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Samstag, 1. August 2009

 

 

 

Ein Nachtfalter hatte sich in meine Handtasche, einen kleinen Rucksack, verkrochen und flog heraus, als ich ihn geöffnet habe.
Er flog in mein Haar.

 

 

 

Hand. Auf einer geführten Wanderung von Herrn Tränkenschuh zum “Hohlen Stein”

Die Natur hat einen Vogel in den Felsen gemalt.
Die meisten der Fotos sind sehr unscharf geworden.

Lichtregen. Bächlein im Wald, in dem sich die Sonne spiegelte. Es mündet in einem See.

See am Waldrand bei der sprudelnden Quelle

 

Seine Frau ist gestorben. Nun werde ich sie nicht mehr sehen können.

 

 

 

Sonntag, 2. August 2009

 

 

 

Ich träumte von einem Storch am Ende einer diagonal aufsteigenden, orangefarbenen Linie. Einer Stange.
Und von einem rosafarbenen Tuch vor der unteren Hälfte meines Gesichtes.

 

 

 

Der junge Stieglitz

Mein Vater hat mir einen jungen Stieglitz in einem Lumpen gewickelt gebracht. Eigentlich hatte ihn Yoda, der rote Kater, erbeutet gehabt. Der kleine Vogel schrie in Todesangst, als die Katze ihn in ihren scharfen Fängen hatte. Das hörte dann mein Vater.
Ich trug das unter Schock stehende Vöglein lang in der Hand. Das schien es zu mögen. Auch die Wärme. Gab den Stieglitz mit Hilfe einer kleinen Plastikspritze etwas Wasser. Er trank, Gott sei Dank. - Ich habe noch Heilwasser von damals aus Medugorje. (Und weiß jetzt auch, auf Grund einer unverhofften Begegnung in einem Aufzug, wie man es immer wieder strecken kann.) -
Zum Mittagessen war ich nicht daheim. Tat ihn solange in ein Nest bestehend aus einer kleinen Schachtel mit einem alten Tuch ausgepolstert, das ich in den Vogelkäfig stellte. Ich sorgte mich, während ich unterwegs war, doch er lebte noch wieder zurückgekommen.
Mit dem Mörser zerrieb ich Sonnenblumenkerne, welche eigentlich für den Salat bestimmt waren und ich zwischen den Lebensmitteln fand, streckte sie mit etwas Wasser, so daß sie aufweichten. Sammelte Blumensamen. Von den Cosmeen, zum Beispiel. Disteln fand ich keine.
Zufällig beobachteten wir später vom Fenster aus einen erwachsenen Stieglitz - die typische tiefrote Kopfzeichnung erhalten die geselligen Stieglitze oder auch Distelfinken erst im Herbst -, welcher an einer bestimmten kahlen Stelle in der Wiese am Bach eifrig pickte. Es war ein flacher Ameisenhaufen, auf dem viele Birkensamen lagen, wie ich später feststellte. Ich glaube nicht, daß es die Ameiseneier gewesen waren, die ihn interessiert haben. Sammelte die winzig kleinen Samen.
Schließlich gelang es mir ihn zum Fressen zu bringen, nachdem ich immer wieder geduldig und vorsichtig mit der Spitze der kleinen Plastikspritze gegen seinen Schnabel gepocht habe. Zu guter Letzt pickte er mir die feuchte Sonnenblumenkernmasse sogar zart von den Fingern. Er fraß einiges, später am Abend fast gierig.
Was für eine Erleichterung! Und was für ein Wunder! So ein kleines Federknäuel. So wie es aussieht, werde ich den kleinen Stieglitz morgen fliegen lassen können.

Pflanzenfresser sind zum Glück weniger problematisch mit der Fütterung. Vor zwei Wochen hatte ich nämlich eine kleine Schwalbe, welche ich sehr liebgewonnen habe. Sie verlangte allerdings noch in den Schlund gefüttert werden und riß dafür nach vielen geduldigen Animierversuchen ihren noch großen und gelben Jungvogelschnabel weit auf und ich zielte dann mit der Plastikspritze möglichst genau in ihren Schlund. Und jedesmal, wenn ich mich verzielt hatte, gab das eine große Sauerei von der gelben Eimasse, denn ich fütterte sie vor allem mit gekochtem und anschließend mit Wasser verdünntem Eigelb.
Später versuchte ich sie an Insekten zu gewöhnen. Doch vor Fliegen und ähnlichem hatte sie große Angst und ist stets erschrocken zurückgewichen. Und Asseln wagte ich wegen ihres Panzers nicht mehr zu verfüttern. - Seitdem ich damals so viele Asseln gefangen und mich sehr mit ihnen beschäftigt habe, ekelt es mich nicht mehr vor ihnen. Im Gegenteil finde ich sie jetzt schön. - Ich hatte sogar eine Schachtel mit lebendigen Heimchen in der Zoohandlung gekauft. Die mittelgroßen. Im Regal rappelte und zirpte es. Es gab auch die verschiedensten Grillen. Die Grillen erinnerten mich aber an laue Sommernächte, an Italien und an Zypressen. Unmöglich konnte ich so eine Grille töten. Und die Heimchen sahen mich mit ihren schwarzen Punktaugen groß an. Es waren schon tote Heimchen in der Schachtel. Ich habe den Rest auch umgebracht, tiefgefroren, um sie der Schwalbe nach und nach verfüttern zu können. Aber sie rührte sie trotz aller Versuche nicht an und so war ihr Tod umsonst gewesen.

Schon am Morgen hatte ich Yoda vom Fenster im ersten Stock aus beobachtet, wie er langsamen Schrittes, mit stolz erhobenem Schwanz und mit einem anderen Vogel im Maul über den kurzgeschorenen Rasen unter dem Fenster in Richtung Eingang schritt. Er hatte eine Schwalbe erbeutet! Ganz Raubtier, von Kopf bis zu den Krallenspitzen. Ich rannte im Schlafanzug hinunter und paßte ihn ab. Er ließ sie gleich frei - er wußte schon, was ich wollte -, und ich fing die Schwalbe schnell ein und schloß die Türe vor seiner Nase, woraufhin er enttäuscht laut und wehleidig zu jammern begann. Trug den kleinen Vogel geborgen in der Hand hoch in die Wohnung. Nach einer Weile flog die Schwalbe durch das geöffnete Fenster fort, verschwand in dem dichten Blattwerk der Erlen rechts und links des Baches.

Das ist jetzt meine Beschäftigung. Ich pflege die von meinen Katzen erbeuteten Vögel gesund und lasse sie dann wieder frei.

Am Morgen: Noch ein Jungvogel: Eine junge Schwalbe ruft ihre Eltern nach ihren ersten, noch recht ungelenken Flugversuchen aus der Birke am Bach.

 

 

 

Die Straßen sitzen voller Spatzen. Girlitze sah ich ebenso. Sie laben sich an den Getreidekörnern, welche von den mit der frisch hereingebrachten Ernte schwer beladenen Ackerwägen heruntergerieselt sind.

 

 

 

Montag, 3. August 2009

 

 

 

Ich träumte auch von einer Schlange. Von der Ferne sah es erst so aus, als säße eine grüne Raupe auf dem Ast. Doch dann erkannte ich, daß es eine Schlange war. Eine doppelte Schlange mit regelmäßig angeordneten, weißen Punkten auf ihren beiden Rücken. Sie stellte sich auf.

 

 

 

“Ich habe mir so gewünscht, daß sie mich gesehen hätte”, sagte er.
“Aber vielleicht wurdest Du gesehen. Das erste Mal wirklich.”

 

 

“Sehen” im Sinne von: das Wahre in einem erkennen.
Daß man erkannt wird.

 

 

 

Es war eine Nacht mit intensiven Träumen und Bildern, anders als sonst. Ein Traum mitten in der Nacht handelte von den Wegprüfungen.
Ich habe am Vortag ein Gedicht auf dem Kalenderblatt gelesen, das mich berührt hat, vielleicht war das auch ein Auslöser dafür gewesen.
Der Traum:
Da war eine hohe, goldene Wand, der ich entlang ging und welche ich dabei gleichzeitig mit der Hand berührte. Sie war geriffelt wie eine Haut, wie Leder, vielleicht die Haut eines Elefanten, und oben zur Decke hin und unten am Boden war je ein schmaler, doppelter Wulst wie bei einer Säule.
Die goldene Wand war auch, um die Lehre zu schützen. Die Lehre soll von außen nicht weiter erkennbar sein, damit nicht ein Unwissender etwas daran ändern könne. Das war der Grund, warum es die Wand gab.
Es war eine Galerie, an deren Rückseite sich diese goldene Wand befand.
Ich ging und ging an dieser Wand entlang und es wurde immer enger. Ganz hinten, wo die Galerie aufhörte, ganz am Ende, war ein Schalter mit einer farbigen Frau dahinter. Sie hatte eine Ähnlichkeit mit Leutnant Uhura aus Raumschiff Enterprise. Und außergewöhnlich große, schrägstehende Augen wie eine Außerirdische oder auch wie der ehemalige Kopfstein des “Hohlen Steins”, zu dem ich am Samstag mit einer Gruppe gewandert bin.
Hinter dem Schalter war ein Durchgang hinein.
Ich war ganz klein, konnte nicht einmal über die Brüstung des Schalters sehen. Grad wie ein dreijähriges oder vierjähriges Kind.
Jetzt war der Punkt gekommen, wo man alles loslassen mußte. Aber ich konnte es nicht.
Ging mit gesenktem Haupt den Weg auf der Galerie zurück und weinte und weinte bitterlich, weil ich es nicht gekonnt habe. Mir war alles egal, ob mich jemand so sah oder nicht, nahm auch rechts und links nicht mehr wahr. Weinte nur. Ich habe versagt, war alles, was ich denken konnte.

 

Langsam erwachend wußte ich aber auf einmal tief in meinem Herzen, daß es nicht umsonst gewesen war. Da sie mich in ihrer unendlichen Gnade gesehen haben.

 

 

Etwas wie ein runder Stein, ein Felsenrad, in das von allen Seiten Strahlen aus Gold hereinbrachen.

 

 

 

Ich habe den kleinen Stieglitz doch noch nicht freigelassen. Er kann noch nicht richtig fliegen, jeder seiner Versuche endete im Schrägflug am Boden. Ich habe ihn den großen Vogelkäfig eingerichtet und füttere ihn weiter mit Sonnenblumenkernen. Zum Glück frißt er. Es ist eine große Freude ihn in der Hand zu halten und zu sehen, wie er nach den Körnernstücken pickt. So ein kleiner Vogel ist etwas ganz Liebes. Besonders abends, wenn es dämmert, ist er weniger ängstlich und richtiggehend zutraulich. Zärtlich berührt sein kleiner Schnabel meine Finger.

 

 

 

Dienstag, 4. August 2009

 

 

 

Acht Raben nebeneinander auf der hohen Überlandleitung.

 

 

 

Ein besonderes Wappen.
Es war eine Meditation mit kupferfarbenem Licht von der Erde, silbernem Licht aus der Astralwelt und goldenem Licht von der Engelwelt.

 

 

 

Mittwoch, 5. August 2009

 

 

 

Ich beobachtete ihn noch lange, nachdem ich ihn hoch oben auf einen Zweig eines Busches an der Hauswand gesetzt hatte. Die Sonne schien warm. Es war früher Abend. Nach einer Weile kletterte er höher und höher. Unsicher zuerst, dann aber, als er auf dem höchsten Zweig saß, breitete er seine Flügel aus und flog - noch etwas wankend - zum nahegelegenen Kirschbaum. Verschwand in seinem Grün.

 

 

 

Donnerstag, 6. August 2009

 

 

 

Seit gestern ist ein Nachtfalter in meinem Schlafzimmer. Erst saß er hoch oben auf der weißen Wand. Ein pudergrauer Schmetterling. Schlafend. Ein Stern.
Und wie ich heute Abend die Bettdecke zurückschlug, da flog er vollkommen lautlos daraus hervor. Vorsichtig habe ich ihn zum Fenster gelotst, das offen war.
Ich träumte, daß dem großen Zitronenbaum, den ich im Winter bekommen habe und der jetzt voller Früchte hängt, am Ende seines Stammes anstatt der Wurzeln zwei Füße gewachsen sind. Zwei zierliche Frauenfüße. So stand er jetzt auf dem grünen Moos in dem großen, tönernen Blumentopf. Das sah entzückend und surrealistisch zugleich aus. Bereit, jetzt jederzeit zu gehen, wohin er wollte. Er hat sich von der Erde gelöst. Ist selbständig geworden. Die zierlichen Füße waren weiß wie Schnee und die Zehen rot lackiert. Und seine beiden Beine steckten in grasgrünen Leggings.
Erst verstand ich das Bild nicht. Doch dann kam ich darauf. Es bezieht sich wohl auf eine mittelalterliche Zeichnung, die wir bei dem Seminar angeschaut haben. Sie zeigt in sieben Sequenzen einen Baum, eine Baumfrau, die sich von der Erde, von den Gesetzen der Natur, löst.

 

 

 

An Sommerabenden zirpt eine Grille in meinem Herzen. Tiefblau ist die Nacht.
Seine Hand umarmt den Mond.

 

 

 

Ein Weberknecht trippelte auf einmal lautlos über das Blatt Papier auf dem Schreibtisch. Ich mag Weberknechte. Faszinierend finde ich, wie sie mit ihren beiden vorderen, oft sehr langen Tastbeinen, sie heißen Pedipalpen, den Weg vor ihnen immer wieder sanft berührend abtasten.
Dann kam ein Admiral durch die offene Türe ins Büro geflogen.
Ich wußte erst nicht, was für ein Schmetterling das war. Als ich aber die Zeitung aufschlug las ich: Admiral. Eine Überschrift lautete auch: Wer ist die Schlange im Urlaubsparadies?

 

 

 

Freitag, 7. August 2009

 

 

 

Aus der Niederschrift von der Smaragdenen Felswand:

 

Gesang

 

    Ein einziger Zubodenspruch -
            so fügt sich Wort zu Wort.
    Mit dir sterben, mit dir leben,
            heißt mein Zauberwort.
    Nicht die Vierundachtzigtausend
            zierte Phönixpracht.
    Dreiundreißig waren’s, wagten
            sich an Tigers Ort.

Oder anders gesagt:

    Ruhelos der Mond im Wasser
            flimmert fort und fort.

 

Bi-Yän-Lu, Niederschrift von der Smaragdenen Felswand in der Übersetzung von Wilhelm Gundert

 

 

 

Am Fenster schwebend - die Welt. Ich glaube das Schwarze ist etwas, was sie noch umfangen hält.

 

 

 

Samstag, 8. August 2009

 

 

 

 

 

 

Was ist der Tempel, in dem ich bete?
Die Schule des Lebens.

 

 

 

Sonntag, 9. August 2009

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 11. August 2009

 

 

 

Ich träumte von einer Schlange, von ihrer Haut. Ihre Haut war ganz außergewöhnlich, sie war nämlich nicht glatt und schuppig, wie Schlangenhaut normalerweise ist, sondern von ihrer Beschaffenheit und Struktur her so wie die empfindlichen und zarten Flügel eines exotischen Schmetterlings. Pudrig, die feinen Pigmente brachen sich im Licht. Sie glich kostbaren, wunderbar komplex und aufwendig gemusterten Brokat und gleichzeitig war sie wie weich schillernder Samt. Ein Farbenspiel aus Rot, Dunkelgrün und Gold.

 

 

 

Aus dem großen Steinquader ist wider allen Erwartens frisches Grün getrieben. Hauchfein und zart. Gras. Und Dill, der bereits blüht.

 

 

 

Donnerstag, 13. August 2009

 

 

 

 

 

Freitag, 14. August 2009

 

 

 

Gestern Abend habe ich einen wunderschönen Film angesehen. Ich habe den Beamer mit dem Laptop ausprobiert, da ich beides heut Abend für eine Vorführung brauche. Den Film habe ich letzten Samstag von meiner Schwester mitgenommen. Er lag dort auf dem Küchentisch und ich sah ihn zufällig.
Er heißt “Nomaden der Lüfte” und handelt vom Flug der Gänse und anderer Zugvögel.

Der Film besticht durch wundervolle Aufnahmen.
Und er besticht durch seine Schlichtheit.
Er zeigt Gänse, fliegend. Gänse, über unsere Erde, die Welt, welche auf einmal so klein erscheint, dahinziehend, dabei einander zurufend.
Gänse, auf dem Wasser schwimmend.
Die Bilder berührten etwas ganz tief in mir.
Daß ich beim Anblick von in den Süden oder in den Norden ziehenden Gänsen oft sehr ergriffen bin und manchmal sogar die Tränen kommen, ist mir nicht mehr neu, aber es verwundert mich immer wieder.
Bin das ich? Habe ich diese Gefühle?
Was ist es, was mich daran so tief berührt?
Was empfinde ich beim Anblick der Bilder des Filmes?
Was ist es nur?

Der Herz öffnet sich.

Es ist das Wunder der Natur.
Die Vögel sind ganz und gar sie selbst. Sie “sind” Gans.
Was für eine wunderbare Rolle, Gans zu sein!
Da ist, unmerklich, Freude.
Staunen.
Verwunderung.
Komik.
Da ist Schönheit. - Aber auch Mühe. Anstrengung. Überlebenskampf.
Und eine unbeschreibliche Freiheit.
Selbst wenn sie schlafen oder sich ausruhen ist in Wahrheit niemals wirklich Ruhe. Alles ist still, doch da ist, gleichzeitig, immer auch Bewegung. Leben.

Da ist etwas, was ich den Großen Geist nenne. Den Großen Geist der indianischen Völker. Der Große Geist, der alles durchdringt.
Als bewegte er sie. Bewegungslos.
Als durchdringe er sie. Als drücke er sich durch sie, durch ihr Gans-sein, aus.

Schwäne. Kraniche. Störche. Das Meer. Ein grüner See im Dschungel. Ein einsames Haus. Flußtäler, unberührt. Die Taiga. Graslandschaften. Hohe Gebirgsketten. Wälder.
Und die fliegenden Gänse.
Ankommen. Ankommen, nach einer weiten Reise.
Das Glück der Ankunft.
Abschied von einem Land, mit dem man vielleicht verwurzelt ist. Und gleichzeitig die Verheißung von etwas Neuem.

Heute Morgen erwachte ich so glücklich wie seit langem nicht mehr und mit dem erfüllten Gefühl, gut geschlafen zu haben.

Ich träumte, daß ich mich von zwei Männern befreit habe und geflohen bin, in deren Auto ich mich auf dem Rücksitz befunden habe. Es war nicht ganz klar, ob die Männer mich wirklich entführen oder mich einfach nur bei sich haben wollten. Auf jeden Fall aber mochte ich nicht mit ihnen im Auto in ihre Richtung fahren, sondern vielmehr zu einem bestimmten Haus in einem bestimmten Stadtviertel gehen. Der eine Mann hielt, während wir fuhren, dann auch meine rechte Hand fest. Eine große Silbermünze lag zwischen unseren Händen. Warum er das tat, ob er Nähe wollte oder ob er meine Hand fest halten wollte, damit ich nicht fliehen würde, ist mir nicht ganz klar.
Als ich geflohen war und die steile Straße mit den Häuserreihen in Richtung meines Zieles hinaufgeeilt bin, erinnerte ich mich plötzlich wieder daran, daß ich mich ja in die Luft erheben und fliegen könnte. Auf diese Weise würde ich den Männern sicher entkommen und wäre auch viel schneller an meinem Ziel.
Ich habe schon jahrelang nicht mehr vom Fliegen geträumt. Als Kind manchmal. Da konnte ich das noch.
Ich erinnerte mich auch wieder daran, wie Fliegen geht. Es geht nämlich ganz einfach. Es geht so: Man muß einfach immer leichter werden und alles Schwere und allen Ballast zurücklassen.
Man will es, konzentriert sich auf eine bestimmte Art und Weise dahingehend, als legte man einen Hebel um. Und es funktionierte! Ich stieg erst einmal senkrecht höher und höher. Es war wunderschön diese Leichtigkeit zu erleben. Aber es fehlte mir noch die nötige Willenskraft und die feste Absicht, mich jetzt zu meinem Zielort hinzubewegen zu können. Das konnte ich noch nicht.
Aber es ist möglich, ich muß mich nur weiter erinnern!

 

Davor hatte ich noch einen anderen Traum von einer Flugreise. Wir saßen in einem Flugzeug. Es startete gerade. Das Ziel der Reise war Burma.
Ja, wir reisen nach Osten.
Aber befanden wir uns nicht schon dort, im Osten?
Meine chinesische Freundin saß hinter mir. Sie und ihr Freund haben die Reise für mich gebucht. Sie kostet 1.500,--. Auf dem Platz rechts von mir hatte ich achtlos ein paar Dinge von mir gelegt. Doch da kam eine Frau und schob sie weg, um sich zu setzten. Wir erhoben uns über ein großes Binnenmeer, aber während wir noch starteten gab es ein Problem, das Flugzeug gewann nicht recht an Höhe.
Da sah ich im glatten Spiegel des Wassers einen gelben Lichtschein. Die Maschine brannte! Jetzt war bereits das Cockpit voll von dunklem Qualm. Wir folgen dicht über das glatte Meer und hielten Kurs auf das Alte Rathaus, welches sich zwischen zwei schönen, langen Bogenbrücken, die jeweils zu ihm hinführten, an seinem linken Ufer befand. Sein Anblick war sehr verheißungsvoll. Ich hatte große Angst und überlegte, wie es ist, jetzt auf diese Weise zu sterben. Als ob nichts geschehen wäre stieg ich aber aus der Maschine aus und befand mich nun inmitten vieler Menschen auf der rechten Brücke zum Alten Rathaus. Es herrschte reges Treiben wie auf einer der berühmten Brücken in einer italienischen Stadt. Die Laternen auf der Brücke brannten gelb. Es dämmerte und über allem lag ein weicher, lichtgraublauer Schimmer der bald hereinbrechenden Nacht. Es herrschte dieses besondere Licht von lauen Sommerabenden im Süden.
Im Rathaus standen wir wieder am Schalter für den Flug nach Burma. Ich hatte ja das Ticket in der Tasche. Hinten rechts, in der Jeans. Und ich wußte ganz sicher, daß alles in Ordnung gehen wird. Ich wußte es ganz sicher.
Burma ist ein Land, das zwischen zwei Meeren liegt. Ich sah es von oben auf der Karte. Es ist wunderschön.
Es ist ein Südseeparadies mit blauem Meer und vielen vielen Inseln, wußte ich. In dem es warm ist und die Sonne scheint. Und es viele Seerosen gibt.

 

Die Seerose als ein Bild dafür, was Burma ausmacht. Was Burma in seiner tieferen Bedeutung ist.

 

 

 

Samstag, 15. August 2009

 

 

 

Tagpfauenauge

 

 

 

Sonntag, 16. August 2009

 

 

 

Ich träumte, daß ich eine kleine Schriftrolle aus Pergament in meinem Essen gefunden habe. Sie war mit einer lila Kordel umwickelt, an der eine ebenfalls lilafarbene Quaste hing. Ich zeigte sie einem Mann, der rechts von mir saß. Der Mann war hochgewachsen, hatte dunkle, dichte Haare, einen kurzen Bart und einen dunklen Teint. Er war Jude. Er trug einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd. Nun band er die Schriftrolle mit Hilfe der lila Kordel um das kleine Glas, aus dem ich trank. Das Glas war konkav geformt, wie ein Schnapsglas.
Ich wußte, er war eine Koryphäe.
Wir saßen zusammen an einem Tisch mit einer weißen Tischdecke im hinteren Teil der Werkstatt. Am Kopfende rechts saß noch ein anderer Mann.
Es war ein warmes Gefühl während des Traumes.

Später, in einem weiteren Traumteil, fütterte ich die beiden Katzen mit anthrazitgrau glänzenden Kügelchen aus einem hohen, zylindrischen Glasbehältnis, welche aus Fisch bestanden. Die Kügelchen hießen Fischfutter und mußten mit Wasser angerührt werden. Katzen lieben es. -
Es ging auch noch um Verantwortlichkeit und um rechtes Tun. Es wurde anhand von einer bestimmten Situation gezeigt, daß ich oft leichtsinnig und wenig achtsam gegenüber anderen bin und dadurch sogar Situationen heraufbeschwöre, die gefährlich sind und zu einem Unfall führen können.

Ein anderer Traum war folgendermaßen:
Mit einer Freundin zusammen befand ich mich zuerst an einem Waldrand und dann auf einmal auf einem Schiff, das über das Meer nach Hause fuhr, in meine Heimatstadt B. Es war ein Lastkahn mit einem großen Kasten-Container darauf, in dem wir uns befanden. Die Wellen schlugen haushoch und es ging auf und ab. In meiner Vorstellung konnte ich meine Heimatstadt schon am Horizont erkennen, ich wußte, wie sie aussehen würde. Eine Stadt wie aus Tausendundeiner Nacht. Eine mystische Stadt. Mit goldenen Kuppeln und Türmen vor einem spiegelglatten Meer. Immer wieder bin ich aus dem Kasten gegangen, um den Horizont nach der Stadt abzusuchen. Ob man sie schon sehen würde. Doch wir waren erst in Griechenland, also weit weg. Wir fuhren ganz nahe der Küste entlang - mit grünen Büschen bedeckte, felsige Berge. Die Wellen schlugen hoch. Ich hatte große Sorge, nicht daheim anzukommen. Andere Schiffe fuhren auch in die selbe Richtung. Unter anderem ein seltsames rotes Schiff, eher ein Arbeitsgerät, mit ebenfalls roten Tonnen daran.
Dann ging ich mit vier weißen Papieren in der Hand aus dem Kasten. Ich hielt sie kreuzförmig ausgebreitet, glaube ich. Ich stand trotz des überaus stürmischen Wellengangs seitlich auf dem Kahn, in einer sehr schmalen, geschützten Nische unmittelbar am Bordrand, mit Blick auf die vorüberziehenden Bergketten. Auf den vier Papieren habe ich einmal Verse von Novalis - Friedrich von Hardenberg geschrieben, die mir so viel bedeuten. Doch ich habe sie später mit weißem TippEx übermalt, damit man sie nicht mehr erkennen konnte. Jetzt war ich sehr bestürzt darüber, was ich getan habe. Ich versuchte das TippEx mit Wasser abzuwaschen. Gott sei Dank gelang es mir schließlich und die graue Schrift der Verse kam langsam wieder zum Vorschein. Es handelte sich um die Abendmahlshymne aus Geistige Lieder VII.
Anschließend ging ich wieder in den Kasten zurück. Es waren noch zwei Männer mit an Bord, welche später mit uns auf dem Schiff nach draußen zum Tanzen gehen wollten. Wie absurd, dachte ich, bei diesem Wellengang. Ich setzte mich dann an einem Tisch, der auch in dem Kasten war, um zu lernen und um Hausaufgaben zu machen.

 

 

 

Ich habe den Sternenhimmel betrachtet. Um mein Brille zu holen bin ich noch einmal hinein gegangen. Als ich, nun mit der Brille auf der Nase, wieder aus der Türe in das samtene Dunkel der Sommernacht trat, ging eine Sternschnuppe im Südosten nieder.
Dort leuchtete auch ein besonders heller Stern. Der Jupiter.
Tat einen Wunsch.
Auf den Boden liegend blicke ich in den Himmel empor.
In die warme Decke gerollt.
In das glitzernde und funkelnde Netz aus Licht genau über mir.
In diese unendliche Weite.
Das Sternbild des Delphins.
Der helle Schimmer der Milchstraße quer über das Firmament gespannt.
Winzig kleine Lichtpunkte bewegten sich darauf schnell von Osten nach Westen oder von Norden nach Süden. Was waren das nur? Flugzeuge?
Der Geruch des Holzes, der Blanken, auf denen ich lag. Noch warm vom Tag.
Das Geräusch des Wassers, des plätschernden Baches. Leise gurgelnd. Rufend. So vertraut.
Grillen zirpten.
Der Duft der Kräuter und Pflanzen, welche in der Nähe wuchsen.
Dost. Lavendel, rein. Lupinen. Thymian und Moos. Pfefferminze. Der Geißbart.
Duftwind vom wogend weißen Blütenmeer der Wilden Möhren hüllte mich ein.
In der Mitte jeder ihrer Blütenschirme befindet sich ein winzig kleiner, purpurfarbener Schmetterling.
Es wird so sein, daß diese kleinen, purpurfarbenen Schmetterlinge bei Nacht alle in den Himmel aufsteigen. Und bei Morgengrauen sinken sie wieder in das Zentrum ihrer Blüte hinab.
Aus den Gärten der umliegenden Häuser klangen Stimmen herauf.
Musik.
Das Geräusch von Autos, die vorüberfuhren.
Die Kirchturmuhr schlug drei Mal. Sie schlug eine Viertelstunde vor Elf.
Eine Fledermaus flatterte vollkommen geräuschlos über mich hinweg. Ein kleiner, schneller, grauer Schatten.
Ich hörte die Schwalben sich in ihren Nestern leise unterhalten und lauschte ihren Erzählungen.
Sie erzählten vom Himmel, von der Sonne und von den Wolken. Vom Wind und vom Sturm. Von weit, weit entfernten Ländern. Von Gemeinschaftlichkeit und von der Freude, zu fliegen.
Von der Sehnsucht im Herzen.
Der Große Bär berührte auf seiner unendlichen Kreisbahn lautlos den Giebel des Hauses.

 

Später, bei einem letzten Blick aus dem Fenster, habe ich noch einmal eine Sternschnuppe gesehen.

 

 

 

Er hatte alle seine Muscheln gewaschen und zum Trocknen sorgfältig auf weiße, A4große Papierblätter gelegt. Die Papierblätter lagen wiederum zu einem großen “T” auf der Terrasse ausgebreitet. Ich fragte, woher er denn die vielen Muscheln habe. “Im Laufe der Zeit gesammelt”, antwortete er. Und: “Außerdem waren wir essen und ich habe mir Spaghetti alla Vongole bestellt.”

 

 

 

Donnerstag, 20. August 2009

 

 

 

 

So angeln die kleinen Vögel die Fische für ihren Ritt zu den Sternen. -
Dieser Fisch verspricht ein besonders gutes Reittier zu werden.
Ein fetter Happen.

 

 

 

Sonntag, 23. August 2009

 

 

 

Ich fand das folgende Gedicht:

 

(...)

Dann müssen wir
mehr als die anderen
den Boden unter den Füßen fühlen
während wir gehen,
diesen kurzen Boden
von Morgen zu Abend.
Wir müssen dünne Sohlen tragen
oder barfuß gehen.
Was wir berühren,
mit leichtem Finger berühren,
mit wachen Fingerspitzen.
Nichts achtlos.
Jedes Mal ist das letzte
oder könnte es ein.
Wir tun es für alle, die vor uns waren,
und für alle, die nach uns
es nicht tun
oder ganz anders.

(...)

Aus: Es kommen keine nach uns von Hilde Domin

 

 

 

Wiese in der Morgensonne

Ich träumte: Tat einen Schritt von einer grünen Anhöhe, von einem Wall aus.
Tat einen Schritt nach vorne, der gleichzeitig auch ein Schritt nach unten war - in eine taufrische Wiese.
Das Gras war kühl und gab nach, die Erde federte weich unter meinem Schritt. Tausende von Tautröpfchen glitzerten. Blau. Weiß. Gelb und Rot. Ein jungfräulicher Zauber lag über allem.
So war es dann wirklich.
Vielleicht bin ich die erste, die sie berührt.

Und ich verlor mich in ihrem Anblick.
In jedem Tautropfen ein atmendes Bild.

 

 

 

Yoda, der rote Kater

 

 

 

Montag, 24. August 2009

 

 

 

Das Haus der Gans.
Heute lag ein Herrenhalbschuh aus schwarzem Leder auf der Straße. Genau auf dem Mittelstreifen.

 

 

 

 

Willkommen!

 

 

 

Mittwoch, 26. August 2009

 

 

 

Eine kleine Schnecke auf der Gießkanne. Molandana. Und sprudelndes Wasser:

 

 

 

Donnerstag, 27. August 2009

 

 

 

Mein Neffe hat mich am Schreibtisch fotografiert, ohne das ich es gemerkt habe.

 

 

 

Freitag, 28. August 2009

 

 

 

Himmelrot

 

 

 

Samstag, 29. August 2009

 

 

 

Sonnentor und der schlafende Stein, den ich auf dem Weg gefunden habe.

 

 

 

Sonntag, 30. August 2009

 

 

 

In der Schweiz. Im Traum erhielt ich Post, eine weiße Karte mit Grüßen. Auch mein Geldbeutel befand sich in dem Umschlag. Und noch ein kleiner Anhänger für eine Kette, ein silbernes Herz.

 

 

 

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