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Sonntag, 3. Oktober 2010

 

 

 

 

 

Ich fand ein Gedicht:

Sei mein Führer, o Vogel, der du Glücksbringer genannt wirst.
Damit die Tränen innerer Bewegtheit
meine Augen über deinem Gehege feucht werden lassen.


Hafis

Ich fand es in dem Kochbuch Zu Gast bei Scheherazade - Kulinarische Genüsse aus 1001 Nacht.
Irgendwie ist er auf das Wort Scheherazade gekommen, wegen des Buchrückens im Regal.
Vor einiger Zeit habe ich Mediations-CDs von Silvia Walliman gebraucht gekauft. Ich mag ihre mit wenigen ruhigen Worten geführten Mediationen wirklich sehr und merke, wie gut sie tun. Es ist erstaunlich wie intensiv sie sind. Die Mediation heute ging um den Kontakt mit der geistigen Führung und um die Aufnahme von Vitalität.
Später haben wir noch ein Büchlein mit Minneliedern und Miniaturen betrachtet, die ich so gerne mag.

 

 

 

Der Krieg der Weintrinker

Baturundscha ist mein Wohnsitz, ein meiner ganzen Achtung würdiger
   Aufenthaltsort, das Glas dort die Runde macht.
Hört meine Geschichte: Eines Tages ging ich spazieren, und die Liebe
   hatte mein Herz geraubt.
Da wandte sich die Narzisse an meinen Pagen: “Bleib stehen”, sagte sie
   zu ihm, “ein erlesener Wein ist in unserem Besitz gereift.”
Das Feldhuhn sang, die Sinnenlust floß in Strömen, die Blumen entfalteten
   ihre Pracht;
Wir gingen in den Gärten, deren Augen nicht so schwarz waren wie die der
   Huris.
Weiße Blütenblätter formten die Lider, gelbe Knospen die Pupillen.
In diesem Augenblick rief uns die Rose mit lauter Stimme:
“Trinker-Freunde”, sagte sie zu uns,
“Wir haben einen hervorragenden Wein, den die Zeit vergessen hat und
   dessen Existenz ein Geheimnis ist.”
Wir liefen zur Rose, ohne auf die Klagen der geknickten Narzisse zu achten.
Als die Narzisse sah, was die Rose ihr angetan hatte, schrie sie mit
   schneidender Stimme: “Zu mir, Kamille!”
Die Rose sah, wie zwei Truppen gelber Blumen auf sie zukamen; sie erhob
   ihre Stimme, und die Granatapfelblüte kam angelaufen.
Sie riefen die Armee der libanesischen Apfelbäume zusammen; der Haß
   fachte das Feuer des Krieges an.
Die Kamille ließ die Truppen der kleinen und großen Zitronenbäume
   Kampfstellung einnehmen,
Und da erblickte ich Rebi in den Rängen der Gelben, aber mein Herz war auf
   der Seite der Roten (...)

Abu Nuwas

(Aus: Zu Gast bei Scheherazade - Kulinarische Genüsse aus 1001 Nacht von Jean-Bernard Naudin und Odile Godard)

 

 

 

Freitag, 8. Oktober 2010

 

 

 

Wir standen bei dem Wagen, den ich gerade abgeliefert hatte, und unterhielten uns noch eine Weile. Er schenkte mir Vanille aus Indien, mit einer roten Schleife drumherum. Von Dr. Jobin. In der anderen hielt er ein Gartenschere. “Magst Du eine Rose, sie blühen noch so schön?”, fragte er dann und zeigte auf das schmale Beet entlang des Weges zur Haustüre. “Ja, gerne”, antwortete ich überrascht. Ihre Blüten loderten gleich roten Feuerpunkten in der Goldsonne. Nun steht sie in einer Glasvase auf dem Eßtisch.

 

 

 

Hand, die sich nach mir ausstreckt und
die mich mitzieht.

 

 

 

Montag, 4. Oktober 2010

 

 

 

Gehe aus dem Wort.

 

 

 

Ich soll aus dem Wort gehen.

 

 

 

Dienstag, 5. Oktober 2010

 

 

 

Heute war seit langem einmal wieder ein inneres Bild bei der morgentlichen Atemübung: Vor den Schweißapparaten in der Werkstatt stand ein großer, irdener Krug, ein Weinkrug, auf dem Boden, den ich einmal von Freunden aus Frankfurt geschenkt bekommen habe. Zum Kredenzen des berühmten Apfelweines. Der Krug diente als Vase für einen wunderschönen Strauß roter Rosen. Es war eigentlich nur ein einziger Rosenzweig, der sich aber an einer bestimmen Stelle in unzählige Blüten aufteilte. Wie ein Schirm sah das aus. Es war eine volle, eher buschige Sorte.
Während meiner Ausbildung war der Schweißkurs mein Lieblingskurs gewesen. Besonderes gerne mochte ich das Autogen-Schweißen mit der offenen Flamme.

Am Abend waren wir bei einem Geschäftstermin. Der Termin fand in einem wunderschönen Schloßsaal statt, dessen Wände mit Motiven aus der Manessischen Handschrift geschmückt waren. Was für ein Zufall, dachte ich.
Ich habe meinen goldenen Armreif verloren und mein Freund hat ihn wieder gefunden! Ich hatte ihn schon aufgegeben. Er war beim Aussteigen auf dem Parkplatz von meinem Handgelenk geglitten und in den Kies gefallen. Er trug den nachtblauen Anzug.

 

 

 

 

 

 

Samstag, 9. Oktober 2010

 

 

 

Der Fisch

Ich habe von einem Fisch geträumt, der aber tiefgefroren war. Er lag, so hart und steif gefroren wie er war - er befand sich auch noch zum Teil in einer dicken, milchigen Plastikhülle - auf der blütenweiß bezogenen Federbettdecke des Bettes in meinem alten Mädchenzimmer. Der Fisch, er sah aus wie eine Makrele, zuckte ab und zu, obwohl er ja doch eigentlich tot und steif gefroren war. Ein zarter, scharlachroter Fleck auf dem weißen Batist von dem Fisch! Mein Freund stand links und erklärte mir mit sonorer Stimme, währenddessen wir weiter den Fisch betrachteten, die Kühlkette. Der Fisch bewegte sich immer mehr, seine Nerven zuckten und sein ganzer Körper bog sich manchmal ruckweise. Jetzt lag er auf dem grauen Teppichboden vor dem Fenster des Zimmers. Er war größer geworden und die Plastikhülle war weg. Er schien auf einmal auch nicht mehr gefroren, doch das realisierte ich während des Träumens gar nicht richtig. Er war nun von rauchblauer Färbung und seine ganze Haut hatte einen matt goldenen Schimmer. Es ist vielleicht ein Goldbarsch, dachte ich langsam. In seinem offen stehenden Maul erkannte ich viele kleine Zähnchen. Wie seltsam, dieser arme arme tote Fisch, der wohl bald zubereitet und verspeist werden wird, er muß schreckliche Nervenkrämpfe haben. Sein Körper spannte sich oft wie ein Bogen und schnellste immer wieder und wieder hoch in die Luft. Es war sehr schlimm dieses Schauspiel mit anzusehen, aber auf die Idee etwas zu tun, kam ich nicht.
Ich verstand es nicht.
Ich verstehe es nicht.

 

Vielleicht aber wird er wieder lebendig und muß dringend ins Wasser zurück!
Oder er wird ein Fischgericht.

 

 

 

Bilder im Wind, sagte er. Das sind Bilder im Wind.

 

 

 

Schwan

 

 

 

Samstag, 16. Oktober 2010

 

 

 

Das goldene Wundertor, sagte er, darüber sprachen wir. Seine Augenlider flattern manchmal wie die Flügel eines Kolibris.

 

 

 

Sonntag, 17. Oktober 2010

 

 

 

 

Stadt des Sterns -
Stadt im Regenbogen

 

 

 

Spiegel des Bewußtseins

 

 

 

Donnerstag, 21. Oktober 2010

 

 

 

Wunsch

Daß Du die Flügel hättest
Deiner höheren Intelligenz...

 

 

 

Erst jetzt wird mir langsam wirklich bewußt, was Wünsche, auch unbewußte, für eine gewaltige Kraft haben können.

 

 

 

Freitag, 22. Oktober 2010

 

 

 

Nur ein Stern.

 

Blick aus dem Fenster vor dem Schlafengehen. Er leuchtete so hell.

 

 

 

Mittwoch, 27. Oktober 2010

 

 

 

Molandana

Die kleinen Schnecken haben sich in der krümeligen Erde vergraben. Meine Hand hat ihre Häuser berührt. Die Rose blüht. Und Veilchengesichter heben ihre zarten, hellblauen Köpfe aus dem noch fleischigen Grün. Die Hängematte zwischen den zwei Birken: mit braunem Laub gefüllt.

 

 

 

Donnerstag, 28. Oktober 2010

 

 

 

Das Kalenderblatt am heutigen Tag zeigt das Gemälde:
Reh im Blumengarten von Franz Marc

 

 

 

Samstag, 30. Oktober 2010

 

 

 

Ich bin doch nicht in die Schweiz gefahren.

 

 

 

Zwei Traumbilder:

Eine braune Tüte gefüllt mit kleinen Cherry-Tomaten wird beim Katzenfutter ausgeleert. Für die Katzen.

 

 

 

Ein kleines, brennendes Teelicht wird in die obere, rechte Küchenschublade gestellt, die dann aber zugeschoben wird.

 

 

 

Sonntag, 31. Oktober 2010

 

 

 

“Dieser Baum sieht aus wie aufsteigender Duft!”, sagte er und deutete dabei aufgeregt in eine bestimmte Richtung.
Spaziergang durch den Wald am frühen Abend. Durch die Dämmerung. Kleine Vögel sangen sich den Abendruf mit ihren hohen Stimmen von den Wipfeln aus zu. Dann auf einmal: Stille. Der Augenblick zwischen Tag und Nacht. Eine Ewigkeit. Die blaue Stunde. Das dunkle Ufer des Waldes durchbrochen vom letzten goldenen Schimmer des lodernden Herbstkleides der Birken, das sogar jetzt noch leuchtete, davor: Wiesenland. Sumpf. Wir spürten regelrecht die lebendige Präsenz der Bäume um uns. Und plötzlich: ein süßer Duft im feuchten Nebel. Wo kam der her? Von welcher Pflanze? Was wuchs hier so unbemerkt in der Nähe des Weges? Der erste Abendstern umgeben von einem Lichthof am Osthimmel und Glockengeläut aus weiter Ferne.

 

 

 

Die Rosen - der Stammbaum einer Familie

 

Rosen im Licht

 

 

 

“STRAWBERRY FAIR.
Die Knospen öffnen sich in einen breiten Becher auf dem Grund des dunkelgrünen Laubes.”
Aus dem Buch: Rosen, Die schönesten Zuchtarten unserer Zeit von Claudia Binelli

 

 

 

Montag, 1. November 2010

 

 

 

Heute habe ich beim Einschlafen von einem Regenbogen geträumt, ein inneres Bild. Zuerst war es so, als ob ich wie in mich hineinfalle. Als sänke man in einen anderen, einen tieferen Bewußtseinszustand. Da war ein weites Tal worüber sich hoch am Himmel ein Regenbogen spannte. Ich wußte, daß der Regenbogen sich über meine, über unsere Heimat, den Ort, an dem wir leben, wölbte, sie beschützte, obwohl das weite Tal in dem Traumbild gar nicht so unbedingt wie der Landstrich hier ausgesehen hat.
Der Wecker klingelt um 5 Uhr 40. Ich war schon im Bad, als ich ihn rufen hörte: “Warum bist du nicht noch einen Augenblick liegengeblieben um dieses wunderschöne Lied anzuhören, horch einmal, was gerade gespielt wird!” Es war Somewhere over the rainbow von Israel Kamakawiwo’ole.

 

 

 

Ein neues Kapitel des Buches, das ich gerade lese, wird wie von selbst aufgeschlagen. Es beginnt auf der rechten Seite. Die linke ist ganz leer und weiß.
Das Kapitel heißt: Die Brücke der 13 Erkenntnisse.

 

 

 

Die kleine Möwe, die in den Sonnenaufgang geflogen war, kehrt von dort zurück!
Jetzt fliegt sie in die entgegengesetzte Richtung. Nach Westen.

 

 

 

Ein Schwarm Vöglein sucht Futter in den Büschen entlang es Weges

Blume am Weg

 

 

 

Mit seiner Hand fing er eine Spinnwebe ein. Glitzernde, hauchfeine Schnur, die durch die Herbstsonne schwebte.

 

 

 

Dienstag, 2. November 2010

 

 

 

Ein
bleibender Blick
kann tiefe Wirkung auslösen.

 

 

 

Mittwoch, 3. November 2010

 

 

 

Frei - und doch nicht frei

Im Paradies und doch geerdet.
In der Herbstsonne aufglühende Blätterpracht.
Granatäpfel - Paradiesäpfel darin eingebettet.

Ein Vogel, orangerot mit den Früchten abgestimmt.
Im vermeintlich goldenen Käfig ist er draußen -
aber doch drinnen, aufgehängt in einem Baum.
Seine Triller verraten Sehnsucht, sich in Höhen schwingen zu können.

Ebenfalls ein Vogel - ICH - verkäfigt,
aber nicht in Gold.
Frei - und doch nicht frei.

Karla Schefter im Oktober 2010, Chak-e-Wardak Hospital Project

 

 

Worte, die berühren, von einer außergewöhnlichen Frau.

 

 

 

Herbststielrosen

Heute habe ich von drei langen Stielrosen links am Wegrand geträumt, die dort nebeneinander standen und die ich schließlich pflückte. Sie waren nicht mehr taufrisch und hatten bereits alle ihre Blätter verloren. Doch ihre vollen und tiefroten Blüten waren trotzdem wunderschön, obwohl sich auch schon sichtbar die Spuren des ersten Frostes in sie eingegraben hatten.

 

 

 

Sonntag, 7. November 2010

 

 

 

Ich habe geträumt, daß der Hof voller Herbstlaub liegt. Dazwischen Reiskörner.

 

 

 

Am Wegrand:
Ein wilder Rosentrieb stützt die blühende Schafgarbe.

 

 

 

Zu den Rosengewächsen gehören auch Mädesüß und Frauenmantel. Himbeere, Brombeere, Erdbeere und Silberwurz.

 

 

 

Montag, 8. November 2010

 

 

 

Marie Austern sagt: “Durch die Perle atmen!”

 

 

 

Dienstag, 9. November 2010

 

 

 

JETZT:

Der weiße König
steht auf schwarzem Grund.

 

 

Auf dem schwarzen Quadrat.

 

 

 

Mittwoch, 10. November 2010

 

 

 

Hellgrün
gefriert auf der Schulter an.

 

 

 

Freitag, 12. November 2010

 

 

 

Heute habe ich einen Regenbogen gesehen. In der Stadt. Auf einer Fahrt. Es war wenige Augenblicke nach dem Moment, als ich wieder an den Regenbogen aus dem Traum gedacht habe.

 

 

 

Samstag, 13. November 2010

 

 

 

Heute habe ich von einer Schafherde geträumt. Irgendwie gelangte ich auf die andere Seite einer hohen, rötlichen Mauer, welche neben der Straße verlief. Dort befand sich ein Gehöft. Wir (wir waren zu dritt) schritten durch den Hof, und plötzlich öffnete sich uns der Blick auf ein weites Feld, einen Acker, der gerade gepflügt worden war, rechterhand begrenzt von Pappeln, und auf dem sich in einiger Entfernung eine große Schafherde mit vielen vielen Lämmern befand. Es waren so viele. Ich war voller Freude wegen dieser Aussicht. “Eine Schafherde! Da ist ja eine Schafherde!”, dachte und rief ich immer wieder. Die beiden Begleiter befanden sich jetzt rechts und links in einem Abstand von mir. Ich blieb erst einmal stehen, um die Schafe nicht zu erschrecken und zu vertreiben, doch der rechte erlaubte sich einen Spaß. Er bückte sich, nahm etwas, was wie ein Stein aussah, aus einer kreisrunden Fläche in der hohes Gras gewachsen war und warf es in einem hohen Bogen in Richtung der Herde. Ich erstarrte vor Schreck und wollte ihn schon zur Rechenschaft ziehen. Doch es war ein Vöglein, das schlief. Es war kein Stein sondern ein kleines Rebhuhn, das er nach der Schafherde geworfen hat und das dann wohl erwachte. Er tat das, glaube ich, drei Mal. Ich war außer mir und dachte: Das kann er doch nicht machen!

 

 

 

Sonntag, 14. November 2010

 

 

 

Die Sonne erscheint als ein Strahlen.

 

 

 

Früher Abend: am Friedleinsbrunnen im Wald

Nebel steigt auf

Immergrün, ein Meer aus metallischem Blau zwischen dem welken, fahlbraunen Laub. Wogende Wellen den bewaldeten Hügel hinab bis ins silberne Wiesental. Feingliedrige Finger der Blumenhand im Winterschlaf. Zwischen den lichten Stämmen. Tannennadeln, dunkelgrün. Das Immergrün fließt zur Quelle.
Es dämmert schon.

Zwei Hände an meinen Wangen, eiskalt, duftend nach Wald, nach feuchter Erde, nach Laub, nach dem klarem Wasser. Ganz weich sind sie. Rote Wangen. Warm. Wie gut das riecht. So fein. So unaufdringlich. Schließe die Augen. Da möchte ich eintauchen, in diesem Duft. Ihn festhalten. Fast schmerzt mir das Herz. Die steinerne Rinne von der Stelle, an der das Wasser aus dem Felsen tritt bis zu dem kleinen Weiher wurde von Laub und Ästen befreit. Jetzt gluckst das Wasser. Der erste Stern erscheint im Blau der Nacht in den hohen Wipfeln. Der Mond. Atem. Ein Marienbild hoch oben an einem Baum an einer Wegkreuzung. Wir haben die fast hundertjährige Eiche doch gefunden. Auf einmal standen wir davor. Wie still es ist. Von ferne trägt der Wind das kaum wahrnehmbare Motorengeräusch fahrender Autos herbei. Dann wieder Stille. Dunkles Leuchten. Wir sind bald daheim.

 

 

 

Dienstag, 16. November 2010

 

 

 

Heute las ich in einem Buch einen Ausspruch von Dhun’nun, dem Ägypter, dem Fisch. Ich glaube, er wird auch “der Fisch” genannt.:

Was die Augen sehen, ist Wissen.
Was das Herz weiß, ist Gewißheit.

 

 

 

Herz das sieht
erkennt das Licht.
Es spürt,
wovon der andere spricht.

 

 

 

Mittwoch, 17. November 2010

 

 

 

Jemand, eine Frau, geht auf dem Wasser, das so glatt wie ein Spiegel war.
Sie wollte es einfach probieren:

Mein Herz will ihn sehen.

 

 

 

Ein junger Mann kniet auf der Straße.

 

 

 

Samstag, 20. November 2010

 

 

 

Die Lider der Berge sind die Täler.

 

 

Lieder

 

 

 

Donnerstag, 25. November 2010

 

 

 

Ich habe angenommen, daß der betörend süße Duft in der Küche von der weißen Orchidee herrührt, die dort am Fenster steht und blüht.
Aber er ist von einer Frucht. Und diese Frucht duftet so süß.

 

 

 

 

Samstag, 27. November 2010

 

Die weiße Hand gießt schwarz aus

 

 

 

Sonntag, 28. November 2010

 

 

 

Die Eröffnung der ersten Ausstellung meiner Bilder

 

 

 

Montag, 13. Dezember 2010

 

 

 

Advent

 

Erst so

 

 

 

dann so

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,

Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin - bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke

 

 

 

Der Tannenbaum aus goldenem Licht ist durch die Hilfe des Regenbogensterns aus der ebenfalls goldenen Spiegelfläche emporgewachsen. (Zu diesen Bildern gehören auch die beiden Bilder vom 17. und vom 21. Oktober.)

 

 

 

Mittwoch, 15. Dezember 2010

 

 

 

Ich träumte von einem Lamm, das ganz nahe bei seiner Mutter lag. Es hob seinen wunderbaren Kopf und sah mich mit seinen großen und unendlich lieben Augen lang und voller Schmelz und Unschuld an. Es schien, als sei es zugleich ein junges Kamel. Ein Kamellamm. Und seine Mutter war ebenfalls ein Kamel, zugleich aber auch ein Mutterschaf.

 

 

 

Ein weißer Vorhang, durch dem Licht fällt. Darauf Rosen gestickt.

 

 

 

Donnerstag, 16. Dezember 2010

 

 

 

Ein Freund schrieb mir etwas zu den beiden inneren Bildern zum Advent weiter oben, die aus einer Meditation stammten. Er schrieb, daß sie für ihn den tieferen Gedanken der Adventszeit bildlich darstellen: den Tod in schönen Farben. Dies meine, daß wir in dieser besinnlichen und stillen Zeit lernen und erfahren sollten, von Unnützem und Unwichtigem Abschied zu nehmen. Ein “Sterben”-lassen von diesen Gewohnheiten.

 

 

 

Samstag, 18. Dezember 2010

 

 

 

Wenn Sie mit einer Blume zusammen sind...

 

 

 

Honigkuchen

 

 

 

Sonntag, 19. Dezember 2010

 

 

 

Ich träumte, daß mir jemand meine Kosten senkt bzw. schenkt. Meine Schulden senkt. Das war die unglaubliche Summe von 30 Mrd. Euro! Ein Mann, glaube ich, sagte dies. Da war ich sehr froh.

 

 

 

Dienstag, 21. Dezember 2010

 

 

 

Besuch von einer kleinen Meise

Am Abend habe ich unverhofft Besuch bekommen. Nämlich von einem kleinen Vogel, einer Meise. Und das ist wirklich wahr.
Erst wunderte ich mich über das leise Pochen im Zimmer. Tok. Tok. Tok.
Woher rührt nur dieses Geräusch?, fragte ich mich. Von dem Heizkörper? Oder habe ich gar seit neuestem Mäuse?
Während ich am Küchentisch stand und Teig für Plätzchen knetete überlegte ich weiter. Auf einmal strich mir die kleine graugetigerte Katze um die Beine und sah mich dann mit ihren großen Bernsteinaugen an. Sie maunzte einige Laute. “Warst du das?”, fragte ich sie. “Du warst das also.” Ich hantierte weiter.
Später stand ich eine Weile vor der Terrassentüre und sah sinnierend in den Schnee hinaus, der jetzt am Abend so schön blau schimmerte. Da saß doch eine kleine Meise auf dem Bretterboden genau vor der Türe! Eine Kohlmeise! Mit frechen schwarzen Knopfaugen! Und jetzt pochte sie wieder, pochte mit ihrem Schnabel gegen die Scheibe!
“Was willst du denn?”, fragte ich sie überrascht lachend.
Leise schob ich dann die Orchideen, den Bubikopf, worin ein türkisblauer Kolibri aus Metall aus China an einer langen dünnen Stange hin und her schaukelte, und den bunten Porzellanhahn beiseite, um die Türe öffnen zu können. Die kleine Meise ließ sich nicht lumpen und nach einer Bedenkpause sprang sie tatsächlich vorsichtig in die warme Stube. Sie hat dann alles genau untersucht. Hat sogar vom Wasser aus der Katzenschüssel getrunken. Flog von der Dunstabzugshaube auf den knospenden Kirschbaumzweig in einer Glasvase darunter. Und wieder zurück. Auf einmal war sie munter! Auf die Postkarte mit dem Seehundbaby von der Ostsee, die mir einmal die Kinder meiner Schwester aus dem Urlaub geschickt haben. Ich bin so traurig ohne Dich, steht in roter Schreibschrift darauf, genau unter dem Seehundbaby. Die Rose, die ich getrocknet habe und die ebenfalls dort oben lag segelte sanft herab. Auf die bereits in Zellophan verpackten Honigkuchen. Die kleine Meise war eifrig beschäftigt alles zu erkunden. Sie flog auf meine Tasse mit dem Tee. Hob ihren Schwanz. O je, den kann ich jetzt nicht mehr trinken! Auf den Krug. Auf den Tisch. In den Blumentopf. Pickte in der Erde. Jetzt war sie ja wirklich total munter geworden! Das Teelicht auf dem Eßtisch machte sie neugierig. Beinahe hätte sie es mit dem Schnabel unter Aufbietung all ihrer Kräfte aus dem silbernen Töpfchen gezerrt. Das war ein Anblick für Götter, wie es da so breitbeinig balancierte. Ich mußte darüber sehr lachen. Auf der anderen Seite konnte ich es gar nicht so recht fassen, daß da wirklich eine Meise zu Besuch bei mir war, noch dazu am Abend. Sie untersuchte die leeren Flaschen im Regal. Pickte geschäftig ohne jede Scheu alle Brösel vom Küchenboden auf, so als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan und naschte von den Sonnenblumenkernen, die ich ihr vorsichtig hingeworfen habe. Einmal flog sie sogar auf die mit Meisenfett gefüllte Kokosnußschale um davon zu naschen, die ich ihr in meiner Hand hingehalten habe
Später verließ ich das Zimmer und öffnete wieder die Balkontüre. Doch ihr schien es hier zu gefallen. Denn als ich wiederkam war die kleine Kohlmeise immer noch da. Dann ließ ich sie noch einmal alleine. Jetzt war sie verschwunden. Ich suchte alle Ecken ab, lugte unter jedem Stuhl, guckte in jede Ritze.
“Da bist du ja!”
Es war kaum zu glauben, die kleine Meise hatte es sich mitten im Adventskranz auf dem Eßtisch für die Nacht gemütlich gemacht und schlief bereits tief und fest, ganz aufgeplustert und fast verborgen von seinem schützenden Tannennadeldach.

Die kleine Meise schläft

 

 

 

Mittwoch, 22. Dezember 2010

 

 

 

Die kleine Meise ist ein Langschläfer und als ich gegen sieben Uhr in die Werkstatt bin habe ich sie - noch im tiefen Schlummer - zusammen mit dem Adventskranz vorsichtig ins Freie auf die Terrasse gestellt. Zum Glück ist es jetzt auch wieder milder geworden. Später, als meine Mutter einmal nach ihr sehen wollte, war sie verschwunden. Gegen Mittag sah ich sie einmal bei der Korkenzieherweide fliegen. Und am Abend, pünktlich zur hereinbrechenden Dämmerung, saß die kleine Meise dann wieder wartend vor der Türe.

 

 

 

Donnerstag, 23. Dezember 2010

 

 

 

Gebet:

Herr im Himmel
behüte meine Schritte.
Weise mir den rechten Weg.

 

 

 

Heute ist die Luft klar, es hat leicht getaut. Es duftet nach Wasser, nach Holz. Nach Schnee.

 

 

 

Kurz vor Schluß habe ich die Geschäftsräume aufgewaschen. Die Türe des Warteraums zum Hof stand für einen Moment offen und als ich vom Eimerausleeren zurückkam sah ich einen kleinen, flirrenden Schatten. Die kleine Meise war hereingeflogen!

 

 

 

Freitag, 24. Dezember 2010

 

 

 

Die kleine Meise ist in der Nacht gestorben. Am Morgen habe ich sie gefunden.

 

 

 

Als ich am morgen die Haustüre öffnete und in den Hof trat hörte ich Gänse rufen. Und da flogen sie! Wildgänse. Sie flogen in einer bestimmten Formation am Himmel, genau über den Hof hinweg, nach Osten.

 

 

 

Sonntag, 26. Dezember 2010

 

 

 

Der Schein des
Feuers erhellt
sein Gesicht.

 

 

 

Im Wald

Der Falke hat eine Amsel erbeutet und fliegt mit dem schon bewegungslosen, großen schwarzen Vogel in seinen Fängen über uns hinweg.
Natur.
Ein Falke ist über uns hinweg geflogen, mit einer weißen Rose. Heut morgen träumte ich von einer weißen Rose im Schnee, erstarrt, fast verwelkt, und trotzdem wunderschön.
Der Wald ist blau mit weißem Licht. Still ist es, zwischen den Bäumen. Andacht. Tierspuren. Lachen. Rote Backen. Ein Platz für das Vöglein, im tiefen Schnee. Am Fuße eines Baumstammes. Haben ein Teelicht vor der Türe angezündet. Das stetige Plätschern von Wasser. Trinke von der Quelle. Wasser, das mir aus der hohlen Hand gereicht wird. Flocken dick wie Daunenfedern.

 

 

 

Im Mondkalender war zu lesen, daß in den Nächten zwischen den Jahren eine ganz besondere Energie herrsche und Spaziergänge in der Zeit zwischen dreiundzwanzig und vierundzwanzig Uhr einen anderen Menschen aus uns machen können. Nämlich den Menschen, als der wir gedacht sind.
Ich hab ein Büchlein mit besinnlichen Weihnachtsgeschichten, ein spirituelles Lesebuch, das ich einmal von einem lieben Menschen geschenkt bekommen habe, zufällig aufgeschlagen, eine Seite mit einem Text von Andrea Schwarz, in dem - in ein wenig anderen Worten - dasselbe zu lesen war wie in dem Mondkalender. Er heißt: Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr:
(...) Und die Nächte sind “Heilige Nächte” - irgendetwas schwingt in diesen dunklen Stunden der Nacht, das berührt und anrührt. Da ist etwas, das mich liebevoll in den Arm nimmt und herausruft. Da ist es, als ob sich alles in mir darauf vorbereitet, Abschied zu nehmen, um neu zu beginnen. Da wächst etwas in mir heran, das gelebt sein will. Und dieses etwas braucht diese sieben Tage und wohl mehr noch die sieben Nächte, um an Kraft zu gewinnen. (...)”

 

 

 

Montag, 27. Dezember 2010

 

 

 

Mit seinem Atem sang er ein Lied. Beim Ausatmen. Beim Einatmen. Ein jedes Mal. Immer wieder, sich unendlich wiederholend. Eine Melodie.

 

 

 

Ich habe geträumt, daß ich mein Gesicht im Spiegel betrachtet habe. Zu meinem großen Schrecken war das Gesicht zusammen mit dem Hals ganz mit türkisblauer, leicht glänzender Schminkfarbe angemalt. Das sah fürchterlich aus. Ich rief nach meinem Freund, der auf dem Kanapee saß, um es ihm zu sagen. Später war es wieder normal, ganz blank und ungeschminkt.

 

 

 

Dienstag, 28. Dezember 2010

 

 

 

Das Mädchen in dem rosafarbenen, ärmellosen T-Shirt hält den kleinen Vogel in ihrer rechten Hand.

 

 

 

Donnerstag, 30. Dezember 2010

 

 

 

Sie hat mir all die wunderschönen Strohsterne geschenkt, die sie einmal an Abenden in der Adventszeit vor fast vierzig Jahren sorgfältig gebastelt hat. Nun schmücken sie den Tannenbaum.

 

 

 

Eisblaue Nächte mit funkelnden Sternen. Die schmale Sichel des abnehmenden Mondes über dem kleinen Platz, der auf einmal ganz feierlich wirkt. Tiefverschneite Häuser. Lichter blinken. Als läge ein goldener Schimmer über allem. Über der undurchdringlichen Bläue des Nachthimmels, die alles einhüllt. Unerklärlich, wie kommt das? Ein Jauchzen, irgendwoher, lautloser Gesang. Als jubelte es. Doch eigentlich ist es, bis auf das stetige Plätschern und Gurgeln des Baches, vollkommen still. Die Türe weit offen. Klirrende Kälte.
Am Morgen steigt die Sonne majestätisch als ein übergroßer, glutroter Ball hinter dem flachen, schneeweißen Hügeln empor. Nirgendwo ein Braun. Nur weiß. Jetzt scheint der Himmel für einen Moment durchscheinend türkisblau. Orangerote Wolkenstreifen flirren kreuz und quer. Das Blinken eines kleinen Sternes.

 

 

 

Freitag, 31. Dezember 2010

 

 

Gärten leuchten

 

 

 

Ich habe geträumt, daß ich ein quadratischen Bereich ausgekehrt habe, der sehr staubig war. In dem fluffigen Staub fand ich viele große, schillernde Insekten. Feingliedrige Spinnen, Weberknechte, mit langen Beinen. Leuchtend bunte Käfer, rot und blau, gleich Edelsteinen. Sogar eine schöne Libelle, die ich vorsichtig aufhob. Da ich Mitleid mit ihnen hatte brachte ich es nicht fertig sie zu töten, sondern trug sie vorsichtig in der Kehrichtschaufel - zusammen mit dem Staub - weg, um sie auszuleeren. Schließlich fand ich in dem staubigen Quadrat noch etwas ganz Blütenweißes, Reines, das ich in meiner Hand hielt und betrachtete. Es sah aus wie ein kleiner, weißer Zylinder und lag wie tot, bewegte sich nicht. Was das ist? Wohl auch ein Insekt, dachte ich erst. Links an seinem Kopf hatte es einen langen, türkisgelb gestreiften Fühler, der wie ein lustiger Stempel einer Blüte aussah, rechts fehlte er. Während ich es vorsichtig in der Hand forttrug realisierte ich aber zu meiner Verwunderung, daß es ein kleiner, weißer Vogel war, da er sich, auf einmal wieder lebendig, hoch in die Lüfte erhob und in den grünen Wipfel eines Baumes flog!

 

 

 

In einem anderen Traum konnte ich meinen Namen nicht mehr aussprechen, obwohl ich ihn innerlich gewußt oder besser gekannt habe. Meinen Vornamen und meinen Nachnamen. Jemand, der Portier des Hotels, der die beiden goldenen Doppelkarten, die gleichzeitig der Schlüssel mein Hotelzimmer waren, das ich erhalten sollte, vom Tisch genommen hatte, dem ich dann die Treppen hinunter mit aller Kraft nachgeeilt war, wider Erwarten fast einholte und schließlich zur Rede stellte, fragte mich danach, als er sich zu mir drehte. Ich rief dem Mann, der wie ein Butler gekleidet war, erst in englischer Sprache hinterher, ich rief: Mister! Mister! Und verlangte energisch, daß er stehen bliebe. Tatsächlich kam ich ihm näher und näher. Als er anhielt, sich nach mir umwandte und wir uns in die Augen sahen fragte er mich, wie ich heiße. Das war eine ganz wichtige und entscheidende Frage. Ich wußte meinen Namen innerlich, doch ich konnte ihn nicht sagen, nicht aussprechen, obwohl ich es so wollte! Es wäre so wichtig, daß ich dem Mann bestimmt meinen Namen nenne, ihm sagte, wer ich war, denn dann würde ich die Karten wieder zurückerhalten.

 

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