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Samstag, 11. Januar 2014

 

 

 

Zwei Rotmilan kreisen hoch über dem See. -
Und ein stilles Wolkenherz.

 

 

 

Sonntag, 12. Januar 2014

 

 

 

Abend

Meine chinesische Freundin bestellte sich riesige knusprige Shrimps. Diese wurden in einer etwa zwölf mal zwölf Zentimeter großen verschlossenen nachtblauen quadratischen Schatulle heiß serviert.
Köstlich. Mir lief das Wasser im Munde zusammen.
Doch eigentlich wollte ich etwas anderes.
Suchte in der schönen, handgeschriebenen Speisenkarte, welche man mir reichte, lange danach. Mit dem Zeigefinger strich ich langsam die aufgelisteten Gerichte hinab.
Wo war es denn auf einmal nur, gerade habe ich doch noch daran gedacht, es mußte doch irgendwo stehen, mußte doch endlich kommen?
Ich wollte nämlich viel lieber eine Geschichte bestellen!
Eine Geschichte eines bestimmten Autors, eines jungen Mannes, der aber gerade noch im Krankenhaus lag.
Erst vorhin hatte ich mich mit ihm - über einen dritten Mann, der mit dem jungen Autor telefonierend den Hörer an sein Ohr gepreßt an dem kleinen Tisch eng an eine Wand gerückt saß und ihn wohl gut kannte -, unterhalten.
Es ging um die Geschichte... es ging um die Geschichte... , es ging nämlich um Maduasar.
Maduasar.
Maduasar! Der den Morgen im Augenblick erweckt!
Das wollte ich gerne essen. Und nichts anderes.
Gott sei Dank habe ich es doch nicht vergessen.

 

 

 

Das Bild, das ich mir von dir erdacht habe,
kam noch viel tausendmal schöner zurück.

 

 

Tatsächlich: der Beginn eines wunderbaren Zyklus ist damit eingeläutet worden.

 

 

 

Montag, 13. Januar 2014

 

 

 

Eine Grußkarte. Bitte aufklappen:

Ebony and Ivory

 

 

 

Dienstag, 14. Januar 2014

 

 

 

Ade, kleine tapfere Schwalbe. Auf Wiedersehen.

 

 

 

Mittwoch, 15. Januar 2014

 

 

 

Fand ein Gedicht:

 

Der Ring mit dem hellblauen Stein
den dir ein Traum gegeben
du hast die Hand geöffnet
im Schlaf
da verlorst du den Ring
Kroch eine Schnecke hindurch
eine nackte Schnecke im Regen
und trug ihn in ihr schleimiges Erdloch
den Ring mit dem Traumstein?
Fiel er dir in den Brunnen
während du schliefst?

Du hast im Schlaf die Hand geöffnet
da verlorst du den Ring
wie du alles verlierst
- wie wir alle alles verlieren -
Tag um Tag,
was wir haben verlieren
weil verlieren so leicht ist
nur verloren haben
so schwer
Weil mühsam ist
bewahren was wir lieben
mühsam wir selbst zu sein

 

 

Doch ohne den Mut
die Hand in der Hand zu halten
ohne den Mut
ganz hier zu sein
werden wir täglich
ärmer

 

 

aus: Hilde Domin, Der Baum blüht trotzdem, Gedichte, 1999

 

 

 

Sonntag, 19. Januar 2014

 

 

 

Heimkehr der Stille

 

Heimatleben in der Stille

 

 

 

Mittwoch, 22. Januar 2014

 

 

 

Anna Maria
 

Sie trägt flauschig hellgrünes Mohair. Und ein silberhell leuchtendes Collier über ihrer Brust.

 

 

 

Donnerstag, 23. Januar 2014

 

 

 

Ein großer Storch auf dem Dach des Hauses
auf einem Bein
schaukelnd
blickt neugierig herab.

 

 

 

Die alte Frau sitzt vor ihrem Laden.
Darin:
das Meer

 

 

 

Freitag, 24. Januar 2014

 

 

 

Vielleicht hast du auch vom Meer geträumt?

 

 

 

Sonntag, 2. Februar 2014

 

 

 

20140202-1

Eingang: ganz viel Blau fließt heraus

 

 

Sonntag, 9. Februar 2014

 

 

 

Sonnenaufgang am San Bernardino-Tunnel

 

 

 

Torino

 

Die spektakuläre Teststrecke auf dem ehemaligen Fiat-Werk Lingotto in Turin, dahinter, zum Greifen nahe, die Alpen

 

 

 

19.30 bis 7:30

Unendlich müde, trotzdem glücklich. Beim Appertiv, kurz vor dem Abendessen mit den Lieben

 

Ich liebe Turin. Warum? Das kann ich nicht einmal so genau festmachen. Vielleicht wegen dem Po, der die Stadt malerisch teilt. Der vielen schönen Brücken, welche sie verbindet. Vielleicht wegen der Silhouette der italienisch-französischen Alpen, die sich oft so greifbar nahe zeigt, wie ein verheißungsvolles Band entlang des Horizonts. Wie ein italienisches Dessert, wie Mont Blanc. Ich liebe Mont Blanc. Turin ist im Westen begrenzt von einem wogenden steineren Meer aus geeister Kastaniencreme mit Sahneeisgletschern gekrönt.
Wegen seines französischen Touches.
Wegen seiner Innenstadt, den weiten Arkaden, unter denen man flaniert, den zahlreichen feinen Cafes mit ihrem nostalgischen Charme. Wegen den vielen eleganten Damen mit den roten geschminkten Lippen und sorgfältig frisierten Haaren. Wegen seinen Märkten mit den emsigen Marktfrauen. Den schönen Piemontesern und den noch viel schöneren stolzen Piemonteserinnen.
Wegen der Freundlichkeit der Menschen.
Wegen dem roten Frizzante. Wegen der vielen kleinen leckeren Köstlichkeiten, die man überall erhält und die einem auf der Zunge zergehen. Oliven in Blätterteig. Nach Blumen duftendes federleichtes feinstes Schmalzgebäck mit einem Hauch Puderzucker bestäubt. Wegen Lingotto. Wegen Fiat. Wegen dem Turiner Grabtuch. Endlich, nach vielen Jahren, in denen ich schon den Wunsch hegte und dann doch immer etwas anderes war - keine Zeit zum Verweilen, keine Zeit zum Verreisen -, war ich einmal im Dom. Wir standen, am Abend, plötzlich davor.
Zündeten Kerzen an.

 

 

 

Vor Jahren durfte ich einmal für einige Tage Gast bei Frau Nadina Abarth-Zerjav, der zweiten Frau von Carlo Abarth, sein, welche in Turin am Corso Massimo d’Azeglio gelebt hat.

 

 

 

Gleich nach dem Pfändertunnel rechts von der Autobahn ein schwirrender Regenbogen, ganz nahe der Erde, als stände er fest verankert im Grün. Regenbögen wachsen aus den Gischtfontänen der Autos um uns herum.

 

 

 

Samstag, 15. Februar 2014

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 16. Februar 2014

 

 

 

Die kleine, smaragdgrüne Schlange schläft eingerollt unter meiner Matratze.
Heute fand ich noch ein Haar von Yoda, dem roten Kater. Ich fand es auf dem Sofa, in der braunen Wolldecke aus Kamelhaaren. Es ist eindeutig von ihm, weich und fein und orangefarben, ins Weiße verlaufend.

 

 

 

Dienstag, 18. Februar 2014

 

 

Weinender Engel

 

 

 

 ...und du kannst aus dem Spiegel schauen,
in dein Gesicht!

 

 

 

Donnerstag, 20. Februar 2014

 

 

 

Der name des Schiffes heute: Sinn
Ich fuhr über den Rhein.

 

 

 

... und dann würden wir auch die Fäden nicht verlieren, welche zwischen Zeit und Raum gespannt sind.

 

 

 

Freitag, 21. Februar 2014

 

 

 

“Was machst du denn gerade?”
“Ich male. Ich male einen Engel. Er ist sehr traurig und weint. Ich habe von ihm geträumt.” -
“Da ist gerade eine Sternschnuppe am Himmel! Da ist gerade eine Sternschnuppe niedergegangen! Jetzt darf ich mir etwas wünschen, nicht wahr? Aber ich darf es dir nicht verraten, was ich mir gewünscht habe, sonst geht es nicht in Erfüllung.”

 

 

 

Faschingsdienstag, 4. Februar 2014

 

 

 

Die rote Feder. Ich wußte, sie hat eine Bedeutung.

Am Abend der Film Bab Aziz.

 

 

 

Mittwoch, 5. März 2014

 

 

 

Die Tannenspitzen
atmen goldenen Abendhimmel
rosa und türkis
der Wald
ein letztes Mal hebt und senkt er sich
ruht
bald

der neue Mond ist aufgegangen

eine liegende Sichel
eine Barke
ein Haar aus weißem Licht

sich wiegend
eine Schale

gefüllt zu werden
mit
Wein

 

 

 

Sonntag, 9. März 2014

 

 

 

Sonntagsspaziergang

 

Lerchen jubilieren bereits mit ihrem eigenwilligen Trillern über den noch braunen, weiten Feldern

 

 

 

Samstag, 15. März 2014

 

 

 

Auf der Messe

 

 

 

Ich habe mich verliebt.
Der kleine und schon sehr in die Jahre gekommene Bär stiehlt allen die Schau, sogar dem teuersten Buggati!
Stroh guckt aus seinem Rücken heraus. Ohr verloren. Augen auch nicht mehr da wo sie einmal waren. Das schmutzige Fell stumpf und voller Löcher, kaum mehr vorhanden. Und die vier Felgen haben heftigen Seitenschlag - Geradeauslauf fraglich.
Warum?
Weil er auf eine unnachahmliche Weise wahre Demut, Gelassenheit und Ruhe ausstrahlt.
Wieviele Kinder mag er wohl glücklich gemacht haben?
Ein spontan initiertes Foto. Die Damen strahlten lächelnd unverhohlen, die Herren betrachteten ihn ebenfalls lächlend, aber meist eher etwas verstohlen.

 

 

 

Sonntag, 16. März 2014

 

 

 

Weg der espernen Eingebung.
Oder den blauen Gegenstand
innigst zu betrachten.

 

 

 

Freitag, 29. März 2014

 

 

Buntes Bild: als Mann verkleideten Frau mit Hut

 

 

 

Samstag, 29. März 2014

 

 

 

Seemannslied

 

Die Hände auf die Segel legen
wir fahren über das Meer
dein Ohr gehört dem Wind
deine Augen trinken die Fluten leer
alle Nuancen ihres Blaus spiegeln sich in ihnen wieder
wogen tief zum Firmament
Gischtstrahlen aus dem Maul des Wales
unaussprechlich gießt dein Blick im Licht der Sonnen und von Sternen
Augenblicke der Vollkommenheit aus
und ewigen Wandel schaue ich
still

es heißt, daß Blau die Farbe der Sehnsucht sei
der Sehnsucht
      heimzukehren.
 

 

 

Sonntag, 30. März 2014

 

 

 

Sonntagsspaziergang in den Wald

 

 

Grüne Korallenfächer sonnenschwangerer schweben flirrend in der Luft.
Und reizende Luft- und Baumwipfelbewohner.

 

 

Mit Glockenläuten, niemand hat es gehört.
Glocken müssen geläutet werden.

 

 

 

Donnerstag, 3. April 2014

 

 

 

Der Baum, der beschnitten worden ist. -
Auf seine Spitze wurde eine schillernde Perlmuttschnecke gesteckt.

 

 

 

Sonntag, 6. April 2014

 

 

 

Im Land von Don Camillo und Peppone

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir hören interessiert zu, während Helga sich mit unseren neuen, netten Bekanntschaften gestikulierend unterhält und dabei amüsante Geschichten erfährt. Sie haben damals als Statisten mitgewirkt, worauf sie heute noch sehr stolz sind.

 

 

 

Unter der berühmten Glocke. Sie ist aus “zenterschwerem” Kunststoff!

 

 

 

 

 

 

Fiume Po

 

Nur wenige hundert Meter entfernt: Auen.
Einsam gelegene Altwasser.
Es duftet nach saftigem Grün.
Der Po ist gewaltig. Heilig.
Stille auf einmal.
Das Wort Po kommt aus dem Lateinischen von Padus und bedeutet Pfad, schlug ich nach.

 

 

 

 

Im kleinen Museum des Ortes: Alte Aufnahmen von den berühmten Werkstätten der hießigen Geigenbauer und auch eine nachgebildete alte Schusterwerkstatt.

 

 

Wäre es möglich eine Stradivari maschinell herzustellen? Sicherlich nicht.
Worin liegt der Unterschied zwischen einem Fertiggericht aus dem Supermarkt und einem liebevoll von Hand zubereiteten Essen?
Was bedeutet uns Handwerk heute noch?

 

 

 

Buon Appetito!


Leckere Pasta gefüllt mit süßem Kürbis.

 

 

 

Hier wohnt der Sinn:

 

 

 

Ostermontag, 21. April 2014

 

 

 

Heute ist die erste Schwalbe über uns hinweggeflogen.

 

 

 

Die Erfahrung der Welt

Wir fuhren über einen Schleichweg durch einen Nachbarort und während wir langsam an einem alten fränkischen Häuschen vorbeikamen, winkte plötzlich der Mann davor, ein Bekannter, und bedeutete uns gestikulierend zu halten. Ich stieg aus und eilte auf ihn zu. Waren Sie schon einmal bei uns? Ich solle unbedingt hereinkommen. Er müsse mir etwas zeigen. Er hätte etwas für meinen Vater, sagte er. Er winkte mich in sein kleines Häuschen, über die Schwelle, durch die niedrige Türe ins gemütliche Innere. Er roch ein bißchen nach Wein. Nach einem Sonntagsnachmittagsschlückchen auf der Bank im sonnendurchfluteten Garten. Er hielt mir ein Buch vor die Nase, welches er gerade las. Dieses Buch solle mein Vater unbedingt lesen. Es war “Die Erfahrung der Welt” von Nicolas Bouvier. “Dieses Buch müssen Sie Ihrem Vater unbedingt zum Lesen geben”, wiederholte er eindringlich, während ich interessiert den Einband betrachtete. Ich nickte und versicherte ihm, meinem Vater das Buch baldmöglichst zu besorgen. Sicherlich ist das Buch auch eine schöne Lektüre für mich, dachte ich fasziniert. Das Gespräch war zuende, ich verabschiedete mich rasch, ging durch den kleinen Hof, drehte mich noch einmal um und winkte, plumpste auf den roten Kunstledersitz des kleinen roten Fiats und wir fuhren brausend davon.
Das Buch ist das poetisches Reistagebuch von Nicolas Bouvier, der in jugendlichen Jahren zusammen mit dem Maler Thierry Vernet 1953 und 1954 eine Reise in einem Fiat Topolino von Genf über Jugoslawien, Türkei, Persien und Pakistan bis nach Afghanistan unternahm.
Ich gehorchte brav und besorgte ein Exemplar für meinen Vater. Und auch eines für mich.

 

Ausflug nach Tibet

Nachtrag: In der Mitte des Buches befinden sich einige wunderschöne lyrische Schwarzweißfotografien von der Reise, unter anderen auch eine von dem kleinen Reisegefährt italienischer Abstammung. Berührende Momentaufnahmen.

Bis jetzt habe ich es nur zum Lesen des Konstantinopel-Aufenthalts geschafft, da mir ein anderes Buch dazwischenkam. Genauer gesagt sind es zwei andere Bücher, einmal das Buch “Den Dämonen Nahrung geben - Buddhistische Techniken zur Konfliktlösung” von Tsültrim Allione und das Buch “Heilige und Hexer - Glaube und Aberglaube im Lande des Lamaismus” von Alexandra David-Néel, auf das ich am letzten Samstag durch einen kuriosen Zufall und in Zusammenhang mit einem ungeplanten Besuches des schönen Antiquariats gleich neben dem Alten Rathaus in der vorletzten der in die unendliche Tiefe des alten Hauses führenden mit alten Büchern bis an die Decke angefüllten Kammern gestoßen bin und das, trotz des etwas reißerischen und abenteuerlichen Titels, einen erstaunlich authentischen Reisebericht dieser mutigen und faszinierenden Frau bietet, welche bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Tibet - das verbotene Land - auf eigene Faust bereist hat. Nicht zuletzt deshalb, weil, wie ich empfinde, hinter der detaillierten Berichterstattung der mehr oder weniger religiösen tibetsichen Gebräuche, über Geheimnisse, seltsame Begebenheiten, Wunder, sämtliche Arten und auch Abarten des Mystizismus und der phantastischen ja geradezu unerhörten Reiseabenteuer der Autorin fast unbemerkt ein blauer Funke Sehnsucht nach diesem Unbenennbaren und eine große Liebe zu dem Schnee-Land und seiner Menschen durchscheint.
Dies spürte ich vor allem in einem der Kapitel im ersten Drittel des Buches, in welchem sie ihre persönliche Intention und ihr tiefes inneres Wollen erkennen und durchscheinen läßt. Das Ende des Buches dagegen wirkt abrupt und fast unbefriedigend. Es ist eine eher äußerliche, von manchen Andeutungen, Tipps und Ratschlägen durchbrochene Beschreibung der für den “modernen und aufgeklärten” Europäer eigentlich kaum zu glaubenden Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten des menschlichen Geistes, so daß diese Fülle von Wundergeschichten einem beim Lesen ganz schwindelig und aufgeregt macht. Zumindest mich.
Das ist keine Kritik.
Manchmal schreibt sie ganz trocken und wenn man es nicht besser wüßte würde man beim Lesen öfter vermuten ein männlicher Abenteurer hätte das alles geschrieben, weshalb sich auch eine gewisse Komik bei der bildlichen Vorstellung mancher Begebenheiten nicht vermeiden läßt.
Aber ihr ist es dabei ganz ernst.

In der tibetischen Kulur hat ja spirituelle Übung, das Spirituelle und Geistige schlechthin von alters her eine hohe und ganz andere Wertigkeit als bei uns. - (Wobei es auch dort zu Fehlentwicklungen kam, zum Beispiel was die Rolle der Frau betraf.)

Ich hörte einen Lama sagen, beim Beschreiten des “direkten Pfades” sei die Anleitung zum “Umgraben” das Wichtigste. Schreibt die Autorin zum Beispiel auf Seite 219.
Und weiter: Glauben und Ansichten, erworbene Gewohnheiten und angeborene Anlagen, alles müsse der Schüler über Bord werfen.
Von dem “direkten Pfad” ist bei ihr öfter die Rede. Und von Padmasambhava.
Sie muß auf ihren Reisen durch Tibet sehr glücklich gewesen sein.

 

Auf jeden Fall habe ich es in den Nächten verschlungen, währenddessen ich mir wünschte auch so wagemutig wie sie zu sein und von einer auf der Erde sitzenden alten tibetischen Frau in einem sonnengelben Gewand geträumt, welche mir einladend freundlich zulächelte.

Dieser Samstagnachmittag war nicht nur wegen des Buchfundes außergewöhnlich, sondern vor allem auch wegen diesem besonderen Gefühl, oder besser dieser lange vergessenen Lebenslust, welche mich irgendwann am Nachmittag leise überkam, es war ein stilles Jauchzen im Inneren, es war auf einmal wieder so, als wäre ich Anfang zwanzig und vor allem ganz frei, die Welt war voller Abenteuer, voller Zu-Fälle und Überraschungen, voller Kunst, voller faszinierender und interessanter Menschen und vor allem voller Wunder.

Jetzt noch einige Worte zu dem Buch “Den Dämonen Nahrung geben”, welches vielleicht das wichtigste von den Dreien ist. Es ist sehr weise. Sehr fundiert. Sehr klug.
Was verbirgt sich hinter den ominösen Titel?
Die Autorin beschreibt darin eine ursprünglich aus Tibet von einer tibetischen Yogini aus dem 11. Jahrhundert stammende sehr alte Meditationstechnik zur Konfliktlösung.
Tsültrim Allione hat diese Technik auf Grund ihrer tiefen fundierten Kenntnise und Erfahrungen mit dem tibetischen Buddhismus für unsere westlichen Bedürfnisse und für unsere heutige Zeit weiterentwickelt. Die Anwendung dieser Meditationpraxis kann helfen all das, was uns hindert wirklich frei zu sein - als da sind zum Beispiel negative Gefühle, Süchte, Sorgen, Angst, Depression und so weiter, seine eigenen “Schatten” - zu erkennen und aufzulösen.
Im Rahmen einer tiefen Entspannung erspürt oder findet, visualisert und personalisiert man den “Dämon”. Schließlich wechselt man die Positionen und nimmt wie ein Schauspieler dessen Rolle ein und versetzt sich in ihn. Dadurch ist es auf einmal möglich der Schreckgestalt mit tiefem Verständnis zu begegnen. Man findet heraus, was diese “will” und dann letztendlich wirklich benötigt, also “braucht”, um wieder heil, um “satt” zu werden.
Der Unterschied zwischen “Wollen” und “Brauchen” ist dabei sehr wichtig.
Und diese Bedürfnisse sind zur Überraschung ganz menschlich! Die so personifizierte Angst oder die personifzierte Wut wird schließlich in der Meditation regelrecht bildlich genährt und “gefüttert”. Mit dem Nektar der Zuwendung und der Liebe.
Die inneren Schreckgestalten fallen in sich zusammen und werden verwandelt. Lösen sich auf.
Nach meinem Verständnis ist es sicherlich hilfreich und empfehlenswert, sich vor der Durchführung der Meditation damit gründlich auseinanderzusetzen und zu Beginn eventuell sogar auch erfahrenere Anleitung in Anspruch zu nehmen.
Doch es ist auch so, jedermann kann damit arbeiten. Man muß nicht geübt sein.

 

 

 

Riesiges Schlangenwesen

 

 

 

Ein weiteres für mich sehr empfehlenswertes Buch der selben Autorin ist Tibets weise Frauen - Zeugnisse weiblichen Erwachens. Das lese ich gerade. Es ist eine Goldgrube.

 

 

 

Dienstag, 22. April 2014

 

 

 

Heute ist das erste Schwalbenpärchen bei uns eingetroffen! Am Vormittag, gegen halb elf. Freudig zwitschernd kreisten sie über dem Hof und vor ihrem Nest.
“Die Schwalben sind da,” rief ich meinem Vater zu.
Er wiederholte freudig erregt, wie ein kleiner Junge: “Die Schwalben sind da!”

 

 

 

Freitag, 24. April 2014

 

 

 

Endlich wieder ein Regenbogen. Wenigstens ein Stück, ein kleiner Teil eines großen Bogens, der aber im Ganzen leider unsichtbar blieb. Über der schwefelgelben Raps-Landschaft schwebend, vor dem feuchten und rauchblauen Himmel. Aufatmen nach dem Regenguß. Ich war glücklich. Raffael hat sich die Karte “Im Herzen” ausgesucht. Schönes Abendessen mit der Freundin im Garten des Restaurants nach einer arbeitsreichen Woche, wir setzten uns nebeneinander. Genossen den Duft von Parmesan und Olivenöl. Ein kleines Mädchen sauste zwischen der langen Reihe hübsch angeordneter Tische unter der Allee von alten Bäumen und den Beinen der beflissenen Kellnerinnen und Kellner auf und ab und um unseren Tisch herum, welche virtuos auswichen, keine Mine verzogen und den Kindern auch mal lächelnd über den Kopf strichen. Ganz in rosa war sie gekleidet, mit rosa Haarreif, Glitzerfedern schaukelten daran. In ihrer rechten Hand schwenkte sie eine ebenfalls rosafarbene Fliegenpatsche in der Form eines Schmetterlings und rief lustig in einem fort, dicht gefolgt von einem vor Freude kichernden und keuchenden kleinen Jungen, der vielleicht ihr jüngerer Bruder war: “Ich schlage alle Fliegen tot! Ich schlage alle Fliegen tot!”

 

 

 

Mittwoch, 30. April 2014

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
“ ...mit Diamanten in ihren dunklen Haaren herrscht die Könign der Nacht, der schneebedeckte Gipfel des Gurla Mandatta, über den heiligen See.”

 

 

 

Mittwoch, 7. Mai 2014

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Morgenstern

 

 

 

Mit den Namen der Schiffe hat es Folgendes auf sich: Bei den täglichen geschäftlichen Besorgungsfahrten in die Stadt, Fahrten zu Kunden oder zur Pannenhilfe oder zur Prüfstelle kommt es vor, daß ich an einem Fluß vorbeikomme oder ihn überquere, nämlich je nachdem meistens der Rhein-Main-Donau-Kanal, der Main oder die Regnitz.
Und jedes Mal, wenn ich dabei gerade zufällig ein Schiff sehe, freue ich mich und gucke neugierig und gespannt nach seinem Namen und schreibe ihn auf.

 

 

 

Dienstag, 12. Mai 2014

 

 

 

Im Traum umrundete ich eine Festung gegen den Uhrzeigersinn, den letzten der steineren, massigen Türme, welche diese wie einen Stern begrenzen. Jetzt erschien die Brücke, das Eingangstor. Rechts und links über dem Tor begrüßten zwei riesige asiatische Drachen aus purem Gold den Eintretenden, welche sich ein wenig seltsam an der romanischen Festung ausmachten. Sie wuchsen leuchtend und überlebensgroß jeweils waagrecht aus dem Mauerwerk oberhalb des Tores hervor, dem Eintretenden mit aufgerissenen Maul entgegen.
Mir war auch, als wären bei ihrem Anblick gleichzeitig Fanfaren und Hörner erschallt. Aber das habe ich mir wahrscheinlich nur eingebildet.

 

 

 

Dienstag, 21. Mai 2014

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Scenic Jade

 

 

 

Montag, 9. Juni 2014

 

 

 

Wohin gehört dieses Tor?

 

 

 

 

 

 

und:

la mer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Vath

 

 

 

Mittwoch, 11. Juni 2014

 

 

 

Auf einmal schießt Wasser mit hohem Druck aus einem Felsen hervor, wie aus einer Quelle

 

 

 

Sonntag, 22. Juni 2014

 

 

 

Beim Zeichnen der wunderschönen, uralten Schwarz-Pappel

 

 

 

 

 

 

Plötzlich flog etwas vom Baum herab und landete mit einem Peng mitten auf dem Zeichenpapier. Genau bei der sich schnell bewegenden Tuschefeder, die gerade mehrere explodierende Blattsterne produzierte, und landete von dort in einem hohen Bogen im Gras neben der Zeichnung.
Hoch oben lachte eine Krähe.

 

 

 

Manche Fotos von: d.w.r.

 

 

 

Freitag, 28. Juni 2014

 

 

 

Neumond. Am Abend beim Zubettgehen tanzt ein Glühwürmchen im dunkelblauen Zimmer.
Endlich Regen.

 

 

 

Samstag, 28. Juni 2014

 

 

 

Überraschung am Bach:

 

 

 

Wunder im Garten und Überall

 

 

 

Eine große goldbraune Bachmuschel, gerade bei ihrer Hochzeit

 

 

 

Licht über Licht

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 3. Juli 2014

 

 

 

Ich sah einen kleinen Vogel, der pflückte mit seinem Schnabel eine gelbe Blüte am Wegrand und flog damit fort.

 

 

 

Sonntag, 6. Juli 2014

 

 

 

Imona, so lautet ihr Name.
Er bedeutet: Dank ihrer Perle.

 

 

 

Freitag, 11. Juli 2014

 

 

 

Heute, am frühen morgen, habe ich ein Schwalbenküken gefunden. Es hockte zitternd aufgeplustet hinter der grünen Gießkanne, die ich gerade hochgehoben hatte, um die Geranien und den Oleander zu gießen. Ihr Geschwister lag tot beim Agapantus.
Wahrscheinlich sind beide in der Nacht aus eines der Nester hoch darüber gefallen.
“Oje”, sagte ich seufzend, “dich kann ich ja jetzt gerade noch gebrauchen.”
Denn eigentlich war der Plan am Nachmittag nach der Arbeit in der Werkstatt und im Büro in der Veste die Bilder für meine Ausstellung aufzuhängen, welche ja am darauffolgenden Wochenende stattfindet.
Ich hob die kleine Schwalbe auf und sie kuschelte sich dankbar in meine warme Hand.
Später setzte ich die Kleine in das weiche, ausgewaschene, mittelbraune Handtuch, das auf meinem Schreibtisch lag und wie ein Nisthöhle geformt war. Dies gefiel ihr sichtlich und nach wenigen Minuten begann sie bereits zu zwitschern, als wäre nichts geschehen.
Futter für den Anfang hatte ich ja noch. Im vorigen Winter hatte ich für die Pflege der Rauschschwalbe Anna ein Spezialaufzuchtsfutter für insektenfressende Vögel besorgt, welches mit Wasser angerührt wird.
Aber das Wichtigste: junge Schwalben brauchen Nähe und Wärme.

 

 

 

Dienstag, 14. Juli 2014

 

 

 

Die kleine Schwalbe singt mich jeden Abend in den Schlaf.

 

 

 

Mittwoch, 15. Juli 2014

 

 

 

daheim;

und
bleib doch
Kornblume

 

 

 

Donnerstag, 16. Juli 2014

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: T’ai Shang

 

 

 

Samstag, 19. Juli 2014

 

 

 

Ausstellung meiner Bilder
aus dem Zyklus

Das Öffnen der Augen

 

 

 

Bilder einer Ausstellung

 

 

 

 

 

Heute jährte sich das Hitler-Attentat von Claus Graf Schenk von Stauffenberg
zum 70. mal.

 

 

 

Die Ausstellung

 

 

 

Frau

 

 

 

Sonntag, 20. Juli 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dies ist ein Teil der Präsentation.

 

Plastiken sind von Willi Grimm und Prof. Robert Sturm
Bilder, Collagen und Feuervögel sind von mir.
Die Ausstellung war ein großer Erfolg. Herzlicher Dank an die Galerie Pfarr und an alle Freunde und Besucher!

 

 

 

Mittwoch, 23. Juli 2014

 

 

 

Augen wie leuchtend tiefschwarze Kohlestücke, über denen warmer Glanz liegt.
Ihr schwarzer Rückenfrack schimmert im Sonnenlicht saphirblau.

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Scenic Pearl

 

 

 

Ein Leberfleck ist soooo interessant! Es könnte ja was Eßbares sein!

 

 

 

Samstag, 26. Juli 2014

 

 

 

Wir fahren zu einer Hochzeit nach Oxford. Ganz altmodisch, erst einmal über den Ärmelkanal.

 

 

 

20140726-2

Der Name unseres Schiffes ist, wie passend, Canterbury Bride.

 

 

 

Sonntag, 27. Juli 2014

 

 

 

Oxford ist eine Reise wert – diese Ansicht teilen viele

Blick aus und auf altehrwürdiges Gemäuer: die Bibliothek

Die Sammlungen der Bodleian-Bibliothek der Universität von Oxford umfaßen auch zahlreiche wertvolle alte faszinierende Illustrationen, zum Beispiel zu “Die Konferenz der Vögel” des persischen Mystikers Farīd al-Dīn ʿAṭṭār, eines der bedeutendensten Werke der persischen Literatur, oder auch zu der berühmten Liebesgeschichte “Yusuf und Zulaykha” des großen persischen Dichters Jami.

 

 

 

Love and Devotion

 

 

 

Tanzende Himmelsfrau auf einer Wolke

 

 

Ständig denke ich an meine kleine Schwalbe.
An ihr sonniges Wesen.
Wie es ihr wohl ergeht?
Ob sie schon fortgeflogen ist?

 

 

Im Pub zur Bischofsmütze erlaubt mir ein freundlicher Herr die Tätowierung auf seinem linken Arm zu knipsen. Es ist eine kleine Schwalbe. Ich bin begeistert.
Überhaupt bin ich begeistert. Oxford ist wunderbar! Gern würde ich länger bleiben.
Die vielen bunten Eindrücken machen hungrig. Ich erhole mich bei Wasser und einem frischen Krabbensalat.

 

 

 

„Hier überragen die Bäume noch die Häuser.“

 

 

 

Erste Gratulantin. Die kleine Schar der Gäste Gäste international, aus sieben Nationen.

 

 

 

Sonne und Wasser. Temperaturen wie im Süden. Abendstimmung an der Themse.

 

 

 

Montag, 28. Juli 2014

 

 

 

Heimfahrt

 

 

Die weißen Felsen von Dover. Rauhes Meer heute.
Und immer wieder: diese Sehnsucht, die mich bei seinem Anblick überfällt.

20140728-2

 

 

 

Schließlich habe ich es nicht mehr ausgehalten und gegen Abend von unterwegs aus meine Mutter angerufen.
„Wie geht es der kleinen Schwalbe?“
„Sie ist heute um halb zwölf Uhr aus der offen stehenden Bürotüre fortgeflogen!“, lautete die trockene Antwort.
Was für ein Geschenk, auch wenn ich gerne dabei gewesen wäre. Es ist schmerzlich, und doch wunderschön. Meine Mutter hatte sie während der drei Tage meiner Abwesenheit versorgt.

 

Kleine Schwalbe, lebe wohl!

 

 

 

Donnerstag, 28. August 2014

 

 

 

Noch ein neuer Pflegefall

Dieser kleine entzückende Wesen ist heute vormittag gegen neun Uhr fortgeflogen.
In einen strahlenden Spätsommermorgen. Günstiger hätte der Zeitpunkt nicht sein können!
Nach dem nebeligen Morgen versprach es warm und mild zu werden aber vor allem kreisten einige unserer Schwalben gerade über dem Hof und waren nicht irgendwo weiter weg jagen, wie um diese Jahreszeit oft üblich.
Als die kleine Schwalbe die anderen sah und hörte gab es kein Halten mehr! Sie hob von der Schulter meiner Mutter ab, nach ihnen rufend, steuerte nur wenige Meter über dem Hof in Richtung der drei Robinen, gewann aber erst kaum an Höhe. Mit aller Kraft schlug sie die Flügel, man spürte förmlich ihre Anstrengung, ihr Wollen und ihr tiefstes Sehnen. Uns stockte das Herz in der Brust. Schafft sie es?
Ich will fliegen! Ich will zu euch!
Doch plötzlich, wie im letzten Augenblick, hatte sie den Bogen raus und stieg auf, schraubte sich in den sonnenblauen Morgenhimmel, bis sie nur noch ein winzigkleiner, schwarzer Punkt in diesem unvorstellbaren Blau war, inmitten der anderen kleinen, schwarzen, schnell hin und her sausenden Schwalbenpunkte.
Wir waren tief gerührt.
Meine Mutter hatte sie vor etwa zwei Wochen halb erforen und naß aus einem der vielen Nester an unserem Haus gefallen im Hof gefunden und eine Weile sah es gar nicht gut aus um sie, denn sie ist nach einigen Tagen sehr krank geworden.
Ihr sonniges Gemüt wird uns fehlen. Sie zwitscherte oft zärtlich mit uns, führte aber auch gerne schwalbige Selbstgespräche.

Am Morgen im Büro: Wenige Minuten vor dem ersten großen Flug ohne Wiederkehr, ein seliges Nickerchen an ihrem absoluten Lieblingsplatz, dem wohligwarmen Nacken meiner Mutter, welchen sie auch gegen meinen riesigen federlosen Finger furchtlos zu verteidigen wußte. Meine Mutter arbeitete währenddessen ungeührt weiter. Die kleine Schwalbe ließ sich auch nicht von eingehenden Telefongesprächen stören.
Überhaupt zeigte sie nicht die geringste Angst gegenüber uns Riesen und forderte stets mit Esprit und unwiederstehlichem Charme ihr Recht, nämlich möglichst viel Essen und Trinken und Gespräche.
Wir fütterten zuerst eine Spezialfuttermischung für junge, insektenfressende Vögel, später Heimchen.
Vorsichtig am Kopf gekrault zu werden, das liebte sie über alles. Trotzdem versuchten wir sie natürlich auch nicht zu sehr zu verwöhnen!

 

 

 

Hier fliegt sie nun. Zwei große Wolkenvögel und ihre Brüder und Schwestern begleiten sie. In unseren Träumen wirst du wiederkehren.

 

 

 

Dienstag, 9. September 2014

 

 

 

Tanzende Himmelsfrau

 

 

 

Sonntag, 21. September 2014

 

 

 

Pfiffer suchen und das Herz des Waldes

Pilze finden, so ist es eigentlich richtig! Wir kriechen in gebückter Haltung mit krummen Rücken durch Dickicht und Unterholz, ein kleines Wäldchen aus jungen, dürren Tannenbäumchen inmitten des Waldes, das mit seinen zarten, vertrockneten Ärmchen aufdringlich nach unseren Jacken und nach unseren Haaren greift.
Am besten funktioniert es, wenn man sich einfach treiben läßt, selbstvergessen locken und verlocken läßt, langsam geht, ohne Plan und ohne darüber nachzudenken, wohin. Als ginge man ohne Sinn und Ziel. Von einem Blatt. Einem Ast. Einer Pflanze. Von einer Wurzel. Einem Platz. Einem Lichtstrahl, der plötzlich durch die Wipfel kreisrund auf eine Stelle des Waldbodens fällt, Moos und Heidelbeersträucher hellgrün aufflammen läßt und einen heiligen Kraftort inmitten des Dunkels hoher Baumriesen markiert.

Pilze in allen nur vorstellbaren Farben und Formen sind in den letzten Wochen lautlos aus dem weichen Waldboden gesprossen. Regelrechte Städte für ein Zwergenvolk auf moosbewachsenen Baumstümpfen. Korallenschwammartige Gebilde zu Füßen von gewaltigen Bäumen. Tiefschwarze Trompeten feucht und glänzend inmitten einer Laubwiese. Pergamentene Kugeln bis zum Rand gefüllt mit grauschwarzem Puder. Schon vermoderte Riesen, die gewaltigen Schirme zusammengefallen gleich ockerfarbener, faulig weicher Segel. Manche von mehligem Schleier überzogen. Tiefbraune Deckel. Scharlachrote Fächerkappen in halbkreisförmigen Bögen, welche man eigentlich auch gar nicht unbedingt essen will. Und weiße, gefährliche Schönheiten, meist solidär.

Doch wir sind auf der Suche nach den begehrten, raren und so schmackhaften Steinpilzen! Zarte Steinpilzscheiben nur in Butter gedünstet. Schon beim Suchen läuft mir das Wassr im Mund zusammen. Bereits gestern habe ich ein gewaltiges Exemplar gefunden und stolz nach Hause getragen. Mindestens ein Kilo schwer. Wahrscheinlich der größte Steinpilz meines Lebens! Ich habe ihn sogar fotografiert. Ich beschloß ihn in Scheiben schneiden und im Heizungsraum zu trocknen, für viele leckere Gerichte im Winter. Doch obwohl der Stiel beim Abschneiden im Wald vollkommen heil und rein und weiß wie frischer Schnee schien lugten daheim nach dem ersten Schnitt mit dem großen Küchenmesser quer durch den riesenhaften Pilz zu meinem Entsetzen eine Menge kleiner schwarzpunktiger Wurmgesichter erschrocken aus dem mit unzähligen Gängen bereits gänzlich durchlöcherten Schirm! Oje. So wanderte das Prachtexemplar leider und zu meinem großen Bedauern auf den Kompost. Zur Erde zurück.

Es beginnt zu regnen, Tropfen trommeln sanft auf das Blätterdach hoch über uns. Es ist warm und feucht. Ein großer Vogel in unserer Nähe ruft kreischend unermüdlich in die Stille. Fast wehmütig.
Es ist wirklich still. Manchmal das plötzliche Aufschlagen eines herabfallendes Astes oder einer herabfallenden Eichel. Wir selbst, unsere Geräusche beim Gehen, das Knacken des Unterholzes, und unser zwangloses Zurufen, das sind die einzigen Laute. Denn ein jeder Fund wird mit einem Freudenruf quittiert und allmählich füllt sich unser Korb mit einigen schönen, jungen Exemplaren.
Ich beginne zu atmen. Der Atem, welcher uns stets so selbstverständlich scheint, ist es hier im Wald auf einmal nicht mehr. Er ist nun mehr. Er ist kostbarer geworden.
Ein Baumstumpf, gesplittert, geborsten, fesselt unsere Aufmerksamkeit. Verworrene Kunstwerke aus Ästen auf einem glitzernden grünen Teppich. Wege, plötzlich von jungen noch grün sprießenden Buchenstämmchen plaudernd zugewuchert, welche trotz ihrer Zartheit ein Durchkommen standhaft verwehren. Ein Brombeerrankenfeld, mindestens fünfzig auf fünfzig Meter. Eine wunderschöne Eiche, uralt.

“Horch einmal!”, winkte er mir auf einmal. “Komme schnell”. Da hörte ich es schon, während ich über die Kreuzung zweier Waldwege näherkam. Das eigenartige hölzerne Klopfen. Einmal mehr oder weniger rhythmisch. Ein Klopfen aus dem Stamm eines Baumes!
Ich lehnte mich an dem Stamm einer großen Kiefer am Rande der Kreuzung, deren Wipfel von dort unten, wo ich stand, nicht zu sehen war, denn sie überragte die umstehenden Bäume, und drückte mein rechts Ohr fest an ihre rauhe und rissige Rinde. Jetzt war es noch deutlicher zu hören, das laute, dumpfe Klopfen, welches eindeutig aus ihrem Inneren kam. Ich stand stocksteif.
Da sitzt jemand in ihrem Wurzelwerk, ein Stockwerk tiefer, und gibt Zeichen, vermutete ich zu meiner eigenen Überraschung felsenfest, auch wenn es ja eigentlich unmöglich war. Ein kleines Tier? Und was könnte das für ein Tier sein? Ein Fuchs? Ein Füchslein hat seine Höhle darin. Ein Eichörnchen.
Oder war vielleicht ein kleines Wesen aus dem Märchenland in ihrem Stamm gesperrt? Vielleicht müssen wir, haben wir die Aufgabe und die Pflicht, es nun zu befreien? Doch wie sollen wir das nur bewerkstelligen? So einfach geht das ja nicht! Und wenn es mitten im Holz fest steckt? Von Holz umgeben ist?
Ein Zwergenkind? Ein Gnom?
Womöglich erlaubt sich jemand einen Scherz.
Bestimmt war das so! Jemand erlaubt sich gerade einen Scherz mit uns. Hier und Jetzt.

Doch die Kiefer war nicht hohl. Es war überhaupt nichts Besonderes an ihr, außer vielleicht, daß sie kerzengerade und makellos in den Himmel gewachsen und noch dazu sehr schön war. Das Klopfen klang aus den hölzernen Tiefen ihres mächtigen Stammes wie bei einem Instrument. Aus ihrem Inneren.
Aus ihrem Herzen, sagte er mir.
Aus ihrem Selbst.
War das ihr Geheimnis?
Ich lauschte und lauschte, während ich weiter, mit dem Ohr an die Rinde gepreßt, unbeweglich fasziniert verharrte.
Plötzlich schienen mir alle Bäume, meine ganze Umgebung, noch lebendiger, von Leben erfüllter, als zuvor schon.
Was war das für ein Zeichen?
Was, wenn alle Bäume so ein Leben in sich haben? Und wir hören, wir bemerken und beachten es nur mit unseren dumpfen Sinnen nicht.
Der Herzschlag des Waldes.
Nach einer Weile hörte das Klopfen auf und Stille breitete sich wieder aus. Wir machten uns an den Heimweg. Der Regen wurde stärker.
Es ist wunderschön auf den Heimweg vom Regen durchnäßt zu werden.

 

Der Wald

 

 

 

Freitag, 10. Oktober 2014

 

 

 

 

Das beste Zimmer... und Flügel hat es auch

 

 

 

Ein kleiner Vogel bewacht die Heilige Kunigunde auf dem Alten Berg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lilie ist ein Symbol der Heiligen Sophia, der Weisheit.

 

 

In ihrer rechten Hand hält sie einen Ring, in ihrer linken eine Lilie.
Die archische Fiugr der Heiligen Kunigunde soll bunt bemalt gewesen sein.
In ihren Augen grüner Glasfluß.
Der kleine Vogel war stets bei ihr.

 

 

 

Spontanter Ausflug am Feiertag. Heute stand die kleine Kirche offen. Beeindruckend auch die Reste der uralten Wandbemalung in der Apsis. Unter der Apsis befindet sich noch eine Krypta mit einem uralten Brunnen, über dem ein großes schlichtes Holzkreuz steht.
Auf dem Stein unter dem Kreuz liegt eine weiße Feder.

 

 

Müde. Distel singt ein Lied. Gras duftet. Purpur.

 

 

 

 

 

 

Montag, 13. Oktober 2014

 

 

Am Fuße einer kleinen Treppe liegt sie zusammengerollt wie ein Kind.
Auf der Erde. Schläft sie?

 

 

 

Sonntag, 24. Oktober 2014

 

 

 

Jemand hat mir seinen Traum erzählt: Da war eine riesige, goldene Uhr, welche in ihrem Inneren reines, gleißendes Licht war. Um ihren äußeren Rand waren die zwölf Tierkreiszeichen angeordnet. Er ritt auf einem goldenen Löwen in dieses Licht hinein. Wie in einen Kanal. Wie durch einen Kanal. 

 

 

 

Schönes Padua

 

Die wunderbare astrologische Sternenuhr bringt die Menschen zum Staunen

 

 

Die Stadt im warmen Herbstlicht. Es ist Markt. Ganz Padua scheint bei Tage und bei Nacht auf dem großen Platz mitten in der Stadt versammelt zu sein, über dem der geflügelte Löwe Venedigs uns mit seiner ganzen Majestät und grimmigen Würde sein aufgeschlagenes Buch, das Markus-Evangelium, entgegenhält.

 

 

 

 

Orientalisches Flair. Wie in Tausendundeiner Nacht. Für einen Besuch der Cappella degli Scrovegni mit den berühmten Fresken von Giotto die Bondone war die Zeit leider wegen des großen Andranges zu knapp.
Doch die Stadt bietet noch andere, weniger bekannte Schätze zu bestaunen, zum Beispiel das Baptisterium, die Taufkapelle des Doms von Padua. Bei mir weckte der Dom selbst allerdings trotz vielversprechendem Äußeren keine größeren Gefühle. Vielleicht, weil wir eben zuvor die kleine Taufkapelle besucht haben. Die Atmosphäre im Dom emfpand ich erstaunlicherweise eher enttäuschend und ich war froh bald wieder im Freien zu sein.
Die romanische Taufkapelle rührte dafür allerdings umso mehr!
Das Kleinod stammt aus dem 12. Jahrhundert und ihr Innenraum wurde im 14. Jahrundert von Giusto de Menbouoi ganz und gar
mit eher naiv wirkenden, farbenprächtigen Fresken ausgeschmückt, als wäre sie ein einziges Bilderbuch.
Fast fremdländisch-byzantinisch schmiegt sie sich am Rand des weiten hellen Platzes voller Menschengewusel, alt und jung und arm und reich, Geplapper, Geschrei, leisen Unterhaltungen, Boungiorno und schnellem Trippelditrapp, Sonntagsstaat, Morgencapuccino und manchem noch verschlafenen Blinzeln hinter schicken dunkeln Sonnenbrillen an dem Dom.
Und die schrägstehende Herbstmorgensonne hat drinnen schwebende rosafarbende und hellgrüne Lichter kunstvoll auf ihre bunten Wände gemalt!
Besnders fasziniert haben mich die Darstellungen zur Offenbarung des Johannes im Altarbereich.
Wir waren die ersten Besucher und bis auf dem Küster, der später die große Taufkerze entzündet hat, alleine. Wir erfuhren auch, warum er dies tat, denn als wir durch die Pforte wieder auf den sonnendurchfluteten Platz getreten waren wartete dort bereits eine kleine Taufgesellschaft - das blutjunge modische Paar mit einem entzückenden liebenswerten Säugling wie Mehl und Pfirsich in weißem Tüll und in Decken gehüllt im Arm - einzutreten.
Das nächste Mal steht unbedingt noch ein Besuch der Basilika des Heiligen Antonius an! Der Heilige, welcher einem hilft alles Verlorengegange oder Vergessene - sei es materiell oder geistig - wiederzufinden, liegt darin begraben. Mit Garantie. Ich habe ihn ja schon einmal angerufen. Auch seine Heilige Zunge, sie soll wundertätig sein.
Auf einem anderen Platz war Sonntagsmarkt. Ich kaufte Grisiniringe, selbstgemachte Tomatensoße, selbstgemachte Nudlen. Lustige köstliche Pasta, die aussah wie kleine adrige Schälchen oder Öhrchen und beim Kochen dick und duftend aufquellen.

 

 

Der Engel weint:

Das Taufbecken ist geöffnet

 

 

 

Von außen nach innnen, von innen nach außen.
Was ist außen?
Was ist innen?

 

 

 

Sonntag, 16. November 2014

 

 

 

ein ort,
an dem sich
viele schwäne
sammeln ist:
aufmerksamkeit

 

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