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Dienstag, 1. Juni 2010

 

 

 

Ich habe von zwei bösen Männern geträumt, die mir mit der Nagelschere vorne in die Mitte der Brust stechen wollen, als ich aus der Wohnungstüre hinaustrete und die Treppe hinuntergehen will. Sie wollten, daß ich Blut verliere.

 

 

 

Donnerstag, 3. Juni 2010

 

 

 

Feuerblumensee

 

 

 

Fenster in der Kirche auf dem Michaelsberg. Heiliges Grab. Draußen Merkur mit dem Schlangenstab.

 

 

 

Freitag, 4. Juni 2010

 

 

 

Die Weide am Bach steht im Regen. Sie blüht weiße Kerzen.

 

 

 

Samstag, 5. Juni 2010

 

 

 

Ein Weinglas gefüllt mit Bier und eine verdorrte Margarete.

 

 

 

Sonntag, 6. Juni 2010

 

 

 

Ein kleines Büchlein mit einem roten Ledereinband flog her, es schlug sich wie von selbst auf einer bestimmten Seite auf, worauf ein kurzer Vers, eine Weisheit des Herzens, in schönen, großen, dunkelroten Lettern sorgfältig gemalt war.
Ich las:

DAS
WORT.

 

 

Fast wie eine Mahnung. Damit ich es nicht vergesse.

 

 

 

Abends in der Stadt. Haus-Nummer 9. Rosa.

 

 

 

Wir waren essen. Die Nasenspitze gelb vom Blütenstaub des Holunders, der am Kanal blühte. Das Wasser duftete.

 

 

 

Montag, 7. Juni 2010

 

 

 

Noch eine Erinnerung an Chartres, das goldene Mosaikfenster oberhalb der Eingangstüre einer kleiner Kapelle in der Stadt:

Tau

 

 

 

Ein tönerner Blumentopf voller Kräuter.

 

 

 

Dienstag, 8. Juni 2010

 

 

 

Frühlingsnachtlied

 

 

 

Freitag, 11. Juni 2010

 

 

 

Ein Reiher schrie, als er über uns hinwegflog.

 

 

 

Sonntag, 13. Juni 2010

 

 

 

Am Vormittag haben wir einen Film angesehen. Die Prophezeihungen der Celestine. Besonders interessant fand ich die Auseinandersetzung mit dem Thema Aufmerksamkeit.
Aber auch: das Offene Herz.
Davor eine Auseinandersetzung. Der Film schien das Thema noch einmal aufzugreifen. Wenn er nicht wüßte, daß das vollkommen unmöglich ist, würde er glauben, ich hätte sogar den Film inszeniert, sagte er. Bei bestimmten Stellen kamen uns beiden die Tränen. Aber ich glaube, wir waren damit nicht die einzigen im dunklen Kinosaal.

 

 

 

Herzblatt

Am späten Nachmittag sind wir noch zur St.-Anna-Kapelle und zu einer Quelle im Wald gewandert. Die Gerste auf den Äckern hat bereits einen goldenen Schimmer von der Sonne erhalten und die wilden Rosen ranken sich zart blühend um die glatten Stämme der Erlen am Mühlbach. Schachtelhalme zart wie Frauenhaar. Federhand. Herzblatt.
Marmorband.
“Wie sieht es denn hier aus!”, hat er gerufen und die kleine Kapelle im Wald mit dem großen Besen, der stets rechts an der Wand lehnt, komplett fein säuberlich ausgekehrt.
Ich beobachtete ihn dabei.
Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der beherzt alles reinigt, wenn er etwas verschmutzt vorfindet, egal ob es das Eigene ist oder nicht.
“Da ist ja ein Tier, eine Kröte!” Eine kleine Kröte kauerte zu Tode verängstigt im Eck auf dem eiskalten Stein. Sie hat sich wohl versehentlich in den Kirchenraum verirrt, da die Türe offen gestanden war, und nicht mehr hinausgefunden. “Es ist nicht wahr, daß man von der Berührung Warzen bekommt”, erwiderte ich. Nahm das geschwächte Tier vorsichtig in meine Hände und trug es hinaus. So wie neulich die kleine Maus, mit großen Augen und klopfendem Herzen zu Tode verängstigt. Der rote Kater hat sie erbeutet gehabt und mit heimgebracht, um mit ihr zu spielen, obwohl er eigentlich satt gewesen war. Da habe ich sie ihm abgenommen.
Ein pulsierendes Häuflein Leben in meiner Hand.
Setzte die Kröte links unter die Hecke, welche die Wiese um die Kappelle herum begrenzte, und beobachtete gespannt, was nun passieren würde. Vielleicht sollte ich sie mit Wasser benetzten?, schoß es mir durch den Kopf und ich eilte schon zurück, um nach dem Weihwasser zu schauen. Tatsächlich befand sich noch etwas Weihwasser in der Schale an der Wand rechts an der Eingangstüre. Ich befeuchtete meine Hände. Das gefiel aber der Kröte gar nicht und sie sprang einige ungelenke Sätze davon, verkroch sich unter einer Astgabel.
Ein wunderschöner orangefarbener Schmetterling flog am Fenster. Eine Wespe. Ein Weberich. Und allesamt wurden von ihm vorsichtig ins Freie geleitet.
Der Rhododendron blüht wunderschön neben dem Eingang.
Den Schmetterling haben wir eine Weile später wiedergetroffen. Er lag von der Gefangenschaft ermattet vor uns auf dem Waldweg. Doch er lebte noch. Flog auf ein Brennesselblatt. Das sah wunderschön aus. Ein Reh! Ein Reh sah uns in einiger Entfernung erschrocken mit großen Augen an und sprang in großen Sätzen davon. Die kleine Quelle hat er ebenfalls von Schlamm, welken Blättern, toten Regenwürmern und Steinen gründlich und äußerst penibel gereinigt. Immer wieder ist er mit seinen Händen in das eiskalte Wasser getaucht. Ihr Wasser schmeckt köstlich. Ganz samten und weich. Erdig.
Es waren vier schwarze Steine im rechteckigen Bassin. Dann noch fünfzehn schwarze Steine und ein kleiner brauner.

Ich habe Holunderblüten mit heim genommen.

In der Nacht habe ich von einer großen, zylinderförmigen Vase aus Glas geträumt, die mitten auf einem Waldweg gestanden war. Gelbe Blumen waren darin. Ganz zart. Fast wie ein Gruß.
Nachts um eins stand plötzlich mein Vater in der Türe und bat einen Reifen zu montieren. Ein Notfall.

 

 

 

Donnerstag, 18. Juni 2010

 

 

 

Ich habe vom Mond geträumt, daß er explodiert. Er glühte bereits orangefarben und hatte sich wie eine befruchtete Eizelle in vier Zellen geteilt. Ja, wie ein “Ei des Lebens”. Er befand sich knapp über dem Horizont und erschien riesig vergrößert. Er war schon ganz nahe. Ihn umfaßte auch ein heller Strahlenring, der sich mehr und mehr erweiterte. Die Menschen befanden sich in Panik und versuchten zu flüchten. Das Land war wegen der drohenden Katastrophe von der Regierung in Nord und Süd geteilt worden und man hatte die Grenzlinie in der Mitte bereits mit einem hohen Maschendrahtzaun dichtgemacht. Der Teil, der überleben würde, war der südliche. Ich sah mich in einem Strom von Menschen auf einem schmalen Pfad, einer hinter dem anderen in grauen Mänteln, in Richtung der geschlossenen Grenze in der Mitte des Landes ziehen. Dann sah ich mich auf einmal Zuhause den kleinen Abhang bei der Wiese am Bach hinuntergehen. Er war ganz karg. Ich hatte wohl “aufgegeben”. Mir war jetzt bewußt, daß mein Schicksal besiegelt war, ich jeden Moment sterben würde und versuchte mich innerlich darauf einzustellen, dem Unausweichlichen ins Auge zu sehen und es zu ertragen.

 

 

Ich fand einen Link über “Die Geometrie des Menschen”.

 

 

 

Samstag, 19. Juni 2010

 

 

 

Maria mit ihrem Sohn - ein inneres Bild von vor zwei Wochen

 

 

 

Sonntag, 20. Juni 2010

 

 

 

“Amor Imperator” von Franz von Stuck. In der Mitte des weißen Kreuzes im grünen Kranz, der um das Haupt der Liebe strahlt: eine Rose. Rot.
Amor, das ist der Stamm des Baumes mit dem Regenbogen.
(Kalenderblatt)

 

 

 

Blaue Schale

 

Wo im letzten Jahr noch die Seerose lebte, wachsen jetzt Kürbisse und Basilikum.
Eine zarter Weidenspross. Wilde Möhren. Kastanien. Klee. Auch die behaarten und fleischigen Blätter einer Königskerze berühren knospend das Sonnenlicht.

 

 

 

Und da ist noch der lyrische Gesang des Rotkehlchens. Schon wochenlang erfreut er unser Herz.

 

 

 

Montag, 21. Juni 2010

 

 

 

Er hat geträumt, daß ich ihm am ganzen Körper tätowiere. Ich tätowierte Sonnen.

 

 

 

Unzählige Schwalbeneierschalen liegen auf dem Boden um das Haus herum. Alleine auf der Nordseite sind es heuer dreißig Nester.

 

 

 

Mittwoch, 23. Juni 2010

 

 

 

Der Schwan

 

 

 

Ich träumte von Vögeln. Und von einem Mann in einem dicken Anorak und einem großen Schäferhund an der Leine, der durch das sich in der Mitte öffnende Tor hereinkam. Von woher er kam, dort war alles ganz weiß. Der Bereich, in dem ich mich befand, und auch das große Tor waren vollkommen schwarz.

 

 

 

Sonntag, 27. Juni 2010

 

 

 

Schau, das oberste Blatt der Birke!”, sagte er plötzlich. “Schau einmal!” Er deutete hinaus in den späten Sonntagnachmittag auf eine der fünf Birken, die am Bach wuchsen. Ich hatte sie vor Jahren selbst mit gepflanzt; und mittlerweile überragen sie die umstehenden Häuser. Es war vollkommen still, obwohl ein leichter, warmer Wind wehte, der das Grün ihrer Blätter im Sonnenlicht Silber aufflammen ließ. Wie ein Wasser, das schillernd und nuancierend die Wipfel herab fließt. Als bebten sie.
Ich hob meinen Kopf.
Siehst du es?”, fragte er aufgeregt. “Siehst du das oberste Blatt? ... Es hängt nur noch wie an einem seidenen Faden... und jeden Moment wird es der Wind davontragen... 

 

 

 

Dienstag, 29. Juni 2010

 

 

 

Einmal, Anfang März, träumte ich, daß mir zwei goldene Ringe von den Fingern meiner rechten Hand glitten. Einer steckte am Ringfinger, der andere am Zeigefinger. Sie glichen Siegelringen. “Sie waren auch zu protzig”, dachte ich dabei noch, trotz des Gefühles von unwiderruflichem Verlust, “die Hand ist ohne Schmuck, ganz natürlich, so wie sie ist, viel schöner... “

 

 

 

Mittwoch, 30. Juni 2010

 

 

 

Wie ich plötzlich erwachte sah ich einen weißen Flügel genau über mir. Er glich einem riesengroßen Libellenflügel, nur war er vollkommen weiß.
Im selben Moment wurde mir bewußt, daß ich ihn schon in den vergangenen Nächten wahrgenommen, es aber stets wieder vergessen hatte.
Fast, als ob er meinen Schlaf behütete.
Vielleicht ist dies ein Flügel der Blumenfee.
Oder ein Flügel der kleinen Elfe.

 

 

 

Samstag, 3. Juli 2010

 

 

Eine rote Rose blüht aus dem Wipfel des Weidenbaums, der goldgelb leuchtet. - Es wird wahr.

 

 

 

Zwei Priesterkönige, einer ohne Hände

<

Schöne Gesichter

Zwei Frauen mit Kindern. Die haben ihm am besten gefallen.

 

 

 

Der Vogel: Horus.

Das Neue Museum in Berlin. Wir haben Nofretete und Echnaton besucht. Haben indisch gegessen. Ich habe mir ein Kinderbuch in einer kleinen Buchhandlung mit der Hausnummer 11 gekauft: Der Wind in den Weiden.

Die fünfblättrige Blume. Eine Rose. Blüht.

 

 

 

Sonntag, 4. Juli 2010

 

 

 

Er stößt beim Gehen mit seinem rechten Fuß an ein goldenes Glöcklein, das auf dem Kopfsteinpflaster liegt, an eine goldene Schelle. Er bückt sich nach dem Glöcklein. Aber es war ein Steinchen.

 

 

 

„Unbeschwertes Gefäß“

 

 

 

Zwischen den vier Eiben

Im Kloster Drübeck im Harz.

Dornenknoten. Und: Licht über dem Dornenbusch.

 

 

 

 

 

 

Wir haben im Zimmer mit den Rosen und den Bienen geschlafen, mit Blick auf die vier Gärten der Stiftsdamen.

 

 

 

Dienstag, 6. Juli 2010

 

 

 

Ich schlug auf:

 

Die Schritte des Ersehnten,
wie fern sie sind
auf den gefallenen Blättern.

Buson
(aus: Was ist der Weg - er liegt vor deinen Augen von Wolfgang Seitz)

 

 

 

Donnerstag, 8. Juli 2010

 

 

 

Heute morgen war auf einmal ein Rabe da. Er saß zutraulich im Hof auf der Plane des Anhängers eines darüber verwunderten Kunden im Hof. Der Rabe war zahm und als ich mit ihm redete kam er näher und näher, er lief mir sogar nach. Er merkte sofort, wenn ich mich mit meiner Aufmerksamkeit ihm zuwandte. Einmal flog er auch auf meinen Kopf. Ich zeigte ihm, wo das Wasser war, und er trank. Er war offensichtlich noch jung und sein Gefieder schimmerte blau. Dann war er verschwunden und ich ging meiner Arbeit nach. Einige Zeit später, als ich neugierig wieder draußen stand, um nach ihm zu sehen, kam er tatsächlich aus östlicher Richtung angeflogen. Das Geräusch der Flügel in der Luft! Sein scharfer Blick, silberblau leuchteten seine Augen im gleißenden Sonnenlicht für einen Moment auf, während er auf mich zuhielt! Was für ein wundervoller Vogel!
Schon am Morgen hatte ich das Krächzen von Krähen in unmittelbarer Nachbarschaft gehört und mich darüber gewundert.

 

 

 

Samstag, 10. Juli 2010

 

 

 

Ich habe von einem Vöglein geträumt, das in einer hohen, zylindrischen Vase aus Glas wie in einer gläsernen Glocke gefangen war.

 

 

 

In der Stille der Nacht.

 

 

 

Das Bild bedeutet: Ein Flugobjekt, ein kugelförmiges Raumschiff, von rechts kommend am blauen Himmel. Perlmuttartig grün schillernd war es. Wunderschön. Blau. Violett.

 

 

 

Morgenhimmel mit kleiner Schwalbe, um sechs Uhr früh

 

 

 

Sommernacht. Glühwürmchen blinken. Kräuter öffnen sich duftend. Eine Hand.

 

 

 

Sonntag, 11. Juli 2010

 

 

 

Der zahme Rabe

 

 

 

Dienstag, 13. Juli 2010

 

 

 

Sonnenbeschienene Weinberge unter blauem Himmel, unzählige Reihen von Weinreben im satten Sommergrün, mitten darin eingebettet: ein kleines, sehr altes Kirchlein.
Die Frage vor dem Einschlafen war: Was mag ich wirklich? Wo ist mein Weg?

 

 

 

Donnerstag, 22. Juli 2010

 

 

 

Unfreiwilliger Stopp an der Straße

 

 

 

Sonntag, 25. Juli 2010

 

 

 

Meine Schwester hat mir, als ich von dem Raben erzählte, spontan ein Buch in die Hand gedrückt, das sie zufällig gerade gelesen hatte. Es heißt: Rabenschwarze Intelligenz - Was wir von Krähen lernen können.

 

 

 

Donnerstag, 29. Juli 2010

 

 

 

Sternenregen in das grüne Haus hinein

 

 

 

Es sind Sterne, die leiten.

 

 

 

Einmal träumte ich:

Das Wissen um jene, die Nichts sind.
Ein offenes Buch, aufgeschlagen. Seine leeren Seiten leuchteten von Licht.

 

 

 

Heut morgen sind sind zwei junge Schwalben aus dem Nest gefallen. Sie schlugen wild mit den Flügeln. Als ich näher kam sah ich, daß einige der Schwanzfedern der einen kleinen Schwalbe mit einigen Schwanzfedern der anderen kleinen Schwalbe zusammengeklebt waren und sie deshalb nicht fliegen konnten. Fast wie bei siamesischen Zwillingen. Vorsichtig löste ich sie voneinander. Da flog eine davon! Erst nur wenige Meter über den Boden, dann aber höher und höher. Ihre Flügel schlugen und schlugen. Die zweite hielt ich noch in meiner Hand. Sie hatte keine Angst. Auf ihren schmalen Rücken, inmitten ihres schwarzen Fracks, schimmerte und schillerte es saphirblau. Ich konnte den Blick nicht von dem Schillern abwenden, das einen entzückenden Kontrast bot und so unverhofft war. Dann flog auch sie davon, mit aller Kraft stieg sie auf in die Luft und ihre Brüder und Schwestern hoch oben am Himmel begrüßten sie mit freudigen Rufen.
Erster Flug.

 

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