margit aum├╝ller

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Donnerstag, 1. Mai 2008

 

 

 

Gestern Abend war ich bei Uli eingeladen, zur Feier der neuen Wohnung. Sie hat f├╝r uns gekocht. Es gab eingelegte Gem├╝se, Caprese, dann leckere Nudeln mit Tomatenso├če, roten Zwiebeln und sanft anger├Âsteten Pinienkernen. Dar├╝ber Parmesan gestreut. Zum Abschlu├č frische Erdbeeren mit Vanilleeis und Schlagsahne. F├╝r das Essen durfte ich mir als erste die Musik aussuchen, ich w├╝nschte mir Chopin. Sie hat mir eine CD mit nach Hause gegeben: The Vajra Guru Mantra.
Beim Tai Chi sp├╝rte ich auf einmal starke Sehnsucht. Pl├Âtzlich war sie da, diese Sehnsucht, fast wie ein Schmerz.
Wo ist mein Herz?

 

 

 

Augenstern

 

 

 

Ans Licht

Sag deiner Seele,
sie soll ihr
sch├Ânstes Kleid tragen
heute abend.
Sag ihr,
es ist soweit:
die Sterne haben
ihren Segen gegeben.
Was nun geschieht,
f├╝hrt n├Ąher ans Licht.

Von Hans Kruppa (gefunden bei Sonne und Meer)

 

 

 

Dieses Gedicht mag ich sehr. Ich tr├Ąumte, da├č jemand den Raum durch die linke T├╝re mit einem gro├čen Glitzeradventskalender unter seinem linken Arm geklemmt verl├Ą├čt. Er geht hinaus. Neben meinem Bett liegen die dicken Plastikplanen aufgerollt, welche im Winter oben im Werkstattor h├Ąngen, damit es nicht so kalt hereinkommt. Ein Traum, da├č jemand mir durch sein Verhalten wehtut. Ich dachte: Was tut er denn, er wei├č gar nicht, was er da tut! .... Eine erwachsene schwarze Ente kommt von links hereingeschwommen. Auf ihrem R├╝cken sitzt ein kleines wei├čes Entenjunges.

 

 

 

 

Die Luft ist klar und doch erf├╝llt von Duft, wie dein Haar im Wind an meinem Gesicht.
Der Ginster bl├╝ht. Und das Vergi├čmeinnicht.

 

 

 

Freitag, 2. Mai 2008

 

 

 

Im Zimmer

Um sieben in der Fr├╝he sind wir in den Th├╝ringer Wald gefahren, um dort einen Teil aus unserer ├ťbungsgruppe zu treffen und zusammen Tai Chi zu ├╝ben. Die Hinfahrt war nicht so toll, ich war angespannt und hektisch und Andreas ging es nicht gut, er hatte starke Halsschmerzen, schlief auf dem Beifahrersitz.

Als ich die Augen nach der Ruhe, nach der Meditation am Nachmittag auf der Wiese unter bl├╝henden Obstb├Ąumen langsam wieder zwinkernd ├Âffnete, glitzerte der Himmel von winzig kleinen Lichtfunken, die gleich einem unendlichen Sternenregen st├Ąndig neu aus der klaren Luft regelrecht zu springen schienen. Bitzelsterne. Das hat mich an die Wahrnehmung als kleines Kind erinnert.

Die Menschen sind sehr freundlich dort.

 

 

 

Samstag, 3. Mai 2008

 

 

 

 

 

 

Da war ein sch├Âner Hund, eine anschmiegsame, schon ├Ąltere Hundedame. Das Fell ihrer edlen Schnauze war silbern verf├Ąrbt. Sie hatte einen gutartigen Tumor in einer ihrer Zitzen, die ├╝bernat├╝rlich vergr├Â├čert war. Eine Operation br├Ąchten die Gefahr, da├č er sich ausbreiten w├╝rde, erkl├Ąrten mir die netten Besitzer hernach. Ich streichelte sie lange.

Seltsam ist das manchmal. Vielleicht h├Ątte ich mich noch mehr mit den Besitzern unterhalten sollen. Gestern a├čen wir im Gasthaus zum Lamm. Auf den Fenstersimsen, ├╝berall, standen und lagen unz├Ąhlige Schafe. Es gab auch ein Wandgem├Ąlde mit einem Sch├Ąfer und seinen Schafen. Auch das Mai-Blatt des Kalenders aus Neuseeland daheim zeigt ein Schafmotiv. Ein gro├čer silberner Reisebus h├Ąlt auf einer einsamen Stra├če, um eine gro├če Herde Schafe passieren zu lassen. Gingen gleich hernach schlafen. Lag gl├╝cklich und ersch├Âpft im Bett. Sah im Halbschlaf eine rotbl├╝hende Blume im Zimmer schweben, eine Rose. Und tr├Ąumte sch├Ân.
Ein Traum handelte von einer Bekannten, von einer Freundin. Ich sah sie vor einem Fenster stehen. Sie hatte sich zu dem Fenster hingeneigt. Ein Bein hatte sie daf├╝r etwas hochgestellt, ihr Oberk├Ârper war nach vorne geneigt, so als unterhielte sie sich mit jemanden, der auf der anderen Seite des Fensters war, den ich aber nicht sah. Sie trug eine enganliegende Hose aus einem golden Satinstoff und noch lediglich ein goldenes Bikinioberteil, einen B├╝stenhalter, aus dem selben seidigen Stoff. Der Schnitt war ganz schlicht und sehr elegant. Ihre Haut schimmerte wei├č und weich, leuchtete regelrecht. Sie sah wundersch├Ân aus. Ich sagte ihr das dann hernach im Traum, wie sch├Ân sie das kleidete, was sie trug. Wie sch├Ân sie war. Sp├Ąter zogen wir uns beide blaubeige karierte Hosen an, um auf ein Konzert zu gehen.

 

 

 

20080503-2

Kleiner Tropfen

Vor einer Felswand ├╝bend; diese Felswand im glei├čenden Sonnenlicht, dazwischen der kleine Flu├č, strahlte sehr viel Ruhe aus. Einmal f├╝hrte uns Richard die ganzen Bilder einer anderen dynamischeren Tai Chi-Form vor, als die Form, welche wir momentan beginnen zu lernen. Als wir danach langsam wieder zum Hauptplatz mit den kleinen Ferienh├Ąusern zur├╝ckgingen, sagte Andreas zu mir, da├č ihm die ganze fast t├Ąnzerische Abfolge der genau festgelegten Bilder und Bewegungen an ein Gebet erinnere, an ein inniges Gebet.

Wunder

 

 

 

Auf der Heimfahrt. - Wir fuhren auch durch einen Ort, der hie├č Gabe Gottes.

 

 

 

Sonntag, 4. Mai 2008

 

 

 

Meine Freundin schrieb mir heute. Sie schrieb, da├č ihre kleine Tochter sich gefreut hatte, als sie die Bilder von sich hier fand, sie aber diese gerne wieder zur├╝ckhaben wolle. Sie dachte n├Ąmlich, ich h├Ątte sie jetzt “wirklich”. Und sie schrieb mir, da├č “Blume” auch ein sch├Ânes Wort ist. Ja, das Wort “Blume” habe ich auf der Liste der sch├Ânen W├Ârter ganz vergessen. Ich finde “Blume” auch sehr sch├Ân. B l u m e. Wie sich die Zunge beim “l” nach dem weichen “B” im Mund rollt, darauf folgend das tiefe “u”, dann das warme “m” und dann das “e”. Blume. Also, eine Fortsetzung:

 

 

 

Liste sch├Âner W├Ârter II

Blume, Schl├╝sselloch, Granada, Mirabelle, Smyrna, Lila, Klang, wuschelig, Zinnober und Zion...

 

 

 

Das Geheimnis der K├╝chenschelle (Pulsatilla vulgaris):

fein gefiedert.
Ihre Frucht.
(Lang seidig geschn├Ąbelt, steht in meinem Blumenbuch.)

 

 

 

Montag, 5. Mai 2008

 

 

 

Neumond. Neuanfang. In der Mittagspause gelangte ich auf eine Seite, welche ich eigentlich schon kannte, mich aber pl├Âtzlich fesselte. Es war wegen meiner Frage in der letzten Woche. Sie war wie eine Antwort, eine Antwort, die ich mir selber gab.
Freude.
Den H├Ârer in der linken Hand haltend sang eine liebe Frauenstimme auf dem Anrufbeantworter melodi├Âs in mein Ohr. Legte schnell wieder auf.
Vorhaben nicht durchgef├╝hrt.
Am Abend Clubtreffen.

Ich las ├╝ber die Bedeutung der Sieben, ├╝ber die Oktave und ├╝ber die sieben Vokale, welche von den ├Ągyptischen Priestern an die sieben Strahlen der aufgehenden Sonne gesungen wurden, auf die Memnon, eine der beiden Kolossalstatuen vor dem Totentempel Amenophis III. in Theben, antwortete. Die Statue gab zur Zeit des Sonnenaufgangs gesangsartige T├Âne von sich.
Nun wei├č ich, warum ich von dem Buch auf den Tasten des Klaviers tr├Ąumte.

 

 

 

 

Dienstag, 6. Mai 2008

 

 

 

Nun habe ich eine Karte f├╝r den Dalai Lama. Durch Zufall. Elvi fragte gestern Abend in die Runde. Sie hat die Karte von einer Bekannten, die jetzt zu der Veranstaltung nach N├╝rnberg geht.
Es war noch etwas, an dem gestrigen Abend, was mich w├Ąhrend der Diskussion innerlich aufhorchen lie├č und mich ber├╝hrte. Angelika machte eine Bemerkung ├╝ber das vergangene Jahr. Trotz der vielen Termine und Verpflichtungen empfand sie, besser gesagt gerade auch deshalb, unsere Aktivit├Ąten als erf├╝llend. Sie sagte, da├č sie f├╝r sich festgestellt h├Ątte: Ja, das ist es, was ich will. Das will ich.
Dies ist ein Thema, wor├╝ber ich oft nachdenke. Was ist mir wirklich wichtig? Worum geht es mir? Was ist das, was mich erf├╝llt? Wohinter stehe ich wirklich?

Mein Freund hat einen offenen Fu├č. Er hat schon l├Ąnger Probleme mit juckenden Fu├čsohlen und seit dem Wochenende eine stark juckte Stelle unterhalb des Kn├Âchels, die nun vom Kratzen vollkommen offen ist und auch eitert. Woher kommt der Juckreiz nur? Was ist die Ursache davon?

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 7. Mai 2008

 

 

 

Da waren zwei Baumkronen vor einem blauen Sonnenhimmel, welche erst beschnitten worden sind. Die beiden Baumkronen bestanden aus wenigen kurzen und recht dicken, korb├Ąhnlich nach oben wei├čenden ├ästen. Das frische Blattgr├╝n war noch nicht getrieben. Die beiden B├Ąume standen leicht versetzt, die linke Baumkrone war also vor der Baumkrone des rechten Baumes. In den Wipfeln der beiden B├Ąume, also mitten in den Baumkronen, sa├č je ein kleiner Vogel. Es waren Meisen, zwei Meisen, Blaumeisen.
Ein Traumbild.

 

 

 

Freitag, 9. Mai 2008

 

 

 

Ich hatte auch einen Traum, da├č mit meinem Kind etwas ist und da├č ich dann beim Arzt bin. Auf Liebe? Dort bekomme ich eine Spritze in mein Ohr und kann dann aber nicht mehr gehen. Als ich von dem Behandlungstisch aufstand knickte ich n├Ąmlich weg, meine Beine gehorchten mir nicht mehr. Ein wei├čer Umhang wird dann um mich geh├╝llt und ich werde wieder hingelegt. Meine eine Schwester k├╝mmert sich deswegen um mich und f├Ąhrt mich. Und auch meine andere Schwester beim Aussortieren von etwas...

 

 

 

Ich tr├Ąumte von Siegeln, n├Ąmlich von Gl├╝ckssiegeln. Gl├╝ckssiegel von der Zulassungsstelle. Die Gl├╝ckssiegel waren in einem vielleicht zehn Zentimeter hohen zylindrischen Kunststoffbeh├Ąltnis, dessen Deckel man abschrauben konnte. Das Beh├Ąltnis war blau und das Blau war schon etwas ausgeblichen. Es war auch noch ein Etikett auf diesem Beh├Ąltnis. -
Ich glaube jetzt, da├č es besondere Siegel sind, n├Ąmlich Siegel aus Tibet, und ich glaube ganz sicher und ganz fest, da├č auf den Siegeln in chinesischer Schrift steht: “M├Âge gro├čes Gl├╝ck Dir zu Diensten stehen!”

 

 

 

Und auf einmal begann der Mond am Morgen mit den Rosen zu sprechen...
Er begann zu reden, bevor die Sonne aufgegangen war.
Es d├Ąmmerte bereits und der Mond zeigte sich milchwei├č.
Es war so, da├č der Mond vollkommen bet├Ârt vom Anblick der tauschimmernden Rosen war, die still im aufsteigenden Nebel verharrten.
Er ├Âffnete seinen Mund und sprach:
rosa.

 

 

 

Das Blau.
Das Blau der M├Ąrchenoper.
Das Blau der Luft, der Atmosph├Ąre um den Planet Erde.
Das Blau im Horizont.
Das Blau des Eisvogels.
Blau bl├╝hen die Spitzen jener Formen ├╝ber dem zeitlosen Grund, welche pausenlos atmen und pulsieren.
Blaue Nacht umf├Ąngt wie Licht dein Antlitz hinter dem Spiegel der Wahrnehmung.
Blau ist der Ruf des Vogels -
Und Blau ist das geschmeidige Heben und Senken der Brust der Hortensie im Schimmer der D├Ąmmerung.
Blau zeigt sich im Strom der Wellenform um das innerste Zentrum,
Und Blau, Blau singt die Monade.

 

 

 

Samstag, 10. Mai 2008

 

 

 

 

 

 

“Rosen lieben Sonne und Wind”, sagte sie.
Wir sa├čen im Garten, umgeben von Rosen. Die Sonne schien warm und der Wind wehte.
Ich sah nach oben und da stand die schmale Sichel des zunehmenden Mondes im wolkenlosen Nachmittagshimmel.
Durchscheinend, kaum sichtbar, milchwei├č.
“Schau, der Mond... “, antwortete ich.

Als h├Ątte ihn der hellichte Tag schon fast aufgel├Âst, so ├Ątherisch sah er aus. Wie eine Wolke. Wie ein Hauch. Als h├Ątte sich der Mond nicht vom Anblick der Rosen l├Âsen k├Ânnen und er deshalb vergessen, sich bei Sonnenaufgang wieder in die Sicherheit der Nacht zu bringen.

 

 

 

Fasziniert von dem Tanz der Lichtstrahlen auf dem Wasser des Baches neben dem Haus

 

 

 

bonne nuit la compagnie! steht auf einem Putzlappen aus der Werkstatt.

 

 

 

Sonntag, 11. Mai 2008

 

 

 

Am Bach

Sonnentage. Seit sieben Tage scheint die Sonne und weht der Wind. Der Boden ist mittlerweile bereits vollkommen ausgetrocknet.
Die Aufregungen der letzten Woche heute auf einmal verflogen. Weggeweht. Aus der Erinnerung.
Lese viel.
Gestern verbrachte ich einige Zeit am Nachmittag auf der Wiese am Bach, um Unkraut auszurei├čen. Pl├Âtzlich knirschte es unter meinem rechten Fu├č - ich war versehentlich auf eine kleine Schnecke getreten.
Ich schreckte Yoda, den roten Kater, auf der Sandbank unter der Br├╝cke auf. Er sprang mit einem gewaltigen Satz auf die fast zwei Meter hohe Steinmauer, um wenige Momente sp├Ąter, nachdem er mich erkannt hat, ein lautes Jammern anzustimmen, dessen n├Ąheren Grund und Bedeutung ich leider nicht in Erfahrung bringen konnte.
Gab mich dem Anblick des sprudelnden Wassers hin. Der tausend Lichtpunkte, welche auf seiner Oberfl├Ąche tanzten.
In der letzten Woche hat Yoda innerhalb von wenigen Tagen drei Eidechsen angeschleppt. Bei der ersten Eidechse dachte ich, es handle sich um eine kleine Maus, aber als ich n├Ąher kam, sah ich, da├č es eine Eidechse war, mit der er vor der Haustreppe “spielte”. Ihr Schwanz fehlte bereits. Wahrscheinlich hat er ihn schon aufgefressen, dachte ich entsetzt. Oder auch nicht, vielleicht fressen Katzen gar keine Eidechsen, vielleicht spielen sie nur mit ihnen. Ich packte Yoda und trug ihn, er jammerte und maunzte dabei erb├Ąrmlich vor Entt├Ąuschung, ins Haus. Fing die kleine Eidechse vorsichtig ein, trug sie hinunter auf die Wiese und setzte sie beim gro├čen Komposthaufen an der Mauer ab. Eine der drei Eidechsen war richtig gro├č und schimmerte wundersch├Ân blau und gr├╝n. Mindestens f├╝nf winzige schwarze Zecken hingen an ihrem Hals, die zu klein waren, als da├č ich sie mit den Fingerspitzen umfassen und herausrei├čen konnte. O du armes Wesen!, dachte ich. Die ersch├Âpften Eidechsen verhielten sich alle ganz still in meiner Hand und ich konnte sie in Ruhe betrachten. Meine Mutter war ganz au├čer sich, denn die Eidechsen haben ja, verlieren sie ihren Schwanz, bestimmt auch starke Schmerzen.
Neulich sa├č auf einmal eine schwarze Katze im Hof, welche Yoda dann vertrieben hat. Er ging aus unerfindlichen Gr├╝nden auf die andere Katze los und hat sie dann mitten auf der Stra├če unter lautem Gefauche ├╝ber die Br├╝cke gejagt, so da├č alle Leute aufsahen. Und ich bin hinterhergerannt. Das fand ich schlimm - es besch├Ąftigte mich Tage - denn diese fremde schwarze Katze war mager und hielt ihren Schwanz eingezogen. Ich dachte: Yoda hat Finx Lux vertrieben! Sp├Ąter suchte ich die schwarze Katze und ich fand, wo sie wohnte. Sie hat einen wundersch├Ânen wei├čen Fleck mitten auf ihrem Hals.
Auf der anderen Seite des Bachufers ist eine Stelle, an welcher die Schwalben ihren Lehm f├╝r ihre Nester holen. Was f├╝r ein Treiben und Flattern! Ich kann sie nicht einmal mit der Kamera fotografieren, so schnell sind sie.

Beim Einschlafen sah ich eine Quecke vor meinem inneren Auge, deren lange Grasarme sich f├Ącherartig bewegten. Vielleicht war es die Quecke, deren Grashalme ich abgeschnitten habe. Und da sa├č auf einmal ein kleines Kind, ein Baby, ein M├Ądchen, auf der Wiese. Dort, wo die Weide w├Ąchst, sa├č es. Es war ganz eigent├╝mlich. Und das sich vom Wind bewegende Bl├Ątterdach der Birken zeichnete zusammen mit der Sonne ein wundersch├Ânes Spiel von Licht und Schatten auf das frisch gem├Ąhte Gras. Dieser Wechsel von Hell und Dunkel, die sich bewegenden Bl├Ątter, das Gr├╝n des Grases...
Fast war es so, als ob ich das kleine Baby gewesen w├Ąre. Als ob ich dieses kleine M├Ądchen bin.
Da waren auch zwei Hunde, ein Irish Setter und ein gro├čer wei├čbrauner Hund.

 

Wei├če Rosen und die kleine Katze mit den gro├čen Augen

 

 

 

Baum

 

 

 

Montag, 12. Mai 2008

 

 

 

Etwas unsicher und befangen trat ich durch die Glast├╝re in den langen Gew├Âlbegang zur Bibliothek des Karmeliterklosters, in der sie auftreten w├╝rde. Es war in demselben Kloster, in welchen wir auch, allerdings in einem anderen Raum, unsere Tai Chi-Stunden haben. Lange Tische waren linkerhand aufgestellt worden, auf denen bunte B├Ąndchen, Holzperlenketten, Tibet-Flaggen und ihre CDs ausgebreitet lagen. Mein Blick glitt suchend durch den Raum und ├╝ber die Gesichter. Da, da sa├č sie , ganz unauff├Ąllig, in der Hocke an der Wand hinter dem Tisch, unter dem Fenster, und sah neugierig mit gro├čen Augen auf die Hereinkommenden. Schnell l├Ąchelte ich, und da l├Ąchelte sie zur├╝ck, so warm, und mir sprang das Herz.
(Dieses Mantra mag ich besonders. Auf dem Video sieht es so aus, als k├╝├čte Krishna ihr die Stirne. - Und es ist so.)
Der Saal war vollbesetzt - es wurden sogar noch St├╝hle hereingetragen, damit alle Konzertbesucher Platz finden w├╝rden. Uli begleitete mich.
Die T├╝ren haben sich ge├Âffnet.
Besonders liebt sie den Klang der Fl├Âte, erz├Ąhlte sie.
Ein Link zu Ani Choying Drolma.

 

 

 

 

 

 

Zwischen den einzelnen Ges├Ąngen erz├Ąhlte sie von den Meistern, welche die Mantras entwickelt haben und von der Wirkung, welche diese auf den Menschen haben k├Ânnen. Sie erz├Ąhlte, da├č ihr gr├Â├čter Wunsch Erleuchtung ist - und ihr zweitgr├Â├čter Wunsch ist m├Âglichst viel Geld f├╝r die Ausbildung von M├Ądchen in dem Nonnenkloster zu sammeln. (Ich hoffe, da├č ich das so richtig verstanden habe.) Sie sagte, unser gr├Â├čter Feind sei das Ego. Gleich nach einer tiefgehenden und ernsten Lehrgeschichte, die sie zum besten gab, lachte sie pl├Âtzlich ganz unerwartet und voller Charme, als sei alles ein unendlicher Witz. Ja, ein Witz. Da l├Ąchelte ich auch.
Der Text des letzten Liedes, einer Weise, welches sie auf die besondere Bitte eines Mannes hin als Zugabe teilweise auf Deutsch sang, handelte davon, da├č wenn in deinem Auge die Bl├╝te einer Blume ist, dann ist die Welt auch das, n├Ąmlich eine Bl├╝te, und wenn dein Auge ein Dornenauge ist, dann ist die Welt voller Dornen. Es war auch eine Bitte in dem Lied: Gib, da├č mein Fu├č nicht auf etwas tritt, was niedriger ist als ich.
Es war wundersch├Ân.
Wieder daheim, meine Sachen aufr├Ąumend, knackte es pl├Âtzlich unter meinem rechten Fu├č, der in einem Filzpantoffel steckte. O nein!, dachte ich. Ich sah, da├č ich aus Versehen einen gr├Â├čeren schwarzen K├Ąfer totgetreten hatte, der auf dem Parkettboden zwischen der T├╝re vom Korridor zum Arbeitszimmer gelaufen war. Wei├č der Himmel, wo der herkam. Da dachte ich wieder siedendhei├č an das Lied. Hoffte, da├č ich eines Tages nicht mehr auf K├Ąfer und Molanda-Schnecken treten werde.
In der Nacht von Sonntag auf Montag tr├Ąumte ich von China.
Und von einer Art seltsamen Konzert, ein Mann dirigierte Menschen - die Konzertbesucher - welche vor ihm auf niedrigen Holzb├Ąnken sa├čen. Die Menschen bewegten ihre Arme und ihre Beine gleichzeitig im Takt auf besondere Art und Weise und genau so, wie es der Dirigent angab. Da sah ich, hinter dem ersten Dirigenten stand noch ein zweiter.
Am Morgen ein Traumbild von einem herrlichen Morgenrot ├╝ber einer bewaldeten Landschaft.

 

 

 

Dienstag, 13. Mai 2008

 

 

 

Wie fotografiert man Licht?

 

 

Der Wind hat gedreht -
er kommt jetzt vom Meer.

 

 

 

Donnerstag, 15. Mai 2008

 

 

 

Ich tr├Ąumte, da├č ich versuche eine wundersch├Âne bl├╝hende Wiese glattzub├╝geln. Ich legte die Blumenwiese daf├╝r ├╝ber das B├╝gelbrett und begann gerade damit, das B├╝geleisen auf das blumendurchwirkte Gras zu dr├╝cken.
Ich kann doch keine Blumenwiese glattb├╝geln!, erkannte ich in letzter Minute.

 

 

 

Freitag, 16. Mai 2008

 

 

 

Im Traum ├Âffnete ich die K├╝hlschrankt├╝re, und ganz hinten im K├╝hlschrank, da stand eine junge Tomatenpflanze. Sie war sogar schon richtig gro├č gewachsen.
Aber warum denn im K├╝hlschrank, warum stelle ich denn die Tomatenpflanze in den K├╝hlschrank? So kann sie doch gar keine Fr├╝chte tragen! Das denke ich jetzt.

 

 

 

Das Nest

Heute morgen sah ich, als ich die Augen ├Âffnete und den Kopf noch auf das weiche Kissen gebettet aus dem Fenster blickte, f├╝r einen Moment auf dem h├Âchsten Wipfel der Erlen am Bach ein gro├čes Nest aus Zweigen, das ich vorher noch nie gesehen hatte. Normalerweise gar nicht vorhanden ist. Ich zwinkerte verschlafen. War es eine Fata Morgana, oder hatte ich eine Halluzination? Hat also ein Vogel ├ťbernacht dort oben genistet. Und welcher Vogel war denn das, welchem Vogel geh├Ârte denn das gro├če Nest dort oben hoch ├╝ber dem Bach? Raben bauen sich solche gro├če Nester aus stacheligen Zweigen, die auf den ersten Blick nicht besonders bequem und einladend wirken. Vielleicht wohnt jetzt hier, ganz nahe bei mir, Luftlinie nur ungef├Ąhr vierzig Meter entfernt, seit neuesten ein Rabe? Eine Rabenfamilie.

Ich wei├č, da├č es manchmal m├Âglich ist, sich einen Raben zu z├Ąhmen. Der Gro├čvater einer Schulkameradin aus der ersten Klasse der Volksschule hatte einst einen zahmen Raben, kann ich mich vage erinnern. Ich glaube, da├č der Rabe sogar etwas sprechen konnte. Das fand ich ganz besonders. Ich w├╝nschte mir insgeheim auch einen solchen Raben. Und wie gro├č der war! Sein Gefieder schimmerte blauschwarz. Und sein Gesicht war ernst, nein, es war nicht sch├Ân, mit dem harten schwarzen Schnabel und dem st├Ârrischen Gefieder, das ihm am Kopf nach oben abstand, sondern es war ernst. Und wie klug, wie klug er war.

Auch Hexen haben manchmal anstatt einer Katze einen schwarzen Raben auf ihrem R├╝cken sitzen. Als ihren Ratgeber. Als ihren weisen F├╝hrer. Wie sie am besten ersch├Âpfte Blumen zum Erbl├╝hen bringen, die keinen Sinn mehr darin erblicken, fl├╝stert er ihnen dann ins Ohr. Die Hexen tanzen dann n├Ąmlich vor den Blumen. Ein Rabe hilft einer Hexe, sollte ihr einmal der eine oder andere wichtige Zauberspruch entfallen sein. Oder wenn sie hei├čes Wasser f├╝r eine Tasse Kr├Ąutertee ben├Âtigen. Wie die Zauberformel f├╝r ÔÇ×bitte jetzt kochendes Wasser im Kupferkessel“ geht. Oder wie sie zaubern k├Ânnen, da├č sie bald einen sch├Ânen Stein finden m├Âgen. Einen Stein winzig klein doch stark an Kraft. An Heilkraft. Ein Kleinod der Nacht. Einen Bergkristall vielleicht. Einen Triumvalit... nein, den gibt es gar nicht, ich wollte sagen: einen Turmalin. Unter dem weichen Moosteppich im Tannenwald. -
Ich mu├č einmal nachsehen, wie es sich bei der kleinen Hexe verh├Ąlt, ob sie auch einen Raben auf ihren R├╝cken sitzen hat. Ich versuche mir gerade vorzustellen, wenn es anstatt des Raben eine Bachstelze w├Ąre, die da auf ihrem R├╝cken s├Ą├če. Oder ein kleiner Spatz. Oder ein Specht. Ein Rotkehlchen vielleicht?
Rotkehlchen haben ein brennendes Herz.

 

 

 

Samstag, 17. Mai 2008

 

 

 

Ein Storch ist mit langsamen Fl├╝gelschl├Ągen ├╝ber das Haus geflogen.

 

 

 

Seit einiger Zeit lese ich in den Mahatma-Briefen. Jetzt bin ich am Ende des zweiten Bandes angelangt. Die Mahatma-Briefe sind Briefe der Mahatmas - tibetischer Meister- an westliche Empf├Ąnger, haupts├Ąchlich an Frau Blavatsky, Herrn Sinnett und Herrn Hume, in welchen sie ihr tieferes Wissen um das Weltsystem erl├Ąutern. Die Originale werden heute im Britischen Museum in London verwahrt.
Bei der Lekt├╝re f├╝hle ich mich manchmal stark an das Gurdijeff-Werk ÔÇ×Beelzebubs Erz├Ąhlungen f├╝r seinen Enkel“ erinnert. Und auch an die Kabbala.
Und was sie f├╝r mich sind, ganz gewi├č sind sie das, auch ein Schl├╝ssel zum tieferen Verst├Ąndnis der B├╝cher ÔÇ×Shikasta“ und der “Canopus im Argos Archive” von Doris Lessing. -

 

 

Sonntag, 18. Mai 2008

 

 

 

Ein Traumbild: Da ist ein Buch aufgeschlagen. Unten aus seinen Bl├Ąttern quillt Wasser, regnet es...

 

 

 

Da sind zwei Arme, die von links unten nach rechts oben zeigen. Sie weisen auf etwas, weisen auf etwas hin.
Und worauf weisen sie?
1) Sie weisen auf eine wei├če Wolke im blauen Himmel, auf der eine Art riesige silberne Antenne steht. Sie glich einer riesenhaften Autoantenne, einem Sendemasten.
2)
3)

 

 

 

Der Wind weht und bewegt das wei├če Gewand und den wei├čen Schleier sacht.

 

 

 

Tr├Ąumte auch, da├č ich etwas Komisch esse. Etwas Kreisf├Ârmiges, Rundes, Flaches, wie ein seltsames Spiegelei aus feinporigem Schaumstoff. Au├čen war es wei├č. Der Mittlere Kreis war gelb. Das Innere war mittelbraun und sah nicht appetitlich aus. Und genau dieses Innere a├č ich gerade. Es war mir fast zuwider, dieses Braune zum Mund zu f├╝hren und zu essen. Es war bestimmt, so wie es aussah, etwas ganz Widerliches, so etwas, was man eigentlich nicht i├čt. Das Braun erinnerte mich an das Braun eines Grindes. Zum Gl├╝ck schmeckte es nach nichts. Ich a├č es auf.
Ich war sehr krank gewesen und lag im Krankenbett. Zwei Mal zeigte ich keine Reaktion. Versuchte ich mich im Bett aufzusetzen, konnte mich aber nicht aufrecht halten, war zu schwach. Das erste Mal sah ich schrecklich aus, ich hatte ganz dunkle Augenringe. Doppelte Augenringe, also zwei schwarze Ringe. Beim zweiten Mal, als ich mich aufsetzte, war es besser, denn die schlimmen Augenringe waren verschwunden und die Haut meines Gesichtes war auf einmal wieder hell und glatt, fast leuchtete sie. Wie es scheint, auf dem Weg der Besserung.

 

 

 

Ein Traumbild von einem Mann, an dessen beiden Armen der L├Ąnge nach jeweils wallende, rauchblau schimmernde Vorh├Ąnge befestigt waren, die lang und schwer nach unten fielen. Er hielt seine Arme waagrecht eingeknickt vor sich, so da├č man ihn nicht sah, die seidig gl├Ąnzenden Vorh├Ąnge ihn verbargen. Er hielt dabei seine H├Ąnde auf eine besondere Art und Weise. Dann begann er seine Arme zu bewegen. So kann er zeigen oder verbergen. Er wirkte ein bi├čchen wie ein Priester. Er war, glaube ich, unbekleidet und die Farbe seiner Haut war leicht get├Ânt. Noch ein anderes Traumbild: Ein Farbfoto eines appetitlich gr├╝nen Kopfsalates in der Zeitung. Ein Kopfsalat mit Herz? Die lyrische Bildunterschrift zu dem Foto lautete: Dies, die Abendsonne, Heil des Lichtes...

 

 

 

Tor

 

 

 

Ich werde wieder in die T├╝rkei reisen und dort an einem Kunstworkshop von Frau Seeberg teilnehmen.
Ihre Arbeiten finde ich sehr bemerkenswert.

Einerseits bin ich unruhig, weil der Zeitpunkt auf einmal ganz unpassend ist, es eigentlich besser w├Ąre, wenn ich daheim bliebe, mein Freund und meine Eltern vor lauter Arbeit nicht mehr ein noch au├čen wissen, andererseits freue ich mich sehr darauf. Ich habe Anfang des Jahres ├╝ber den Frauenclub davon erfahren.
Eigentlich kann ich gar nicht weg.
Wei├č nicht, was richtig ist. W├Ąre auch gerne woanders hin.
Mit dem Wind ziehen.
Dorthin, wo der Vogel sein Nest baut. Der Vogel, der neulich, am Donnerstag, genau vor meinen Augen mit einem gro├čen Zweig in seinem Schnabel tief ├╝ber die Stra├če flog.
Zu Tante Tier.
Seit letzter Woche esse ich weniger. Seit Montag, um genau zu sein. Ich bin eisern.
Und was noch ist, ich habe jetzt ein Gerstenkorn am rechten Auge, nachdem ich im letzten Jahr dieses gro├če Hagelkorn am linken Auge hatte. Es ist mir mit Schrecken in Colmar aufgefallen, als ich im Hotelzimmer in den Spiegel sah und sich das Unterlid komisch dick anf├╝hlte. Zum Gl├╝ck tut es nicht weh. Viele kleine Grieskiesel.

 

 

 

Sie sang: Namo Ratna Traya

 

 

Als er auf die B├╝hne trat, hatte ich so ein Gef├╝hl, als k├Ąmen mir die Tr├Ąnen. Aber das war nur kurz. Er setzte sich eine flotte Schildm├╝tze auf, die ihm ein Freund aus Amerika extra hat anfertigen lassen. Wegen des grellen Scheinwerferlichtes, das von oben auf die B├╝hne glei├čte und ihn blendete, erkl├Ąrte er. Durch die Schildm├╝tze sehe er das Publikum, die Gesichter der Menschen. Sonst h├Ątte er n├Ąmlich das Gef├╝hl, da├č da wom├Âglich lauter Geister in der Dunkelheit s├Ą├čen und ihn anstarrten, sagte er und l├Ąchelte.
Es ist seltsam, mit vielen vielen Menschen in so einer gro├čen Halle zu sein. Der Dalai Lama ganz klein weit weg vorne auf der B├╝hne.
In seinem Vortrag sprach er auch davon, da├č er versuche eine Handlung und den Menschen, der diese vielleicht negative Handlung ausgef├╝hrt hat, zu trennen. Also da├č man zum Beispiel eine negative Handlung verurteilen und offen zur Sprache bringen kann, doch dem Menschen selbst dennoch positiv gegen├╝ber treten, ihn annehmen k├Ânne. Das fand ich f├╝r mich wichtig und bedeutsam. Es war, wie soll ich mich ausdr├╝cken, eine richtiggehende Erleichterung, ganz erleichternd f├╝r mich. Denn nur zu oft bin ich nicht f├Ąhig, das zu trennen, einmal auf mich bezogen, aber auch auf andere. Er erkl├Ąrte auch, da├č der Buddhismus kein Selbst kennt.
Er ist eine Verk├Ârperung Avalokiteshvaras, des Bodhisattva des Mitgef├╝hls. Auch dar├╝ber dachte ich nach.

 

 

 

Montag, 19. Mai 2008

 

 

 

Vor der ausverkauften Halle fanden zwei Demonstrationen statt. Als ich mit der Menge aus der Halle trat, wu├čte ich erst gar nicht, was los war, was das sollte. Es demonstrierten zum einen Shugden-M├Ânche, wie ich heute aus der Zeitung erfuhr, und zum anderen eine Gruppe vorwiegend junger Chinesen gegen den Dalai Lama. Die Shugden-M├Ânche forderten auf Transparenten Religionsfreiheit und die Tolerierung ihrer Praktiken vom Dalai Lama. Auf manchen Transparenten stand auch: Dalai Lama stopp lying. Viele der Besucher blieben stehen, als sie aus den Eing├Ąngen str├Âmten. Manche fotografierten die in rhythmischen Sprechch├Âren Rufenden und Fahnen Schwingenden hinter der h├╝fthohen Absperrung. Ich selbst ging weiter. Wollte alleine sein und weg von dieser surrealen Szenerie. Mich fror in dem d├╝nnen Oberteil und meine Augen tr├Ąnten. Nonnen teilten Faltbl├Ątter aus, ebenso die chinesischen Demonstranten. -
Tr├Ąumte auch davon.

 

 

 

Dienstag, 20. Mai 2008

 

 

 

 

 

 

Ein kleines V├Âglein f├╝tterte emsig seine Jungen. Da sah ich, da├č es der Schlund meiner kleinen graugetigerten Katze war, die ihn daf├╝r weit ge├Âffnet hielt.
Ein Traumbild.

 

 

 

Mittwoch, 21. Mai 2008

 

 

 

Und man mu├č sie gar nicht suchen, die Perle, man findet sie einfach... , tr├Ąumte ich.

 

 

 

Heute. Heute sah ich eine Kirchturmuhr, die hatte keine Zeiger.
Daf├╝r einen goldenen Stern in ihrer Mitte.
Einen Stern der leuchtet so hell.

Das war am Abend auf dem gemeinsamen Weg vom Tai Chi zum St├Ârenkeller.
Eigentlich dachte ich am Anfang, als ich in die Gruppe kam, da├č ich hier niemanden kenne und mich auch niemand kennt, da├č alle f├╝r mich, und auch ich f├╝r sie, sozusagen unbeschriebene Bl├Ątter sind. Aber dann, im Laufe der Zeit, stellten sich ganz unerwartete Verbindungen heraus. Ich glaube, egal wo man auf der Welt hinkommt, trifft man auf einmal jemanden, der einen irgendwie kennt, der mit einem selbst oder einem Bekannten in Beziehung steht - oder umgekehrt.
Die Menschenfamilie. F├Ąden. Beziehungsb├Ąnder. Ein Geflecht. Ein Muster.
Vielleicht tanzt man es.

 

 

Oder man l├Ą├čt, eines Tages, die beschriebenen Bl├Ątter fliegen.

 

 

 

Donnerstag, 22. Mai 2008

 

 

 

In der Nacht: Das gelbe Licht der Stra├čenlampe auf der anderen Seite des Baches verwandelte sich durch die sich vom Wind bewegten Bl├Ątter der Erlen in ein goldenes M├╝hlrad. Ein ein goldenes Rad.
Beim Aufwachen am Morgen sah ich das Bild einer dunkelgr├╝nen Blumenwiese voller blauer Vergi├čmeinnicht vor meinem inneren Auge. - Es gibt so ein Gem├Ąlde von Gustav Klimt, das hei├čt Mohnwiese, und ganz ├Ąhnlich war das innere Bild, das ich sah, nur eben mit unz├Ąhligen himmelblauen Punkten, welche im saftigen Gr├╝n funkelten, zerflossen, flimmerten.

 

 

 

 

 

 

Was heute war.
Heute war... heute waren schr├Ągstehende Sonnenstrahlen am Abend.
Der Baum stand still.
Und f├╝r einen Moment hielt auch ich den Atem an. Es war so, als h├Ątte f├╝r einen Augenblick alle Zeit, als h├Ątte ÔÇ×der Lauf aller Dinge“ innegehalten.

 

 

 

Freitag, 23. Mai 2008

 

 

 

Ein Traumbild mit Aprikosen. Mit Aprikosensaft und mit vollreifen Fr├╝chten daneben.
Aprikosenwangen.

 

 

 

 

 

 

Es gibt mehr als eine Stra├če,
die zum Leben nach dem Leben f├╝hrt,
es gibt mehr als eine Art zu lieben,
es gibt mehr als einen Weg,
die andere H├Ąlfte seines Selbst
in einem anderen Menschen zu finden,
es gibt mehr als eine Art, den Feind zu bek├Ąmpfen.
Wer sein Selbst nicht lieben kann,
kann niemanden lieben.
Wer die schon vor der Geburt erhaltenen Gaben
nicht respektieren kann,
kann nie etwas richtig respektieren.

aus dem Indianischen

(Entnommen aus dem Buch “Das Tiroler Zahlenrad”)

 

 

 

Diese Zeilen sind meinen Geburtszahlen gewidmet.

 

 

 

Samstag, 24. Mai 2008

 

 

 

Wunderbaum

 

 

 

Im Traum beugte ich mich ├╝ber ein klares Wasser. Es war ein Teich oder sogar ein Meer. Viele kleine l├Ąngliche Fische flohen vor meinem Schatten, sie schwammen eilig davon.
Beim Einchecken habe ich einen Fensterplatz reserviert. Ich sagte: Vielleicht haben Sie noch einen Fensterplatz frei? Als ich zu der entsprechenden Sitzplatzreihe kam, sah ich, da├č mein Fensterplatz belegt war, da├č n├Ąmlich eine kleine mollige Frau auf dem Platz sa├č, daneben ihr Mann. Es waren T├╝rken, ganz einfache Leute, der Mann trug einen dunkelblauen Anzug, seinen besten bestimmt. Sp├Ąter bl├Ątterte er in einem Heft, offensichtlich ein Gebetbuch, dessen aufgeschlagene Seiten sehr sch├Ân aussahen. Der Text war mit prachtvollen goldenen Rahmenwerken umrahmt. Manchmal warf ich einen neugierigen Blick darauf. Sp├Ąter bedeuteten sie mir, da├č sie weiter nach Ankara flogen, nach Hause. Die Frau hatte etwas an ihrer rechten Hand, sie konnte sie schlecht bewegen. Sie trug deshalb auch einen fingerlosen Strickhandschuh. Sie ging auch schwer, sah ich sp├Ąter, als wir in Istanbul angekommen waren und durch den Flughafen gingen.

 

 

 

Sonntag, 25. Mai 2008

 

 

 

Ich tr├Ąumte, da├č ein Soldat mit einem verdeckten Gesicht in der aufgehenden T├╝re stand. Und dann tr├Ąumte ich von einem Mann, in dessen Haupt sich die Sonne ergo├č. Die Sonne stand genau ├╝ber ihm. Da ├Âffnete sich sein Haupt und die Strahlen der Sonne flossen in seinen Kopf hinein. Die Sonne gab ihm ihr Licht, vielleicht bedeutete das Traumbild das. Ihre Weisheit. Ihre Liebe. Ihr Sein. Sie erleuchtete sein Denken, seinen Geist. So da├č er dann selbst wie eine Sonne war. Zu einer Sonne wurde. Es war wie ein in gr├Âberen schwarzen Strichen auf wei├čem Grund gezeichnetes Bild, oder glich auch einen Holzschnitt. Es waren mehrere Bildsequenzen, die an Skizzen erinnerten. Zuerst war die Sonne nicht sichtbar und zuletzt schien der rechte Bildrand durch eine senkrechte Linie abgeschnitten. Ich tr├Ąumte auch von einer Frau in einem T-Shirt, die eine sch├Âne goldene Kette mit einem goldenen Engel um den Hals trug. Der Engel flog. Seine F├╝├če waren mit dem einen und seine H├Ąnde mit dem anderen Ende der Kette verbunden, hielten sie.

 

 

 

Die Akademie: Der E├čraum und ein kleiner Bereich des Gartens

 

 

 

Unser Koch und der Junge -
Das Bild links oben zeigt die Augen von Atat├╝rk

 

 

 

Montag, 26. Mai 2008

 

 

 

Das Thema war, die Bucht zu malen

Wir h├Ârten, w├Ąhrend wir malten, klassische Musik, und die Musik begleitete uns den ganzen Tag. So wie das Blau des Meeres, das wir st├Ąndig vor Augen hatten, dieses Azurblau, welches zum Horizont hin mehr und mehr verbla├čte um schlie├člich mit dem Himmel eins zu werden. Dem Himmel, der so durchscheinend wei├č war.
Schiffe fuhren in dem Blau.
Diese Bucht.
Sah man aus einem der Fenster des Ateliers, erblickte man die Bucht. Da lag sie ausgebreitet wie ein kostbarer Edelstein, ein funkelnder Saphir, an dessen R├Ąndern dunkelgr├╝ne Pinienw├Ąlder, die auf den felsigen Abh├Ąngen gewachsen waren, wogten.
Es gab auch H├╝hner. H├╝hner fressen Skorpione. Die H├Ąhne kr├Ąhten den ganzen Tag ├╝ber. Ich fotografierte sie, w├Ąhrend sie mich mit ihren kleinen, rotumrandeten ├äuglein mi├čtrauisch anstarrten. Silbern bewegten sich die Wipfel der ├ľlbaumw├Ąlder im Sommerwind.
Und da war so ein Ton, ein stetiges Rauschen, am Morgen h├Ârte ich es vor allem. Immer dieser Ton. Vielleicht kam es von einer seltsamen Maschine in der N├Ąhe, die ich aber nicht sah, deren Standort ich nicht ausmachen konnte.
Der Geruch nach Papier und Farbe.
Die hellen, wei├čget├╝nchten Zimmer.
Die blaue T├╝re.

 

 

 

Drei Samen

Am Abend hielt Ina einen Dia-Vortrag ├╝ber Komposition. Das Er├Âffnungsbild war die Auferstehung von Matthias Gr├╝newald. Ein weiteres bemerkenswertes Gem├Ąlde, das wir sahen, vom Inhalt her wie von der Komposition, war Das Gleichnis von den Blinden von Pieter Br├╝gel, das ich hier verlinken m├Âchte.

 

 

 

Blume

 

 

 

Ich tr├Ąumte auch von der Bucht. Und ich tr├Ąumte von Zweien, die zwischen den beiden Bergen ├╝ber das Wasser, ├╝ber den Horizont gingen. Sie konnten auf den Horizont gehen.

 

 

 

Dienstag, 27. Mai 2008

 

 

 

Eine Gottesanbeterin flog auf den Abendbrottisch, um den wir alle sa├čen. Wie ein Stein landete sie mit einem lauten Ger├Ąusch auf der Tischplatte. Sie landete bei meiner Tischnachbarin und ging dann langsam, wie ein Roboter, zielstrebig in meine Richtung. Noch nie hatte ich solch ein Tier aus der N├Ąhe gesehen! Sie war ├╝ber zehn Zentimeter gro├č. Unger├╝hrt starrte die Gottesanbeterin um sich, sie wirkte dabei selbst wie eine unnahbare G├Âttin. Was f├╝r ein seltsames, was f├╝r ein au├čergew├Âhnliches und schrecklich sch├Ânes Gesch├Âpf! Ich sprang vor Schreck, als sie n├Ąher und n├Ąher zu mir schritt, schnell vom Stuhl auf, so da├č er laut nach hinten umkippte. Schlie├člich flog sie in einem weiten Bogen in Richtung der bewachsenen Steinmauer hinter dem Pool.

 

 

 

 

Ich bl├Ątterte durch ein B├╝chlein mit t├╝rkischen Sprichw├Ârtern, das unsere Kursleiterin illustriert hatte: Liegt der Weg vor dir im Dunkeln, so wisse: der Vorhang ist vor deinem Auge, nicht vor dem Weg. (T├╝rkische Sprichw├Ârter, dtv)

 

 

 

Mittwoch, 28. Mai 2008

 

 

 

Am Morgen tr├Ąumte ich vom Meer. Das Meer war so blau, hellblau, fast silber, war es, und auch der Himmel hatte dieselbe Farbe. Es schien endlos. Die Oberfl├Ąche des Wassers funkelte in der Morgensonne. Es sah aus wie ein glitzernder hellblauer Teppich. Es war das Glitzern des Sonnenlichtes auf dem Wasser, was dieses Traumbild so besonders machte. Dieses Licht. Linkerhand am Horizont erhoben sich die Berge der weit entfernten Ufer blau aus dem Dunst. In der Mitte war eine Pier, ebenfalls blau, und auf der Pier stand eine Freundin. Sie trug ihr rotes R├Âckchen. Dann war die Freundin verschwunden und nur noch das Meer. Das Wasser glitzerte, die Sonne durchstrahlte das ganze Bild, das Freude aber auch Ruhe ausstrahlte. Wie ein vollkommener Morgen.

Ich tr├Ąumte auch, da├č mich ein M├Ądchen zum Einkaufen begleitete. Da waren zwei Stoffe. Ein Stoff war besonders und ich ├╝berlegte etwas davon zu kaufen. Es war wei├če Seide mit mittelblauen, dickeren Querstreifen. Doch dieser Stoff war sehr teuer. Ein einziger Meter kostete unglaubliche siebenhundert Euro. Das ist zu teuer, sagte ich zur Verk├Ąuferin, denn siebenhundert Euro sind ein halbes Monatsgehalt. So viel Geld kann ich nicht f├╝r nur einen Meter eines Stoffes ausgeben. Die Verk├Ąufern nickte daraufhin und pflichtete mir bei, da├č der Stoff zu teuer sei. Das blonde M├Ądchen duschte dann schnell, w├Ąhrend ich gro├če Sehnsucht hatte endlich nach Hause zu gelangen.

 

 

 

Am Morgen

 

 

 

Vor dem Fr├╝hst├╝ck unternahmen wir einen Spaziergang auf die andere Seite des Bergkamms, an welchen sich die Akademie schmiegte. Meine Begleiterin hatte schon einige Tage vorher den Pfad entdeckt und mich gefragt, ob ich sie nicht einmal begleiten wolle. Nachdem wir schon eine Weile hintereinander her gegangen waren, sah ich pl├Âtzlich von weitem einen Mann in dem steil abfallenden und nach wilden Kr├Ąutern duftenden Pinienwald einsam und still auf einem Stein oder einem Baumstumpf sitzen, der stumm in unsere Richtung sah. Wir gingen weiter. Kletterten ├╝ber den felsigen Bergkamm, der auf der anderen Seite ebenfalls unerwartet steil ins Meer abfiel. Wir bogen nach links ab und stiegen ├╝ber Wurzeln und Steine noch h├Âher hinauf. Der Abhang war teilweise mit bereits vertrocknetem Gras bedeckt, das oft vom Licht irisierender hauchzarter Bl├╝ten durchbrochen war. Der Blick, der sich uns oben angelangt schlie├člich nach Osten hin auf die Weite des Meeres und auf die Insel bot, welche sich inmitten des Zugangs zur gro├čen Bucht aus dem Wasser weit unter uns erhob, war atemberaubend und entsch├Ądigte mehr als genug f├╝r das fr├╝he Aufstehen und den m├╝hsamen Aufstieg. Er war so sch├Ân, da├č wir lange innehielten. Die Morgensonne zauberte einen noch jungfr├Ąulichen Schimmer ├╝ber die schroffen Bergh├Ąnge mit ihrem dunkelgr├╝nen Pflanzenbewuchs, obwohl ihre Strahlen bereits sehr warm und stark waren. Es war, als h├Ątten wir pl├Âtzlich Eintritt in eine andere, in eine noch ganz unber├╝hrte Welt gefunden. Die ├╝ppige und wilde Natur dieses Landstriches schien uns gl├╝hend hei├č und k├╝hl zugleich zu umarmen. Anzuhauchen. Mit uns zu atmen. Bot sich unseren staunenden Augen, unseren Sinnen dar. Das Meer glitzerte. Jedes gesprochene Wort schien zuviel.

 

 

 

Kleine Fischlein tummelten sich im seichten Wasser. Mit ihren weichen M├╝ndern ber├╝hrten sie immer wieder meine Beine und meine F├╝├če. Knabberten an den Zehen.

 

 

 

Die Bucht von Turunc

 

 

 

Heute gelang mir ein Bild. Nach vielen Versuchen.

 

 

 

Male das Jahr, sagte sie.
Male die Blume.
Den Tag.
Ohne die Wand.
Male so, da├č die Farben verschwinden und die wahren Lichter erscheinen.

 

 

 

Am Abend hielt der Professor einen Vortrag ├╝ber traditionelle t├╝rkische Musik f├╝r uns. ├ťber die Musik der einzelnen Regionen des Landes. Wir h├Ârten wehm├╝tige Zigeunermusik, Kl├Ąnge, welche vom Griechischen beeinflu├čt waren, Musik aus Erzorum und aus vielen anderen Gegenenden. Einmal benutzte er h├Âlzerne L├Âffel und klapperte mit ihnen zum Takt der Musik.
Am Ende des Vortrags tanzten wir alle.

 

 

 

Appetit auf Farben

 

 

 

Donnerstag, 29. Mai 2008

 

 

 

Ich tr├Ąumte, da├č ich dasa├č und ein Bild auf meinem Scho├č in der Hand hielt. Es war ein Aquarell. Es zeigte eine blaut├╝rkise Wolke, einen Himmel, darin war mit schwarzen Linien ein Haus gemalt. Ein Schlo├č. Oder waren es arabische Schriftzeichen? Ein schwebendes, orientalisches Geb├Ąude. Es hie├č: Du hast mich gerufen...

 

 

 

Einsamer Strand

Heute haben wir einen Bootsausflug entlang der malerischen K├╝ste, die ├╝ber und ├╝ber mit wucherndem Gr├╝n bewachsen ist, worin gelbe und rosafarbene Fl├Ąchen in der Sonne leuchteten und loderten, unternommen. Wir fuhren auch in eine unber├╝hrte Bucht, in der sich zu meinem Entz├╝cken zwei alte Ruinen befunden haben. W├Ąhrend die anderen badeten, wollte ich den H├╝gel zu den ├ťberresten einer kleinen griechischen Kirche ersteigen, doch es gelang mir nicht. Das Kirchlein war ringf├Ârmig von hohen zerkl├╝fteten Steinw├Ąllen umgeben, ├╝ber die ich m├╝hselig in der br├╝tenden Hitze mit den Holzschlappen und blo├čen Beinen balancierte, denn ich fand nirgendwo einen Weg. Schlie├člich gab ich resigniert auf, als ich schon hoch oben vor einer undurchdringlichen gr├╝nen stacheligen Wand gestanden war und nicht mehr weiter kam. Die hohen Hecken auf dem steilen Abhang schienen undurchdringlich. Ich dachte auch, da├č die anderen bestimmt schon warteten, und machte mich von mir selbst entt├Ąuscht, da ich nicht mehr Mut und Ausdauer aufbrachte, wieder vorsichtig an den Abstieg. Vielleicht w├Ąre es wichtig gewesen, zu der kleinen Kirche zu gelangen, dachte ich.
F├╝r mich selbst.
Ein Junge verkaufte Kr├Ąuter am einsam verlassenen Strand. Sie lagen in T├╝ten auf einer Art wackeligen Tisch ausgebreitet.

 

 

 

Der Tisch wird gedeckt:

Das leckere Essen. (Es war nicht so, da├č ich stets so wenig a├č, meist f├╝llte ich mir ein zweites Mal den Teller. Oder auch noch ├Âfter.)

 

 

 

Die Akademie

 

 

 

Freitag, 30. Mai 2008

 

 

 

Der letzte Tag. Am Sp├Ątnachmittag wurde zum Abschlu├č eine kleine Ausstellung veranstaltet und ein jeder von uns hatte sich daf├╝r fein gemacht. Unser Koch, der in der T├╝rkei ber├╝hmt ist, trug neben seiner gro├čen wei├čen Kochm├╝tze daf├╝r extra auch seine vielen Auszeichnungen an der Brust. Jeweils das beste Bild war im Atelier auf einer Staffelei ausgestellt. Wir stie├čen an und alles war sehr festlich. Anschlie├čend feierten wir bei einem ├╝ppigen Abschiedsmahl.

 

 

 

Die Zypresse und die Sonne

In der Nacht, wenn ich im Bett lag und die Augen geschlossen hatte, explodierten die Farben vor meinem inneren Auge. Bild um Bild entstand, erwuchs, begann sich zu entfalten. Aquarellbilder, wie ich sie bei Tage malte, nur viel sch├Âner, viel ├╝ppiger. So als malte jemand weiter. Dieser K├╝nstler kannte keine Begrenzung, eine Hemmung, alles was er tat, tat er vollkommen. Eine unsichtbare Hand h├Ąlt einen unsichtbaren Pinsel und malt und malt. Wie aus einem F├╝llhorn begannen Linien und Farben aus dem Nichts zu wachsen. Sich wogende Farbb├Ąume, mit Schmetterlingsfl├╝geln.
Quer ├╝ber die Zimmerdecke entwickelt sich ein Linienmuster, es sind zwei Linien, die einander treffen, ber├╝hren, um sich dann wieder zu verlieren, immer wieder, sie bilden ein unendliches Band.
Eine Zypresse vor dem weiten Meer. ├ťber dem Meer, dem Horizont, genau ├╝ber der Zypresse, genau in der Mitte des Bildes, steht die Sonne. Das Licht der Sonne reflektiert auf dem Meer, es flie├čt auf dem Wasser vom Ende des Horizonts zu der Zypresse hin und umh├╝llt sie.

 

 

 

Samstag, 31. Mai 2008

 

 

 

Der Junge spritze zum Abschied mit dem Gartenschlauch die Frontscheibe unseres Taxis na├č. Dabei lachte er und strahlte er ├╝ber sein ganzes Gesicht, w├Ąhrend das Wasser nur so aus dem Schlauch auf die Scheibe sprudelte. Das bringt Gl├╝ck. Alle standen vor dem Haus versammelt und winkten uns nach.
Auf dem Weg zu Flughafen fuhren wir durch m├Ąrchenhafte Pinienw├Ąlder, die von schmalen B├Ąchen durchflossen waren, an deren Ufern wilder Oleander ├╝ppig rosafarben bl├╝hte.
Eine kleine Schildkr├Âte ├╝berquerte die Stra├če.
Beim Fr├╝hst├╝ck erz├Ąhlten wir uns unsere Tr├Ąume. Und wir feierten unser Geburtstagskind. Der Koch hatte sogar Kuchen gebacken und servierte ihn stolz.

 

 

 

Samstagabend am Bosporus

 

 

 

Ein Taxifahrer gab uns nach der Fahrt von der Metro zum Hotel unerwartet Geld zur├╝ck. Der Preis, den ein anderer bestimmt hatte und dem er dann auch schnell einen Geldschein von der Summe zugesteckt hat, war wohl doch zu hoch gewesen, so da├č ihm Gewissensbisse plagten.

Diese pulsierende Stadt mit ihren unz├Ąhligen H├Ąndlern, dem Gewirr an Menschen, ihrem brodelnden, lauten Charme.
Sie hat mich auch an Lissabon erinnert.
Mit ihren M├Âwen. Lachm├Âwen. Selbst in der Nacht umkreisen sie eindrucksvoll laut rufend die T├╝rme der Moscheen, was f├╝r ein Anblick! Von ihrem seltsamen Geschrei erwachte ich mehrmals.

 

 

 

Die Hagia Sophia, die Heilige Weisheit

 

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