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Dienstag, 1. April 2008

 

 

 

An der Stelle, an welcher der mit grünem Kunststoff ummantelte Maschendrahtzaun die festgetretene Erde berührt, schaukeln die blaßblauen und winzigkleinen Kelchblüten des Ehrenpreises zitternd in die Höhe und umschwärmen ihn im hellen Licht der Sonne. Fast so, als wäre dieses schon etwas verbogene und ausgeblichene Drahtgewirr ihr Angebeteter, ihr Liebster. Auf der anderen Seite des hohen Zaunes hat jemand Asche verstreut. Weiße Farbe weggeschüttet, mitten in den Haufen mit den Zweigen. Ein weggeworfener Blumenstrauß - vertrocknet. Altes Eichenlaub. Steinchen. Schutt.
Zigarettenkippen und die Überreste einer plattgedrückten Verpackung auf dieser.

 

 

 

Die drei Lebensbäume

 

 

 

Donnerstag, 3. April 2008

 

 

 

Träumte von einem aufgeschlagenen Buch. Es war ein gewichtiges, schweres Buch, wohl schon sehr alt, und sein Einband war aus weißem Leder. Es war ganz rein. Es lag aufgeschlagen. Um dem Buch herum leuchtete und glühte es orangerot.
Und von einem Faltprospekt, von einer Zeitungsbeilage über Einrichtungsgegenstände für das Haus. Darin waren drei Kerzen aus lilafarbenem Wachs abgebildet, die nebeneinander standen und brannten. Die drei Kerzen hatten eine besondere Form, sie waren pyramidenstumpfförmig.
Vielleicht waren es auch drei kleine Öllampen.
Sie bedeuten: Summer of love.
Heut stieß ich auf folgenden Satz von Hazrat Inayat Khan: Es gibt eine heilige Schrift; das heilige Buch der Natur, die einzige Schrift, die den Leser erleuchten kann.

 

 

 

Freitag, 4. April 2008

 

 

 

Frühling

 

 

 

 

 

 

Samstag, 5. April 2008

 

 

 

Ich hab geträumt: Da war ein kleiner weißer Vogel, der flog in den blauen Himmel hinauf. In dem blauen Himmel stand der große, weiße, runde Sonnenball, der glühte wie schmelzendes Eis, und der kleine weiße Vogel flog mitten in die helle Sonne hinein.

 

 

 

Heute ist eine Karte aus Indien von Günter, Elke, Ruthard und noch jemanden Viertes eingetroffen. Eine Postkarte mit einem goldenen Elefanten und einer Ratte, die Glück bringt.

 

 

 

Sonntag, 6. April 2008

 

 

 

Da war ein roter Himmel, vor dem roten Himmel flogen viele Vögel, viele schwarze Vögel, der ganze Himmel war voll von ihnen. Rote und schwarze Vögel? Ein Traumbild.

 

 

 

Feuer

Blütenblätter regnete es über das Geburtstagskind, das fünfzig Jahre alt wurde und sich sichtlich darüber freute. Rosenblätter. Die beiden, die ihm das Ständchen gesungen haben, warfen sie händeweise, spielten Wolken. Wir saßen in vier schwarzen Pfadfinderzelten, in kreisrunden Jurten, die miteinander zu einem einzigen Zelt verbunden worden waren. Ein großer Kreis mit drei kleineren vereinigt. Und ganz in der Mitte, im Zentrum, brannte das Feuer. Es waren auch viele Pfadfinder anwesend, auch schon erwachsene Pfadfinder, die sich aber immer noch ein junges und frohes Herz bewahrt haben. Draußen sprangen langhaarige Jungs auf einem riesigen Trampolin barfuß hoch und nieder, schlugen sogar Saldos, und ich beobachtete sie eine Weile. Wehende Haare und gerötete Gesichter. Plötzlich war es gar nicht mehr kalt. Mit einem Mal war ich wieder zwölf bis vierzehn. Ließen Stecken mit langen Bändern daran rotieren, die flatterten bunt unter dem grauen Himmel. Grelle Farbbahnen. Spuren. Vor der Bar unter dem Balkon stand ein kleines Skelett. Später regnete es draußen, während wir drinnen gemütlich zusammen um das Feuer saßen. Die nette Frau neben mir auf der Bank erzählte von einer Vernissage. Sie erzählte, daß sie von der Eröffnungsrede so fasziniert gewesen war und daß diese Rede ihr fast bunter und lebendiger vorkam als die Bilder selbst, welche ausgestellt waren. Sie war immer noch ganz verwundert darüber. Sie erzählte das auf einmal, einfach so. Eigentlich wollte sie gar nicht zu der Ausstellungseröffnung, eine Freundin hatte sie mitgenommen, und dann fand sie es so besonders. Das Geburtstagskind sagte, es saß eins weiter auf der Bank und blickte wie wir alle ab und zu ins Feuer, wie gern es unter Menschen sei, daß man sich nur unter Menschen erkennen könne. Er sagte das in anderen Worten, ich kann nur noch den Sinn in etwa wiedergeben. War schon müde, das Feuer brannte, loderte manchmal, aber irgendwie klangen die Worte der beiden eindrücklich in mir nach. Wir sangen Lieder. Wir sangen zum Beispiel: Take me home, country roads und Leaving on a Jet Plane.
Einmal sang ein junger Mann ganz alleine zur Gitarre, das war sehr schön. Er sang I will ham nach Fürstenfeld.

Im Garten und das Lied

 

 

 

Montag, 7. April 2008

 

 

 

Heute früh beim Aufwachen war etwas in meinem Auge, etwas Lustiges. Da flog nämlich plötzlich ein Tier. Eine Hummel. Eine dicke Biene. Die schwarze Silhouette eines Flugtieres. Die schwarze Silhouette sah aus wie der Scherenschnitt einer dicken Biene, die vorne ziemlich nach unten hing, so als wäre sie vorne viel schwerer als hinten, hätte vorne ein Übergewicht. Langsam flog die Biene von rechts nach links und ihre Beine hingen dabei nach unten.
Aber ich weiß jetzt, es war keine Biene, sondern es war vielleicht vielmehr ein Bär, ein Bär mit vier Flügeln, auf der Suche nach geöffneten Blüten.
Denn ich habe ihn auf einem Bild gesehen.

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 8. April 2008

 

 

 

Ich habe geträumt, daß ich etwas Liebes, etwas kleines Liebes, das lebendig war, in meinen Händen hielt, etwas, was mir teuer war, was ich sehr mochte, an dem mir sehr viel lag, vielleicht war es die kleine Katze, ein Kätzlein. Ein junges Tier. Ich umfaßte das Liebe zart mit meinen Armen und hielt es vor meinem Bauch, damit ich es beschützen konnte. Ich war in einem Garten. Stand auf grünem Rasen, ging darauf. Einmal, da war das Liebe weggesprungen, aber ich fing es rasch wieder ein und hob es auf, damit ihm nichts passieren würde, ließ es nicht mehr aus den Augen, nicht mehr los. Ich mußte es hüten, das Kleine, das Liebe, mir bräche das Herz, wenn ich es verlieren würde. Es war mir egal, was die anderen sagten. Doch da war ein Mann, der mich verfolgte, ein Stück weit hinter mir. Er verfolgte mich mit einer schrecklichen Maschine - einem mannshohen Fächer aus roten Händen. Das sah ich, als ich mich umwandte, vor Schreck erschaudernd, das Liebe in meinen Armen haltend.

 

 

 

Die Vögel jubeln am Morgen. Darüber will ich schreiben. Wie sie in den frühen Morgenstunden jubelnd singen. Wenn alles noch ganz still ist. Sich noch nichts, noch kein Blatt, noch keine Maus, noch kaum ein Mensch rührt. Wenn ich die Haustüre öffne, um die Katzen herauszulassen, schallt ihr klarer und reiner Gesang in das Innere des Hauses hinein, die Treppe hinauf. Stehe, die Türe geöffnet, und lausche. Er gleicht dem stillen Rauschen hoher Berge. Dem Atmen des Windes, wenn er durch die Wipfel der Bäume streicht, ihre Knospen tastend berührt. Nein, es ist so, als atme die ganze Erde frohlockend in ihrem Lobpreis, als spräche sie dadurch in mir hinein. Wie ein einziger Ton. Lied der Erde. Frühlingsklang. Sie singen der Erwartung, dem Leben. Er schallt unendlich. Schwillt an wie ein sich bauschender Stoff aus bunter Seide, ein gelbblaues Tuch, nachtigallengleich, ein Zauberballon in meiner Brust, mit dem man weit weit in den Himmel schweben kann. Der einen trägt. Die Vögel, im Nebel, in der Morgendämmerung, es müssen Hunderte sein. Sie singen.

 

 

 

Mittwoch, 9. April 2008

 

 

 

Im Traum traf ich eine Frau an einem felsigen Strand, welche ich im Wachleben nicht persönlich kenne. Sie saß auf einem weißen Handtuch mit roten Streifen. Eine Freundin war bei ihr. Sie nahm wahr, daß ich sie anblickte, daß ich auch an diesem Strand war, und sah mich eindrücklich an. Dann erhob sie sich und sah mich immer noch sehr eindrücklich und ernst an.

 

 

 

“Jedem Menschen, den ich treffe, werde ich in die Augen sehen, denn das könntest du sein.
In den Augen werde ich suchen.
In den Augen.
Im Zentrum der Blume.”

In dem Wasserauge.
Im Auge der Quelle.
In den Augen des Lebens.
Das Auge des Lebens.
Blume des Lebens.

 

 

 

Donnerstag, 10. April 2008

 

 

 

Ich war bei einer Kundin, einer 85jährigen Dame, wegen der Batterie ihres Wagens, den eigentlich nur noch ihre Kinder fahren. Es war sehr lustig, denn sie hat nur gelacht. Sie wollte schnell die Schachteln in der Garage wegräumen und ich sagte aber, daß mich die Schachteln nicht stören würden. Dann ging sie wieder hoch in ihre Wohnung, denn sie war nicht gut auf den Beinen. Wir vereinbarten, daß ich drei Mal läute. Als ich fertig war läutete ich drei Mal. Da hat sie schon lachend aus dem Fenster geguckt. “Schließen Sie das Gartentürchen!”, befahl sie kichernd. Sprang die Treppe hoch. Da stand sie in der Wohnungstüre und lachte. “Passen Sie ja auf, wenn Sie die Treppe runtergehen”, rief sie, “denn genau an dieser Stelle bin ich neulich gefallen!” Genau an der Stelle, an der ich gerade auf der Treppe stand und das schmiedeeiserne Geländer umfaßte. Da sie die ganze Zeit über lachte und kicherte und lachte mußte ich auch sehr lachen. Wir lachten und zum Abschied gaben wir uns herzlich die Hand.

 

 

 

Freitag, 11. April 2008

 

 

 

Heute war so ein Tag - die Luft war schwanger und es war mild.
Der Körper liegt wie eingebettet zwischen weichen Schichten, zwischen Seidentüchern, inmitten von Frühlingswinden, die sich sanft an die Haut schmiegen, sie mit weichen Fingern berühren, in den Ohren kitzeln, mit dem Haar im Nacken spielen. Schwebe fast, gehe ich. Die Zehen berühren kaum die seufzende Erde.
Ich rufe die Blumen:
Die Traubenhyazinthen. Die Gänseblümchen. Die Osterglocken. Die Tulpen.
Ich rufe den Löwenzahn.
Die Veilchen.
Die Veilchen tuscheln.
Die Türme der Birken bewegen sich.
Ein kleiner Vogel ist auf die höchste Spitze der Tanne geflogen und die Tanne wiegt sich jetzt, wiegt den kleinen Vogel wie ein Kind.

 

 

 

Am Abend ein Gewitter. Es blitzte und donnerte.
Eine Art Drache schwebte plötzlich im Zimmer, als ich die Augen öffnete. Eine Raute aus kleinen weißen Bröckelchen, daran eine lange Schnur. Er flog zu mir her, tat einen regelrechten Satz und ich erschrak sehr. Dann flog er aus dem Fenster, besser gesagt aus dem Glasschrank, der auf einmal das Fenster nach draußen war, denn alles war umgekehrt.

 

 

 

Samstag, 12. April 2008

 

 

 

Tanz des Kreises

 

Himmel flog zu mir
In mein Schattenohr.

 

 

 

 

 

 

Formbögen, in den Lüften, den Höhen mehr schwebend als auf filigranem Rankwerk stehend.

 

 

 

 

 

 

Einmal, da war ich um die zwanzig Jahre alt, hatte ich die Idee, zu Fuß ostwärts zu gehen, weit, weit, bis zum Pamir, bis zu den Füßen der höchsten Berge des Himalayas, um dort die Meister zu suchen. Die Meister, die dort in einem von der Welt vergessenen Kloster leben mußten, in einem von der Welt abgeschiedenen Kloster. Deshalb von der Welt abgeschieden, damit die Welt ihr wohltätiges Tun nicht behinderte, das sie (die Welt) wahrscheinlich nicht verstehen würde. Aber ich tat es nie, vergaß es dann wieder. Nicht einmal bis ins Fichtelgebirge bin ich gegangen. Ich tat damals nicht mehr als das eine Weile herumzuerzählen. Es ist so, daß ich denke, daß ich nicht solche Sachen groß erzählen sollte, wenn ich sie dann nicht tue. Ich traf aber jemanden, dem gefiel die Idee ebensosehr wie mir. (Ich traf nicht viele, die davon begeistert waren, er war der einzige.) Er war davon fasziniert, weil ihn das auch interessierte.
Es war wegen der Bücher, die ich las. Ich las in den Büchern, daß dort die Meister lebten. Am Fuße des Himalayas, der Schneeberge.
In dem geheimnisvollen Land der Schneelöwen, in das sich nur selten der Fuß eines Wanderers verirrt.

 

 

 

Heute träumte ich, daß wir zwei Bären als Haustiere haben. Einen großen Braunbären und einen kleineren, ein Junges, einen Kindbären, die beide frei umhergehen, weder in einem Zwinger leben noch sonst wie angebunden sind. Die Bären bewegen sich so frei als wären es possierliche Haustiere, Katzen oder kleine Hunde, und grade beobachte ich den großen Bären, wie er sich über das Blumenbeet am Rande unseres Hofes beugt. Ein gewaltiger Anblick, sein zotteliges, braunes Fell, sein mächtiges Hinterteil. Auch mein Vater hält sich im Hof auf. Es ist unser alter Hof, vor dem Umbau, noch mit dem langen Blumenbeet. Der Bär ist sehr groß und kräftig und ich frage mich, ob sich nicht bald die Leute deswegen beschweren, weil die beiden nicht angebunden sind. Für uns ist es aber ganz selbstverständlich, daß sich die Tiere frei bewegen,.

 

 

 

Sonntag, 13. April 2008

 

 

 

Ich hab wieder von bunten Papierschnipseln geträumt, wie ich sie für die Collagen verwende.
Von einem Papierschnipsel mit einer voll erblühten Blüte einer roten Rose darauf abgebildet, vor der ein Buddha meditierte. Die Statue eines Buddhas. Die Blüte war riesig und der Buddha, ich sah ihn von hinten, seinen Rücken, wie er vor dieser erblühten Rose im Lotussitz saß, im Gegensatz dazu winzig klein. Er meditierte vor einer Rose, vor der Rose, der Einen. Die vielleicht von Kinderhand hingebungsvoll aus einem Gartenkatalog ausgeschnitten oder ausgerissen wurde, um sie dann mit viel Uhu auf ein Malpapier zu kleben.
Dann träumte ich noch, daß sie ein Billett von Meister so und so und seiner Gemahlin in ihrem Geldbeutel hat. Das Billett ist silbern und mit einem schönen Muster beprägt. Und noch ein Schnipsel, noch ein Traumbild von einem Papierschnipsel, von einem besonderen, sehr großen Schnipsel. Er zeigte zwei Hände vor einem warm leuchtenden, orangegelbem Hintergrund. Die beiden Hände waren offen übereinandergelegt, eine war von rechts, die andere von links gekommen, und auf ihnen lag eine silberliche Kugel. Die hell leuchtende Kugel lag wie eine besondere Gabe auf diesen Händen.
Nicht nur mein Schreibtisch, sondern die ganze Welt scheint voller bunter Schnipsel zu sein, aus bunten Schnipseln zu bestehen. Sie flattern durch das Fenster herein oder durch die Türe. Finde sie in Büchern. In Briefen. Unter dem Tisch. Ziehe sie aus dem Abfalleimer heraus, aus den Küchenschubladen, finde sie im Schuhputzzeug, im Kleiderschrank zwischen den Pullovern, den Taschentüchern, den Besen.

 

 

 

 

 

 

Am Abend vergaß ich das Gas unter der Gemüsesuppe auszudrehen und warf die Gemüsebrühwürfel versehentlich in den Abfalleimer.

 

 

 

 

Die purpurne Fliege bringt Glück.
Und das Kind, das Schmetterlingskind, will die Frau, welche die Blume in ihren Händen hält, mitziehen. Sie soll mit fliegen.

 

 

 

Montag, 14. April 2008

 

 

 

Miroir Sheesham

 

 

 

Neulich träumte ich, daß mein dicker grauer Mantel zusammen mit der flaschengrünen Baumwolljacke, beides hing auf einem Bügel (die Baumwolljacke war unter dem Mantel), fortgegeben wurde. Die Altkleidersammlung hat zuviel abgeholt.
Meinen Schutzmantel.

Der Schutzmantel
Der Schutzmantel ist aus einem undurchdringlichen, sehr dichten, bräunlichen Stoff, der wahrscheinlich auch feuerunempfindlich ist, und so schwer, daß ich ihn kaum mit der rechten Hand heben kann. Habe ich ihn mir aber um die Schultern gelegt, kann ich ihn gut tragen, spüre ich sein Gewicht kaum. Er ist für draußen. Ich habe ihn aus einer Kirche. Er hing dort in einem Gang an einer Wand.

 

 

 

Meine Schwester hat mir eine CD mit kulinarischen Geschichten von Eleni Torossi zu Weihnachten geschenkt. Die hörte ich endlich am Sonntag, beim Bügeln. Geschichten vom Zusammen-Kochen und vom Zusammen-Essen. Vom Zusammensein. Schon lange wollt eich einmal Humus selbst zubereiten und jetzt weiß ich, wie es geht, weil es auf der CD so gut erklärt wird, quasi nebenher weiß ich es jetzt, neben dem Bügeln habe ich es nun gelernt. Wie bei uns ... hat meine Schwester als Widmung innen hineingeschrieben. Und außen sind Feigen abgebildet.

Mir ist mein Bügeleisen neulich heruntergefallen. Und jetzt hat die lilafarbene Bluse, die mir so gefiel und die ich am Sonntag vor zwei Wochen das erste Mal trug, auf einmal einen riesigen irreparablen Riß. Ich habe schon geahnt, daß mit dem Bügeleisen etwas nicht stimmt, aber nicht weiter reagiert, denn das Bügeleisen gab, bewegte man es, ab und zu komische Geräusche von sich. Das war aber nicht gestern sondern schon am letzten Donnerstag. Ganz durcheinander deswegen gewesen.
Ferner ist die Waschmaschine kaputtgegangen. Daraufhin habe ich alles abgeräumt, die Türe zu dem Kämmerchen ausgehängt, in dem die Waschmaschine steht, dann den Deckel abgeschraubt und festgestellt, daß sich Trommel nicht mehr dreht, wohl ein Lager fest ist. Überall war alles voller schwarzer Schmiere gespritzt. Andreas sagte, daß sie daheim eine Waschmaschine übrig hätten und ich keine neue zu kaufen bräuchte. Erst wußte ich nicht so recht. Fuhr hin, schaute sie an und willigte ein. Sein Vater ließ sie probelaufen und am nächsten Vormittag kamen sie zu dritt, auch sein Bruder war dabei, mit der Waschmaschine auf dem Hänger zu mir gefahren. Haben sie ins Treppenhaus geschleppt.

 

 

 

Dienstag, 15. April 2008

 

 

 

 

 

 

Ich träumte, daß mitten auf dem Eßtisch eine Vase, es ist ein einfaches Wasserglas, angefüllt mit hauchzarten Cosmeen steht.
Feldperlen
Tränen gleichen kostbaren Perlen.
Während der langen Fahrt dachte ich über das Weinen nach. Ich habe schon lange nicht mehr geweint. Ein lichthelles Wesen fängt all die Tränen der Welt in einer goldenen Schale auf und tränkt damit einen Acker. Die Erde nimmt die Tränen auf. Und dann kann es sein, daß ein Mensch gräbt, daß er nach all den vergossenen Tränen gräbt und anstatt der Tränen findet er Perlen. Feldperlen. Er findet Blumensamen. Wenn er die Perlen in die Hand nimmt und an sein Herz drückt brechen sie auf und die schönsten Schmetterlinge fliegen heraus.

 

 

 

Mittwoch, 16. April 2008

 

 

 

Tor der roten Blumen

Aus Indien bekam ich einen wunderschönen Kissenbezug und duftenden grünen Kardamom mitgebracht. Bekam es in einer braunen Packpapiertüte überreicht. Auf dem Kissen ist ein Tor gestickt. Ein prachtvoller Durchgang in eine andere Welt, daran erinnert mich die Stickerei mitten darauf. Hinter dem Tor schimmert es schwarz und rot wie als sei dort eine andere Dimension. Das Tor ist mit silbernem und goldenem Rankenwerk bespannt. Der Hausherr, der Patriarch der Familie, welche die kleine Ayurveda-Klinik führt - er war ansonsten eher zurückgenommen und redete nicht viel -, ist nach der Ankunft zur Begrüßung noch einmal ganz unerwartet in sein Zimmer gekommen und hat mehrmals ernst in gebrochenem Englisch zu ihm gesagt: You are a part of the family. Vergesse es nicht.

 

 

 

Vier Schwäne flogen über die Straße. Sie zogen südwestlich über das Auto hinweg, in dem ich saß und fuhr. Für einen Moment sah ich zu ihnen hinauf. Sah, mit welcher Anstrengung, mit welcher Kraft und mit welcher Anmut sie ihre mächtigen Schwingen bewegten. Bewunderte ihre langen und geschmeidigen Hälse, ihre gewölbten Leiber, ihre wunderschönen Augen.
Ganz hier in der Nähe gibt es einen Weg, der heißt Goldspitze.

 

 

 

Donnerstag, 17. April 2008

 

 

 

Wenn täglich eine Nacht entsteht...

 

 

 

Überraschung auf dem Dachgarten

 

 

 

Heute Morgen auf den Weg in die Stadt hab ich einen großen weißen Heißluftballon am milchigen Himmel schweben gesehen. Weit, weit entfernt, knapp über dem Horizont, wie eine seltsame Blase. Es war kalt und es regnete. Und trotzdem stieg er in den Himmel auf. Ich erwachte plötzlich in der Nacht und in dem Moment schien der Mond hell in das Zimmer und tauche es in ein blaues Licht. In den letzten Tagen las ich über den Mond und über seine Bedeutung in der Astrologie. Las von den beiden Toren.

 

 

 

Freitag, 18. April 2008

 

 

 

Das ist eine sehr große Straßenlampe aus schwarzem Gußeisen,
oder besser gesagt eher ein Leuchtturm.
Sein Licht gleicht Neonlicht.
Weiß und undurchdringlich.

 

 

 

Ein Traum, daß die kleine graugetigerte Katze ein Baby bekommen hat

Ich träumte , daß meine kleine graugetigerte Katze ein Junges bekommen hat. Ein winzigkleines Katzenbaby, es war ganz schwarz. Das lag im Hof. Die Haustüre stand offen. Auf der Straße vor dem Hof zogen viele schon ältere Kinder vorbei, manchmal gruppenweise, dann wieder einzeln, in Richtung Glabi, Brücke, zogen sie. Da sprang das junge schwarze Kätzlein zwischen den Beinen der Kinder umher. Die graugetigerte Katzenmutter kam und stieß das Junge etwas unsanft mit Schwung weit in den Hof zurück, damit ihm nichts passieren würde. Es war ja noch so klein. Da nahm ich es auf meine linke Hand, legte es in meinen Handteller und das Kätzlein schmiegte sich glücklich hinein. Das war so schön, so ein winziges kleines Stück Leben zu halten, zu bergen. Seinen kleinen süßen Kopf lehnte es mit noch geschlossenen Augen voller Vertrauen auf meinen Mittelfinger. Ich stieg die Haustreppe hinauf und nahm das Kätzlein mit ins Haus. Im Treppenhaus an der Heizung standen der Reihe nach einige handgetöpferte Schälchen aus Ton. In einer, diese Schale hatte außenherum einen blauen und einen roten glasierten Streifen, befand sich noch ein Rest Milch. Das kleine schwarze Kätzlein trank die Milch gierig aus, ich fütterte es mit dem Rest Milch, und es wuchs schnell.
Draußen, auf der Straße, zwischen den Beinen der Kinder, war noch eine andere schwarze Katze, sie war schon erwachsen, und ihr Junges. Diese Katze saß da und sah zu mir in den Hof. Sie sah mich lange und ernst an. Sie hatte sehr schöne Augen, sie hatte Mondaugen. Sie gehörte aber jemand anderes, deshalb brauchte ich mich nicht um sie kümmern.

 

 

 

 

 

 

Eine wahre Geschichte

Vor einigen Wochen beobachtete meine Mutter folgende Szene, die sich vor ihren Augen im Hof abspielte:
Eine Amsel saß allein mitten in dem großen Hof. Ihr Gefieder war aufgeplustert.
Die Amsel war schwer verletzt, sie konnte nicht mehr richtig fliegen, sprang nur noch, und etwas Schlimmes war mit ihrem einen Bein. Eine zweite Amsel kam angeflogen und griff das verletzte Tier an. Sprang um die hilflose Amsel herum, die sich nicht wehren konnte, und versuchte sie zu hacken. Eine dritte Amsel kam angeflogen und tat es der zweiten nach, beide umkreisten die verletzte Amsel aggressiv und ohne Grund, flatterten immer wieder zu ihr hin.
Da kam eine vierte Amsel geflogen. Diese vertrieb die beiden Angreifer und ließ sich neben der verletzten Amsel auf dem Pflaster nieder. Blieb bei ihr, beschützte sie. Geleitete sie nach einer Weile in das dichte Gebüsch am Rand des Hofes, in dem beide dann verschwanden.
Nun, vor ein paar Tagen, hat meine Mutter genau diese verletzte Amsel wieder gesehen. Sie lebt noch, sie lebt immer noch in dem Gebüsch am Rande unseres Hofes auf Grund der Fürsorge der vierten Amsel. Meine Mutter sah auch, daß ihr der ganze linke Fuß fehlt.

 

 

 

Samstag, 19. April 2008

 

 

 

Das Wurzelholz auf der Gartenbank verwandelte sich in eine Taube. In eine Taube von undefinierbarem Braun. Während ich nach draußen in den Regen sah. Da saß sie, die Taube, während ich in dem Buch vor mir von der weißen Taube der Wahrheit las.

 

 

 

 

 

 

Schon vor längerem habe ich einmal ein kleines Büchlein von Khalil Gribran gekauft. Ich habe es zum Verschenken gekauft. Es ist so, ich habe eine blaue Schachtel, in der alle möglichen Dinge, die zum Verschenken gedacht sind, liegen. Einmal sind es Dinge, welche ich irgendwo gesehen und dann gekauft oder von Reisen mitgebracht habe, weil sie mir so gefielen, aber ich noch nicht wußte, für wem sie waren, wem ich sie denn schenken könnte. Zum anderen sind es auch überzählige Dinge, Dinge, die ich selbst nicht brauche und auch Dinge, die ich versehentlich gekauft habe, mit denen ich aber vielleicht einmal jemanden eine Freude bereiten kann. Das Büchlein heißt Gib deinen Kindern Flügel. Auf jeder der linken Seiten des Büchleins steht jeweils nur ein einziger Satz, eine Weisheit in schlichten Worten. Gegenüber, auf den rechten Seiten, ist je ein Bild, eine Nahaufnahme eines Schmetterlings oder auch von zwei Schmetterlingen, oft zusammen mit einer Blüte, abgebildet. Ich las: Der Lehrer gibt nicht von seiner Weisheit, sondern von seinem Glauben und von seiner Liebe.
Es ist ein sehr schönes Büchlein.

 

 

 

Vielleicht sollte ich in Zukunft besser meine rechte Hand nehmen? Ich mache mir Gedanken über den gestrigen Traum, weil ich nun in meiner aktuellen Lektüre eine Stelle über rechte und linke Hände las.

 

 

 

Sonntag, 20. April 2008

 

 

 

Gestern sah ich den Film Die roten Drachen und das Dach der Welt. Er wurde im Rahmen des Programms der rührigen Tibet-Initiative zum Besuch des Dalai Lamas im Lichtspiel gezeigt. Nach der Vorführung fand auch eine Diskussion mit den beiden jungen Filmemachern statt, die für diese Dokumentation vor vier Jahren auf eigene Faust über China nach Tibet auf das sagenumwobene “Dach der Welt” gereist waren. Ihr Weg führte u. a. über Golmud, Lhasa und verfallene Klöster auch in das Basislager zu Füßen des Mount Everst, in dessen Nähe sich eine der Hauptflüchtlingsrouten zwischen Tibet und Nepal befindet. Der Film zeigte Soldaten, welche ungerührt auf die über den tief verschneiten Paß Flüchtenden schossen. Menschen, die getroffen in den Schnee sanken.
(Wie ich verstanden habe, war eine dieser Szenen einer anderen Dokumentation entnommen.) (Hier noch ein Link dazu.)
Besonders ergreifend und berührend, nachdenklich stimmend und auch wegen der erlittenen Grausamkeiten schockierend waren vor allem die Interviews mit den verschiedensten Menschen. Mit Chinesen und mit Tibetern. Mit den Lamas. Zum Beispiel das Interview mit einer jungen Chinesin, welche sagte, China liebe Tibet so sehr, daß es dieses Land nicht mehr hergeben wolle. Es immer bei sich haben wolle. Weil es dieses Land so sehr liebe. Denn was man liebt, will man immer bei sich haben, niemals mehr hergeben. Liebe, dachte ich, Was ist Liebe?, während ich diese schöne junge Chinesin auf der Leinwand des Kinosaals betrachtete.
Zum Beispiel das Interview mit dem Dalai Lama. Er erzählte von seiner Kindheit und davon, daß er dann auf einmal, in seiner Jugend, den Wunsch in sich verspürte, den Wunsch in sich wahrnahm, den Menschen zu dienen. Weil das etwas Schönes sei. So in etwa drückte er sich aus. Weil das sehr schön sein müsse, zu dienen. Das berührte mich.
Und zum Beispiel das Interview mit einer tibetischen Nonne, die jahrelang im Gefängnis verbrachte und wiederholt auf das Grausamste gefoltert wurde. Sie sagte, daß sie, trotzdem sie während dieser Zeit mehrmals dem Tode nahe war, keinen Groll gegen ihre Peiniger hegte.
Die Dokumentation ist unbedingt sehenswert.

 

 

 

Bach in der Sonne

Bächlein im Licht

 

 

 

Jetzt habe ich sie wiedergefunden! Ein Link in die wundersame Welt des Finx Lux.
(Vor etwa drei oder vier Jahren habe ich einmal zufällig einen kurzen Fernsehbeitrag über die faszinierenden Bilder von Alja gesehen, habe mir allerdings weder ihren Namen noch den Namen der Sendung gemerkt. Immer wieder dachte ich aber daran, konnte ihre Bilder nicht vergessen.)

 

 

 

Die gelben Tulpen haben ihre Kelche geöffnet, der Sonne entgegen. Die Maserung darin: rotes Feuer. Eine weiße Feder schwebt lautlos am Fenster vorbei, schwebt immer höher.
Am Abend versammelten wir uns bei meiner Schwester und haben zusammen gekocht, ihren Geburtstag nachgefeiert. Als ich am Herd vor den Töpfen stand, zwickte mich meine Mutter plötzlich zum Spaß in die Taille, in das Speckröllchen, daß sich an dieser Stelle befindet. Ihr Lächeln sprach dabei wortlose Bände; es war ganz eindeutig so, daß dieses Speckröllchen sie dazu verführt haben mußte.

 

 

 

Montag, 21. April 2008

 

 

 

Traumbilder

Rechts und links von mir hohe Regale voller runder Käselaiber. ... Grüne Berghänge. Ein sehr hoch gelegenes Bergland, das auf einmal ergrünt ist. Die Hänge sind auf einmal mit frischem grünem Gras bewachsen, nichts ist mehr grau und braun und karg, sondern alles ist saftig grün. Und da, auf einem dieser Hänge, da schreitet jemand über das Gras, eine Gestalt, sie ist in graue Tücher gehüllt. Verhüllt. In dem Traumbild sehe ich sie von schräg oben, von hinten, gleich einer Filmaufnahme, wie sie gerade über die Hänge schreitet. Ich habe sie schon einmal gesehen, diese verhüllte Gestalt, in einem anderen Traumbild vor mehreren Jahren. Damals stand sie im Morgengrauen an einem bestimmten Platz neben einem kahlen Obstbaum. Nach Osten blickend, dorthin, wo die Sonne aufgehen wird... Ein Kind mit einem goldenen Heiligenschein hat ein anderes Kind niedergerungen und hält es am Boden. Dieses Traumbild glich vom Stil her einer gemalten Ikone mit einem hellbraunen Hintergrund.

 

 

 

Sie warfen den Gezeiten die Wellen nach...

 

 

 

 

 

 

Liste schöner Wörter:
(vorläufig - nicht vollständig)

Buschwindrose, Erlenzweig, Fünklein, Gehäuse, Heide, Mangold, Reseda, Paradiesweg, Hefezopf, Nußbaum, Wimper, Meersand, Seestern, Ligurien, Diwan, Erdnuß, Junge, Seidenstoff, Mandelsplitter, Federkleid, Korngarbe, Oboe, Ölbaum, Fratz, Glanz, Lavendel, Kohle, Schneeflocke, Locke, Brücke, Pyramide, Dolde, Arabeske, Schirm, Rhododendron, Safran, Eia, Milch, Honig, Korb, Oleander, Rispe, Weide, Augenweide, Malkasten, Magnolie, Kochbuch, Kissen, Rose, Glitzerstaub, Knospe, Rosenkranz, Olive, Teig, Puderzucker, Katzengold, Herzlöffel, Sternschnuppe, Wolkenhimmel, Nordpol, Abendland und Morgenland, Hemisphäre, Urgrund, Leporello, Veilchen, Fortuna, Nachtkerze, Seebär, Alabaster, Lupine, Strophe, Notenschlüssel, Elfenbein, Reiher, Leopard, Iris, Augenstern, Kristall, Licht, Nebel, Regen, Gans, Flöte, Serife, Tannenbaum, Kiefer, Roter Mund, Goldmund, Florentiner, Perle, Schneeball, Koralle, Mantra, Muschel, Herzmuschel, Mandorla, Tor, Tor zum Herzen, Leben, Lebenswerk, Ginster, Stille, Haarkranz, Wind, Windspiel, Drache, Alge, Fenster, Blau, Zuneigung, Kuscheln, Grübchen, Kelch, Gefäß, Wasser, Brunnen, Himmel, Himmelskind, Schlafmohn, Rapunzel, Glasstein, Erdbeere, Zweig, See, Weiher, Bächlein, Quelle, Anmut, Eisblume, Sternenkind, Vogelschwarm, Biene, Haus, Schafherde, Orient, Lamm, Kanapee, Nest, Höhle, Kirschbaum, Birke, Kichern, Sofa, Butterblume, Gong, Eiszapfen, Stalaktit, Dunkelheit, Flamme, Brennen, Rosmarin, Romanze, Lied, Nachtkästchen, Wunderkerze, Weihwasser, Meerschaum, Nordlicht, Scherenschnitt, Lebkuchen, Fontäne, Rhein, Lichtung, Arrivederci, Magma, Geysir, Raute, Schleier, Charis, Oval, Harz, Windrad, Jaune brillant tief, Montenegro, Eiland, Pupille, Rosalinde, Roman, Levkoje, Maikäfer, Rollschuh, Schnürsenkel, Fluidum, Vogelhaus, Kuckucksuhr, Glockenspiel, Tagebuch, Turmzimmer, Zeichenblatt, Buntstift, Plakette, Silbe, Wolle, Schnur, Faden, Rosette, Federring, Porzellanservice, Gemse, Reh, blaue Flamme, Lorbeerkranz, Schneekristall, Regentropfen, Tau, Zwinkern, Perlmutt, Ebenholz, Salamander, Feuervogel, Grotte, Saphir, Kupferform, Strickpullover, Schmuckkörbchen, Rollschuh, Kirsche...

 

 

 

Öffnest du dein Sternengesicht zum Sonnenlicht singt der Vogel dir ein Gedicht.
Des Vogels Gedicht geht so:

Abend im Wald: mein Ruf erschallt.
Morgen im Wald: mein Ruf erschallt.
Den Anemonen schwöre ich bei meinem Herz: Ewigen Lobpreis.

 

 

 

Die Schwalben sind da! Die ersten Schwalben sind wieder da.

Heut fuhr ich auf einer Straße und da lag ein kleines Vöglein überfahren. Nur ein Flügel stand noch hoch. Es war ein kleiner Singvogel. Ein zweiter flog immer wieder zu dem toten Vöglein hin, so als könne er es nicht glauben. Als könne er den Tod des Vögleins, das wahrscheinlich sein Partner war, nicht glauben. In einiger Entfernung stand ein Mann am Straßenrand, der auch wie gebannt auf diese verzweifelte Geste starrte.

 

 

 

Dienstag, 22. April 2008

 

 

 

In der gestrigen Nacht ist meinem Freund ein Reh ins Auto gesprungen. Sie konnten das Tier nicht mehr finden. Er ist dann später noch einmal alleine losgezogen. Am Auto ist ein ziemlicher Schaden entstanden. Er erzählte, daß er keine Chance gehabt hatte, auszuweichen. Das Reh ist in genau dem Augenblick aus dem Gebüsch auf die Straße gesprungen, als er gerade vorbeigefahren ist.

 

 

 

 

 

 

Zwei Kinderplakate liegen auf meinem Schreibtisch -
auf einem steht etwas in bunter Buchstabenschrift.

 

 

 

Mittwoch, 23. April 2008

 

 

 

Noli me tangere von Martin Schongauer

Sinn für Schönheit, so lautet die Überschrift des Textes über das Gemälde und über dem Maler auf der Rückseite des Harenberg-Kalenderblattes.

 

 

 

Der Gärtner, das denke ich stets beim Anblick des Gemäldes. Das Geäst des Granatapfelbaumes auf dem Goldgrund ist voller Vögel. Er blüht - und gleichzeitig reifen die Früchte an seinen Zweigen. Er blüht orangerote Federn. Er blüht Vögel. Vogelknospen. Herzvögel. Eine rosafarbene Rose rankt über dem Weidenzaun.
(Oft denke ich an das Wochenende in Colmar, an den Besuch des Isenheimer Altars.
Es ist - mir fehlen die Worte das zu beschreiben, was ich empfand, als ich in die Kirche des Klosters trat. Man geht durch die hohen und kargen Räume, in welchen bereits kunstvoll bemalte und leuchtende Glasfenster und Gemälde ausgestellt sind, steinerne Skulpturen und Schnitzwerke, schreitet durch den Kreuzgang - er war sonnendurchflutet -, um schließlich eine schwere Holztüre zu öffnen, sich nach links zu wenden - wieder eine Türe, ein schmaler Durchgang mit den sich reichenden Händen - und tritt in die alte Klosterkirche ein, in welcher erst auf Bildtafeln rechts und links senkrecht zu den Wänden stehend im bis auf diese Bildtafeln und dem Altar vollkommen leeren Kirchenschiff u. a. geistliche Gemälde von Martin Schongauer plaziert sind. Je vier Bilder waren zu einer großen Tafel zusammengefügt und durch einen kreuzförmigen Holzrahmen verbunden. In der Mitte des Schiffes, dann, noch ein Stück weiter vorne, noch ein paar Stufen hinunter, im Zentrum der Aufmerksamkeit, der Kirche: der Altar, die erste Schauseite.)

 

 

 

Chasse mystique (Detail) von Martin Schongauer
Die mystische Jagd. Das kleine weiße Einhorn hat der Jungfrau in dem blauen Kleid die Spitze seines Hornes in ihr Herz gestoßen. Ein Tropfen Blut quillt heraus.
Eine weiße Lilie. Und etwas, das aussieht wie ein Schaffell. Ein weißer Hund. Ein weißes Lamm. Des weiteren befindet sich ein seltsamer Altar in der rosafarbenen Ummauerung, in diesem Garten, ein rosafarbener Altar mit einer weißen Decke mit Spitzenbordüre darüber gebreitet. Dreizehn Kerzen. Dreizehn Stäbe wie Orgelpfeifen.
In dem Eimer hinter der Jungfrau sind, soweit ich erkennen kann, Granatäpfel.
Obendarüber, das erkennt man nicht, ist abgeschnitten, schwebt auf einer Wolke aus brennenden Eichenblättern ein Engel.
Die Szene erinnert mich auch an die Szene mit dem Schwert im Herzen von Maria.

In einer Wandnische rechts der dritten Schauseite des Altars

 

 

 

Eigentlich wollte ich aufschreiben, was heute alles war. Von der Arbeit erzählen.
Doch am Abend war alles weg, trotzdem es mich während des Tages so gefangengenommen, ich mich manchmal aufgeregt hatte.

 

 

 

Das Licht floß lila durch die steinernen Rosen des hohen gotischen Fensters der kleinen Kapelle mit der goldenen Spirale. Obwohl ich so erschöpft war klappte die Tai Ji-Stunde gut. Es war sehr schön, die Abendsonne flutete durch die Dachfenster und hinterher fühlte ich mich froh. Ich war viel mehr “da” als das letzte Mal, konnte mich viel besser auf die Stunde einlassen. Vor zwei Wochen blieben meine Hände kalt. “Du bist gar nicht präsent, gar nicht wirklich konzentriert”, sagte unser Lehrer dann zu mir, als er sie mehrmals angefaßt hatte. “Du bemühst Dich gar nicht richtig,” sagte er streng. Da hat er recht gehabt, denn schon als ich in die Stadt fuhr war ich mit meinen Gedanken bei dem, was ich später noch daheim tun wollte, was ich noch am Abend malen wollte, ein Teil von mir eilte voraus in die Zukunft, wünschte sich dorthin.

 

 

 

Freitag, 25. April 2008

 

 

 

Ich habe alle Zimmerpflanzen hinaus in den warmen Regen gestellt. In den Mairegen. Obwohl es noch April ist, regnet es Mai.
Die Orchideen mit ihren fleischigen Blättern. Die rosafarbene Orchidee, durch deren fremdartigen Blüten je ein phantastischer Vogel, ein Phönix, schimmert, und die weißblühende Orchidee. Milch. Die Magnolie, deren perfekte Blüten an die Farbe von Marzipan erinnern. Von ihrem Gebaren her ist sie eine Mimose - einmal falsch angeblickt verliert sie alle ihre Knospen. Den Kaktus mit den abertausend feinen Nadelhaaren. Vielleicht blüht er einmal wieder.
Den Weihnachtsstern - ich habe ihn zurückgeschnitten.
Zwei Zimmerpflanzen, deren Namen ich nicht weiß, ihre gebogenen Blätter gleichen Schilf. Sie sind noch von der Nachbarin. Ich habe auch noch Samen, welche sie mir geschenkt hat. Die Samen, ich habe sie in einer weißen Porzellanschale. Die Porzellanschale steht in der Küche auf der Anrichte. Es sind Blumensamen. Und eine weiße Feder liegt darin. Habe ich vorhin hineingetan.
Es ist jetzt schon ein halbes Jahr her.

Damit sie wieder atmen können.
Die großen Tropfen waschen den Staub des Winters ab, der auf den Blättern liegt.
Es regnet Kirschblüten.
Es regnet Wind.
Es regnet Wassersterne.
Es regnet deine Arme.
Deinen Duft.
Heute morgen sah ich vier Gänse, die nach Norden flogen, als ich im Hof stand. Es war bedeckt, sie flogen unter dem weißgräulichen Wolkenhimmel dahin. Die erste Gans flog voraus, die drei anderen versetzt ein ganzes Stück dahinter. Ich hörte ihren Ruf.

 

Viel Arbeit diese Woche.

 

 

 

 

 

 

Das Baumhaus - es ist für uns.
Im Wipfel des Baumes,
dort wartest du.

 

 

 

Samstag, 26. April 2008

 

 

 

Die ungewöhnliche Liebe
ist erst in dem Augenblick
verspürbar,
wenn...

träumte ich.

 

 

 

Warum das Wort “ungewöhnlich”? Was ist das, eine “ungewöhnliche Liebe”? Was bedeutet das? Ist Liebe nicht immer gleich Liebe? Denn sonst verdiente sie doch dieses Wort gar nicht.
Zuneigung, das klingt fast wärmer, klingt, ich weiß nicht, es klingt nicht so “schmerzvoll” für mich, denn vielleicht erträgt ein Körper die Schwingung einer “ungewöhnlichen Liebe” gar nicht.

 

 

 

 

 

 

Noch ein Traumbild: Da waren zwei geöffnete Hände leicht übereinander liegend. Als brächten sie, diese Hände, von der rechten Seite kommend, ihre Gaben dar. Und in ihnen war wehendes Gras im Wind. Ihre Gabe war wehendes Gras im Wind. Das Gras war trocken, von der Sonne und vom Wind bereits ausgetrocknet. Es glich Steppengras, das rauhe aber doch sehr feine und biegsame Gras einer weiten Steppe in der Sonne. Im Wind. Fast glich es auch hellbraunen Korngarben. Und zwischen dem Gras wuchsen lilafarbene Blumen. Es waren eher unscheinbare Blumen, die hoch gewachsen waren, so hoch wie das Gras, hauchdünne Stengel mit kleinen Blüten, eher schlicht waren sie, aber ihre Farbe, ihre Farbe leuchtete durch das vertrocknete, sehr helle Braun der biegsamen Halme. Sie blühten, obwohl das Gras bereits vertrocknet war.
Und Wind.
Das wehende Gras mit den lila Blumen im Wind in diesen beiden Händen, das sah wunderschön aus.

 

 

 

 

 

 

Wir waren auf einer Hochzeit. Die Tochter der Tochter des Lehrherren meines Vaters hat geheiratet und er hat das Brautpaar in unserem ältesten Oldtimer gefahren. Genau in dem Moment, als die beiden sich das Ja-Wort gegeben haben, läuteten die Glocken aller Kirchen der Stadt. Der Pfarrer sprach in der Predigt von der Liebe des Kleinen Prinzen zu seiner Rose. Als wir heimwärts fuhren, mein Vater in dem Oldtimer vor mir her, dachte ich: Seine Haare sind auf einmal ganz weiß geworden.
Alle Menschen, die ihn sehen, werden denken: das ist ein alter Mann. Aber für mich ist er das gar nicht.

 

 

 

Sonntag, 27. April 2008

 

 

 

Stiefel

 

 

 

Ich träumte von Kroatien. Ich sah es auf der Landkarte von oben, aber ich war mir dann nicht mehr sicher, welches Land südlich von Kroatien lag, ich dachte, es müsse eine Halbinselgruppe sein. Vietnam? Oder sind es Inseln, fremdländische Inseln, Bali vielleicht? Im Halbschlaf fiel es mir nicht mehr ein, ich grübelte und versuchte einen Zusammenhang zwischen Asien und Europa herzustellen, versuchte mir die Kontinente mit ihren Ländern vor dem inneren Auge vorzustellen, was irgendwie nicht gelingen wollte. Zerbrach mir den Kopf, aber da war wie ein Loch in meinem Verstand. Dann ein schwarzer Stern in meinem Auge. Der Radiowecker ging und ich hörte benommen, daß eine Schafherde in einen Eisenbahntunnel gelangt ist, ein Zug in sie hineinfuhr und dieser entgleiste. Hörte von dem schlimmen Unglück und verdrängte es. Dann ein Lied. - Seit einiger Zeit habe ich den Radiosender gewechselt, weil ich die gängigen, schrillen Programme nicht mehr ertragen mag, vor allem am Morgen nicht. Ich glaube, es ist Bayern 1, was jetzt eingestellt ist. (Aber vielleicht ist es besser ganz auf das Radio als Wecker zu verzichten, weil es diese sensible Phase des Schlafes sehr beeinflußt. - Das las ich auch einmal.) - Ein Mann sang mit tiefer Stimme fast ohne instrumentale Begleitung einen altmodischen, mir bis dahin unbekannten Schlager, er handelte von einem Vogel, der über Grenzen fliegt. Der Text ging in etwa so: ”... mit den Wolken zu ziehen über Grenzen hinweg, bis ans Ende der Welt. ... Wenn ein Herz für dich schlägt, wirst du es überall spüren, welchen Ort du auch immer gewählt... Das muß die Wahrheit sein, dachte ich, ganz sicher ist es so. Die Strophen klangen so eindrücklich in den Halbschlaf hinein.
Ein orangerotes Traumbild. Die x-ähnlichen Formen erinnerten mich an Chromosomen. Ich bin mir aber nicht mehr sicher, ob es nun rote Chromosomenformen auf orangefarbenem Grund oder orange Chromosomenformen auf rotem Grund waren.
Ich träumte noch von einem Klavier, das seitlich in einem dunklen Eck, in einer dunklen Nische stand. Es kann auch ein elektrisches Klavier gewesen sein. Genau auf den Klaviertasten lag ein Buch, das ich nahm. Es war ein Buch mit einem weißen Einband. Es sah so aus, wie das Buch, welches ich gerade lese.
In einem weiteren Traumbild zog ich besondere Kniestrümpfe an. Diese Kniestrümpfe glichen eigentlich Stiefel, sie waren aus einem silbernen, recht festen Stoff und das Bündchen war aus roter Wolle. Sie hatten hinten und vorne eine Mittelnaht, waren also für unsere westlichen Verhältnisse ganz ungewöhnlich gefertigt. Sie muteten irgendwie “östlich” an, fremdländisch. Vorne, genau in der Spitze, hatte der Stiefel ein kleines Löchlein, da war die Mittelnaht etwas aufgetrennt, sah ich, als ich ihn angezogen habe.
(Vielleicht sind es ja Siebenmeilenstiefel, fällt mir gerade ein. Aber manchmal wünsche ich mir, ich würde nicht so viel denken, mir nicht so viel ausmalen. - Momentan grüble ich häufig über die Kraft der Gedanken. Und denke über Achtsamkeit nach.)

 

 

 

 

 

 

Montag, 28. April 2008

 

 

 

Die Taxifahrerin sagte, daß sie beinahe auf die Traumstraße abgebogen wäre. “Traumstraße?”, fragte ich, während ich neben ihr auf dem Autositz saß. Meine Taschen auf dem Schoß, mit beiden Armen hielt ich sie umfaßt. Sie bemerkte gleich, daß ich nicht von hier war, merkte es am Dialekt. “Die Straße heißt Traumstraße für mich, weil sie so gut ausgebaut ist”, antwortete sie lächelnd. Ich blickte in ihr faltiges und sympathisches Gesicht, während sie weiter auf die Straße sah. Und ob ich überhaupt wisse, wie viele Grünflächen es hier denn gäbe, redete sie weiter, so als hätte sie meine Gedanken gelesen. Die Traumstraße, die führe nämlich direkt in die Grüne Lunge. Ich stellte mir die Grüne Lunge bildhaft vor. Zwei gewaltige grünbelaubte Lungenflügel am Rande der großen Stadt, tautropfende Regenwälder voller Sauerstoff und voller Leben, mit einer noch grüneren Luftröhre, welche mitten in ihr hinein führte und sich dann unendlich verästelte, verzweigte.
Und wo die Grüne Lunge ist, da ist auch das Grüne Herz.

 

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