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Dienstag, 1. Januar 2013

 

 

 

Ich habe einen Film über die Wüste angesehen. Über die Wüsten Amerikas. Der alte Navajo-Indianer sagte schlicht, als er mit dem Filmemacher auf dem Gipfelplateau eines Heilgen Berges des Stammes gestanden war und sie beide über das weite glühende Land geblickt haben: Die Aufgabe ihres Volkes sei die vier Elemente zu hüten und zu bewahren. Feuer, Wasser, Erde, Luft.

 

Der Rosmarin blüht.

 

 

 

Ein Flügel erst.
Gut Nacht mein Herz.

 

 

 

Freitag, 4. Januar 2013

 

 

 

Eine goldene Seele ist aus dem Sternenhimmel einer Moschee herab gewachsen

 

 

 

Sonntag, 6. Januar 2013

 

 

 

Im Traum hielt und nährte ich eine verletzte Schwalbe an meiner linken Brust. Über dem Herzen. Sie war so zart und so klein. Und so verletzt. Unter dem hellen Stoff des dünnen Pullovers. Ich machte mir große Sorgen. Hoffentlich schafft sie es. Wenn sie geheilt war würde ich sie wieder in die Freiheit entlassen.
Doch ich befand mich auf einem Schiff. Ich befand mich bereits im Süden.
Würde sie dort auch Gefährten ihrer Art finden oder sollte ich sie lieber erst in ihre Heimat zurückbringen?

 

 

 

Montag, 7. Januar 2013

 

 

 

Den Traum. Nahe hin
treten und tragen können.

 

 

 

Freitag, 11. Januar 2013

 

Mensch in einem Ei, schlafend

 

 

Die Schale des Eis ist schon grau.
Laß nicht zu, daß dies weiter fortschreitet!

 

 

 

(...)

ACH, da wir Hülfe von Menschen erharrten: stiegen
Engel lautlos mit einem Schritte hinüber
über das liegende Herz

 

<MANDELBÄUME IN BLÜTE>

UNENDLICH staun ich euch an, ihr Seligen, euer Benehmen,
wie ihr die schwindliche Zier traget in ewigem Sinn.
Ach wers verstünde zu blühn: dem wär das Herz über alle
schwachen Gefahren hinaus und in der großen getrost.

 

Beide Fragmente sind von Rainer Maria Rilke

 

 

 

Ultramarin

Heute war der Himmel blau gestreift. Von Norden nach Süden. Gleich dem mittleren, blauen Teil deines Regenbogens. Von hell leuchtendem Türkis zu einem unglaublich starken Ultramarin.
Es hatte wohl etwas mit den Wolken zu tun. Mit der Form der Wolken, vermutete ich. Die Wolken bildeten fluffige Furchen. Der Himmel war ein Acker. Von einem Ende des Horizonts zum andern umgepflügt.
Und sie waren blau.
Dunkelblau! Violettblau wogte es. Perlnachtblau. Die Wellen zerflossen an ihrer Oberkante in das Türkis des offenen Himmels. Und zwischen den tiefblauen Wogen gleißte manchmal weißgelbes Licht heraus, als würde es sie an der Stelle verglüht haben. Von einer Sonne, die scheinbar überall stand, überall war, nicht nur ganz flach da hinten im Süden. Wie besonders! Wie außergewöhnlich! Ich habe noch nie solche Wolken gesehen.
Vielleicht der Wetterwechsel. Es verspricht kalt zu werden.

 

 

 

Hunger nach mehr. Beim Lesen. Beim Schreiben. Nach was?
Nach was genau? Nach diesem bestimmten Geschmack. Nach diesem Etwas, das so unscheinbar daher kommt. Kaum wahrnehmbar ist es. Verhüllt. Und doch auch offenbar. Es nährt. Es nährt. Ja was? Das innere Wesen? Nach diesem... nach diesem Einen.
Resonanz.

 

 

 

Sonntag, 13. Januar 2013

 

 

 

Mit einem goldenen Band umwickelt, zusammen mit einem Olivenbaumzweig aus Jerusalem: Kochrezepte in den Farben des Regenbogens. Mein nachträgliches, unerwartetes Weihnachtsgeschenk. Wie sanft die runde Glaskugel schimmert. Mit der kleinen Winterwelt darin. Ohne die Rezepte mit Fisch und mit Fleisch. Das sind die lilafarbenen und dunkelblauen Seiten. Diese Rezepte kocht er nämlich selbst.

 

 

 

“Solche Dinge geschehen manchmal”, sagte er.

 

 

Ein großer Regenbogenfisch am Morgenhimmel. Im Osten. Knapp über dem Horizont. Ist es ein kleiner Hai mit aufgerissenem Maul? Der ruft: Gleich freß ich Dich! Du schaust so lecker aus. Ein Schwertfisch? Ein Delfin?
Und dabei regnete es doch gar nicht.
In der Nacht hatte es bei klarem Sternenhimmel und Minus fünf Grad gereift und der Himmel klirrte jetzt fast distanziert in einem frischen Türkisblau.
Ich saß warm und wollig auf dem Sofa ausgebreitet. Mit Blick durch die Glastüre in diese sonnendurchflutete, eisige Sonntagmorgenweite.
Bis auf die kleine S-förmige Wolke im Osten eben. Und die leuchtet plötzlich wie ein Regenbogen!
Zuerst war da nur ein schimmernder gelber Fleck von dem ich annahm, er sei die Sonne. Ich reckte meinen Kopf ein wenig. Die Sonne stand tatsächlich aber schon zwei Handbreit weiter rechts im Süden, nahe über dem Abhang. Zu dem sich - nach einer Weile - Orange gesellte, das sich nach und nach dunkler und dunkler mit sanftem Rot verbreiterte. Und auf einmal erschien, links von dem Gelb, kaum wahrnehmbares Grün, weiter daneben, jetzt kräftiger: hellblau, königsblau und violett.

 

 

 

Montag, 14. Januar 2013

 

 

 

Heute.
Der Tag, endete mit einem sehr traurigen und schmerzlich unersetzlichen Verlust.
Warum habe ich es nichts getan, warum nicht reagiert?!
Du wurdest doch gewarnt.
Weißt du das nicht mehr?
Ich wünschte, ich hätte einmal mehr auf meine innere Stimme gehört und mich nicht von eigentlich Unwichtigem ablenken lassen. Manches kann man wohl nicht ändern, so sehr man es sich auch wünscht.

 

 

 

Dienstag, 15. Janaur 2013

 

 

 

Lotoslächeln
Herzlängen berühren deinen Mund

 

 

 

In dem klaren und unergründlich tiefen Wasser eines Dorfbrunnens schwimmt still ein einzelner Goldfisch

 

 

 

Mittwoch, 16. Januar 2013

 

 

 

Lotoslächeln, mit etwas traurigen Augen

 

 

 

Freitag, 18. Januar 2013

 

 

 

 

 

Samstag, 19. Januar 2013

 

 

Mein lieber Yoda

 

 

 

Abends scheint der Schnee blau.

 

 

Aus dem schönen Buch Haiku & Haiga, Augenblicke in Wort und Bild: Ich zitiere: “Der Dichter (Nakagawa Otsuyu - Bakurin) wünscht sich, daß die Frauen in ihrer von der Gesellshaft auferlegten Rolle nicht so leiden sollten, sich nicht so nachgiebig zeigen sollten: kitto sasete, “Ich möchte sie stark, aufrecht sein lassen.””

 

YANAGI
WEIDE

 

Kitto sasete
mitai hi mo ari
yanagi kana

 

Es gibt auch Tage,
da wünscht’ ich mir die Weide
nicht so nachgiebig!

Otsuyu (1675-1739)

 

 

 

Mittwoch, 23. Januar 2013

 

 

 

Schnitt mir eine Scheibe ab. Wollte sie jemand geben. Fütterte ihn damit. Der es dankbar verzehrte.

 

 

 

Donnerstag, 24. Januar 2013

 

 

 

Goldener Faden

Als wäre der Faden gerissen. Ich dachte: jetzt ist er es. Und jetzt kommt nichts mehr. Er ist es nicht. Die Wahrheit ist, das weiß ich jetzt aus sicherer Quelle, er reißt niemals.

 

 

 

Samstag, 26. Januar 2013

 

 

 

Schöner Winterwald


Im blauen Licht des Vollmonds flüsterte der Wind zwischen reifschweren Zweigen, sie bewegten sich auf und ab, wie von unsichtbarer Hand berührt. Weite Ebene. Riesenhafte Steine.

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 27. Januar 2013

 

 

 

oben:

Detail der Stuckdecke der kleinen Kapelle: Sequenzen des Guten Hirten, in der Mitte der Pelikan, der seine drei Jungen nährt.
Unten auf dem Boden, aufgeschlagen, riesig, schwer, das Buch der Offenbarung. Zeugt und mahnt auch vom Schmerz und Leid der letzten 2000 Jahre. Daneben steht ein großes klingendes Tongefäß gleich einer bauchigen Vase. Gebrannt in der Asche 1000 Jahre alten Holzes. Mit einem weichen Klöppel kann jeder selbst dagegen schlagen.
Der Ton klingt tief, weich und warm. - Oder ist es ein Schwan?

 

 

 

Samstag, 2. Febraur 2013

 

 

 

In der Mitte des kleinen Tisches wuchsein Baum, ein Bonsai, aus einer flachen Schale. Umrahmt von vier Vögeln. Mir ist das erst zwei Tage später aufgefallen, obwohl ich die ganze Zeit hingesehen habe.

 

 

 

Sonntag, 3. Februar 2013

 

 

 

Der Wind verabschiedete uns, fuhr plötzlich heftig in den alten Baum vor dem Haus, aus dem wir gerade getreten waren. Der Weg durch den Garten war von Windlichtern und Kerzen erleuchtet, geschmückt mit getrockneten Zweigen, schönen Steinen. Mit bunten Holzschuhen aus Holland.

 

 

 

Eine weiße Seelrose, in deren Mitte eine kleine Flamme brennt

 

 

 

Dienstag, 5. Februar 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Magic

 

 

 

Donnerstag, 7. Februar 2013

 

 

 

Die Liebe ist zu einem Apfel geworden.
Den ich sehr mag.

 

 

 

Samstag, 9. Februar 2013

 

 

 

Fujara "Keby ja bol vedel"

 

 

 

Feldforschungen: “ ...ich gieße es wieder dorhtin zurück”

 

 

 

So schön, daß einem die Worte fehlen.

 

 

 

 

 

 

An der Pinnwand ganz oben rechts: Ein kleines quadratisches, dunkel gehaltenes, rahmenloses, in Öl gemaltes Bild von einer kleinen, honigfarbenen Kerze, die still brennt.
Es ist nicht mehr viel Zeit.

 

 

 

Auf der breiten Straße: Auf einmal werden die Straßenlampen, es sind schwarze Autoreifen, eingeschaltet, und es wird hell. Sie werden plötzlich zu ovalen, goldenen Lichteiern

 

 

 

Sonntag, 10. Februar 2013

 

 

 

Und dann folge ich immer dem Sinn der Stimme, sagte er.
Dem Sinn der Stimme der Stille?

 

 

 

Ein Rosenstock blüht im Winter, mitten im Schnee. Oben, bei der Mutter. Es sind genau drei Blüten an drei Strünken.

 

 

 

Dienstag, 12. Februar 2013

 

 

 

Elfengrotte

Vor den dunklen Tannen im Schneetreiben wippend und nickend versammelt: die Sonnenblumen vom vergangenen Jahr

Waldspaziergang zu den Holzsammlern

Der kleine König ist erschienen

 

 

 

Mittwoch, 13. Februar 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt.
Der Traum handelte vom heiligen Berg Kailash. Daß er ihn noch einmal umrundet.
Er trug tibetische Kleidung. Ein Yakfell. Schnüre waren um seine Füße gewickelt. An den Händen riesige Fellfäustlinge. Und der Hund war plötzlich wieder da! Sein Freund. Wenn der Hund in der Nähe war, dann ist alles in Ordnung, dann geht alles gut.
Viele Mönche befanden sich ebenfalls auf Pilgerschaft. Er unterhielt sich mit ihnen in ihrer Sprache.
Auf dem Dölma La-Paß war ein heftiger Sturm. Doch plötzich zeigte sich die Sonne!
Und der Berg leuchtete wie Licht, wie eine Tempelkuppel. Heller als die Sonne.
Weißes Licht.
Das Gefühl, daß er sich nur noch voller Ehrfurcht, Ergriffenheit und Dankbarkeit verneigen könne. Der Berg erschien ihm so nahe, daß er glaubte er könne ihn mit Händen greifen und gleichzeitig hatte er das Gefühl, sich einer unnahbaren, unberührbaren, ätherischen Erscheinung gegenüber zu befinden. Jenseits des irdischen Bereichs, jenseits aller materillen Wirklichkeit.
Auf einmal wußte er, was der Berg in Wahrheit war, nämlich ein himmlischer Tempel mit einer Kuppel aus Kristall. Seine Kuppel war ein Diamant. Eine Verbindung mit dem Unviersum.
Als sei er nach Hause gekommen.
Während des Absteigs erwachte er.

 

 

 

Donnerstag, 14. Februar 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt.
An der Basisstation. Bereit zum Aufbruch. Bereit zum Aufbruch den Berg zu umrunden. Und da war er wieder, in einiger Entfernung, sein treuer Begleiter, der herrenlose Hund mit dem hellen Fell. Nun wußte er, daß ihm auf seiner Reise nichts geschehen würde.
Er belud seine drei Yaks mit Decken. Die Geschirre waren mit Glöckchen und Quasten versehen. Die Glöckchen klingelten leise freudig, sangen eine wunderschöne Melodie.
Gleich würde er als Pilger aufbrechen, alleine. Die Yaks waren bereits unruhig und nervös und scharrten mit ihren Hufen. Komm, komm, komm, die Stunde des Aufbruchs ist da. Etwas Besonderes liegt vor Dir. Dies ist der erste Schritt!

 

 

 

Samstag, 16. Februar 2013

 

 

 

Heilige Hand

 

 

 

Sonntag, 17. Februar 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt.
Jetzt war er aufgebrochen den heiligen Berg zu umrunden. Doch der Berg war in dichtem Nebel gehüllt und nicht zu sehen. Am Dölma La-Paß lichteten sich aber plötzlich der Nebel und der Kailash zeigte sich ihm. Auf dem Berg befanden sich zehn oder zwölf Mönche, welche ihm lächelnd zuwinkten! Nach Hause. Sie trugen gelbe, rote und grüne Kopfbedeckungen. Und auf einmal flogen all die Gebestfahnen, welche er mitgebracht hatte und mit denen seine drei Yaks beladen waren, zu dem heiligen Berg hinauf!

 

 

 

Dienstag, 19. Februar 2013

 

 

 

Hast Du einmal die purpurbunten Wiesenkleeblumen zum Trocknen zwischen die leeren, weißen Seiten des Büchleins gelegt?
Ich öffnete es - sie fielen mir entgegen.

 

 

 

Mittwoch, 20. Februar 2013

 

 

 

Die Schöne leuchtet,
hat sich entfaltet:

 

 

 

Er hat mir seinen Traum der vergangenen Nacht erzählt.
In dem Traum erklärte ein buddhistischer Mönch in einem tibetischen Kloster seinen jungen Mönchzöglingen heilige rituelle Tänze und Gesänge. Schließlich wandte dieser sich mit einem Lächeln zum Träumenden hin, der sich nämlich über die Ausführungen wunderte, und erklärte:

“Der Tanz muß aus der Leerheit entspringen,
frei sein von jeglichen Anhaftungen,
so wie sich ein Regenbogen in den Himmel malt. -
Die Geste des Tanzes ist wie ein Spiegelbild der Erleuchtung.”

 

 

 

Das ist schön, nicht wahr?

 

Tröstung des Schmetterlingkindes

 

 

 

Die Fensterläden sind geschlossen, der rechte Laden ist dunkelrot und der linke braun. Doch aus dem Spalt in der Mitte ragt ein blühender Zweig nach draußen.
Vielleicht ist der erstaunliche Bewohner des Hauses ein Baum?

 

 

 

Donnerstag, 21. Februar 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt.
Im Traum befand er sich in einem tibetischen Kloster. Erst war alles verschwommen. Er hörte die Gesänge der Mönche, die Trommeln, die Hörner.
Auf einmal aber wandte sich der orange gekleidete hohe Lama des Klosters zu ihm um und sagte:

„Seien wir immer Boot, Floß, Fähre oder Brücke... -
Wie die Erde und die anderen Elemente
den Wesen im unendlichen Raum dienen,
so mögen wir ebenfalls in jeder Weise den Wesen nützlich sein,
welche den Raum bevölkern,
solange bis alle erlöst sind.“

 

 

 

Freitag, 22. Februar 2013

 

 

 

Türe

Ein lieber Freund hat mich angerufen und mir einen Filmtipp gegeben. Eine französische Reisedokumentation über den heiligen Berg Kailash, welche am Abend gesendet wurde. Währenddessen ich die Dokumentation ansah läutete plötzlich das Telefon. Der Freund war am Apparat. “Kannst du den Film sehen?”, fragte er mich, “Bei mir läuft ein Hockeyspiel!” Ich antwortete: “Aber ja, er ist wunderschön.”

Der Manasarovar See (vom Fernseher abfotografiert)

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt.
Er befand sich wieder in dem tibetischen Kloster.
Der Meister des Klosters sagte zu ihm:
“Unsere Handlungen sind unser Besitz, unser Erbe und der Mutterschoß, der gebiert.”

 

 

 

Samstag, 23. Februar 2013

 

 

 

Drinnen: eine Blume

Vor der Haustüre: winzige Fußspuren im Schnee. Ich dachte, vielleich von einer Katze, eine wahrscheinlich frierende Katze war auf der Treppe gesessen und hat Einlaß begehrt. Doch mein Vater sagte, es sei ein Eichhörnchen gewesen. Er hätte es am frühen Morgen gesehen.

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt und ich habe ihn gemalt

 

 

 

Er saß am Ufer des heiligen Sees auf den Stufen zu einem Kloster. Es war Herbst und stürmte. Die Kräfte der Natur schienen entfesselt. Doch ihm war warm, er hörte die Gebete und Gesänge der Mönche, die Trommeln, ihre Hörner. Er fürchtete sich nicht.
Plötzlich war ein helles weißes Licht über dem See, blendend, heller als die Sonne. In diesem weißen Licht erschien der Berg. Der Berg selbst war das Licht. Es sah ätherisch aus und wunderschön. Da waren auf einmal Pilger in roten Gewändern, sie umrundeten den See zur Kora, wurden immer mehr, immer mehr kamen hinzu, machten sich auf den Weg. Paarweise nebeneinander. Sie glichen bald einer gewaltigen lebendigen Kette, welche den heiligen Berg und den See in Form einer liegenden Acht umschlang.
Plötzlich waren alle Menschen zu Edelsteinen, zu Perlen geworden! Mensch an Mensch, Perle an Perle. Eine riesige wunderschöne Perlenschnur in Form einer liegenden Acht verband nun Berg und See. Es waren Perlen aus Korallen, aus Türkis und aus Bernstein. Jetzt waren beide, Berg und See, für immer untrennbar auf mystische Art miteinander vereinigt.

 

 

 

Sonntag, 24. Februar 2013

 

 

 

20130223-2

Bei einer Collage

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt.
Der Meister des Klosters sagte zu ihm:
„Das Leben vor dem Tod,
das Leben nach dem Tod,
und der Tod selbst -
sehe alle drei als Eines.
Sie sind unvergänglicher Pfad des Lebens,
Pfad der Veränderung und des immerwährenden Wandels.”


Und:
„Die Samen der Vergangenheit sind die Früchte der Zukunft.“

 

 

 

Montag, 25. Februar 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
Der Weise des Klosters sprach inmitten von Mönchen, Novizen und Kindern, die ihn sehr verehrten.
Er sagte:
“Seid bereit - auch wenn der Tod euch heute noch unverhofft wie ein Blitz treffen sollte, ohne Trauer und Bedauern über das, was ihr zurücklaßt.
Gebt niemals die rechte Anschauung der Wirklichkeit auf und verlaßt dieses Leben wie ein Adler, der sich in die blauen Lüfte schwingt.”

 

 

 

Dienstag, 26. Februar 2013

 

 

 

Stern der Erde: der See ist ein Speigelbild der Seele.

 

 

 

Donnerstag, 28. Februar 2013

 

 

 

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
Ein buddhistischer Meister unterrichtete seine Schüler, dabei wies er auf die Worte eines großen Dalai Lama hin, der einmal sagte:
„Das Bedürfnis, Liebe und Zärtlichkeit zu empfangen und zu geben, beweist die gegenseitige Abhängigkeit.
Wenn das Glück nicht von einem anderen abhängen würde, wenn es aus sich selbst existieren würde, hätte die Liebe keinen Sinn.“

 

 

 

Über die zweite Aussage in dem oben erzählten Traum muß ich oft nachdenken.
Existiert denn Freude oder Glück nicht in Wahrheit doch auch aus sich selbst heraus?
Und hat die Liebe nicht erst recht Sinn, eben weil sie zuerst aus sich selbst heraus existiert?
Oder ist das einfach nur naiv gedacht von mir? Vielleicht muß man erst einmal in der Liebe zu einem “Du”, zu einem anderen Menschen vollkommen aufgegangen sein, um fähig zu werden diese Frage wirklich beantworten zu können.
Denn natürlich sehne ich mich nach einem “Du”, einem Gegenüber, etwas im Außen, selbst wenn dies kein menschliches Wesen sondern ein Tier oder auch der Anblick einer Landschaft ist, mit dem ich beziehungsweise mit der ich in Beziehung treten kann. Einfach die Welt, die mich - uns - umgibt. Jeder Mensch tut das. Braucht das. Das ist lebendig sein.
Mir fiel wieder dieser Satz von den Sufis ein: Ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden, darum schuf Ich die Welt.

 

 

 

Samstag, 2. März 2013

 

 

 

Schöner Tag mit Freunden

Spaziergang zur Grotte und zum Aussichtspunkt

 

 

 

 

 

 

Beim Kaffetrinken. Auf dem Schränkchen lag ein Buch: Engel in deinem Haar.
Ich dachte: Ja.

 

 

 

Montag, 4. März 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt, in dem er sich in einem besonderen Tempel in Tibet befand:
Durch die zweite Türe gelangt man in das Allerheilgste des Temples. Eine zeitlose Stille schwebt über den Tausenden von Gläubigen, welche von Kapelle zu Kapelle ziehen, Weihrauch in den Händen, Tränen in den Augen, die Blicke leuchtend von den Flammen der kleinen Lampen. Da hier alle Klänge im Widerhall sind, wird das Gebet niemals unterbrochen. Die von sich selbst befreiten Gedanken sind unermeßlich im Reich des Absoluten.

 

 

 

Dienstag, 5. März 2013

 

 

 

Am Straßenrand inmitten graubrauner kahler Stämme auf einmal ein heller, sonnengelber Fleck, wunderbar zart, Anemonen. Buschwindröschen. Trotz des Frostes und der noch eiskalten Nächte.

 

 

 

Freitag, 8. März 2013

 

 

Ein Blumenstrauß wird zu einem Trichter, zu einem Füllhorn, zu einer Nixe...
zur kleinen Meerjungfrau

 

 

 

Montag, 11. März 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt. Er wußte:
Wie der Himmel der Sonne,
die Mutter ihres Kindes,
und der Vogel beider Flügel bedarf,
so bedarf auch die Leerheit eines großen Erbarmens mit allen Wesen.

 

 

 

Mittwoch, 13. März 2013

 

 

 

Winzig, winzig kleine Blüte

 

 

 

Donnerstag, 14. März 2013

 

 

 

Ein Herz wird ausgeleert.

 

 

 

Freitag, 15. März 2013

 

 

 

Ich habe einen berührenden und schönen Film über Flußdelphine auf BR alpha angesehen. Die Flußdelphine sind massiv vom Aussterben bedroht. Sie sind eine erstaunliche Symbiose, eine Freundschaft, zu den Menschen eingegangen, sie helfen den Fischern beim Fischen. Das jüngste Kind der Fischerfamilie, ein Junge, soll später zum Studieren in die Stadt, sagt der Vater. Die ältere Tochter muß dem Vater bei der schweren Arbeit helfen. Sie würde lieber in der Stadt in einem Geschäft arbeiten, sagte sie aber.
Vor einigen Jahren habe ich einmal eindrücklich von Flußdelphinen geträumt. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren, das war die Essenz des Traumes.

 

 

 

Und ich? Ich wäre lieber am Fluß bei den Delphinen. Und wenn ich noch Malsachen hätte, dann wäre alles in Ordnung. Heute. Als Teenager habe ich auch anders gedacht.

 

 

 

Schlange

 

 

 

Heute habe ich von einer großen dicken Schlange geträumt.
Da war ein Tisch auf dem stand allerlei zu kaufen. Unter anderen auch ein besonderes Heilmittel, mit Honig, für die Beine. Es leuchtete sonnengelb und sah sehr wohltuend aus und ich bestaunte es verwundert. Das Heilmittel für die Beine schien ein Renner zu sein denn das Behältnis war nur noch halb voll.
In dem Vitrinenschrank daneben befanden sich viele in weiße Schachteln verpackte Medikamente. Eine Frau, welche offensichtlich für den Arzneimittelschrank verantwortlich war, setzte gerade eine bestimmte lebendige Heilpflanze mitten hinein. Diese Arbeit tat sie jeden Tag. Sie arrangierte die lebendige Heilpflanze sorgfältig von oben auf einen penibel sauberen, oval geformten, weißen Porzellanteller zwischen die anderen Arzneimittel.
Da nahm ich plötzlich eine große, dicke, dunkle, erst eingerollte Schlange mit einigen gelben Flecken hinter der Pflanze wahr. Ich sah die Schlange und erschrak. Die Schlange erkannte mich im Gegenzug ebenso und wollte von dem Moment an nichts anderes als nur noch zu mir.
Die Frau erklärte lächelnd, während sie zwanglos auf der Treppe zu meiner Haustüre saß, daß sie die Schlange stets unter ihre Kleidung ließe. Sie demonstrierte mir wie. Dort würde die Schlange an bestimmten Punkten, zum Beispiel oben im Nacken in der Nähe der Schulterblätter, Druck ausüben. Doch ich wußte nicht ob ich das wollte, fürchtete mich und rannte davon. Und die Schlange, die mich sehr mochte und nichts mehr anderes als nur noch zu mir wollte, hinterher.

 

 

 

Samstag, 16. März 2013

 

 

 

Kristallfisch vor der Dreifaltigkeitsquelle

Spaziergang in den Wald. Zu unserer Überraschung führte der Weg zu einer wunderschönen Quelle. - Manchmal denke ich, daß der Winter heuer niemals ein Ende nehmen wird.

 

 

 

Sonntag, 17. März 2013

 

 

 

Mitten auf dem Weg: Kleiner Hirsch mit weißem Geweih

In einem Traum ein kleiner brauner Vogel, ob es ein Zaunkünig war?, überrollt, plattgefahren und steifgefroren in einer Reifenspur im Schnee. Sie wollte es nicht wahrhaben, sie erinnerte sich, daß es ja nur ein Traum war, bückte sich und nahm den kleinen Vogel in ihre warmen Handarme. Da bewegte er sich, da wurde er wieder lebendig und flog davon.

 

 

 

Freitag, 22. März 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Oostwind

 

 

 

Zu den Regenbogen, den ich gestern Abend sah, kommt ein zweiter hinzu.

 

 

 

Samstag, 23. März 2013

 

 

 

Ein großer Weißer tritt zu mir. Was er sagt?: Dunkelheit.

 

 

 

Sonntag, 24. März 2013

 

 

 

Über den Atem.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 26. März 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
“ ...Und der Meister des Klosters erinnerte uns and die Worte des Buddha: Ich habe euch den Weg gewiesen, nun ist es an euch, ihn zu beschreiten. Denn das Ziel eines jeden Schülers ist es, sich selbst zu verwandeln, um die Welt verwandeln zu können... “

 

 

Donnerstag, 28. März 2013

 

 

 

Ein Kreis trifft auf einen zweiten.
Die beiden Kreise berühren sich, sie überschneiden sich schließlich, und diese Überschneidungsfläche bildet auf einmal einen kleinen Fisch, welcher mit dem oberen Schnittpunkt - das ist sein weicher Mund - die Wasseroberfläche von unten her berührt und sie in sanfte Schwingung versetzt.

 

 

 

Freitag, 29. März 2013

 

 

 

Rose

bis
intelligenter
Rose
Plötzlich
ist Stille da.

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
“... wie der helle Schein der Sonne und des Mondes zerreißt er die Finternis der Unwissenheit.
Er ist das feste Land, das die Last des Guten und des Bösen gleichermaßen trägt.
Wie Vater und Mutter leibt er alle Wesen gleichermaßen. Als ein großer Strom des Mitgefühls, als ein Berg, der sich über die irdischen Besorgnisse erhebt... “

 

 

 

Heute fließt das Wasser des Baches sprudelnd eigenartig grau, blau und chromdioxidgrün. Schneeflocken tanzen federleicht. Wie faszinierend das Wasser vom seidig braunen Gefieder der badenden Enten wieder zu seinesgleichen perlt. Eisig blank schimmernden Kugeln und anderen seltsamen sich teilenden und wieder vereinigenden organischen Formen aus Bergkristall gleich. Wie Quecksilberflüsse. Die Armee der Erlen steht stoisch steif, trägt üppig und rostrot noch die Früchte des vergangenen Herbstes.

 

 

 

Ich habe von zwei Störchen vor einem glatten weiten Wasser geträumt.

 

 

 

Sonntag, 31. März 2013

 

 

 

Das Grabmal von Walther von der Vogelweide in der Osternacht. Eine Kerze leuchtet still darauf. Blumen: Rosen und Osterglocken.

 

 

 

Ich träumte: Ein grauer Vogel liegt ausgebreitet da, tot. Er wird zu frischem Brot. Das ich zerschneide, um damit die Vögel zu füttern.

 

 

 

Montag, 1. April 2013

 

 

 

Fundstück
(winzig klein auf dem Fußboden)

 

 

 

Ausflug zu den blauen Fenstern von Marc Chagall

 

 

Wenn du jetzt schon
den Tag dein Eigen nennst
erwarte ich 100 Gitter
aus Seide:

 

 

 

Glückliche Stunden

 

 

Paar

 

 

 

Dienstag, 2. April 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
... Die Wärme seiner Wahrheit und seines Mitgefühls zerbricht das taube Gestein, das unser Wesen umgibt, so daß das Gold hervortritt... “

 

 

 

Donnerstag, 4. April 2013

 

 

 

Auf den weiten Äckern am Waldrand: Scharen von Kiebitzen, Staren und Feldlerchen rasten dort seit einigen Tagen offenischtlich unfreiwillig und haben wegen des eisigen Ostwindes ihre Reise in das nördliche Sommerquartier unterbrochen.
Die fast hühnergroßen Kiebitze mit ihrem hübschen Schopf und den grünschillernden Flügeln trotzen dem eiskalten Wind. Sie marschieren, hoch erhobenen Hauptes, dann wieder nach Futter pickend, über mattes, staubiges Braun. Es sind wirklich beeindruckende und faszinierende Vögel. Die Straße in die Stadt führt mitten durch ihr neues vorläufiges Wohngebiet. Halte ich mit meinem Auto vorsichtig am Straßenrand, suchen sie - nach einigen abwägenden Blicken in meine Richtung - flatternd eindrucksvoll, gleich heftig geschwenkten schwarzweißen Flaggen, das Weite.
Der schwirrende Singsang der vielen unsichtbaren Lerchen versetzt einen in Entzücken.

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Maira

 

 

 

Sonntag, 7. April 2013

 

 

 

Endlich Sonne:

 

Weiße, unendlich zarte, anemonengleiche Blumen treiben überall aus. Ihre Blütenkelche sind noch geschlossen.

 

 

 

Dienstag, 9. April 2013

 

 

 

Am Standstreifen der Autobahn: Eine Taube pickt ungerührt nach Futter. Und ich brause vorbei. Das war, fand ich, sein seltsamer Anblick. Denn die Taube war vollkommen weiß.

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
Er war in dem Kloster am See und lauschte fasziniert, was der Meister seinen Mönchen sagte. Der Meister sprach wieder vom Tanz. Was das Wesen des Tanzes sei. Er sprach:
“Auf dem Gipfel erhebt sich ein Lichtpalast, so wie der Himmel.
In der Mitte des Palastes sitzt in einem Raum aus gleißendem Licht und einem Geflecht von Regenbögen der Lotosgeborene. Er ist von Bewahrern der Erleuchtung und Gottheiten umgeben, die tanzen und mit einer wohlklingenden Stimme singen.
Sie bilden eine herrliche Wolke und wirken in unvorstellbarer Weise zum Wohle der Wesen.”

 

 

 

Das Wasser, das Meer, es hat Feuer gefangen und brennt!

 

 

 

Mittwoch, 10. April 2013

 

 

 

WIR WERDEN NICHT
WIR WEISEN

 

 

 

Donnerstag, 11. April 2013

 

 

 

Eine durchsichtige Schlange, eine Kobra. Eine azurblaue Flüssigkeit steigt in ihr auf.

 

 

 

Ich träumte davon, daß ich mich übergeben muß. Es war schrecklich. Da war auch eine Schlange, eine Kobra. Bei ihrem Anblick erschauderte ich. Der Lehrer erklärte mir mit Hilfe eines weißen Schildes: Die azurblaue Flüssigkeit steigt in der Schlange hoch. Vorne, an der Vorderseite des Körpers, ist es Salzsäure, und an der Rückseite Natronlauge. So fühle ich mich auch, daß etws Schreckliches und unverdaulich Giftiges in mir war. Beide gefährlichen Flüssigkeiten treffen sich dann oben am Scheitel.
Hinter dem Schild befand sich ein weißer, leerer Tisch. Ich würde alles beschmutzen, dachte ich hilflos, was soll ich nur tun? Doch just in dem Moment reichte auf einmal eine freundliche Frau einen größeren zylindrisches Glasbecher von rechts herbei, halb gefüllt mit einer klaren, wasserähnlichen, aber zähflüssigeren Substanz, in das ich mich erbrechen konnte. Die Flüssigkeit nahm das Erbrochene auf und schloß sich vollkommen darüber. Was für ein Glück! Ich war wirklich erleichtert.

 

 

 

Freitag, 12. April 2013

 

 

 

Die herrlichen byzantinischen Mosaike der Basilika St. Apollinare in Classe in Ravenna

 

 

 

Vier Schönheiten am Wegrand.
Und die fünfte öffnet sich gerade:

 

 

 

Eine weiße Taube ist bei der Ankunft mit einem Zweig im Schnabel niedrig über uns hinweg nach Norden geflogen.

 

 

 

“Der Blume geht es gut.”
“Schön, daß es dir gut geht.”

 

 

 

Eine Geschäftsreise in den Frühling. Duft der nahen Adria. Die markanten Felsen von San Marino werden von Sonnenstrahlen beleuchtet, welche durch die niedrighängenden Vormittagswolken brechen. Es blieb Zeit für ein leckeres Essen und wenigstens eine der Kirchen mit den berühmten byzantinischen Mosaiken zu besuchen. Besonders mag ich die Darstellung der Schafe zwischen den weißen Lilien. Aber auch die naive Darstellung der Vögel in dem lindgrünen Weidengarten. Das warme leuchtende Gold des Himmels, welches vor vielen Jahrhunderten von fleisiger Hand aus abertausenden von Steinchen zusammengefügt worden ist. Ach, und das Azurblau, das liebe ich so, mit den unzähligen funkelnden Sternen darin.

 

 

 

Wolkenfische

 

 

 

 

 

 

Die Fenster der Basilika sind aus Alabaster

 

 

 

Eine kleine Hütte auf einem hohen Fels

 

 

 

Sonntag, 14. April 2013

 

 

 

Alabasterband

 

 

Die Schwalben sind da!

 

 

 

Samstag, 20. April 2013

 

 

 

Das Kalenderblatt von heute zeigt ein Gemälde von Joan Miró mit dem lyrischen Titel: Der schöne Vogel enthüllt einem Liebespaar das Unbekannte. Wunderbar. Mir wird ein halber Medizinball zugeworfen. Der Ball des Meisters. Die Sonne lebt frisch... , so beginnt das mehrzeilige gelbgrundige Gedicht, mit dem die Innenfläche bedeckt ist. Unter dem Kaftan verborgen: ein dicker alter Strunk mit großen Dornen. Uralter Stamm. Erschrak zutiefst. Man kann sich daran verletzen, Vorsicht!, dies war mein erster Gedanke. Doch vielleicht ist es auch ein Rosenstrauch, das war der zweite.

 

 

 

Sonntag, 21. April 2013

 

 

 

Lobgesang

 

 

 

Donnerstag, 25. April 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Donau

 

 

 

Freitag, 26. April 2013

 

 

 

Weiß  der
Mond voll

 

 

 

Samstag, 27. April 2013

 

 

 

Sein Platzdeckchen

 

 

 

Am Abend, als ich schon im Bett lag, konnte ich das erste Mal wieder bei offenem Fenster den Gesprächen des Schwalbenpaars lauschen, welche an der Hauswand unter dem Dachüberstand darüber ihr kleines Lehmnest hingeschmiegt hat, dem leisen auf und abwogenden unendlich zärtlichen Zilpen und Zalpen. Bis tief in die Nacht.
Das erste Mal wieder den Ruf des Kuckucks hören, von weiter weg, von der langen Reihe der hohen und buschigen Erlen am Rande des grün austreibenden Wiesengrund her. Das erste Quaken eines Frosches. Dem jubiliernden Singsang all der anderen Vögel, die noch hier am Bach wohnen. Seinem Gurgeln und Plätschern und Rauschen lauschen. Eine eigene, zeitlos ewige Sprache hat er.
Den Geräuschen der hereinbrechenden Nacht.

 

 

 

Dienstag, 30. April 2013

 

 

 

Dem wahren Rembrandt
dem wahren Herzbaum:

 

Ackerboden
bist du
bringe Frucht wie der Morgen

 

 

 

Sonntag, 5. Mai 2013

 

 

 

Anemonen im Klee

Bezaubernder Abendspaziergang

 

Durch ein Meer von Schlehenblüten.
Begleitet vom fröhlichen Singsang eines Bächleins.
Begleitet von Vogelstimmen.
Trutzig gelb grüßen üppig Burgen von Sumpfdotterblumen aus dem feuchten Grund des Tals.
Der Schachtelhalm blüht auch.
Ganz unscheinbar. Eine Kerze aus Blütenstaub.
Die meisten Himmelsschlüsselchen sind schon verwelkt.
Ein uralter prächtiger Birnbaum am Waldrand zeigt sich in strahlendem Weiß.
Der Kuckuck ruft.
Die Wipfel der Kiefern leuchten für einen Moment golden auf.
Schau, Schau!
In deinem Haar haben sich zwei winzig kleine Dornenzranken verfangen.
Bleib so. Tue sie raus.

Die Sonne geht langsam unter.
Es dämmert schon.
Leise schließen sich die Blütenkelche:
Die des Löwenzahns.
Die der Fleischblumen.
Die der Veilchen.
Die einer zarten weißen Blume, deren Name ich nicht kenne.
Noch leiser die der Anemonen.
Auf einmal wird die Luft kühler und frisch, sie duftet nun nach dem Atem des Waldes.

 

 

 

Feuersalamanderschlange

 

 

 

Mittwoch, 8. Mai 2013

 

 

 

Er lauscht.
Er lauscht.
Er lauscht.

 

 

 

Donnerstag, 9. Mai 2013

 

 

 

4 Quadrate
4 Themen
4 Bilder:

 

Kraftvolles Feld
klares Leben
würdest du
Türe

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 12. Mai 2013

 

 

 

Zufällige Begegnung

 

Das Landschaftsbild heißt Heimatreisen

 

 

Außer: das
tiefste Blau
und das
höchste Grün.

 

 

 

Dienstag, 14. Mai 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Chidri

 

 

 

Sonntag, 19. Mai 2013

 

 

 

“Schau mal, wie schön sich auf dem Wasser die Sonne spiegelt. So als käme Diamant angeschwommen.”

 

 

 

Ich habe geträumt, daß ich einen Fuß, jemandes nackten Fuß, unter klarem fließendem Wasser wusch. Ich wusch ihn, wusch die Zehen, und auf einmal ist mir aufgefallen, daß diese für Zehen erstaunlich lang und, so schien es, sie richtiggehend wie aus sich heraus gewachsen waren. Das sah so ungewöhnlich und erstaunlich aus.
Da realisierte ich: der Fuß, er war eine Hand! Handfuß.

 

 

 

Sonntag, 26. Mai 2013

 

 

 

Blick durch das Sonnendach eines Fiat Unos nach oben in den Himmel

 

Regentag und ein schönes Mittagessen mit Freunden.

 

 

 

Dienstag, 28. Mai 2013

 

 

 

Heute habe ich beim Kochen in einer roten Paprika ein kleines Herz gefunden.

 

 

 

Donnerstag, 6. Juni 2013

 

 

 

Kleine Schwalbe

 

 

 

 

 

 

Freitag, 7. Juni 2013

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 11. Juni 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Mystique

 

 

 

Es gab noch eine mystische Begegnung an diesem Tag: Ich habe am Abend eine Schlange bei ihrem Sonnenbad überrascht. Als sie mich sah verharrte sie regungslos und tat, als sei sie unsichtbar. Ich war mindestens genauso erschrocken wie sie. Sie war groß, im Durchmesser etwa drei Zentimeter, hatte eine bräunliche Haut und lag zusammengeringelt in einer sonnigen Kuhle unter einem vertrockneten Ast. Daß es hier bei uns solch große Schlangen gibt! Bisher habe ich höchstens einmal eine Blindschleiche gesehen, und diese leider meistens überfahren und tot. Als ich nach einiger Zeit wieder zu der Stelle ging war sie verschwunden. Ob es eine Ringelnatter war? Oder sogar eine Äskulapnatter? Beide Arten sind sehr selten und streng geschützt. Für den Menschen absolut ungefährlich, für Mäuse allerdings nicht.

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt, in welchem der Meister des Tanzes zu seinen Schülern sprach. Er sprach:
“Beim Tanz kommt es darauf an, daß der Ausführende die Gottheit klar vor Augen hat, die er darstellt und sich allmählich vollkommen bewußt wird, daß er selbst die Gottheit ist, da in jedem Wesen die Buddha-Natur vorhanden ist.
Er darf sich nicht von den äußeren Erscheinungen ablenken lassen sondern muß deutich erkennen, daß die Welt nur ein Traum, eine Täuschung ist.
Der Tänzer muß die Falten seines Gewands bewegen wie ein großer Vogel, der sich in die Lüfte schwingt, das Haar schütteln wie der Schneelöwe seine türkise Mähne - sein Körper muß die Anmut eines Tigers haben. Seine Bewegungen müssen majestätisch sein, voller Anmut und Leichtikgeit, klar und präzise.”

 

 

 

Mittwoch, 12. Juni 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Katharos

 

 

 

Donnerstag, 13. Juni 2013

 

 

 

Die Schwalben an unserem Haus

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
... und wieder sprach der Meister über den Tanz.
Er sprach:
“Der Tänzer soll sich so zart wie der Flügelschlag eines Adlers bewegen, als würden seine Füße einen Lotos auf den Boden zeichnen, unablässig Mantras murmelnd.”
Und abermals sagte er:
“Die Geste des Tanzes ist wie ein Spiegelbild der Erleuchtung.“

 

 

 

Montag, 17. Juni 2013

 

 

 

Er hat mir seinen Traum von der vergangenen Nacht erzählt:
Ein großer Rinpoche kam in das Land und Männer, Frauen und Kinder pilgerten zu ihm, um ihn reden zu hören. Zusammen mit seinen Mönchen residierte er in einem großen weißen Zelt, das etwa 50 Menschen faßte, genau zwischen dem Berg Kailsah und dem Manasoravar-See. Hunderte Menschen lagerten davor. Der Eingang des Zeltes stand geöffnet und manche steckten vorwitzig ihre Köpfe hinein, um den Erleuchteten zu sehen. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Der Erleuchtete saß im Lotossitz auf einem Kissen aus Brokat und rechts und links von ihm vier oder fünf Mönche. Er trug ein orangefarbenes Gewand, seine Arme waren nackt. Er hatte wallende lange graue wellige Haare und ein goldener Kranz oder Reif ziseliert mit heiligen Bildern saß auf seinem Haupt. Er war nicht schlank und hatte ein rundliches Gesicht. Es war markant und tief faltendurchfurcht, wie ein uraltes Gebirge. Besonders auffallend waren seine unendlich tiefen und dunklen Augen, welche darin wei feuerige Diamanten funkelten und leuchteten. Er war fesselnd und poetisch, die Menschen hingen voller Frömmigkeit, glückselig und ehrfürchtig an seinen Lippen. Selbst die Augen der Männer leuchteten. Alle lauschten ergriffen seinen Worten, die vom Wert des Daseins handelten.
Der große Meister sprach:
“Wenn wir unsere Chance nicht nutzen, dann sind wir wie der Bettler, der einen Edelstein findet, ihn einen Augenblick lang in seiner Hand hält und wieder in den Staub wirft, weil er ihn für Tand hält.”
Er fuhr fort:
Der Gipfel der Verwirrtheit ist es, wenn man im vollen Bewußtsein des Wertes der menschlichen Existenz diese in Zerstreuungen und in Verfolgung eitler Ziele vergeudet. Umsonst hat der Reisende dann mit unendlicher Mühe die Meere durchquert, wenn er von der Schatzinsel mit leeren Händen heimkehrt.”

 

 

 

Freitag, 21. Juni 2013

 

 

 

Ich war so müde, daß ich mich schon um neun schlafen legte.

 

 

 

Samstag, 22. Juni 2013

 

 

 

Johannisfeuer

 

 

Das riesige Feuer erhellte mit seinem lodernden Schein die Vollmondnacht. Ab und zu öffneten sich die Wolken in seltsamen Mustern und Formen und gaben den Blick auf einen Himmel frei, der köngisblau leuchtete. Das ganze Dorf schien auf den Beinen. Bekannte gingen grüßend vorbei. Den Hohlweg hinauf, die Zweige der Büsche und Bäume links und rechts über uns fast geschlossen, einander berührend, als ginge man durch ein unendlich langes Kirchenschiff, angenehme Kühle, an manchen Stellen des Weges lockten duftend im Dunkel verborgen Holunder, Minze und andere unsichtbare Blüten von Kräutern, Büschen, Gräsern und Bäumen.

 

 

 

Dienstag, 2. Juli 2013

 

 

 

Eine wunderschöne, rote Rose liegt auf von der Sonne gelb verdorrtem und vom Wind wie eine Welle gebogenem, langegewachsenem Gras.

 

 

 

Freitag, 5. Juli 2013

 

 

 

Jetzt schaue ich oft nach der Schlange, weil ich weiß, wo sie lebt. Am Abend ging ich wieder dorthin. Erst habe ich sie nicht gesehen, obwohl ich ihre Präsenz deutlich zu spüren meinte. Still stand ich da. Nach einer Weile entdeckte ich sie tatsächlich zusammengerollt sich sonnend unter einigen vertrockneten Zweigen. Heute schien ihre Farbe graugrün.

 

 

 

Sonntag, 7. Juli 2013

 

 

 

Absprung mit großem Gerufe: Eine junge Schwalbe kurz vor ihrem ersten Flug. Ihr linker Flügel schien zunächst eingeklemmt.

 

 

 

Montag, 8. Juli 2013

 

 

 

Um Punkt 23:00 Uhr flog auf einmal in einem weitem Bogen der azurblaue Vogelfisch durch das rechte Fenster hinaus ins Freie, in die Neumondnacht. Ich erwachte davon.

 

 

 

Dienstag,, 9. Juli 2013

 

 

 

Zuerst blühte der Jasmin, nur wenige Tage später zündete das Immergrün seine kleinen weißen Kerzenflammen an.
Ich habe eine Pfingstrose gepflanzt, eine blaue Iris.
Später noch Lavendel und eine rosafarbene Rose, welche die pralle Sonne liebt.
Im Garten steht jetzt eine mannshohe hölzerne Skulptur. Dunkelrot. Zwei rohe Bretter, die zueinander gehören. Verzahnt.
Das Grün der Bäume umwölbt sie wie ein Schutzmantel.
Und seit Neuestem gibt es auch noch ein kurzes Stück alten, schmiedeeisernen Zaunes darin. Zwei kurze Ketten baumeln lose im Wind daran. Sie möchten sich verbinden. Vielleicht mit einem Ast der Birke. Gekrönt ist der Zaun von einem türkisblauen milchig schimmernden Ei, das in der Abendsonne zu glühen beginnt. Über dem gelben Meer des Goldfelberichs. Von den Fluten der Überschwemmung noch gebückt. Vor der Weite des Wiesengrundes.
In der Weide hängt eine Perlenschnur aus Stein.
Den süßen Duft des Jasmins unter meinem Fenster roch ich beim Schlafengehen und beim Aufwachen am Morgen.
Den grünwürzigen Duft des Immergrüns ebenso.

 

 

 

Freitag, 12. Juli 2013

 

 

 

Da oben, hoch unter unserem Dach, gilt es einige hungrige Mäuler zu stopfen

 

Aufnahmen gestalten sich oft schwierig, denn die Schwalben sind wahre Flugkünstler und unglaublich flink und schnell. Bei der Beutejagd kann ihre Flugspitzengeschwindigkeit bis zu 74 km/h betragen. Ich las ferner, daß so eine kleine Schwalbe unter bestimmten Umständen bis zu 500 Kilometer an einem Tag zurücklegen kann. Faszinierend.

 

 

 

Dienstag, 23. Juli 2013

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 25. Juli 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Viking Odin

 

 

 

Sonntag, 28. Juli 2013

 

 

 

Ein neues Buch für Kinder ist erschienen:

 

 

 

Mittwoch, 31. Juli 2013

 

 

 

Anna

 

Ein kleiner Patient. Ich habe ihn auf dem Weg zur Gallerieeröffnung am vorigen Sonntag am Straßenrand im Nachbarort gefunden. Er kugelte hilflos auf dem Teer, konnte nicht mehr fliegen, während seine Brüder und Schwestern laut rufend über ihn kreisten, um den kleinen Vogel zu schützen. Wir haben ihn Anna getauft, weil am 26. Juli Anna-Tag und am Sonntag die Prozession zur Anna-Kapelle im Wald war. Anna, das kommt von Hannah, schlug ich nach, und es bedeutet Liebreiz, Anmut, Gnade. Aber eigentlich ist das mit dem Geschlecht gar nicht so sicher.

Anna ist eine junge Rauchschwalbe.

Die Sonne hat leuchtend grell geschienen, es war sehr heiß und ich nahm den kleinen Vogel in die Hand und fragte mich, was ich jetzt nur tun soll. Das paßte mir jetzt aber überhaupt nicht in den Kram. Eigentlich wollte ich ja bis zwölf bei der Ausstellung sein. Ihr Gefieder am Rücken schillerte wunderbar Blauschwarz wie hundert Libellenflügel tanzend am Ufer eines Bächleins. Die Federn über dem Schnabel waren rostbraun. Rehbraun. Rehfellbraun. Ihre dunklen runden Augen hellwach und warm wie Kohlestücke. Sekundenlang starrte ich sie an als käme sie von einem anderen Stern. Wahrscheinlich kam sie das auch. Erst realiserte ich gar nicht, daß der kleine Vogel in meiner Hand keine Mehlschwalbe, wie wir sie so zahlreich am Haus nisten haben, sondern eine Rauchschwalbe war. Ehrlich gesagt brauchte ich einige Tage dafür.

Sie kann ihren rechten Flügel nicht richtig bewegen denn mit ihrer Schulter ist etwas nicht in Ordnung. Er hängt ein wenig herab. Deshalb klappt es mit dem Fliegen leider auch nicht so gut. Also eigentlich gar nicht. Das ist sehr schlimm. Denn sie ist so klein und unglaublich zart und eine Schwalbe muß doch hoch in die Luft und in den Himmel und in die Sonne fliegen! Dort ist ihr zuhause. Das ist ihr Leben.
Die Tierärztin konnte keinen Bruch feststellen.

Wir versuchen unser Bestes, und ohne die tatkräftige und liebevolle Hilfe meiner Mutter wäre es nicht möglich, den kleinen Patienten den Tag über neben der Arbeit zu verpflegen. Meine Mutter ist wirklich toll und liebevoll, wenn sie sich um ihn kümmert und ihre Stimme nimmt dann einen sonnenhellen Klang an, wenn sie ihr beim Füttern leise liebkosende Worte zuflüstert.

Kurz nach dem Aufstehen, um etwa viertel nach sechs, bekommt Anna ihr erstes “Betthupferl” von mir. Da ist sie meist noch ein wenig verschlafen und braucht ein wenig. Während ich Frühstücke haben wir Blickkontakt und nun beginnt sie regelmäßig hingebungsvoll mit ihrer Morgentoilette und putzt sich ihre hübsches Federkleid. Pünktlich um sieben begleitet sie mich ins Geschäft.

Wir hoffen - trotz aller Schwierigkeiten - daß sie irgendwann einmal wieder mit ihren Artgenossen fliegen kann. Momentan ist ihr Lieblingsplatz allerdings auf meinem für diesen Zweck mitternachtblau mit weißen Pünktchen betuchten Kopf. Dort thront sie stolz, ruft ständig laut und penetrant: wid wid wid wid und macht Flugübungen.

 

 

 

Donnerstag, 1. August 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Scenic Diamond

 

 

 

Sonntag, 4. August 2013

 

 

 

Eine kleine Elfe, ein zartes, feingliedriges Mädchen mit karamelbraunem Teint und mit langem, dichtem, welligwuschigem Haar in der Farbe von Wüstensand und Asche bis über die Kniekehlen, welches gleichzeitig auch ihre Flügel war - ganz ordentlich gekämmt war diese Pracht ja nicht, wie das bei Elfenkindern halt so üblich ist -, steht barfuß vor dem Bücherbord im Wohnzimmer und studiert neugierig die Buchrücken der vielen Kochbücher.
Was das wohl bedeuten mag?

 

 

 

Mittwoch, 7. August 2013

 

 

 

... denn auch die Fernen sind dir nahe.

 

 

 

Sonntag, 10. August 2013

 

 

 

Berührt nach einem überraschenden Besuch.

 

 

 

“Die Schwalben am Haus, das hat sicher die Margit durchgesetzt, daß sie bleiben.”
Wieder am Herd, rührte in dem Töpfchen mit frischen Bohnen und Bohnenkraut, es köchelte duftend. Von den letzten Wochen müde und erschöpft. Plötzlich kamen mir die Tränen und es schüttelte mich regelrecht.

 

 

 

Donnerstag, 22. August 2013

 

 

 

Die Rohrflöte

Während er mir am Abend vorlas, das erste Kapitel aus dem schon abgegriffenen, alten Buch mit den golden geprägten Buchstaben auf dem dunkelgrünen Leineneinband, hörte ich wie einen Klang, den Klang einer Rohrflöte.
Hinter den leisen Worten und Sätzen, in das Halbdunkel des Zimmers hinein gesprochen. An mein Ohr. Seltsam. So fern, und gleichzeitig ganz nahe.
Das gibt es doch nicht? Täusche ich mich? Doch da war er wieder, der Klang, die Melodie. Ganz leise und ganz zart.
Sie schien aus seiner Stimme und aus den Buchstaben und Worten des Buches zugleich zu kommen. Ein feinflüssiges, mäanderndes Band.
Doch wollte ich es fassen, schien sie verstummt.
Das erste Kapitel handelte von der Sonne. Da war ein kleiner Junge, dessen größter Wunsch es war gut zu sein und der schließlich im Traum an einem Sonnenstrahl in den Himmel zur Sonne emporgestiegen war.

 

 

 

Endlich einige Tage Ferien.

 

 

 

Freitag, 23. August 2013

 

 

 

Im Kreuzgang des ehemaligen Klosters

 

 

 

Wanderung den Berg hinauf zur Einsiedelei

 

 

 

Samstag, 24. August 2013

 

 

 

Seligkeit beim Essen eines Eises auf einer Bank vor dem kleinen Hafenbecken, während ich gleichzeitg auf das blaue gurglenden Wasser, die fernen Umrisse der hohen Berge dahinter und in den strahlenden Himmel blickte.
Eine Entenfamilie, welche die schaukelnde Boote in vorsichtigem Abstand umschwamm, beobachtete.
Das lustige Treiben der Menschen.
Wie farbig, wie intensiv plötzlich alles war! Wie es duftete! Alles leuchtete!
Nur, weil ich völlig hingegeben mit unendlich viel Zeit ein köstliches italienisches Eis aß.
Ein Eis, daß es nur in Italien gab.
Nämlich meine Lieblingssorten Malaga. Amarena. Und Pistacia.

 

 

 

20130824-7

Der Weg ins Tal der Papiermühlen

 

 

 

Sonntag, 25. August 2013

 

 

 

Blaue Stunde - bezaubernder Blick beim Abendessen durch das Fenster des Speisesaals hinaus auf den See. Das Blau wird dunkler, dunkler, tintenschwarz, und schließlich ist es Nacht.Tausend Lichter funklen.

 

 

 

Mittwoch, 28. August 2013

 

 

 

In der Schweiz

Feenland

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 29. August 2013

 

 

 

Erste Gipfelbesteigung - und ich habe es mit Hilfe von Thomas geschafft, trotz Höhenangst! Eigentlich wollte ich etwa fünfzig Meter unterhalb des Gipfels nicht mehr weiter, hätte auf dem winzig schmalen Sims mit dem Rücken zur Steilwand gelehnt gewartet. Nur nicht hinuntersehen... Jetzt kann ich doch nicht mehr weiter, so kurz vor dem Ziel. Ich habe Angst. Wie in einem Alptraum. Nicht vor und nicht zurück. Ich kann das nicht. Der Weg, es war ja gar kein richtiger Weg mehr, nur noch Geröll und Fels, schien ja jetzt einfach steil hinauf ins Blau des Himmels hinein zu führen. Die Sonne schien, Schmetterlinge flogen taumelnd, der See tief unter mir schimmerte kostbar wie ein Türkis. Schräg oben über mir sah ich - im Augenblick nicht gerade verlockend - einen Teil des Gipfelkreuzes.
Macht ja nichts, dann bleibe ich einfach hier stehen. Für immer und ewig.
Doch schließlich bin ich, nachdem er zuersteinmal alleine zum Gipfel gestiegen war, doch auf allen Vieren genau nach seinen Anweisungen hochgekraxelt. Er könne es verantworten. “Du schaffst es”, sagte er bestimmt. “Also, gehe jetzt los!”
Die rechte Hand greift ans Drahtseil, der linke Fuß auf diesen Stein. So ähnlich lauteten seine knappen Befehle. Und weiter. Mir kam es vor, als kletterte ich schon frei schwebend in der Luft. Und höher und höher hinauf. Wie ein ungelenkter Käfer krabbelte ich nach oben. Nur nicht nach unten sehen, nur nicht nach unten sehen, kreiste es in meinem Kopf. Er kletterte hinter mir.
Oben angekommen begrüßte uns laut rufend und krächzend ein riesiger Rabe, der zur Freude unserer Ankunft zum Greifen nahe tollkühne Purzelbäume vor dem steil abfallenden Kamm des Nachbargipfels flog.
“Siehst du, der hat auf dich gewartet!”, stieß Thonmas gleichzeitig nur knapp aus.
Mir verschlug es fast die Sprache.
Na,endlich!, schien der Rabe zu rufen. Ich bin da! Ich, der Große Rabe, begrüße euch! Was habt ihr so lange da unten gemacht? Seht, wie ich in der Luft fliegen kann! Sie trägt doch. Das ist unser Element!
Nach einer Weile verschwand er immer noch rufend in Richtung Süden.
Wie ein Zeichen war das.
Der Ausblick atemberaubend. Klare Luft füllte unsere Lungen. Die Welt breitete sich wie ein schillernder, lebendig pulsierender Teppich unter unseren Augen aus.

 

 

 

“Jeder Gipfel ist heilig”, sagte er noch.

 

 

 

Der Weg des Raben: in Richtung Urner Boden

1936 Meter über dem Meeresspiegel.
Hinter dem Geländer ging es senkrecht nach unten.

 

 

 

Sonntag, 29. September 2013

 

 

 

Den Nachmittag habe ich lesend in Gesellschaft von Anna verbracht. Sie saß auf meiner Schulter, ganz nahe am Hals. Sie putzte sich. Schlug mit den Flügeln. Zupfte zart an meinen Haaren. Und manchmal an meinem Ohrläppchen. Während ich wohlig auf dem Sofa lag und die wunderbare Sonne zusammen mit dem Wind ein Muster aus sich ständig bewegenden warmen Lichtern in das Zimmer hinein malte. Ein rotierendes Kaleidoskop von Gelb, Orange und Türkisblau. Lindgrün. Und wieder gelb. Die Birken wogten im Wind und ließen ihm ihr erstes Laub. Münzengroße herzförmige Blätter. Die silbernen Zweige des Wehrmuts schaukelten im Wechselspiel mit den Purpurastern und den Goldruten auf und ab. Hin und her. Ich vergaß die Zeit. Grübelte über tausend Dinge nach. Und sah immer wieder einmal nach dem federleichten Lebewesen auf meiner Schulter, welches mir in den letzten Wochen so ans Herz gewachsen war.

 

 

 

Sonntag, 6. Oktober 2013

 

 

 

Vom Kalenderblatt heute:

Aber frei will ich sein und ganz mein,
und was ich gebe,
das soll mich nicht binden.

(Bettina von Arnim)

*

 

 

 

Sonntag, 20. Oktober 2013

 

 

 

Die Gelbe Blume. Aus dem schönen Buch von Tiziano Terzani, Noch eine Runde auf dem Karussel: Vom Leben und Sterben.

 

 

 

Montag, 28. Oktober 2013

 

 

 

Dies hat mir heute meine liebe V. geschrieben:
Ich habe heute von Dir geträumt :)):
Du hast noch zwei wunderschöne blaue Vögel in deiner Obhut gehabt, weil sie sich verletzt haben! So richtig schöne Urwald-Kolibris :) und die Katze war auch dabei - die hat den Vögeln immer nur zugeschaut, wie sie gesungen haben :) und dann hab ich dich mal gefragt, ob die Katze den Vögeln nichts antut - und du meintest dann, sie wären Freunde und deshalb würden sie sich lieben :)”

 

 

 

Donnerstag, 31. Oktober 2013

 

 

 

Plötzlich schillerte Tränenwasser in zwei dunkelbraunen Seen.
Berührtheit.

 

 

 

Freietag, 1. November 2013

 

 

 

Welche Worte
sind das?
Märchenwerte?

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: La Fosca

 

 

 

Sonntag, 17. November 2013

 

 

 

Heute ist die großartige Schriftstellerin Doris Lessing gestorben.

 

 

 

Dienstag, 19. November 2013

 

 

 

In dem dicken Umschalg fand ich eine Karte. Ein Proskept. Einen feinen Fingerhut aus weißem Porzellan. Einen handgeschriebenen Brief. Und einen gelben Luftballon mit fünf Dattelsamen darin verborgen. Das Herz klopfte.

 

 

 

Sonntag, 24. November 2013

 

 

 

Hierhin hat die Heilige Kunigunde einen ihren weißen Schleier fliegen lassen. Er verfing sich in der heute über 1000jährigen Linde.

 

 

 

Mittwoch, 27. November 2013

 

 

 

Die Namen der Schiffe heute: Seqana, Vath und Muflon

 

 

 

Sonntag, 1. Dezember 2013

 

 

 

Der Name des Schiffes heute: Alte Liebe

 

Eigentlich war es kein Schiff, so wie man sich es vielleicht beim ersten Hören des Wortes “Schiff” vorstellen mag, nämlich groß und weiß und strahlend, sondern vielmehr war es ein kleiner schon etwas heruntergekommener Kahn.
Und der fuhr auf der Straße. Auf dem Asphaltkanal. Im dämmerigen Morgennebel.
Und trotzdem.... gerade deswegen...

 

 

 

“Eine Heilige, die du so gerne wärst, das bis du nicht. - Gott sei Dank.”

 

 

 

Mittwoch, 4. Dezember 2013

 

 

 

Öffnete das große, schlicht weiß gerahmte, quadratische Fenster dem weitgoldenen Morgen. Die Sonne ging gerade auf.

 

 

 

Samstag, 7. Dezember 2013

 

 

 

Der Schwan macht einen S-förmigen Hals. Ein halbes Herz.
Und ein schwarzes Eichenblatt.

 

 

 

Donnerstag, 12. Dezember 2013

 

 

 

Befreite die schlichte, goldene Messingschale vorsichtig mit einem Speisemesser von der dünnen und farblosen Wachsschicht, mit welcher sie vollkommen eingehüllt war.

 

 

 

Sonntag, 15. Dezember 2013

 

 

 

Auf dem Weg zum festlichen Weihnachtskonzert blühte es.
Nein, dies sei keine Zaubernuß, sagte Doris. Deren Blütenstände seien außerdem meist eher gelb.
Hamamelis.
Ohne sie hätte ich die Pracht gar nicht gesehen.
Dies sei - so glaube er - etwas Japanisches.
Ein rosafarbenes Blütenmehr auch auf dem Gehsteig, fast unbemerkt im Dunkel, im Dreck, hingehaucht.
Wir reiben uns die kalten Hände. In freudiger Erwartung stehen wir vor dem Portal beeinander. Stilles Nicken zur Begrüßung. Glanz in den Augen.

Ein Vogelnest hochoben

 

 

 

Donnerstag, 19. Dezember 2013

  Sehr wohl
sind sie der
berühmte Vertreter
von Herrn Morgenstern!

 

 

 

Samstag, 21. Dezember 2013

 

 

 

Vor etwa zwei Monaten haben wir Tulpenzwiebeln gepflanzt.
Ich sagte, ich habe Tulpen zu pflanzen, und wenn er wolle, könne er mir gerne helfen. Beim schnellen Blick in den Weidenkorb dachte er, es seien vielleicht zehn, zwölf Zwiebeln.
Er antwortete: Ja, natürlich sehr gerne!
Es waren knapp einhundert. Wunderschöne rote und gelb blühende holländische Tulpen. Die Wiese am Bach, mit den fünf Birken und der großen Weide, sie wird im Frühjahr vielleicht nicht mehr wiederzuerkennen sein.
Ich habe geträumt, daß die kleine Pinie, welche ich einmal aus einem Pinienkern gezogen habe, gelb blüht. Sie wächst nun im Beet vor dem Hof und blüht üppig, ihre vollen Blütenrispen gleichen denen von Lupinen. Schmetterlingsförmige Täschchen über hellsamtenen Nadelwald. Wunderbare wildblumige Fülle. Doch das ist nicht alles: aus dem grauen Asphalt waren bereits Tulpen gebrochen, aus unscheinbaren braunblättrigen Zwiebeln zu neuem Leben erwacht, und blühten ebenfalls leuchtend gelb. Sie standen majestätisch, eine jede einzeln für sich.
Zarte Bodendecker sprießten und wucherten vorm Tor, ein fröhlicher Teppich tausend sonnengelber Blütensterne.

 

 

 

...denn deine Seele ist bereits voller Vögel.

 

 

 

Montag, 23. Dezember 2013

 

 

 

Dein Baum malt schöne Farben.

 

 

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