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Freitag, 1. August 2008

 

 

 

 

 

 

Ich träumte von einer Hand aus einem silbernen Metall, einer Eisenhand, die über ein gesengtes Haupt strich.

 

 

 

Dieses Gedicht fand ich in dem Buch Im Land der Sehnsucht: Eine italienische Reise, das ich ihr geschenkt habe:

 

Lied vom Meer

Uraltes Wehn vom Meer,
Meerwind bei Nacht:
Du kommst zu keinem her;
wenn einer wacht,
so muß er sehn, wie er
dich übersteht:
uraltes Wehn vom Meer,
welches weht
nur wie für Ur-Gestein,
lauter Raum
reißend von weit herein...

O wie fühlt dich ein
Treibender Feigenbaum
oben im Mondschein.

Rainer Maria Rilke

 

 

 

Samstag, 2. August 2008

 

 

 

Drei orangefarbene, flaumige Straußenfedern stecken auf der rechten Seite in den flachsblonden, glatten Haaren einer Frau. Sind dort hineingesteckt. Das Flachsblond der Haare zusammen mit dem Orange der fluffigen Federn sah sehr schön aus. Dann träumte ich noch, das ich den Fotoapparat, der mir um den Hals gehangen war, irgendwo verloren habe. Wahrscheinlich oben auf einer der Burgen. Um meinen Hals hängt nur noch die dicke, schwarze Schnur. Oben bei den Burgen wuchsen schöne blaue Blumen am Wegrand, Blumen, wie sie sie mir einmal geschenkt hat. Und es gab schöne Holzzäune aus schmalen Ästen gebaut, ein quadratisches Gitter. Zusammen mit meiner Mutter und anderen war ich hochgelaufen. Ein Traumbild von den vier Tomatenpflanzen, es sind nur noch die Stümpfe in den Tontöpfen, ihr Grün ist wie abgeschnitten, abgefault. Nichts blüht und reift mehr daran.

 

 

 

Ihre Liebesgabe war ein faszinierender Spiegel.
War Glanz.
Nein, sie schenkte ihm ihre rechte Hand.

 

 

 

Nun weiß ich, wer der junge Mann auf den Fotos damals war. Es war Sri Aurobindo. Ein paar Mal habe ich schon von ihm gelesen gehabt, wußte aber nicht, wer er war, daß es dieser Junge auf dem Bild ist. Ich finde es sehr eindrücklich, ich mag ihn. - Habe seit langer Zeit wieder geweint, vorhin. Ich habe bestimmt schon ein dreiviertel Jahr nicht mehr geweint. Es ist doch noch Wasser in mir. Ich weiß nicht, ich setzte mich kurz auf das Sofa, einen Teller mit einem Kuchen von meiner Tante darauf in der einen Hand und griff mit der anderen auf den Glastisch, um irgendeines der Bücher zu greifen, welche darauf liegen. Einmal zum Beispiel das Buch Das Kind von Noah, ein Geschenk von meiner Schwester. Das ist die Geschichte von einem jüdischen Kind im besetzten Belgien. Auf dem Buchumschlag ist der kleine Noah abgebildet und ich sah lange auf den goldenen Stern auf seiner grauen Jacke. Das zweite Buch, welches ich ergriff, ebenfalls ein Geschenk, hieß Nero Corleone - Eine Katzengeschichte. Es ist eigentlich ein Kinderbuch. Oder doch eher nicht. Das nahm ich dann und blätterte, begann irgendwo zu lesen. Und ich las und las und las plötzlich etwas, das mich berührte, eine Stelle, dann ein bestimmtes Wort, und auf einmal kamen die Tränen. Es war vor allem der Absatz, in dem Isolde sagte, daß es dem Kater Nero Corleone, er ist ganz schwarz bis auf seine weiße rechte Pfote, vielleicht trösten würde, seine alte Heimat wiederzusehen. Nämlich Italien. Heimat. Dann piepste aber das Telefon. Als ich später weiter las mußte ich wieder weinen.
Gestern war ich bei Uli eingeladen und sie hat extra für mich ein kleines Menü gekocht. Italienisch. Wir haben uns dazu unterhalten, das war sehr schön. Heuer hab ich gar keine Winden gesät, es irgendwie vergessen. Obwohl ich sie so mag, besonders die ätherischen hellblauen. Doch in den letzten Wochen sind zwischen dem Indischen Blumenrohr unzählige Samen aus dem letzten Jahr, die wohl herabgefallen sind, von selbst aufgegangen und seit einigen Tagen blühen sie nun und erfreuen mich sehr.

 

 

 

Sonntag, 3. August 2008

 

 

 

Im Garten

 

 

 

Heut haben wir uns früh um neun zum Tai Ji getroffen. Wir haben uns auf einem der sieben Hügel der Stadt getroffen, ein kleines Plateau mit einer alten Linde mitten darin, wogenden Kornfeldern und weiten Wiesen, im Norden begrenzt von einem Wald. Der Himmel war bedeckt und der Wind wehte angenehm frisch. - Daheim beim Tanken ist mir noch der Schlauch aus dem Stutzen gerutscht. Ich habe meine Hose voll Benzin geschüttet und auf dem Boden ist ein großer Fleck entstanden. Da ich schon recht knapp dran war habe ich mich nicht mehr umgezogen, allerdings roch ich noch sehr nach Benzin. Andreas hat sich dann um die Bescherung daheim gekümmert. - Es waren zu meiner Überraschung zwei neue Teilnehmer dabei, ein Mann und eine Frau, welche oben bei der Bank unter der Linde auf uns warteten. Der Mann war ganz in weiß gekleidet und ich bekam mit, daß beide erst in Indien gewesen waren. (Ich habe gestern Abend auf Youtube einen alten Film über den Berge Arunachala angesehen, der mich berührte, und dort, in dem Ashram, waren auch fast alle Menschen in weiße Gewänder gehüllt.) Weiß läßt einen sich leichter fühlen. Es ist so eine reine Farbe.
Nach langen Aufwärmübungen übten wir die Form schließlich mehrmals vollkommen schweigend. Das war sehr schön. Nur die Geräusche der Natur, des Windes. Es war so, als hätte sich durch das wortlose Praktizieren ein unbeschreiblicher Friede über uns und auch in mir selbst ausgebreitet. Ich wurde ganz ruhig und still und sehnte mich nicht mehr irgendwo anders hin oder nach etwas anderem.
Der Wind wehte, die Weite, der tiefliegende, graue Wolkenhimmel.
Ich merke, daß mir das sehr gut tut, mir die Übungen Kraft geben und ich weniger hektisch und unzufrieden, vielleicht auch aufrechter bin. Nachher gingen wir langsam uns unterhaltend zum Parkplatz zurück, es regnete leicht und begann intensiv nach Erde, Gras und Wald zu duften, dann noch zusammen in ein Café mit einem überwältigenden Ausblick über die Stadt. Ich bestellte mir ein Schweizer Frühstück mit Müsli und frischem Obstsalat und Quark. Wir saßen bestimmt noch eine Stunde ganz entspannt zusammen, keiner hatte das Bedürfnis schnell nach Hause zu müssen.

Ich habe geträumt: Da ist eine Frau, sie hat gerade einen großen Blumenstrauß gekauft. Die Frau schleudert auf einmal den Blumenstrauß in einen hohen Bogen auf eine Straße, so daß er ganz unerwartet wie ein Pfeil mit seinen Stielen mitten im Asphalt stecken und schön aufrecht aufgefächert dort stehen bleibt. Dabei flog das gelbe Seidenpapier davon, mit dem er eingewickelt war. Die Blumen waren weiß und orangerot, glaube ich.

Auf dem Weg von der Linde zum Parkplatz fand ich eine schöne hellgraue Feder, die seidig schimmerte. Sie lag vor mir im Gras. Hob sie auf und schenkte sie nach einem Augenblick Jutta. “Wie die Feder, die du einmal gemalt hast”, sagte Günter.

 

 

 

Hier der Link zu dem Film.

 

 

 

Montag, 4. August 2008

 

 

 

Ich träumte von diesem da. Ist es eine Frucht? Die Frucht, sie war sehr groß, im Durchmesser mindestens eineinhalb Meter, und zur Hälfte aufgeschnitten, wurde, glaube ich, auf einer Straße entlanggezogen. Sie leuchtete sehr und sah äußerst ungewöhnlich aus.
Der Satz:
Bevor die Menschen kamen, liebten die Tiere... Und ein Traum vom Absprung. Ich erinnere mich nur noch an den Schluß, zusammen mit meiner Freundin befand ich mich auf einem unglaublich hohen schwarzen Plateau, das gerade abfiel, ein berggroßer, schwarzer Kubus, und wir wollten nach unten. Doch unten war kein weites blaues Meer, wie ich erst angenommen habe, nur ein winzig kleines rechteckiges Swimmingpool, daß dann aber auch verschwunden war. Aber ich war schon gesprungen.

 

 

 

Der erste Nebel am Morgen. Und eine Sonne, deren Licht milchig weiß durch den dichten Schleier gleißt. Der Nebel hüllt den großen Kirschbaum mit dem Garten auf der anderen Seite der Straße vollkommen ein. Es herrscht eine Atmosphäre von Ruhe, von Reinheit; so, als hätte sich die Welt in der Nacht neu vollbracht.
Noch nie ist mir der Satz: Du erntest, was du gesät hast, so tiefgreifend bewußt geworden wie in den letzten Wochen.
Manchmal möchte ich vor allem - vor allen vor mir selbst - davonlaufen.

 

 

 

Links neben den Treppenstufen hoch zur schlichten aber schönen Eingangstüre mit Guckloch das Gefäß für das Weihwasser.

Das Kirchlein ist ganz leer geräumt. Es hängt nur noch ein schwarzes Kreuz mit einer silbernen Jesus-Figur an der linken Wand. Es ist schade, daß es abgerissen wird.

 

 

 

Dienstag, 5. August 2008

 

 

 

Gestern habe ich angefangen die Schränke durchzugehen und Kleidung und Schuhe auszusortieren. Ich hatte das schon so lange vor. Und heute habe ich den ersten Wäschekorb voller Kleidung zu einer Stelle gebracht. Ich hatte es nicht in Säcke verpackt. Ein junger Mann kam und alles wurde in einen Sack geworfen. Ich zögerte und fragte ihn zwei Mal, denn es war alles schön zusammengelegt und gebügelt.

 

 

 

Donnerstag, 7. August 2008

 

 

 

Am Abend, gegen halb zehn, flog der Reiher wieder über unserem Haus in Richtung Osten. Ich hörte ihn schon von weitem schreien. Als er genau über dem Haus hinweg flog schrie er noch einmal durchdringend mit seiner krächzig lauten Stimme. Sein Schrei erschüttert mich jedes Mal, wenn ich ihn hören.

 

 

 

Freitag, 8. August 2008

 

 

 

Mein Vater hat mich vergessen, er fuhr ohne mich fort, träumte ich. Ich hätte mit ihm im Abschleppwagen mitfahren sollen. Ich hatte schon meine Sachen, ich glaube es war ein Pulli und mein silberner Schlüssel, neben ihm auf den Beifahrersitz gelegt, ich wollte nur noch schnell oben in meiner Wohnung etwas holen, aber als ich von oben aus dem Fenster in den Hof sah, ist er gerade losgefahren, bog er gerade vom Hof auf die Straße. Er muß doch meine Sachen auf dem Beifahrersitz gesehen haben, muß doch gemerkt haben, daß ich mitwollte!
Das war im Traum sehr schlimm, zurückgelassen zu werden.

 

 

 

Samstag, 9. August 2008

 

 

 

Heute ging Wind.
Es war ein Tag, um die tiefliegenden Wolken zu beobachten, wie sie von Westen nach Osten zogen, und dabei immer neue Formen bildeten.
Man konnte sich in diesen Anblick verlieren.

 

 

 

Sonntag, 10. August 2008

 

 

 

 

 

Sie gestalten den luftleeren Raum... Zu diesem Satz das Traumbild eines großen, ausgebreiteten Planes mit vielen ganz unregelmäßigen, kunterbunten Feldern von oben, er sah ein wenig aus wie ein Spiel, ein Spiel mit Burganlagen. Der Plan wies auch einige weiße Felder mit schwarz gestrichelten Linien auf, welche noch nicht fertig ausgemalt waren, nur angedeutet.
Das Bild auf dem Kalenderblatt von meinem Geburtstag erinnert mich jetzt ein wenig an dieses Traumbild. Es war ein sehr schönes, fröhliches Bild von Otto Freundlich, das ebenfalls ganz bunt war. Es hieß: Komposition.
Ich habe es extra aufgehoben.
In Zusammenhang damit kam mir wieder die “Welt” in den Sinn, in der alles keimhaft vorbereitet wird, was dann in unserer Welt vielleicht Wirklichkeit wird. Eine Welt der Keime, der Ideen, in der sich Ideen kristallisieren, welche sich später in unserer Welt materialisieren. Zum Beispiel eine Figur entsteht wie aus dem Nichts, erst wird sie mit Zauberhand nur ganz zart auf weißem Grund mit gestrichelten Linien vorgezeichnet, dann aber wird sie immer deutlicher, farbiger und bunter, und schließlich mit Leben erfüllt. Eine Welt der Phantasie. Ich stelle mir diese Welt immer sehr weiblich vor und bringe sie mit Maria, mit dieser gütigen, weiblichen Macht, mit Feen und mit Kindern in Zusammenhang, die dort bestimmt sind. Es ist eine Welt des Lächelns.
Eine Welt der Delphine, der funkelnden Sterne, der Glitzerlichter und der Regenbogen.
Der Tautropfen, in denen sich Universen zusammen mit wippenden Blumenkelchen spiegeln.
Eine Welt mit Humor.
Eine Welt des Zaubers der Natur.
Und manchmal senden sie von dort Grüße zu uns herüber. Oder ist es vielmehr so, daß beide Welten ineinander wirken, sich durchdringen, die eine in der anderen enthalten ist?
Und ich träumte noch von einem sehr großen Heft mit einer schönen Collage darin.

 

 

 

 

 

 

Ein Link: Suri Nagamma: Briefe aus dem Ramanashram

 

 

 

Saß neben dem klingelten Telefon und konnte nicht rangehen.

 

 

 

Montag, 11. August 2008

 

 

 

Noch einmal fünf große, schwarze Säcke voller alter Kleidung und Schuhe weggebracht. Trotzdem ist noch einiges auszusortieren. - Die schöneren Stücke will ich für den Flohmarkt im September zurückbehalten.
Danach mit Uli im Hain spazieren. Den Vormittag verbrachte ich auf dem Dachgarten. Ich habe angepflanzt, aber auch einen Busch, der von selbst aufgegangen ist und mittlerweile fast so groß wie ich geworden war, ausgerissen. Kämpfte mit den Wurzeln. Dann tat er mir leid.
Am schon lang abgestorbenen Wurzelstrunk des Wermuts nagten viele Asseln. Eilig krabbelten sie davon, als ich ihn bewegte und aus der Erde zog. Sie ernähren sich von ihm und zersetzen ihn dadurch.

 

 

 

Donnerstag, 14. August 2008

 

 

 

Rose an der Türe

 

 

 

Die Tante meines Freundes ist ganz unerwartet und überraschend gestorben.
Das ist schlimm.
Seine Mutter hat mich vorgestern angerufen und es gesagt.
Heute war die Beerdigung.
Ich mochte sie.
Ich kann es gar nicht glauben. Es scheint mir unbegreiflich. So plötzlich, ohne Vorwarnung.
Mein Freund war gar nicht da, er war Klettern und hat es auch erst vorgestern Abend erfahren.
Letztes Weihnachten haben sie und ihr Mann mir ein altes Buch über rumänische Ikonen geschenkt. Darin fand ich das schöne Motiv eines Mädchens mit einer Krone auf dem Kopf, einer Prinzessin, welche einen großen Stern in ihren Händen hält. Der Stern sendet Strahlen überall hin aus.
Ihre Kinder am Grab, ihre Augen leuchteten trotz des Schmerzes wie von innen.
Während der Zeremonie hörten wir zwei ihrer Lieblingslieder, eine wunderschöne Frauenstimme sang eine Arie.
Vielleicht war es die Stimme von Maria Callas.
Weinanfälle der Trauernden.
Einmal, da hatte ich das Gefühl, daß sie da war. Ein Gefühl von Anwesenheit. Daß das, was sie für mich ausmachte, anwesend war. Gleich einer Federschwinge, oder besser gleich eines Geschmacks, ihr Geschmack, der einen berührt und den man innerlich wahrnimmt.
Während wir hinter dem Sarg durch den Friedhof gingen, betrachtete ich die vielen Grabsteine. Auf einem stand: Gott ist Liebe.
Ich versuchte mich in die Worte einzufühlen, aber sie kamen mir sehr weit weg vor, besser gesagt ich kam mir sehr weit weg davon vor, mit meinen schlechten Gefühlen und wertenden Gedanken. Ich erinnerte mich an den Johannesbrief, den ich sehr mag. An das grünknospende Aquarell darin.
Danach fuhr ich wieder ins Geschäft. Ich war froh wieder zurückzufahren. Als ich im Auto saß, sah ich von weitem meinen Freund an einer Zigarette ziehend mit vorgestrecktem Oberkörper und weiten Schritten durch den Vorplatz des Friedhofs gehen. Er wollte alleine sein. Ihr Tod hat ihn sehr getroffen. Heute hörte ich ihn das erste Mal laut weinen. Er trug heute seinen dunklen Anzug und ein schwarzes, langärmeliges T-Shirt, was aussah wie in Miami Vice.
Meine Arme waren zu kurz, zu kurz, sie reichten nicht hin.
Ich hatte sie auch nicht ausgestreckt.
Zu weit entfernt.
Einmal um die ganze Welt.
Er hat vom Klettern erzählt. Wie sie auf dem Gletscher zwischen den vielen Gletscherspalten gewandert waren. Und wie es war, auf dem Gipfel angekommen zu sein. Sie waren in den Dolomiten gewesen. Er sagte, daß er dort oben keines einzigen Gedankens mehr fähig war, so sehr er auch versuchte zu denken, er konnte es nicht. Nur die Erschöpfung, der unglaubliche Ausblick, die Weite - und kein Denken mehr. auf dem Gipfel war es ihm unmöglich gewesen einen Gedanken zu bilden.
Vielleicht ist das die Faszination des Bergsteigens.
Machte ein paar bissige Bemerkungen.
Am Abend sah ich einen Spielfilm, dann zufällig eine Reportage über die Opfer des Krieges in Georgien und Südossetien. Sah Leichen an der Straße liegen.
Die Menschen wissen oft gar nicht, von welcher Partei ihre Männer, Frauen, Söhne, Kinder umgebracht worden sind. Wer nun ihr ohnehin oft ärmliches Haus und Gut verwüstet und dem Erdboden gleich gemacht hat.
Vor diesem Hintergrund muten die Äußerungen vieler Politiker und Staatsführer höhnisch an, denn es geht ihnen gar nicht wirklich um die Menschen, sondern vielmehr um Rhetorik und um Macht. Um Nato, um Rußland, um Europa, um Abtrünnige, um Rüstung, um Erdöl, um Abkommen.
Am Abend stieß ich in meiner Lektüre überraschend wieder auf die Worte, die auf dem Grabstein gestanden waren: Gott ist Liebe.

In der Mittagspause hatte ich mich schnell geduscht und umgezogen gehabt. Soll ich Blumen mitnehmen? Schließlich pflückte ich einen Zweig vom duftenden, rosablühenden Oleander, weißes Schleierkraut, einen Zweig vom gelben Rosenstock, dessen zwei wunderschöne Knospen gerade am Aufbrechen waren, und Kosmeen, band einen kleinen Strauß daraus, band ihn mit einem sehr schmalen, roten Satinband zusammen.

 

 

 

Beim Gießen im Garten sah ich eine Hornisse auf dem Boden krabbeln. Sie krabbelte schließlich in Richtung des Weines, der an der Hauswand empor rankt. Sie hatte einen goldenen Hinterleib.

 

 

 

Freitag, 15. August 2008

 

 

 

Ich träumte, daß mein entblößter Rücken voller Pfauenaugen ist.
Rechts und links davon war schwarzer Taft.
Von einem Storch, der über das grüne Wiesental flog. Und von einem protzigen, goldenen Ring mit einem überdimensional großen, kissenförmigen, rosafarbenen Stein daran. Gegenüber von der Verbindungsstelle mit dem Stein war der Ring schon durchtrennt, vielleicht, weil das Material überdehnt wurde, die beiden Enden wurden dünner und dünner und berührten sich nicht mehr. Es war also gar kein richtiger Ring mehr. Er sah vom Material her aus wie ein seltsamer Spielzeugring aus einem Kaugummiautomaten.

 

 

 

Abendlicht

 

 

 

Sonnenuntergang

 

 

 

Samstag, 16. August 2008

 

 

 

Heute träumte ich etwas Schönes: Wir befanden uns auf einer großen Terrasse eines Gebäudes, das sich hinter uns schwarz abhob. Es war mitten in der Nacht. Da sah ich zwei rießige Delphine am dunkelblauen Nachthimmel, einen hellgrauen und einen dunkelgrauen, welche sieben goldene Sterne, die halbbogenförmig angeordnet waren, hinter sich herzogen. Ich rief den anderen, die sich zusammen mit mir auf der Terrasse befunden haben - meine Mutter war auch dabei -, erstaunt und aufgeregt zu und zeigte nach oben. Die beiden Delphine blieben bewegungslos, verharrten beide wie im langgestreckten, paarweisen Sprung - der hintere, dunkelgraue Delphin etwas höher als sein Freund im Vordergrund -, obwohl das ganze Bild gleichzeitig beeindruckend und atemberaubend über uns am Nachthimmel hinwegzog. Da dachte ich zuerst enttäuscht, es ist Werbung, eine Werbeaktion wie mit einem Zeppelin, aber bestimmt ist es in Wahrheit ein Sternzeichen gewesen. Ein Zeichen für uns.

 

 

 

 

 

 

Ein Acker, der herbstlich dalag. Im Hintergrund der Waldrand. Die Oberfläche des Ackers schimmerte wie Silber. Ein Traumbild.

 

 

 

Kleiner Vogel in meiner Hand

 

 

 

In meiner Lektüre fand ich Passagen, welche mit dem Eintrag am vergangenen Sonntag in Zusammenhang zu stehen scheinen. Er beschäftigte mich noch, vielleicht habe ich auch deshalb von den beiden Delphinen mit den sieben goldenen Sternen geträumt. Neben den beiden Delphinen sind die sieben Sterne etwas ganz Besonderes für mich.
Ich schrieb ja dies: Eine Welt in der Welt, oder eine Welt, welche die andere durchdringt.
Einmal fand ich wieder Stellen, in der Maria mit dem jungfräulichen Augenblick verglichen wird, welcher in jedem Moment neu kreiert wird. Dies ist in wunderschönen Passagen in dem Buch Ich ging den Weg des Derwisch von Reshad Feild beschrieben, und zum anderen eine Stelle bei Ramana Maharshi, nämlich das letztendlich alle höheren (das ist jetzt eine Einfügung von mir) “Welten” eine Projektion des Geistes sind. Ein paar Seiten weiter sagt er zu einem Fragesteller:
“Er (Gott) ist eben jenes Reine Bewußtsein, in dem alle Ideen geformt werden.
Und dieses Bewußtsein sind Sie selbst.”

 

 

 

Sonntag, 17. August 2008

 

 

 

Die Geräusche an einem Sonntag Morgen im August. Die Blumen blühen still. Eine Ahnung von Herbst. Sonnenstrahlen wärmen mir sanft die Haut. Sie sind schon weicher geworden, nicht mehr so stark. Vogelstimmen. Menschenstimmen. Blätterrascheln und das Gurgeln von Wasser.
Wie ich den ausgehenden Sommer mit seinem sanften Licht mag.

 

 

 

Die kleine Katze

 

 

 

Tomaten und Zucchini

Als ich in den Hof fuhr stand meine Schwester gerade neben dem Feigenbaum, der dort an der Hauswand in einem großen, irdenen Topf wächst, mit drei reifen Feigen in der Hand. Sie trug eine blaue Leinenschürze mit einem feinen, weißen Karomuster über ihrer dunkelbraunen, enggeschnittenen Kurzarmbluse, die mit etwas winzigkleinem Weißen bedruckt war. Der Feigenbaum hing voller Feigen. Seine Blätter waren dick und fleischig. “Was, dein Feigenbaum trägt Früchte?”, fragte ich sie verwundert und entzückt. Mein Feigenbaum daheim trägt zwar auch Früchte, sie werden aber nie reif, fallen meist schon vorher ab, und die Blätter verfärben sich oft gelb und braun.
Bestimmt liegt es am Kompost.
Später aßen wir die Feigen aufgeschnitten zum Käse.
Ich hatte einen Wäschekorb voller alter Kleider mitgebracht, den ich auf Weisung meiner Schwester ins Arbeitszimmer auf den Boden abstelle. Meinen Nichte verbrachte dann den halben Abend damit, alles der Reihe nach begeistert durchzuprobieren und gleichzeitig mit Freundinnen zu telefonieren. Es waren auch einige selbstgenähte Stücke von mir und meiner Schwester dabei. Die gefielen ihr besonders. Sie standen ihr auch wirklich gut, besonderes eines, das ich einmal nach einem ausgefallenen Haute-Couture-Schnitt genäht habe. Es hatte die Farbe von hellem Schilf und ließ sehr viel vom Rücken frei. Sie führte es zum Spaß auf der Terrasse vor.
Das Rosmarinbrot gelang mir heute nicht. Ich hatte es nicht genug gehen lassen.
Vor dem Grillen besuchte ich meinen Freund kurz in seiner Werkstatt. Er baut gerade ein Mobile-Home.
Die ersten Brombeeren sind reif!

Andreas

 

 

 

Montag, 18. August 2008

 

 

 

Eine Frau im Profil, ihr Gesicht zeigte nach rechts. Es war ein Traumbild. Sie trug einen türkisgoldenen Turban. Oder war es ihr Haar, das so verschlungen um ihr Haupt drapiert lag? Ihr Gesicht war ganz leer, also nicht vorhanden, es war so weiß wie das Papier. Die Frau hatte kein individuelles Gesicht mehr. Eigentlich waren nicht einmal die Umrisse ihres Profils vorhanden. Das erinnerte mich an die Miniatur von der Himmelfahrt Mohammeds.

 

 

 

Doch, es schmerzt.

 

 

 

Seit er da ist klingt den ganzen Tag über ein lustiges Pfeifen aus der Werkstatt. Und immer, wenn ich es höre, muß ich lächeln. Hans ist zu Besuch.

 

 

 

Dienstag, 19. August 2008

 

 

 

Eine Spinne hat in den Geranien ihr aufwendiges Nest gebaut. Ein Gespinst aus weißen Fäden, die in der Morgensonne glitzern. Fast gleicht es einem Füllhorn, denn die sich verjüngende Röhre führt tief zwischen die fleischig grünen Blättern nach innen hinein. Meist sehe ich sie am Eingang ihres Tunnels sitzen und warten.

 

 

 

Mittwoch, 20. August 2008

 

 

 

Abends waren wir im Thermalbad. Wir, das waren Hans und ich. Davor gab es noch Spaghetti mit Tomatensoße bei meiner Mutter. Er hat vier Teller gegessen. Wir waren auch im Dampfbad mit Mentholgeschmack. Die Oberfläche des warmen Wassers des Solebeckens zerfloß blau. Ein Mädchen mit einer neonfarbenen Schwimmbrille tauchte vor uns aus den salzigen Fluten wie eine Nixe auf. Hernach duschte ich zwischen den Frauen. Wie lange war ich schon nicht mehr hier gewesen? Dann fuhren wir die idyllische Strecke angenehm erschöpft zurück nach Hause. “Magst du eine Nektarine?”, fragte ich nach hinten. “Ja, gerne.” “Den Kern kannst du hier in die Papiertüte tun.” Es schniefte. “Brauchst du ein Taschentuch?” “Ja, bitte.” Irgendwann raschelte es hinter mir. Er kramte wohl in dem schwarzen Harry-Potter-Rucksack mit der goldenen Aufschrift, den er von seiner Schwester hatte. “Was machst du denn da?”, fragte ich. Es raschelte weiter. Auf einmal flogen blaugelbe Luftschlangen nach vorne und ringelten sich um den Autositz. Ich mußte lachen.

Es ist schön mit einem Kind unterwegs zu sein. Seine Freude und Fröhlichkeit ist so ansteckend und sie erinnert mich an die Freude, die ich in der Kindheit bei allem möglichen Tun empfunden hab. Und auch das natürliche Selbstbewußtsein, das Kinder oft ausstrahlen und das ich irgendwann in meinem Leben wohl abgelegt habe.
Der Mond stand riesig groß tief im Osten, fast berührte er den Morgen. Am pechschwarzen Himmel grauer Wolkenschimmer. Er war von gelbem Dunst umgeben, so als würde er sich jeden Augenblick auflösen.

 

 

 

Andreas hatte heute eine Darmspiegelung - zum Glück Entwarnung.

 

 

 

Verzaubert, wieder einmal.

 

 

 

Doch ich zerstörte den guten Eindruck recht schnell, ohne das ich es wollte.

 

 

 

Donnerstag, 21. August 2008

 

 

 

Ich träumte, daß ein kleiner, filigraner, goldener Baum aus meinem linken Unterarm gewachsen ist, der Baum war ganz zart. Ich hielt den Arm leicht angewinkelt und sah diesen kleinen Baum. Blätter oder Früchte hatte er keine, es war nur der Stamm mit den Ästen und Zweigen.
Ein Traum von einer Busfahrt: Ich bin schon ganz früh aufgestanden, um mit den ersten Bus in die Stadt zu fahren und dort in die Schule zu gehen, worauf ich mich sehr freute. Ich steige ein und wir fahren los. Sogar in dem Ort mit der Baustelle - die Straße ist dort eigentlich gesperrt - kommt der Bus durch. Für ihn gibt es keine Schranke und er biegt auf eine schmale Notbehelfsstraße, welche ganz nahe am Bach verläuft. Schließlich fahren wir um die letzte scharfe Kurve. Wir biegen um die scharfe Rechtskurve in dem Ort, in dem ich lebe, ich bin wieder daheim! Wir stehen jetzt mit dem Bus genau vor unserem Haus. Das gibt es doch nicht! Wir sind im Kreis gefahren! Ich wollte doch in die Stadt, um dort in die Schule zu gehen! Mit großen Augen schau ich durch das Fenster nach draußen. Ich will den Busfahrer zur Rede stellen, was das soll. Doch der sagt nichts und läßt uns aussteigen. Es ist jetzt etwa sieben Uhr am Morgen. Mein Vater ist wie immer schon da und hat die Werkstattore bereits weit geöffnet. Die Sonne scheint hell und gelb in unseren Hof, sie beleuchtet alles. Ein dunkelgrauer Fiat 130 steht mitten darin, seine Chromstoßstangen blitzen. Den hat mein Vater wohl gerade herausgefahren.
Noch ein Traum. Ich liege im Bett, rechts von mir mein Freund. Gleich links von mir ist ein großes Fenster. Das Fenster hat einen schmalen, dunkelbraunen Fensterrahmen. Da kommt plötzlich ein Zahlenwürfel von der anderen Seite des Fenster, von draußen, in einem weiten Bogen wundersam wie aus dem Nichts auf uns zugeflogen. Er fliegt herein. Die sechs Seiten des Zahlenwürfels bestehen jeweils aus großen, azurblauen, ein- oder zweistelligen Zahlen. Ganz deutlich erkenne ich auf dem Feld links eine Elf. Und auf dem Feld oben eine Eins.

11

 

 

 

 

 

 

Mit den Fußnoten lächeln...

 

 

 

Freitag, 22. August 2008

 

 

 

Hans im Glück

 

 

 

Ich war gerade noch draußen und habe das Unkraut in den drei quadratischen Blumenbeeten entlang des Gehsteigs entfernt. Gerade als ich raus ging begann es zu regnen. Erst regnete es leicht, dann immer stärker. Es dämmerte schon.
Er war unten am Bach gewesen, der am Haus vorbei fliest. Als ich nach ihm sah, fand ich eine schöne, große Süßwassermuschel im hellgrünen Gras liegen. Sie hatte eine längliche Form und war erdbraun, schilfgrün und bernsteinfarben. Die beiden Schalenhälften waren noch miteinander verbunden. Er hatte sie mit Hilfe eines Steckens aus dem Wasser gefischt und dorthin gelegt.

 

 

 

Heut werde ich im Regen tanzen...
Die Haare kringeln sich und die Haut wird so feucht und weich.

 

 

 

 

 

 

Samstag, 23. August 2008

 

 

 

Wiese

Heute waren wir in der Schweiz, um meinen Neffen zu besuchen, der dort zur Kur ist. Wir sind unschlüssig vor dem Schalter der Gondel zum Jakobshorn gestanden, um ein Ticket zu lösen. Die Frau hinter dem Glas fragte uns scharf anblickend schon leicht ungeduldig: “Wollen Sie zu dem Almfest?” Ich dachte: Was für ein Almfest? Und sah sie verständnislos an. Der Name der Zwischenstation mit der Alm, zu der wir wollten, fiel mir plötzlich nicht mehr ein. Schließlich gab sie uns drei Tickets, die zur Feier des Almfestes nichts kosteten. “Sie müssen sich beeilen, die Gondel wartet schon”, sagte sie noch, während ich schon losrannte, die anderen beiden hinter her.
Der Bergwald war feucht und Krippenmoos hing gleich grauen Korallen oder auch wie skurrile Schwämme von den duftenden, hohen Tannen. Verwitterte, in sich gewundene und verdrehte Baumstümpfe entlang des Weges, zarte Blumenwiesen. Glockenblumen schaukelten, Rittersporn strahlte blau und Wasser plätscherte überall. Es schmeckte köstlich. “Da sind ja Walderdbeeren”, rief ich und bückte mich, um sie zu pflücken und zu essen. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch erreichten wir die Alm mit den Kühen mit den großen, sanften Augen. Ich aß Raclettebrot und trank frische Mich. Irgendwann begannen die Musiker zu spielen. Als wir schließlich wieder zurück gingen, erklangen die Hörner. Bei den Bläsern war einer der Männer, welcher mit seinen Kameraden die selbe Seilbahn hochgekommen war und auch mit uns durch den Wald zur Hütte gewandert war. Mir war sein Musikinstrument in einem Beutel gehüllt auf seinem Rücken geschnallt aufgefallen und er hatte uns stets fröhlich verschmitzt angelacht, wenn wir die kleine Gruppe auf dem schmalen Pfad überholt haben oder sie uns.
Grüzi mitanannt, hörte und sagte ich an dem Tag oft. Die Hörner klangen wunderschön über die Alm. Die Kühe lagen oder standen wiederkäuend still im Gras. Der Klang der Hörner berührte mich. Die Musiker spielten schlichte, ein wenig wehmütig klingende Weisen und ich wäre am liebsten wieder umgekehrt um mich dort in ein stilles Eck zu setzen und zuzuhören. Ich dachte an Heimat.

Die Musiker strahlen

Später haben wir noch das Kirchner-Museum besucht. Ich mag die Expressionisten. In Wiesen waren wir Abendessen, ich aß Capuns, und mein Neffe hat mir später noch einen großen, runden Stein aus einem Gebirgsbach gehievt, der nun auf der Treppe zur Wohnung liegt. Ich wäre gerne Übernacht geblieben, doch mein Freund wollte lieber noch am selben Abend zurückfahren, da er am folgenden Tag arbeiten wollte. Ich hatte gedacht: Einfach einmal wegfahren und alles vergessen. Früh woanders aufwachen, gemütlich frühstücken. Den Kopf frei. - Die Rückfahrt war anstrengend. Über dem Bodensee ein Gewitter. Saß launisch und müde meine schmerzenden Arme um mich selbst geschlungen auf dem Autositz.
Springe über deinen Schatten.
Jetzt (heute am Sonntag) bin ich auch froh, schon Zuhause zu sein und alle meine Sachen in Ruhe vorbereiten zu können.

Kirstallkugeln und -herzen schweben am Fenster und in der Luft

La vie en rose

er und ich

 

 

 

Sonntag, 24. August 2008

 

 

 

Winde

 

 

 

Ich hab mich zu einem Ikonen-Malkurs angemeldet. Das wollte ich ja schon lang einmal lernen und mehr darüber erfahren. Nun hat es sich zufällig ergeben, daß in der Stadt ein Kurs stattfindet und ich auch noch frei nehmen kann. Ich habe mich erst am Freitag in allerletzter Minute entschieden, nachdem ein zweiter, kleiner Hinweis in der Zeitung gestanden war. Wir sind nur vier Teilnehmer, besser gesagt Teilnehmerinnen, weiß ich jetzt, denn heute Abend war schon die Einführungsveranstaltung. Es war ein Vortrag mit Dias. Wir sahen prächtige Ikonostasen und erfuhren von der tieferen Bedeutung ihrer oft speziellen Anordnung mit den Patriarchen - leider keine einzige Patriarchin - des Alten Testamentes in der Reihe ganz oben, den Propheten darunter und von Maria und Johannes links und rechts des in der Mandorla thronenden Jesus. Es ging um Karfreitag, um Maria und um die Türe in dieser Trennwand vor dem Allerheiligsten, welche dann von innen aufgetan wird, von der anderen Seite.
Mit diesen Abbildern von Idealen wie von einer höheren Welt, einer höheren Wirklichkeit, führte er aus. Heruntergespiegelt. Sozusagen.

 

 

 

Montag, 25. August 2008

 

 

 

Ich träumte, daß mir u. a. Spargel auf einem Teller gereicht wird.

 

 

 

Über den Klang, der aus ihm strömt...

 

 

 

Eine kleine Schwalbe war aus dem Nest gefallen und mein Vater hat sie auf einem Pappkarton auf das Dach eines Autos gesetzt, das da in der Nähe stand, in der Hoffnung, die Elternvögel würden das Junge sehen und weiter füttern. Ich sah nach ihr und als ich nach ihr greifen wollte, rutschte sie wie auf einer Rodelbahn vom Karton die regenfeuchte Autoscheibe hinunter und kam schließlich auf dem Kofferraum zum Stehen. Gleichzeitig sprang ein seltsames Tier aus ihrem Gefieder und blieb alle Beine zappelnd von sich gestreckt auf seinem rautenförmigen, panzerartigen Rücken in einem Tropfen gefangen liegen. Ich stupste es mit einem Finger an, es fiel auf seine Beine und krabbelte fort. Dieses seltsame Tier sah ich schon aus jeder Schwalbe hüpfen, die ich gepflegt habe. Es glich ein wenig einer Wanze. Ich nahm die kleine Schwalbe vorsichtig in meine Hand. Im selben Moment kam Yoda, der rote Kater, um das Hauseck gelaufen, er hatte etwas Schwarzes im Maul. Mit der Schwalbe in der Hand lief ich ihm durch das offene Werkstattor ins Treppenhaus hinterher. Auf dem Fußabstreifer vor der Treppe lag eine kleine tote Maus! Zum Glück bin ich vorhin nicht auf sie getreten! Und zum Glück war sie bereits tot. Und im Eck drängte sich angstvoll eine zweite kleine Schwalbe, die laut vor Todesangst rief, als Yoda schnurrend auf sie zusprang und dann stolz mit seiner linken Pfote auf ihrem Kopf stehen blieb. Schnell drängte ich ihn weg, er schnurrte immer noch, um die kleine Schwalbe an mich zu nehmen. Sie kroch tief in meine Hand. Da, freß deine Maus!, sagte ich zu ihm. Das tat er dann auch, sich schmachtend an mich reibend, was bin ich doch für ein toller Kerl!, die Knochen knackten in seinem Maul. Ich nahm beide Schwalben mit nach oben auf den Dachgarten, höhlte meinen Filzpantoffel mit einem weichen Tuch aus und tat die Schwalben nach einer Weile, in der ich sie noch in meiner Hand hielt und wärmte, mit ihnen redete, hinein. Die Schwalbe, welche Yoda in seinen Fängen gehabt hatte, war viel dünner als die andere, sie hatte immer noch große Angst und schmiegte sich ganz tief in den Schlappen. Zwei pulsierende Häuflein Leben.

In der Mittagspause bin ich vom Kurs nach Hause gefahren, um nach den Schwalben zu sehen. Eine fand ich in den Sträuchern des Dachgartens, die zweite unter der Brüstung des Geländers. Sie sind nicht zu halten, wollen fliegen, kommen aber nicht weit. Ich habe sie versucht zu füttern, doch sie öffneten ihre Schnäbel nicht. Lediglich die kleinere von den beiden trank ein paar Tropfen Wasser aus der Spritze.
Als ich am Abend nach Hause kam, waren sie verschwunden. Ich suchte auf dem Dachgarten, dann im Hof und in der Wiese am Bach, denn ich vermutete, daß sie vielleicht bei einem Flugversuch von der Dachterrasse heruntergefallen waren. Doch sie blieben unauffindbar. Wahrscheinlich werden sie die Nacht nicht überleben.

 

 

 

Dienstag, 26. August 2008

 

 

 

Erste Vergoldung

 

 

 

Sie erzählte von ihren beiden liebsten Heiligen, von Maria von Ägypten und von Therese von Lisieux, und sie zeigte mir ihren Ordner voller farbenprächtiger Ikonenmotive. Ich hörte gerne zu und blätterte im Ordner, stieß zu meiner Überraschung auf die Ikone von Johannes den Täufer, welche in der Grabkirche der Hildegard von Bingen beim Taufbecken an der Wand hängt. Mir war sie damals, als ich dort war, besonders aufgefallen und ich verbinde etwas damit.
Erzählte von ihrem Aufenthalt in Istanbul als Krankenschwester. Eigentlich erzählten wir uns alle vier gegenseitig aus unserem Leben.
Einmal war ich mit der Meinung unseres temperamentvollen Kursleiters, der die Bibel in und auswendig zu kennen schien, nicht einverstanden. Das Gesagte beschäftigte mich noch den ganzen Abend, war ganz durcheinander. Es ging dabei aber nicht um das Malen.
Heute war ein wunderschöner Spätsommertag.

 

 

 

Ein schwarzer Schmetterling in der Nacht an der Türe.

 

 

 

Mittwoch, 27. August 2008

 

 

 

Ja, ich muß es wirklich sagen, das hat mich enttäuscht. Wertvolle Stimme ausgeschlagen, wertvollen Plan ausgeschlagen. Las unser Ikonenmallehrer über meinem Platz gebeugt aus dem Kaffeesatz meiner Tasse. Er wiederholte seine Enttäuschung über mich mehrmals. Das habe ich geträumt.
Hoffentlich nicht die Stimme der Stille.

 

 

 

Ich habe geweint, am Abend, als ich etwas las. Konnte gar nicht mehr aufhören. Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, habe ich ein Kilo Brombeeren zu Marmelade gekocht, welche mein Freund gestern Abend von seinen Eltern mitgebracht hat. Das zweite Kilo fror ich ein. Es war höchste Zeit, ich konnte sie nicht liegenlassen.

 

 

 

Donnerstag, 28. August 2008

 

 

 

Heute Morgen hat mir Linde ein Glas Pfirsichmarmelade in die Hand gedrückt. Für die anderen hatte sie ebenfalls je ein Glas dabei. Sie hat gestern Abend eine Wanne voll Pfirsichen zusammen mit ihrem Mann eingekocht.

 

 

 

Die Grundierung des Gesichtes. - Ich habe extra die Zeitungsseite mit dem lachenden Delphin, es ist Flipper, und dem blaugelbgrün fließenden Bild als Unterlage gewählt.

 

 

 

Ich träumte von einem schmalen, silbernen Rahmen. Er war nicht glänzend poliert, sonder nur fein geschliffen, ganz schlicht, was sehr schön und wertvoll aussah. Oben im Rahmen war eine Inschrift eingeprägt. Sie war türkis ausgefüllt. Sie war in einer mir fremden Schrift. Die Zeichen waren zierlich und schön geschwungen. Das erste Zeichen hatte eine weite Schlaufe nach unten. Der Rahmen sah aus wie ein besonderer Rahmen für eine alte Ikone oder für ein altes Bild.
Dann noch drei schöne, quadratische Bilder mit Blumenmotiven nebeneinander. Sie glichen Blumensträußen.
Bei dem Dia-Vortrag sprach der Kursleiter ebenfalls von der Bedeutung von Rahmen an sich. Sie sind wie Fenster zu einer anderen Welt.
Natürlich habe ich am liebsten mit dem Goldpuder gemalt, weil es so schön glitzert. Wir mischen die Pigmente mit frischem Ei selbst an. Es gefällt mir sehr, darüber zu lernen. Kunst kommt von können, nicht von wollen, sonst hieße es ja Wulst, sagte er.

 

 

 

„Mein Gott, wie schauen sie nur ihren Vater ähnlich!“, rief die Kundin plötzlich aus, welche ich aus der Stadt mit herausgenommen hatte, als wir uns gerade die Hand zum Abschied gaben und ich sie dabei anlachte.

 

 

 

Langgezogene Schatten der Obstbäume auf den Wiesen, welche Sonne atmen, und das lautlose Wehen des Windes.

 

 

 

Freitag, 29. August 2008

 

 

 

Fertig! Die Inschrift auf dem Rahmen gibt der Ikone ihre Weihe, weiß ich jetzt. Auf der Fotografie wirkt sie jetzt noch schöner gemalt als in Wirklichkeit. Die roten Linien um den vergoldeten Bereich und um den Heiligenschein hat allerdings der Kursleiter gezogen, als ich über Mittag nach Hause fuhr, um im Büro zu sein, da meine Mutter auf eine Beerdigung mußte.

 

 

 

Eine Woche voller Eindrücke. Eine Woche mit drei tollen Frauen.
Einmal lief uns eine vollkommen bunte Katze über den Weg zum Eingang. Sie war weiß und braun und grau und schwarz und rot. “Wie schön”, sagte sie. “Eine Glückskatze!”, rief ich.
Einmal hat sie mich zu sich ins Haus gebeten, um mir ihre Bilder zu zeigen. Eines stellt eine Frau in einem langen, goldgelben Kleid dar, welche unter einem Blumentor steht. Auch die Vorlage dafür hatte sie noch aufbewahrt, sie war aus einer Zeitung herausgetrennt und lag sorgfältig in der Schachtel mit den Malutensilien auf ihrem Schreibtisch. Und ihre Tonfiguren. Frösche, Schnecken, Kugeln, Kinder, eine große weißglänzende Muschel. Eine Frau, sie trug eine Taube. Eigentlich sollte sie ein Engel werden, aber dann sind die Flügel nichts geworden. Deshalb trägt sie jetzt die Taube. Und noch ein anderes, naiv gezeichnetes Bild durfte ich sehen. Es zeigt ein kleines Mädchen in einem langen, hellblauen Kleid, das rechts und links von zwei überlebensgroßen Händen beschützt, sozusagen in ihnen geborgen war.
Sie zeigte mir von sich.
Sie schenkte mir eine tönerne Kugel mit Dreiecken als Löcher und eine Schnecke, die sie selbst getöpfert hatte, zum Dank, daß ich sie jeden Tag abgeholt und heimgefahren habe.
Ich habe ihr das Büchlein Kirschblüte und Nachtigall mitgebracht. Sie bedankte sich bei mir und sagte, ihre Augen ernst auf mich gerichtet: Vergeld’s Gott. Das hat mich sehr gerührt. Ich dachte, daß er ihre Worte bestimmt erhört. Wenn nicht ihre, wessen sonst? Wir umarmten uns zum Abschied.
Josephine brachte mir ein Buch über Südindien mit. Ihr Bruder hat dort ein Heim für geistig behinderte Kinder mit aufgebaut. Ich erzählte ihr, das ich gerne einmal nach Indien wolle. Sie sagte, daß ich das tun soll, denn etwas in meinem Wesen wäre dem der indischen Frauen dort sehr ähnlich. Sie legte ihre fertige Ikone auf auf ihr türkises Tuch, das sie trug, drapierte es außen herum, was wunderschön aussah. Wir waren uns einig, daß Maria auch ein bißchen zaubern konnte.

 

 

 

Samstag, 30. August 2008

 

 

 

Das Schloß

 

 

 

Ein Traumfragment: Ich befinde mich in einem Hafen am Rande einer Pier und springe mit dem Rücken zum Meer mit den Füßen voran senkrecht ins Wasser. Ich erwartete, daß ich sogleich wieder an die Oberfläche kommen würde, aber ich sank langsam tiefer und tiefer hinab. Das Meerwasser war eine türkisgraue Wand, man sah nicht besonders weit. Es war nur das Wasser, kein Fisch oder sonst irgend etwas. Zuerst hatte ich Angst, weil ich tiefer und tiefer sank, dann aber war ich ganz ruhig. In meiner linken Hand hielt ich etwas wie einen langen, silbernen Metallstab mit einer roten Kappe oder auch wie eine Leiter. Der Stab ist vielleicht dafür, daß ich auf dem Grund angekommen mich mit seiner Hilfe abstoßen kann, um wieder möglichst rasch auftauchen zu können. Ein wenig Angst hatte ich schließlich doch, denn ich wußte nicht, was mich ganz unten erwarten würde. Hoffentlich kein undurchdringlicher Wald aus langen Schlingpflanzen.

 

 

 

Sonntag, 31. August 2008

 

 

 

Im Weidenkorb:
ist eine Aubergine,
ist eine Zucchini,
sind Früchte,
sind Blumen und Licht.

 

 

 

Heut trafen wir uns wieder um halb neun bei der alten Linde zum Tai Ji. Die Sonne schien, es war ein wunderschöner Spätsommertag. Die Bäume hingen voller Obst. Im Blattwerk der Linde flammten erste gelbe Stellen. Auf der Fahrt in die Stadt kam ich an einer Schafherde vorbei. Schon in der Schweiz sind wir an zwei großen Herden, die linkerhand lagen, vorbeigekommen.

Dann, oben auf dem Plateau, waren wieder Schafe links in einem Gatter. Ein Schaf, das hatte seinen Kopf durch den Zaun gesteckt. Ich registrierte es gar nicht sofort, aber wir gingen hin und tatsächlich steckte das Schaf mit dem Kopf im Drahtzaun fest. Ich befreite es, indem ich die Drähte auseinander drückte und nach einer kurzen Weile gelang es auch.
Die Übungen haben sich geändert, wir müssen uns umstellen. Sie sind jetzt auf eine Art und Weise schlichter, intensiver. Manchmal, so kam es mir vor, bewegten wir die Hände wie bei einem Segen, so als würden wir segnen.
Er erzählte so etwas Schönes. Er hatte am Morgen von jemanden eine Mail bekommen. Wo bist Du? Am Sternenhimmel... , so in der Art lauteten die Worte darin. Ich muß ihn noch einmal danach fragen. Ich dachte an das Traumbild mit den beiden Delphinen und erzählte es. Er kam auf das Tarot, daran hatte ich noch gar nicht gedacht, und ich erwähnte die Apokalypse, worin ja auch von sieben Sternen die Rede ist.
Wir tranken Kaffee zusammen. Dummerweise trank ich zwei Cappucino, was zuviel war. Wir sprachen über alles Mögliche. Und ich erzählte endlich auch von meinem Tagebuch.
Bei der Heimfahrt war ich aufgewühlt. Was wohl die anderen von mir denken?

 

 

 

Die Mutter meines Freundes hat ihm frische Himbeeren in einer achteckigen Schale für mich mitgegeben.

 

 

 

Nun sind wir sieben Jahre zusammen.

 

 

 

Wir waren essen und haben uns unterhalten. Es war ein schöner Abend. Eigentlich wollte die Wirtin schon zusperren.
Ich redete von Indien. Und einmal versank ich in Sprachlosigkeit, in Schweigen, weil ich nicht mehr wußte, was ich nun erwidern will. Was ich denn nun ausdrücken will. Was ich überhaupt will.

 

 

 

Am Bach

 

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