu unterdrücken, um nicht zu stören. Ich wollte auf keinen Fall hinausgehen müssen.
Als ich aufstand um etwas zu holen hustete ich versehentlich über den Eßtisch.
Wir waren alle zu dem gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Es gab Gerstensuppe mit Gemüse, das geliebte Humus, Käse, Oliven, Brot, Salami. Und dieses kühle wohlschmeckende Wasser. Das Essen war köstlich. Hernach spülten Krisztian und seine Freundin ab - ein junges ungarisches Paar, das ebenfalls zu Gast war. Der außergewöhnliche junge Mann ist Masseur und es ergab sich noch, daß ich mich massieren lassen konnte - das erste Mal in meinem Leben.
Er sagte mir, daß meine linke Wade verspannt und auch ein harter Punkt unter dem linken Schulterblatt ist.
Auf der Scheibe des Holzfensters im Haus der Tochter klebte ein grüner Drache, fällt mir gerade wieder ein. Den betrachtete ich nämlich während der Massage, ohne das ich ihn wirklich erkannte. Draußen hing weißer Nebel vor den Bergen. Aus der Küche leuchtete es gelb. Ein würziger Duft, den ich nicht einordnen konnte und der mich an Lebkuchengewürz erinnert hat, durchzog das Haus.
Beim Frühstück sprach sie auf einmal von der Sommerschule. Von der Vorbereitung von Räumen, in welchen Menschen zusammenkommen werden. Hernach begannen wir alles herzurichten. Während sie draußen frische Blumen für die Vase auf dem Eßtisch schnitt schob ich den Kleiderständer vor. Die Bügel hingen am hinteren Ende. Für einen Augenblick fühlte ich den ersten Impuls, sie nach vorne zu hängen, damit man sie schnell ergreifen könne, wenn die Gäste da sind. Ich tat es aber nicht. Als ich wenig später vorbei ging hingen sie auf einmal vorne.

 

 

 

Ich bin sehr glücklich.

 

 

 

In ihrem Garten:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Heimfahrt leuchtete der Große Wagen vor mir. Ich fuhr ja nach Norden. Nur dann, ganz am Schluß, als ich in östlicher Richtung abbog, sah ich ihn nicht mehr. Als ich in den Hof fuhr stand mein Freund gerade an der Haustüre und schloß auf.

 

 

 

Sonntag, 26. Oktober 2008

 

 

 

 

 

 

Montag, 27. Oktober 2008

 

 

 

Das Buch von Andreas ist mit der Post gekommen. Der Stein der Weisen. Als ich es aufschlug sah ich, daß er auch eine Widmung hineingeschrieben hat. Das hat mich gefreut.
Und heute habe ich den Wecker schon auf fünf Uhr früh gestellt, weil ich bald aufstehen und ein Räucherstäbchen anzünden wollte. Ich wollte es ihr nachtun. Eine Weile, fast eine halbe Stunde, lag ich noch ausgestreckt im Bett, dann stand ich auf und saß still atmend auf dem Sofa in der Decke eingewickelt. Ich stellte mir vor - so wie wir es während der Minuten der Stille auch am Wochenende getan haben - die mich umgebende Luft mit all dem, was in ihr enthalten ist, durch den Solar Plexus einzuatmen und durch das Herz auszustrahlen. Sie sagte nämlich auch, daß alles was wir bräuchten in unmittelbarer Nähe um uns vorhanden sei. Es ist immer alles da.

Träumte von den Passionszahlen. Und vom Abreißkalender. Einmal stand in fetten Ziffern die 27 darauf, dann aber die 29. Was bedeutet das, fragte ich mich, warum gerade diese beiden Datumszahlen? Vielleicht bezieht es sich auf den Neumondtag, der am Mittwoch ist. Der Neumond ist oft eine gute Gelegenheit, etwas Neues zu beginnen. Und vom Empfangsgestz von Elke. Das Empfangsgesetz lautet so: Was ich bekomme, vervollkommne ich. Und daß der Stern, mein Stern, durch all die Jahre so klein geworden ist. Dies sagte sie zu mir. Zu einem winzig kleinen Stücklein Rosenquarz, das inmitten ihrer geöffneten, rechten Hand lag, welche sie waagrecht geöffnet vor mir hielt.

 

 

 

Der Stern spricht.

 

 

 

Mittwoch, 29. Oktober 2008

 

 

 

Neumond. Heute zeigt das Kalenderblatt ein Gemälde von Robert Campin - Madonna mit Kind. Das Jesuskind säugt an der rechten Brust von Maria, welche entblößt ist.
Das hat mich wieder an einen Traum erinnert, den ich neulich hatte. Ich habe geträumt, daß ich regelmäßig zu einem Arzt in die Viktor-von-Scheffel-Straße über die Brücke auf der anderen Seite des Flusses in der Stadt gehe. Der Arzt ist für die Schönheit und für die Haut zuständig. Der Arzt fragt mich ernst, was mit meinem Busen los sei. Mit meinem Busen, denke ich erstaunt, was soll da sein? Aber anscheinend stimmte etwas mit ihm nicht. Da bemerke ich, daß der Arzt, obwohl er ein Mann war, auch einen Busen hatte. Ich habe dann mein Schreibzeug dort auf dem Tisch vergessen. Als ich ihn das nächste Mal besuchte war ich schon früh am Morgen dort und sah meine Sachen noch bei ihm auf dem Tisch liegen, was mir peinlich war. Zusammen mit seinen beiden Sprechstundenhilfen wartete ich in der gegenüberliegenden Wohnung auf ihn. Eine trug ein lichthelles, blütenweißes Minikleid, sie war ganz rein. Mit Entsetzen bemerkte ich jetzt, obwohl ich diesmal wenigstens meine Haare - im Traum waren sie lang und schwarz - gewaschen hatte, daß Dreck unter meinen Fingernägeln war und ich ihm so unter die Augen treten mußte.

 

 

 

Ich las von Menschen welche gleich Rohdiamanten zu wahrhaften Juwelen geschliffen worden sind.
Die trotz oder auch gerade durch extreme Lebensbedingungen wuchsen und reiften.

 

 

 

Heut beim Tai Ji kam auch ein junger Mann dazu, der von dem kleinen Kapellenraum aus zusah, wie wir übten. Er saß dort auf dem achteckigen blauen Teppich. Wir üben jetzt länger, nämlich bis um acht. Die letzte halbe Stunde haben wir in dem Kapellenraum zusammen unter der Leitung von Richard meditiert, was sehr schön war. Wir stellten uns scharlachrote Bälle, Feuersonnen, in unserem Unterleib vor. Sie hat sie vor ihrem inneren Auge gesehen.

 

 

 

Donnerstag, 30. Oktober 2008

 

 

 

 

 

 

Deine Hand malt Schatten lichthell und Dein Atem formt lebendige Strahlen.

 

 

 

Heute zog ich die Traumkarte. Achte verstärkt auf Deine Träume, las ich. Achte auf immer wiederkehrende Muster und Themen. Träume können Botschaften von Engeln oder von Deinem Höheren Selbst enthalten.

 

 

 

Ich war bei Doris zum Essen eingeladen. Den hellen Holzschrank, in welchem ihre - ich glaube es waren sieben - Services untergebracht sind, hat sie, als sie ihn erhielt, mit Rosenwasser eingelassen. Der Eßtisch war mit Platzdeckchen, mit blitzeblanken Untertellern, den Suppentellern und mit Gläsern gedeckt. Dazu stellte sie die Blumen, welche ich ihr mitgebracht hab. Alles funkelte. Das Zimmer lag im Dämmerlicht, nur die unzähligen Teelichter und Kerzen auf der Kommode leuchteten heimelig und ihr Glanz reflektierte in meinen Augen. Die hellen Lichtkreise bewegten sich manchmal flackernd in einem kaum merklichen Luftzug. Das Feuer im Kamin knisterte. Es gab Kürbissuppe, dazu Endiviensalat mit Nüssen, Toastbrot, als Nachttisch eine Apfeltarte. Sie gab mir von ihren Büchern zu lesen mit nach Hause.
Mein Handy klingelte. Erst ging ich nicht ran, dann, als es noch einmal zum Klingeln begann, schon. Uli war am anderen Ende Leitung. Wegen morgen. Wir waren abends verabredet. Machte mir Sorgen und rief sie später noch einmal an.

 

 

 

 

Freitag, 31. Oktober 2008

 

 

 

Ich habe geträumt: Mein Liebstes...
Mein Liebstes, das war ein geöffnetes Schatzkästlein. Außen waren rote, langstielige Rosen aufgemalt. Oder handelte es sich um ein helles Seidenpapier, das mit Rosen bedruckt und mit dem das Holz der kleinen Truhe bezogen war? Die roten Rosen wiesen alle in die selbe Richtung, nämlich diagonal von links unten nach rechts oben. Das Schatzkästlein leuchtete von blendendem Licht, weil in ihm nichts außer dem blendend hellen Licht war. Es war auch, glaube ich, so, daß das Innere des Kistleins außen war. Deshalb strahlte es so.

 

 

 

Heut morgen stand ein Reiher am Bach. Als ich das Fenster geöffnet habe erhob er sich langsam in den Himmel, der grau und im Osten rosa war.

 

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