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Samstag, 1. März 2008

 

 

 

Gras ist über Gras gewachsen.

 

 

 

In der Nacht ein heftiger Sturm. Um eins war ich hellwach. Schlief ein. Träumte wieder. “Lüge!”, schrie er auf einmal laut, obwohl er stumm schlafend dalag. Es donnerte und blitzte auch am Vormittag. Der Strom ist für lange Zeit ausgefallen. Aber die Vögel haben trotzdem gesungen.

Die drei Robinien und die Büsche an der Südseite des Hauses sind zurückgeschnitten worden. Sie sind mit viel Sachverstand zurückgeschnitten worden, nachdem im Laufe der letzten Jahre das Geäst regelrecht verholzt ist. Trotzdem erschrak ich, als ich am Mittwochnachmittag hinunter zum Bach geeilt bin, um das Ergebnis zu betrachten. Die Weide ist mittlerweile zu einem mächtigen Baum emporgewachsen und ihre Zweige spielen mit dem Wind. Auch die Birken, meine ich manchmal, berühren schon fast die Wolken, wenn diese tief über die Häuser des kleinen Ortes vom Wind von Westen nach Osten geblasen werden. Bis auf zwei Büsche, die beiden ganz am Ende der Hauswand, war er fast fertig. Wir blickten hinauf, in das Gewirr ihrer Äste und Zweige, während wir uns unterhaltend dastanden. Ein kleiner Vogel sprang ganz aufgeregt darin, sah auf uns herab, und es schien, als ob er uns verscheuchen wolle. Da erinnerte ich mich, daß im letzten Jahr zwei kleine, ganz bunt gemusterte Vögel unter meinem Schlafzimmerfenster genistet haben. Nun müssen wir die beiden Büsche stehen lassen, denn, wo sollen sonst die beiden kleinen Vögel hin?
Ich muß es meiner Mutter sagen. Weinte und flehte ich im Traum, das Gesicht in der Lehne meines Sofas verborgen.

Schnitt Dornenrosen. Schnitt die Rosen zurück, und der Wind ergriff den braunen Eimer und rollte ihn zusammen mit den dornigen Ranken darin weg. Auf einmal hörte ich Vögel rufen. Ihren Schrei. Schreie - wie Wind. Was war das für ein Vogel, eine Taube? Suchte den Himmel ab, die tiefliegenden Wolken, aus welcher die Rufe erklungen waren. Da zogen Gänse. Zwei, drei Gruppen fanden und vereinigten sich. Sie flogen im Wind, drehten bei, es waren sehr viele, die in dieser bestimmten für Gänse typischen Anordnung nach Norden zogen. Sie schrieen.
Oft, wenn ich den Ruf der Wildgänse höre, spüre ich Sehnsucht in meinem Herzen und die Augen schwimmen plötzlich in Tränen.
Am Abend blieb der Kamm in meinen Haaren stecken, so hat der Wind mit ihnen gespielt.

 

 

 

Träumte auch von einer Wiese, einer sehr großen, quadratischen Wiese in einem Schloßpark, welche von Bäumen umwachsen war. Die Wiese war diagonal unterteilt, von rechts unten nach links oben. Mit der rechten Hälfte war irgend etwas geschehen, hat man etwas getan, was genau, weiß ich aber nicht mehr. Ich glaube, man hat sie umgegraben oder Erde ausgehoben. Auf der linken Hälfte hat man dann diese Erde in kleine Haufen gleichmäßig auf das grüne Gras verteilt. Diese Haufen glichen vielen Maulwurfshügeln, waren es aber in Wirklichkeit nicht. Man wollte wohl der linken Hälfte frischen Erdboden zukommen lassen, die kleinen Haufen dann noch über das ganze Gras verteilen. In dem oberen Bereich der linken Hälfte war an vielen Stellen frisches grünes Gras über das grüne Gras gewachsen. Hier hat man wohl Grasstücke von der rechten Seite herausgeschnitten und auf der linken Seite verteilt. Und da ist ein buddhistischer Mönch, der bei mir liegt. Wir liegen zusammen in diesem Bereich.

 

 

 

Ein Traumbild: Da war ein Holzpflock aus schon ausgeblichenem Holz, vielleicht, um ein Boot festzumachen. Oben, an seinem oberen Rand, war der Pflock ganz hell, da war ein sehr helles, ovales Licht, ein Leuchten, als wäre er unglaublich von der Sonne beschienen worden. Das helle Lichtoval war sozusagen auf ihn.

 

 

 

Sonntag, 2. März 2008

 

 

 

Traumbilder

(...) Ich träumte, daß die beiden Türme der Frauenkirche plötzlich wie explodierten, besser gesagt brach in ihnen auf einmal ein gewaltiges Feuer aus, so daß sie sofort niederbrannten. ... Wir drapierten einer Frau ein weißes Plastiktuch über den Kopf. Doch da bemerken wir, daß ein Teil der Plastikfolie die ganze Zeit auch über ihrem Gesicht gelegen war und sie deshalb nicht atmen konnte.

 

 

 

 

 

 

Handlfuß

Ein Gedicht über den kommenden Sommer -
uns interessiert sein Werden bei Nacht.

 

 

Uns interessiert das Spiel der Käfer im Schatten der Grashalme am Rande der großen Wiese, das Lachen der Blüten und das fröhliche Atmen des Windes.

 

 

 

 

Taubengesicht

 

 

 

Den ganzen Tag über Zuhause.
Arbeitete an einer Collage, sie heißt:
Das ist das, was ich zeige.
Eine aufgeschlagene Doppelseite mit vielen kleinen bunten Schnipseln.
Ein Traumbild.

 

 

 

Am Abend warteten wir auf die Wahlergebnisse. Andreas erreichte über 37% und der amtierende und zugleich wiedergewählte Bürgermeister verlor doch einige Stimmen. Das ist ein ziemlich gutes Ergebnis, finde ich, vor allem für das erste Mal. Hier ein Link.

 

 

 

Montag, 3. März 2008

 

 

 

Am frühen Morgen lauschte ich den Vögeln. Zuerst war es nur ein einziger, der kaum hörbar leise in der Dunkelheit sang. Ein erstes, zaghaftes Frühlingslied. Fast klang es zu Beginn wie ein Üben, wie ein vorsichtig tastendes Erwachen. Manchmal meinte ich, daß die Dunkelheit viel zu mächtig für das Lied des kleinen Vogels, seine gefiederte Brust viel zu klein für sie ist, sie seine feinen Töne erdrückt, verschluckt, das Lied in der Weite und in der eisigen Kälte der Märznacht untergehen und einfach verschwinden wird. Ich lag im Bett, hatte das Fenster etwas geöffnet und lauschte diesem Gesang, der fern und zugleich nahe klang. Unendlich verletzlich und zart wie der Lidschlag eines Kindes durch die raumlose Stille hallte. Jubel. Der kleine Vogel sang aus voller Brust. Er sang! Und ich, ruhig atmend, in die warme Decke gehüllt, dem Laut in meinem Inneren nachspürend, empfand auf einmal fast unmerklich eine zögerliche und sehnsuchtsvolle Freude auf der Welt zu sein und das Lied des kleinen Vogels hören zu dürfen.
Kleiner Vogel, ich möchte dich erreichen.

 

 

 

Ein Kunde hatte ein Buch in einem Auto vergessen und mein Vater legte es mir hin, damit ich es dem Kunden vorbeibringen konnte. Es war ein recht dickes Buch und ich blickte entzückt auf den Einband, welcher eine wundervolle Szene in einem Paradiesgarten zeigte. Es handelt sich hierbei eigentlich um einen Wandteppich, der für den Umschlag abfotografiert wurde, um einen Wirkteppich, der ursprünglich die Stuhllehne eines Sessels gewesen war. Der Wirkteppich stammte aus dem Elsaß und wird auf das Ende des 15. Jahrhunderts datiert. Er heißt: Wildfrau mit Einhorn. Er ist aus Wolle, Baumwolle, aus weißem Leinen, farbiger Seide und aus Goldfäden gearbeitet. 8 Kettfäden wurden auf dem Quadratzentimeter verknüpft, 16-18 Schlußfäden auf dem Quadratzentimeter an den Rändern.

Die Wildfrau ist inmitten eines üppigen Paradiesgartens dargestellt, in dem am äußersten rechten Rand des Bildes aus einem hohen Felsen sogar eine Quelle entspringt. Das Wasser stürzt von weit oben in ein quadratisch gemauertes Auffangbecken aus hellbraunen Steinen mit einem halbrunden Tor. Ergießt sich durch das Tor hindurch, wird zu einem Bach, in dem eine Ente schwimmt und dessen Ufer mit Binsen bewachsen ist, und wird schließlich zu einem kleinen See, vor dem die schöne Wildfrau steht.
Aber eigentlich ist es so: Sie steht nicht recht, denn ihre Knie sind leicht angewinkelt, so daß es aussieht, als ob sie säße, doch sie sitzt auch nicht wirklich, denn da ist nichts, kein Fels, kein Stein, kein Stuhl, worauf sie sitzen könnte. Außer vielleicht auf dem Himmelblau des Sees. Auf den unzähligen lindgrünen Punkten, welche die geschickte Hand des Künstlers in die stille Wasseroberfläche hineingewebt hat. Das Blau trägt sie. So wirkt ihre Haltung ein wenig ungewöhnlich, aber nicht unbequem.
Ihre langen Haare fallen ihr lose in lodernden Wellen bis über das Gesäß hinab. Sie formen regelrecht ein blondes Oval, das ihren wohlgeformten Körper mit der schmalen Taille birgt und flammend gelb rahmt. Ihr großes Haupt schmückt ein geflochtener Kranz aus blühenden Zweigen mit üppig rosafarbenen Dolden. Sie ist mit einem hautengen Anzug mit langen Ärmeln, langen Beinen und einem runden Ausschnittaus aus dicken Wollfäden oder dicken Fellzotteln bekleidet, welcher ihren Körper vollkommen bedeckt und lediglich - zur Überraschung des Betrachters - die beiden runden Kegel ihrer hübschen, apfelgroßen Brüste und ihre beiden Knie freiläßt, also insgesamt vier kreisrunde Öffnungen hat. Der Anzug ist von einem kräftigen Blau. So blau wie der Mantel Marias. Die Farbe ihrer Haut ist weiß, die der Lippen ihres kleinen Mundes rot. Die bloßen Füße der Jungfrau stehen nebeneinander zwischen roten Sternenblüten inmitten dunkelgrünen Grases. Zwischen Erdbeeren, welche zugleich weiß blühen und rote Früchte tragen.
Es wächst auch Mohn in dem Garten, und noch andere Blütenpflanzen, deren Namen ich nicht weiß.
Das scheue Tier sitzt genau vor ihr auf seinem Hinterteil. Inmitten einer blühenden Wiese. Sein Kopf befindet sich in etwa in der Höhe des Schoßes der Jungfrau, deren linke Hand auf seiner blondgelockten Mähne ruht, fast so, als ob sie mit den Locken spielte, und deren rechte sacht das lange und spitz zulaufende Horn von unten hält. Sie zeigt es her. Gedrechselt ist es, gedreht, in vielen Wellen. Das Einhorn hat ein hellbraunes Fell, das am Bauch heller und am Rücken dunkler gefärbt ist, am Rücken gleicht es dem eines Hirsches, denn man erkennt dort viele helle Punkte. Es hat erstaunlich lange, schlanke Beine. Die beiden Vorderläufe sind grazil in einer Bewegung festgehalten worden. Sein Maul hält es leicht geöffnet - vielleicht ist es gerade sehr gerannt (zu der Jungfrau), oder es freut sich ganz nahe bei ihr sein zu können -, so daß man seine rote Zunge und eine Reihe gleichmäßig gewachsener Zähne in seinem schmalen Unterkiefer erkennen kann. Bestimmt sind es Milchzähne. Unten am Kinn hängt eine lange Locke in der selben Farbe der Mähne herab, fast wie bei einer Ziege, und seine großen grauen, weitgeöffneten Augen blicken gleich denen eines Kindes aus seinem hübschen und wohlgeformten Schädel. Es hat recht große, spitz zulaufende Ohren und einen kurzen, pferdeähnlichen Schweif.
Links hinter der Wildfrau, am gegenüberliegenden Ufer des runden Teiches, erhebt sich ein zweiter grauer Fels, auf dem zwei große bunte Vögel sitzen, die gerade gegenseitig ihre Schnäbel berühren, sich küssen. Genau unter ihnen, unter ihren beiden sich berührenden Schnäbeln, hat eine Blume, vielleicht eine Lilie, wie als ein Zeichen ihre rote Blüte entfaltet. Ganz am rechten Ufer des Sees, am rechten Bildrand, springt ein Tier einen fast schwarzen Fels hinauf, wohl ein Reh oder ein Hirsch, oder eine Gams. Der Betrachter sieht nur ein Stück des Hinterleibs mit einem kurzen Stummelschwanz.
Flankiert wird der Garten von zwei Bäumen: oben links ist ein großer Feigenbaum, an dessen Stamm ein spechtartiger Vogel mit einem weißorangefarbenen Gefieder hängt, und auf der anderen Seite, also oben rechts, wächst aus dem hellen Grün der Wiese hinter dem kleinen See ein großer Granatapfelbaum, dessen Wipfel voller draller Früchte hängt. Zwei der Granatäpfel sind sogar schon aufgeplatzt und entblößen ihre Kerne. Die beiden Paradiesbäume, das kann man gut an den Stümpfen abgesägter Äste im Bereich der Stämme erkennen, sind vom Gärtner auch beschnitten worden.
Die Bäume sind mit einem hellen Spruchband, das quer über den Garten in malerischer Weise drapiert worden ist, verbunden, gleichzeitig umrahmt es auch den Kopf der Schönen, auf dem in alter Schrift in etwa geschrieben steht:

min zit (han ich der) weld gegebe
nuon mus ich hie im Ellenden leben
O WIE D...... (DRAURIG?)

Das Grün der Wiese. Der Himmel, erst weiß, dann tiefblau. Davor das Haupt der Jungfrau. Zwischen den beiden Bäumen. Sie blickt nach links. Nach rechts.

Es handelte sich um einen Kunstkatalog. Und ich habe nicht einmal nach dem Autor gesehen.

 

 

 

Ich habe den Wandteppich gefunden. Er ist sogar im Netz. Und hier noch ein Link.

 

 

 

In dem Buch fand ich noch etwas Besonderes, das meine Aufmerksamkeit fesselte, nämlich die Abbildungen zweier alter bunter Kirchenfenster aus dem 16. Jahrhundert nach einem Entwurf von Hans Baldung, die zueinander gehören, miteinander korrespondieren. Das linke Glasfenster stellt den Ecce Homo dar, es heißt auch so, Ecce Homo, also Jesus, vor blauem Damastgrund, dornenbekrönt, seine Hände sind ihm gebunden. Das einzige Kleidungsstück ist ein Purpurmantel, welcher ihm um seine Schultern gelegt und über seine Brust verknotet worden ist. In seiner rechten Hand hält er einen Palmenzweig. Das linke Glasfenster heißt Mater dolorosa, es zeigt Maria. Maria, in einem roten Kleid und einem blauen Mantel. Vor dunkelblauem Grund. Ihre Füße stehen auf einer Wiese. Ihr Haupt ist von einem grauen Tuch fast verhüllt und in ihrer Brust steckt ein mächtiges Schwert, das von links oben nach rechts unten zeigt, es steckt tief in ihrem Herz. Das Fenster Mater dolorosa bildet das Gegenstück zum Fenster Ecce homo.
Das männliche Herzschwert.
Vor rosarotem Hintergrund.

 

 

 

Mittwoch, 5. März 2008

 

 

 

Der Stern, der aus etwas weggezogen wird...

 

 

 

Und träumte noch von einem Link in roter Schrift am Ende eines Textes: Engelphantasie. Du hast Engelphantasie.

 

 

 

Donnerstag, 6. März 2008

 

 

 

Welche Farbe der Ton “h” wohl hat?

 

 

 

 

 

 

Nun hab ich Nistkästen bestellt, welche ich an die Birken, an den Kirschbaum, an der Weide und auch an der Hauswand befestigen will. Mit dem Einflugloch nach Osten.

 

 

 

Und das Gras funkelte. An jedem Halm hingen Tautropfen und in jedem der Tropfen brach sich das Licht des klaren Morgens zu einem winzigen Regenbogen. Ein Meer aus Regenbogen lag vor mir. Von Grün, von Moos. Ein glitzernder Teppich aus dem Pastell des Himmel gewebt. Bei jedem Schritt federte der Boden weich.
Bückte mich, um das braune Gras zwischen den Steinen der Beetumrandung zu entfernen.

 

 

 

Freitag, 7. März 2008

 

 

 

Ich träumte, daß ich hinter zwei großen Lastkraftwagen fahre. Hinter mir fahren noch zwei Autos. Der LKW, hinter dem ich herfahre, hat hinten auf den Türen seines Containers folgende Aufschrift: Südwestfrage -> muß entdeckt werden. Der ist von links unten nach rechts oben diagonal darauf geschrieben.
Zwei Taschen. Eine wird zu CD-Roms. Zwischen den CD-Roms ist ein kleiner Zettel. Meine chinesische Handtasche steht offen unter dem Kirschbaum hinter dem Haus. Die CD-Roms stehen auch dort, nämlich an der Werkstattwand. Vorababfrage...

 

 

 

Unser Tai Ji-Lehrer machte neulich eine Bemerkung über das Jahr 2012 und den Maya-Kalender. Es war in der Stunde, an welcher ich wegen der Grippe nicht teilnehmen konnte.
G erwähnte das hernach, aber mir war das alles ganz fremd weil ich es eigentlich für sehr verrückt empfand, und heut bin ich zufällig, als ich etwas im Web gesucht habe, auf ein Buch zu dem Thema gestolpert. Und auf eine Website mit einer gelben Blume.
Mädchen pflücken Veilchen für die Jungen.

 

 

 

Samstag, 8. März 2008

 

 

 

Hatte einen Alptraum, während ich meine Arme um mich selbst geschlungen schlafend im Bett lag. Umfaßte, umarmte mich selbst, in der letzten Zeit schlafe ich oft so, und jemand, es war auf einmal jemand anderes, er sprach zu mir. Ich lag in meinem alten Kinderbett. Mit hämischer, verzerrter Stimme sprach er zu mir. Meine Hände, die meinen Körper umfaßten, während ich halbschlafend dalag, waren auf einmal seine Hände, die mich umarmten und ich erwachte voller Schrecken.

 

 

 

Veilchen, zu einem winzigen Strauß gebunden. Mit einem roten Band.
Eine kleine Seerose aus Wachs, eine Kerze. Ein Rosenstöcklein mit rosafarbenen Knospen, die entgegen der rotblühenden dufteten. Eine weißblühende Orchidee. Raschelndes Papier.

 

 

 

Und das Gedicht von Rainer Maria Rilke bekam ich von Ursel geschenkt, zusammen mit dem Bild einer lilafarbenen Asternblüte:

ICH LEBE MEIN LEBEN

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang

 

 

 

Der Einband des Buches ist weiß und der Titel Der Aufstieg der Erde 2012 in die fünfte Dimension in schillernden Regenbogenfarben darauf gedruckt. Der Text innen darin ist in blauer Schrift. Sozusagen mein Geburtstagsgeschenk.

 

 

 

Sah mich, den Einkaufswagen schiebend, für einen Moment im Spiegel. Habe mir heute ein Service und eine Tagesdecke gekauft. Ein ganz schlichtes, sehr schönes weißes und auch günstiges Service von Seltmann Weiden. Für sechzehn Personen. Daheim gleich alle Teller, die Tassen, die Schüsselchen und die Platten gespült, die alten, schon ziemlich abgenutzten Ikea-Teller aus dem Schrank geräumt und erst einmal in eine Schachtel getan. Dann den Glasschrank geputzt. Die alten Teller kann ich vielleicht später zum Malen, für das Anmischen von Farben, verwenden.

 

 

 

Sonntag, 9. März 2008

 

 

 

Kochte von halb acht bis um zwölf. Den Gästen hat es sehr geschmeckt. Bekam einen Strauß selbstgepflückter Frühlingsblumen geschenkt. Von Hans. Meine Schwester schenkte mir einen Zweig einer Pflanze mit sehr stacheligen Blättern, welche aber vier gelb blühende Blütenrispen hatte, die einfach unglaublich dufteten.
Ihren Namen habe ich aber leider vergessen. Dann bekam ich noch einen schönen Wanderführer, eine Art Wandertagebuch geschenkt. Von Thomas.

Ich kochte eine Gemüsesuppe mit Safran, dann, für die Fleischesser, Osso Bucco. Verbrauchte für die Soße eine ganze Flasche Rotwein. Dazu reichte ich Kartoffelbrei. Als Nachtisch Tirami-Su. Meine Mutter half mir mit dem Salat, es gab Rucola- und Feldsalat.
Eigentlich soll man Emailleschüsseln, bei denen, sei es auch noch so eine kleine Stelle, das Emaille abgeplatzt ist, nicht mehr verwenden.

 

 

 

 

 

 

Montag, 10. März 2008

 

 

 

Ein Traumbild von einem kleinen Jungen, er war vielleicht zehn oder elf, er war ganz nackt und sollte gebaden werden. Der Junge hatte den Kopf eines Plüschbären. Das sah ein bißchen ungewöhnlich aus. Es erinnerte mich ein wenig an alte Darstellungen ägyptischer Gottheiten, die ja auch oft Tierhäupter hatten, vielleicht um eine bestimmte Eigenschaft des jeweiligen Tieres in Bezug auf den Gott, auf die Kraft, für die seine symbolische Darstellung stand, zu verdeutlichen. Eine Hand zog ihm den rechten Schuh aus und eine andere Hand den linken Schuh. Vor ihm stand eine große Schüssel, ein großer Badebottich.
Der Bär hat ja eine wichtige Bedeutung für mich.
Träumte noch von meinem Olivenbäumchen. Gestern Abend hatte ich das Bäumchen vom Balkon in das Wohnzimmer geschoben, da Minusgrade erwartet wurden. Ich träumte dann am Morgen, wie ich den großen Tontopf mit dem Olivenbaum darin wieder auf den Balkon hinaus schiebe. Um seinen Stamm herum war auf einmal alles mit blühenden Wicken üppig zugewachsen, feuerrot und weinrot blühten sie. Übernacht waren die Wicken ganz unglaublich in dem Topf des Olivenbäumchens gewachsen, ihre blühenden Ranken berührten fast seinen Wipfel!

 

 

 

Meine Nichte fragte mich gestern, ob nicht noch zufällig einige unserer alten “Geheimnis um...-Bücher” auf dem Dachboden lägen und ob sie diese haben könne, denn sie gefielen ihr besonders und lese sie sehr gerne. Heut schaute ich deshalb in den ausrangierten Büroschrank, in welchem sich der letzte Teil unserer alten Kinderbücher stapelte. “Geheimnis um...-Bände” fand ich allerdings keine mehr zwischen den vielen “Fünf Freunde-Büchern” und der “Schwarzen Sieben”. Zwischen den ganzen Mädchenbüchern. Ein Taschenbuch über Vogelkunde. Studierte die Titel, während ich gedankenverloren vor dem Schrank stand und erinnerte mich, wie es war, als ich sie damals, als junges Mädchen, gelesen habe. Es kam mir so vor, als sei es gestern gewesen. Abenteuer um einen unterirdischen Fluß, das gefällt meiner Nichte bestimmt. Die Abenteuer-Bücher von Enid Blyton mochte ich besonders gerne, sie waren wirklich außergewöhnlich spannend. Sie spielten meist in fremden Ländern, die Kinder waren oftmals auf sich alleine gestellt und meisterten selbst die abenteuerlichsten Situationen.
Und da lag auch das Buch “Himmelsvolk” von Waldemar Bonsels, das meine mittlere Schwester einmal vom Schulleiter, der damals auch ihr Klassenlehrer war, zur Ersten Kommunion geschenkt bekommen hatte. Es war ein ganz besonderes Geschenk, fand ich damals, und irgendwie nicht mit den anderen Geschenken (hauptsächlich Silberlöffel, Sammeltassen oder Kristallschalen) zu vergleichen. Ich zog es heraus, blies den Staub und die Spinnwegen von dem Einband, auf dem ein großer Fuchs gemalt war. Des weiteren gelb blühendes Johanniskraut und eine üppige Pflanze mit vierzehn trompetenförmigen, weißen Blüten. Auf dieser Pflanze saß ein Marienkäfer - auf dem Blatt rechts unten, um genau zu sein - und auf dem nächsten Blatt darüber stand barfüßig ein kleines Mädchen mit offenen Haaren in einem langen violettblauen Kleid und einem Paar violettblauer Schmetterlingsflügel. Ein Farnblatt war auf der Rückseite des Einbands gemalt, ein stacheliger Igel und ein lilafarbenes Insekt auf einer Pflanze mit dreizehn ebenfalls lilafarbenen Blüten.
Schlug es auf. Es klappte auf Seite 127 auf, denn genau da lag noch ein Lesezeichen zwischen den Seiten. Das Lesezeichen war eine Schablone mit Griffen für die Blockflöte, welche aber genau in der Mitte durchgerissen worden war. Es war sozusagen die untere Hälfte der Schablone, aber die Oktave, die Tonleiter, mit den darunter aufgemalten Griffen für die Blockflöte, war vollständig erhalten. Schwarze Kreise zeigten zum Beispiel, daß man das entsprechende Loch der Blockflöte mit dem jeweiligen Finger ganz geschlossen halten mußte, ein halb gefüllter Kreis bedeutete, halb-offen halten, und so weiter, so daß man schließlich alle Töne der Tonleiter greifen und spielen konnte.
Ich begann zu lesen.
Auf der Seite unterhält sich der Maikäfer gerade mit dem Blumenelf. Sie unterhalten sich über den Menschen, denn das interessierte den Maikäfer besonders. Er hatte ja schon einschlägige, nicht unbedingt positive Erfahrungen mit ihm, aber er nahm sie mit Humor. Der Blumenelf sprach, besser gesagt sang er davon, wie es wäre, wenn nur einmal ein Mensch von ganzem Herzen und in Wahrheit im freien Willen sein würde, daß nämlich dann das ganze Geschlecht der Menschen damit entschuldigt wäre. Denn sein freier Wille ist, groß und gut zu sein. Er glaube, daß es so sei, leitete der Elf seinen Gesang ein. Worauf der Maikäfer rief: “Ach, da sieh einer, wie du denkst!”

 

 

 

 

 

 

Ein guter Freund ist gestorben, schon in der letzten Woche.
Meine Mutter war am Telefon, dann mein Vater.

 

 

 

Dienstag, 11. März 2008

 

 

 

Träumte von einem offenen Beutel, der mit kleinen Erdbeeren gefüllt war. Oben, um den Stiel herum, waren die Erdbeeren noch etwas gelb, aber ansonsten sehr rot. Sie sahen aus wie längliche Walderdbeeren. Und der Beutel, in dem sie waren, der glich einem Gefrierbeutel. Anschließend wurde ich mit purer Schlagsahne löffelweise gefüttert. Ich schmeckte die Sahne sogar, eigentlich ist das kaum zu glauben, denn ich lag ja halbschlafend in meinem Bett, sie war vom Geschmack her genau richtig.

 

 

 

Etwas saß mitten im leeren Hof, etwas, es bewegte sich. Was ist das denn, ein braunes Blatt? Yoda, der rote Kater sprang hin und ich ihm nach. Da saß ein großer brauner Frosch auf dem Asphalt. Weiß Gott, wo der auf einmal hergekommen war! Vielleicht hat er in einem Garten in der Nähe überwintert. Hob ihn mit Hilfe einer Kehrichtschaufel auf. Vorsichtig. So ein Frosch hat ganz schön viel Kraft. Stetig und unermüdlich drückte er gegen das Innere meiner Hand, das hätte ich gar nicht erwartet. Einmal gelang es ihm zu entwischen und er landete mit einem schweren Platsch auf dem Teer. Blieb aber anscheinend unverletzt. Trug ihn hinunter zum Bach und setzte ihn im Moos am Ufer ab.
Vor der Bürotüre der Flügel einer Meise.

 

 

 

Eine Wiese voller Gänseblümchen und
der Schrei eines Vogels.

 

 

 

Meine Freundin aus London sandte mir heut einen Gruß. Ihre kleine Tochter und deren Teddys. Der Teddy liegt mit einem Blatt zugedeckt im Herbstlaub und schläft.

 

 

 

Donnerstag, 13. März 2008

 

 

 

Eine Landkarte. Drei Länder in der Form einer Blume vereinigt, einer Blume mit drei großen Blütenblättern. Die Grenzen der Länder sind dicke, rote Linien. In der Mitte liegt Israel. Am Mittelsee. Der Finger einer Hand strich oben sanft über die Karte.

 

 

 

Aus einem bunt glasierten Blumentopf sind viele viele Osterglocken getrieben. Der Blumentopf ist auch mit farbigen, winzig kleinen Mosaiksteinen kunstvoll verziert. Blau und rot und türkis.

 

 

 

Freitag, 14. März 2008

 

 

 

Er hält die Gesichter unendlich vieler Kleider hoch.

 

 

 

Träumte, daß aus dem Buch, das ich momentan lese, Der glücklichste Mensch, etwas Fleisch herausschaut. Zwischen den Seiten, bei welchen ich gerade mit dem Lesen bin. Es war ein ganz mageres, bißgroßes, gekochtes Stück Fleisch, Rindfleisch.
Ich habe grad ein schönes Lesezeichen, es ist ein Kalenderblatt mit einem Fresco aus der Klosterkirche Sant’ Angelo in Formis in Capua bei Neapel. Auf der Rückseite des Blattes steht, daß die Kirche 1065 auf den Überresten eines antiken Diana-Tempels erbaut wurde.

Und noch ein Traum von einer Flugreise nach Hause. Einer etwas verrückten Flugreise. Einmal lag ich der Länge nach auf dem Bauch im grauen Rumpf, bin da wohl von hinten hineingekrochen, und entweder war das Flugzeug so klein oder ich so groß und dick, denn ich war ganz eingezwängt. Ich sah auch gar nicht, wo es hinging. Ich dachte: In dieser Position soll ich also fliegen! Und: Warum bittet mich denn niemand nach vorne auf einen Sitzplatz, daß wäre doch viel bequemer. Aber ich nahm es dann hin. Der Pilot war ein junger Mann mit dunklen Haaren. Ich saß privilegiert neben ihm, in der Mitte des Cockpits, und rechts von mir, zu meinem Erstaunen, meine mittlere Schwester. Auf meinem Schoß hatte ich einen kleinen Hund, der hatte kurze, braune Haaren Er sprang mir vielmehr auf den Schoß oder ich nahm ihn, nach einer Überlegung, auf meinen Schoß. Wir tuckerten erst bergauf in Richtung Flugplatz, Startbahn. Einen schmalen Feldweg entlang, der mit hohem Gras vollkommen zugewachsen war. Eigentlich dachte ich, wir fliegen schon, bis ich mich umsah. Der Weg führte mitten durch einen Wald stetig bergan. Wir wurden kräftig durchgeschüttelt. Das alles war in einem fremden, in einem südlichen Land.
Ein Zwischenstopp war in einem Hotelzimmer mit einer Frau, mit Rosa und mit vielen wunderschönen Blumen. Vor dem großen, doppelten Fenster war eine Art Blumenampel, eine Treppe aus braunem Holz, auf der auch ein Becher mit zahlreichen Zahnbürsten stand. Und andere Dinge. Ich erinnere mich auch noch an Wattestäbchen in einem kreisrunden, durchsichtigen Behältnis. Die Wattestäbchen hatten oben und unten, jeweils hinter dem weichen und weißen Watteknäuel, das man zum Ausputzen in das Ohr steckte, eine kleine blaue Schleife. Diese Dinge standen alle vor dem Fenster, das sehr hell und ich glaube auch offen war, angerichtet. Ich wollte fotografieren, weil es hier so schön aussah, aber ich getraute mich nicht, wollte erst fragen, ob ich es darf. Auf dem Bett war auch Gepäck. Wir ließen vieles zurück, vor allem die Zahnbürsten, aber die Wattestäbchen wollte ich unbedingt mitnehmen...
Noch ein Traumbild. Da war ein Mädchen, daß mit ihrer Nasenspitze auf ein Buch stieß oder gestoßen wurde. Sie beugte sich herunter und stieß mit ihrer Nase auf das Buch, das senkrecht dastand. Im Traum wußte ich, wer das Mädchen oder die Frau war, ich wußte es ganz gewiß, nur jetzt weiß ich es nicht mehr.

 

 

 

Samstag, 15. März 2008

 

 

 

Ein Alptraum. Da waren zwei schreckliche Wesen, die sich daran erregten, die schlimmsten Erfahrungen zu durchleben. Sie hungerten danach und lechzten immer nach mehr. Schon letzte Woche schlimme Alpträume gehabt. Manchmal kriege ich diese Träume gar nicht mehr los und sie beschäftigen mich Tage lang. Frage mich, woher das kommt. Was da alles in mir ist.

 

 

 

Das ist ein Pendel. Womöglich das Foucaultsche. Eine Schöpfkelle hatte sich einst im Traum in ein Pendel verwandelt, in ein Pendel aus wunderbarem blauem Glas, aus venezianischem Glas, das sich nun dreht und dreht wie ein Kreisel. Eine Schöpfkelle, sie war gelb und türkis, sie hing neben anderen Schöpfkellen und die verschiedensten Blütenpflanzen lagen in ihr. Vielleicht war sie in Wahrheit ein Füllhorn gewesen. Drei Schöpfkellen hingen in einer Reihe, darunter hingen noch einmal drei. Gleich Tönen auf der Tonleiter.

 

 

 

Reif. Vogelsang. Weiß. Milch und Nebel.

 

 

 

Sah einen Film über Erben. Über Menschen, die gestorben waren und über ihren Nachlaß. Eigentlich wollte ich nur kurz den Fernseher anschalten, vielleicht die Nachrichten sehen, aber dann fand ich es interessant, was die verschiedenen Erben zu sagen hatten, was sie dachten, was sie vom Leben erwarteten, wie sie es führten. Es waren vorwiegend Industrielle, Adelige, große Vermögen, welche auch sehr viel Verantwortung mit sich brachten, um die es in dem Film ging, aber es wurden auch Schicksale von Menschen aufgezeigt, die einsam und verlassen mit Schulden starben. Also sah ich diesen Film unterbrochen von langen Werbepausen bis ganz zum Schluß an. Und am Ende, ganz zuletzt, kam auf einmal ein Beitrag über Herrn S. Jetzt, nach diesen Jahren, nach diesem Film am Karfreitag, sah ich ihn unerwartet wieder auf dem Fernseher. Er hat nun seinen ganzen Besitz an seine Kinder übergeben. Sah ihn reden, auf die Fragen der Journalisten antworten. Die Farbe seiner Augen. Die beiden Jungen. Die Familie am Tisch. Es gab Bratwürste und Kartoffelbrei.
Er sagte in etwa, daß er jetzt ein freier Mann sei, denn ihm gehöre nichts mehr und er hat auch nichts mehr zu sagen.
Konnte lang nicht einschlafen, aufgewühlt. Betrachtete den Nachthimmel und das sich ständig durch das Geäst der Erlen verwandelnde Licht der gegenüberliegenden Straßenlaterne.

 

 

 

Sonntag, 16. März 2008

 

 

 

Eine große mausgraue Feder lag im Traum unter der Weide im Gras. Genau unter dem Ast, an welchen ich gestern Nachmittag eines der Vogelhäuschen aufgehängt habe. Es muß ein sehr großer Vogel gewesen sein, der sie verloren hat. Vielleicht hat der Vogel sie absichtlich verloren, sie absichtlich dort in das Gras gelegt? Vielleicht ist sie ein Zeichen?
Ich denke, sie ist ein Zeichen. Sie bedeutet etwas. Etwas, wie ein Gruß vielleicht. Sie bedeutet, daß er da war.
Daß ich an diesem Platz ganz nahe des Bachs unter den Ästen der Weide meine Hütte errichten werde. Meinen Schlafplatz. In dem Frühlingsgras. Inmitten der Dotterblumen, der Windrosen und der gelben Sterne. Und wenn der Wind weht, werde ich seinen Gesang hören.

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 17. März 2008

 

 

 

Denke die ganze Zeit daran. Aber jetzt ist der Brief auf der Post und ich kann es nicht mehr rückgängig machen, ihn nicht mehr neu schreiben. Und vielleicht ist die CD leer, stand plötzlich auf der Heimfahrt in meinem Kopf, denn ich vergaß noch einmal zu kontrollieren, ob auch alle Dateien korrekt aufgespielt worden sind. Und ob der Brief rechtzeitig ankommt? Das habe ich auch nicht bedacht, eigentlich bin ich viel zu spät dran, ist die Zeit viel zu knapp. Schon gestern Abend schrieb und änderte ich an der Email, welche ich ursprünglich schicken wollte. Schrieb und änderte seit Wochen.
In der Nacht träumte ich von einer Zeichnung, die sich auf einmal am Ende der Email befand, als ich sie auf dem Bildschirm noch einmal las und sie langsam herunterscrollte: Unter der Zeichnung des Bucheinbandes aus schwarzem Leder, welche ich eingefügt hatte, war auf einmal eine Zeichnung von einem rosafarbenen Engel mit rosafarbenen Flügeln, der wie schlafend dasaß. In seinen beiden Händen hielt er etwas auf seinem Schoß. Im Traum sah ich nicht genau, was er hielt, es war eine weiße, kreisrunde Fläche, eine Kugel, die aber ganz leer war. Eine weiße Kugel mit nichts darin. Als hielte er eine Kugel vor seinen Nabel, einen Ball. Es war ein sehr schönes Bild, das Friede und Ruhe ausstrahlte und mich froh stimmte.
Vorhin begann ich mit dem Malen. Ich überlegte, wie ich es male, was ich in die Kugel hinein malen könnte, was darin sein könnte. Ich könnte ein kleines Kind in seine Hände hinein malen. In den weißen Ball. Ein kleines Baby. Ja, ein kleines Baby könnte darin sein. Der rosafarbenen Engel behütet das Kind.
 ... Nun taucht eine mögliche Bedeutung auf. Denn ich fügte heute Mittag dem Brief noch einen Satz hinzu. Erst vergaß ich den Gedanken, der da so angeflogen kam, auf einmal wieder, konnte ihn plötzlich nicht mehr fassen, doch dann erinnerte ich mich und schrieb ihn nieder.
Die Kugel erinnert mich auch an den Energieball aus dem Tai-Ji, an das Qi.

 

 

 

Rosa

 

 

 

Nacht ist jetzt und alle meine Engel schlafen...

(1. Gesang)

 

 

 

Mittwoch, 19. März 2008

 

 

 

Hatte ein Art Wachtraum, in welchem mir mein Freund mit seinem Finger die Wirbelsäule langsam von unten nach oben hinauf gefahren ist. Aber nicht ganz bis nach oben, plötzlich sprang er, stoppte er irgendwie. Da war ein Hindernis. Ich glaube, in Höhe der Schulterblätter war das, da sprang er, wenn ich mich recht erinnere, nach links ab und drückte dort mit seinem Finger fest mitten auf einen bestimmten Punkt in meinem Schulterblatt. So, als wolle er mir etwas zeigen, auf etwas hinweisen, was an dieser Stelle war. Das Ganze geschah zwei Mal und ich erschrak jeweils sehr

 

 

 

Zum Abschluß der Tai Ji-Stunde haben wir wieder “den Baum” geübt. Ich mag das sehr, bin froh in den Stunden. Mittlerweile fühlen sich meine Hände während der Übungen sehr belebt an und ich spüre sogar bei den Schritt- und Bewegungsfolgen ein regelrechtes Fließen, obwohl alles noch recht ungelenk wirkt und mein Mund manchmal ganz verkrampft ist. Ich mag die Atmosphäre in den Stunden, in der Gruppe, und wir lachen viel. Zum Abschied verneigt sich Richard, unserer Lehrer, stets tief vor uns und wir verneigen uns tief vor ihm. Er wünschte uns frohe Ostern und machte eine wahre Bemerkung über die tiefere Bedeutung der kommenden Tage.
Doch, es ist schon Überwindung nach der Arbeit noch einmal in die Stadt zu fahren.
Im Mai veranstalten Tina und Kevin aus unserer Gruppe (wir sind momentan neun) zusammen mit unserem Lehrer ein offenes Tai Ji-Wochenende im Thüringer Wald, woher sie auch stammen. Fast alle haben zugesagt teilzunehmen. Andreas will auch mitkommen und teilnehmen. Er hat es mir zum Geburtstag geschenkt. Wir werden bei entsprechendem Wetter im Freien üben und auch einige Wanderungen unternehmen. Ich freue mich schon sehr darauf.
Und dann fahre ich auch noch zu einem Seminar über den Isenheimer Altar. Darauf freue ich mich auch schon sehr und bin aufgeregt. Ich kenne ihn bisher ja nur von Bildern, habe ihn noch nie im Original gesehen.
Als ich am Vormittag mit dem Auto unterwegs war, fiel mir auf einmal wieder Meister Eckehart ein. Ich hatte auf einmal das Gefühl, daß das genau die richtige Osterlektüre für mich sei, ich während der Feiertage einmal wieder einen Blick in das Buch mit seinen Predigten werfen könnte. Ich habe es schon sehr lange - mein damaliger Freund hat es mir einmal zum Geburtstag geschenkt - und noch nicht oft hineingesehen. In der Regel zufällig eine Seite aufgeschlagen und zu lesen begonnen. Meist, wenn ich in einer bestimmten Stimmung war. Kostbare Momente. Seine Predigten sind wahrste Verheißung, lichthell, sie weiten einem das Herz. So empfinde ich das. Immer noch, immer noch aktuell, obwohl sie aus dem 14. Jahrhundert stammen. Als ich in der Mittagspause schnell die Tageszeitung durchgeblättert hab, sprang mir der Merkspruch des heutigen Tages ins Auge, er war von ihm. Er lautete: “Und plötzlich weißt Du, es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.

 

 

 

Engel

 

 

 

Donnerstag, 20. März 2008

 

 

 

Beim Einschlafen ein Traumbild einer Hand, oder waren es zwei Hände sanft übereinandergelegt. Aber ein dickes Seil, eine Schlinge, war um das Handgelenk gelegt worden. Die Hand ist gefesselt. Gebunden. Gefangen.
Dann sah ich noch eine sehr handtellergroße, schwarze Spinne mit dicken Beinen bei der Heizung, bei dem Heizkörper. Als ich sie sah, krabbelte sie eilig die Wand hinter den Röhren hinunter.

Ein Brief liegt auf dem Boden vor meinem Bett. Es ist ein langer Umschlag, er ist aprikosenfarben. Auf dem Umschlag ist die Adresse geschrieben, die Schrift gleicht der Schrift meiner alten Kinderfreundin. Der Brief liegt so, daß ich vom Bett aus die Adresse auf den Kopf stehend sehe. Und da war eine Frau mit einer riesigen Blume neben sich. Die Blume überrage sie bei weitem. Es war eine Gerbera. Die Frau stand links und die große Blume war rechts von ihr. Die Frau trug einen blauweiß gemusterten, langen Rock und hielt die Blume mit ihrer linken Hand.
Zwei Plastikschalen voller schöner Erdbeeren wurden gereicht...

 

 

 

 

 

 

Heute war ich vor der Arbeit beim Friseur und bekam dort ein Ei geschenkt. Ein glänzendes, lilafarbenes Ei.
Andreas hat es dann später aufgegessen.

 

 

 

Ja, das stimmt, ich habe zwar hingeklickt und gelesen, ließ das aber in seiner ganzen Tragweite nicht an mich herankommen.

 

 

 

“(...) Dabei erledigen die Fernspäher der Bundeswehr wichtige und teilweise gefährliche Aufgaben hinter den feindlichen Linien. Fernspäher agieren zielgerichtet und brillieren dabei durch Willensstärke und Disziplin. Ihre Aufgabe ist es, möglichst frühzeitig exakte Informationen über feindliche Kräfte wiederzugeben. Fernspäher bewegen sich in der Regel nachts in kleinen Einheiten, um nicht entdeckt zu werden. Im Ernstfall halten die Soldaten bis zu zwei Wochen die Augen offen, um die Absichten des Gegners kennenzulernen. (...)”

Dies las ich auf Seite 6 Deutschland/Europa und die Welt in der hiesigen Tageszeitung. Der Redakteur schreibt hier über das Buch “Das Auge des Heeres”, das Chrisin-Désirée Rudolph (Motorbuch-Verlag) über die “lichtscheue Eliteeinheit der Bundeswehr” geschrieben hat. Der Text liest sich für mich fast so, als stände Deutschland bereits in einem Krieg.
Ob die Tageszeitung auch einen Gedichtband mehrspaltig auf Seite 6 besprechen würde? Oder ein Buch über die Gestaltung und die Pflege eines Gartens?
Aber Europa und die Welt, das ist doch kein Gedicht. Europa und die Welt ist kein schöner Garten. Oder? Europa und die Welt, das ist die “harte Wirklichkeit”. Oder?

 

 

 

Tapferkeitsmedaillen sind wieder in Mode.

 

 

 

Karfreitag, 21. März 2008

 

 

 

Ich hatte einen Traum, in dem neben den beiden Katzen noch ein drittes Tier bei mir Zuhause lebte. Es steht gerade auf meinem Sofa, während die beiden anderen Katzen irgendwo in einiger Entfernung auf dem Boden sitzen. Es sieht ein wenig ungewöhnlich aus. Es hat ein wuscheliges, orangeschwarz getigertes Fell, ist vielleicht so groß wie die kleine Katze und gleicht von seinem Aussehen eigentlich auch ein wenig einer Katze. Bis auf sein tigerhaftes Fell. Sein Rumpf hat eine längliche Tonnenform. Aus seinem Gesicht blicken zwei grünschwarze Kugelkulleraugen groß in die Welt hinaus und mitten auf seinem Kopf, vorne auf der Stirne, da hat es einen seltsamen, dünnen Fortsatz, der da herausgewachsen war. Dieser Fortsatz ist nicht mit Fell bedeckt und sehr beweglich. Er ist so etwas wie eine lange, hochempfindliche Antenne, ein Fühler. Oben, an seinem Ende, hat dieser biegsame Fühler eine Verdickung. Vielleicht sitzt dort ein Sensor. Oder es ist so, wie bei einem Leuchtkäfer. Und dieses kleine Tier verfärbte sich auf einmal, ohne das ich einen Grund dafür erkennen konnte, mit seinem ganzen Körper apfelrot. Sein Fell war auf einmal verschwunden, es stand sozusagen nackt da, und seine nun sichtbare und sehr glatte Haut glühte apfelrot! Errötet tief und vollkommen. (Aber das verstand ich während des Traumes nicht, vielmehr beobachtete ich sprachlos das Tier und diese seltsame Veränderung an ihm.)
Das passiert, wenn es sich aus irgendeinem Grunde aufregt oder erschreckt. Dann geschieht diese seltsame Verwandlung mit ihm.
Und was hat es so aufgeregt?

In einem anderen Traumfragment tat ich einige Papierschnipsel aus dem Buch in den schwarzen Abfalleimer unter meinem Schreibtisch. In den Apfeleimer. Es waren drei eher dunkle Papierschnipsel, nicht herausgeschnitten sondern irgendwo herausgerissen, so wie ich sie für die Collagen verwende. Ich warf sie weg. Doch da sah ich, daß auf dem letzten der drei Schnipsel, er war ganz schwarz, eine gelbe Butterblumenblüte aus dem Papier gewachsen ist.

 

 

 

Vor der Türe ein Lavendelzweig auf dem nassen Asphalt.

 

 

 

“Ich nehme ein Becken mit Wasser und lege einen Spiegel hinein und setze es unter den Sonnenball; dann wirft die Sonne ihren lichten Glanz aus der Scheibe und aus dem Grunde der Sonne aus und vergeht darum doch nicht.
Das Rückstrahlen des Spiegels in der Sonne ist in der Sonne (selbst) Sonne, und doch ist er (= der Spiegel) das, was er ist.
So auch ist es mit Gott. Gott ist in der Seele mit seiner Natur, mit seinem Sein und
mit seiner Gottheit, und doch ist er nicht die Seele.
Das Rückstrahlen der Seele, das ist in Gott Gott, und doch ist sie (= die Seele) das, was sie ist. (...)”

Meister Eckehart, Deutsche Predigten und Traktate (aus Predigt 26)

 

 

 

Das alte Traumbuch ist voll und ich werde heut ein neues anfangen. Das neue Traumbuch hat einen sehr schönen Einband mit einem siebzackigen roten Stern in der Mitte, von dem geschwungene rote Linien in alle Richtungen ausgehen. Freue mich schon.
Am Abend habe ich Fernseh geschaut. Ich sah die Karfreitags-Prozession in Lohr am Main. Es gab eine Holzstatue von Jesus, er kniete auf den Boden und seine Hände waren ihn mit einem dicken Tau gebunden, das einer der Soldaten hielt. Immer wieder diese Hände, aneinander gefesselt, mit dem dicken Seil.
Später noch das Evangelium nach Matthäus und danach einen Film über einen kleinen Ort in Ligurien. Alle Dorfbewohner führen zu Ostern ein Passionsspiel über das Leben Christi auf. Der Mann, welcher in diesem Jahr Herodes spielte, sagte in einem Interview, daß er sehr gerne den Herodes spielen würde, er diese Rolle liebte, denn Herodes war ein machtvoller Herrscher gewesen und alle müssen seinen Befehlen gehorchen.
Am Ostersonntag, nach der Kirche, wurden dann zwei große Laternen aus hauchdünnem Papier gefüllt mit vielen bunten Luftballons in den blauen Mittelmeerhimmel steigen lassen. Das fand ich faszinierend. Diese riesenhaften, bauchigen Flugobjekte, wie sie zum Himmel stiegen. Vielleicht ein Teil von einem selbst, das erlöst davon schwebte.

 

 

 

Samstag, 22. März 2008

 

 

 

Heute hatte ich einen schönen Traum. Ich trat durch das Tor der Werkstatt in den leeren Hof hinaus und blickte um mich. Sah unser Haus. Den hellen Himmel. Es hatte gerade geregnet und der Asphalt glänzte noch feucht. Und es gab kein Außen mehr und kein Innen, nur noch Eines. Mit meinen beiden Beinen stand ich fest auf dem Erdboden. Ich war sehr froh, weil ich jetzt fest war, weil ich fest in mir selbst verankert war, weil ich das Falsche, meinen Irrtum, “durchschaut” und das, was ich vergessen, verloren hatte, wiedergefunden habe. Und das Außen, das zugleich innen war, war ebenfalls von einer stillen Freude getragen. Denn das, was “ich” war, war etwas Schönes, konnte gar nichts anderes sein als schön, weil es ja “ich” war, die es ständig neu erschuf, erschaffen konnte. Alles was mich umgab, was in mir war, das strahlte regelrecht, als würde es von einem Raum, der jenseits lag, durchleuchtet. Und ich fühlte mich nicht mehr am falschen Platz, denn ich wußte, daß stets an dem Ort, an welchem ich gerade war und an welchem ich jemals sein werde, meine Heimat, mein Zuhause war.

 

 

 

 

 

 

Dachte über meine Vergangenheit nach. Erinnerte ich mich wieder daran, daß ich gerne Modedesignerin geworden wäre, das war lange ein Traumberuf von mir gewesen. Ich habe heute noch die alten Zeichnungen und auf dem Dachboden lagern in einem große Karton alle möglichen Kleider, welche damals meine Schwester und ich zusammen genäht haben. Menschen phantasievoll einkleiden. Meine damalige Freundin und ich hatten zusammen ein eigenes Label mit einem eigenen Katalog und wir haben sogar eine Modenschau organisiert. Später fragte meine Freundin manchmal nach den Fotos, die bei mir Zuhause lagen. Doch ich antwortete ihr, daß ich sie nicht habe. Ich wollte nicht, daß sie sie besäße.

 

 

 

 

 

 

In der Türkei träumte ich eindrücklich von einer Brücke. Da war eine alte Straße gepflastert mit weißen Steinen, die stieg an, machte eine 90-Grad-Biegung nach links und mündete in eine sehr schöne, halbbogenförmige Brücke aus dem selben weißen Stein. Die kleine Brücke, sie erinnerte mich ein wenig an die malerischen und kunstvoll verzierten Brücken Venedigs. Unser türkischer Führer, Herr V, machte sich zu meinem Erstaunen an einem Gully zu schaffen, welcher in der Linkskurve war, am äußeren rechten Rand. Er kniete mit einem Bein vor dem Gully, das andere hatte er, soweit ich mich erinnern kann, aufgestellt, und hantierte am Rost. Hob es hoch oder hob es an, vielleicht, um zu sehen, was darunter war. Oder vielleicht war der Kanal verstopft? Nun befand ich mich auf der Brücke. Auf der anderen Seite wuchsen drei oder vier mächtige Zypressen in den blau durchsonnten Himmel, in dem keine einzige Wolke zu sehen war. Die Zypressen waren dunkelgrün - ich habe noch nie so große und starke Zypressen gesehen - und der Himmel so blau. Sie wirkten sehr erhaben und ihr Anblick stimmte mich froh.
Es war ein Bild voller Hoffnung und Verheißung.

 

 

 

Ostersonntag, 23. März 2008

 

 

 

Jemand lief vor mir her und ich ihm nach. Durch den feuchten Wald. Er zeigte mir den Weg. Es war ein Junge, der sich im Wald auskannte. Ein Junge des Waldes. Ich sah seine nackten Füße vor mir, welche mit schwarzem Schlamm vollgespritzt, von dem feuchten und dunklen Boden ganz schmutzig waren, die dünnen, bloßen Waden, wie sie eilten. Und ich hinterher, denn ich wußte, an ihn mußte ich mich halten.
Ein Brief an mich. Ein Luftpostbrief aus Italien mit einer schönen Briefmarke darauf lag am Morgen rechts neben meinem Traumbuch auf dem Bett.
Zwei flötespielende Männer in weißen Gewändern vor mir...
Ein nackter Mensch, steht gebückt vor einem Tisch und hat sein Haupt müde darauf gelegt. Ein Gebeugter der Erde. Sein magerer Leib war vollkommen ausgemergelt. Vor dem Einschlafen hatte ich noch ein anderes Traumbild von den Gebeugten der Erde. Daß die Hände sich erheben. Sie waren teilweise gefesselt. Gefesselte Hände streckten sich flehend nach oben in den Himmel.

 

 

 

Das Sternenkind
Ein Märchen von Oscar Wilde

 

 

 

Ostermontag, 24. März 2008

 

 

 

Lese nun doch ein anderes Buch.
Es erinnert mich so sehr an Shikasta.

 

 

 

 

 

 

Die schmalen Schatten der Birken auf dem Grün der Wiese sind nicht schwarz sondern weiß in das Gras gemalt. Weiß von Schnee. Von Reif. Von Eis. Kristallisierte Zeichen. Weiß im Grün. Weißer Garten, weißes Paradies. Weißes, zartgliedriges Netz aus Ästen und Zweigen liegt da, mitten am Vormittag. Rankt zwischen den Halmen. Umarmt die Tulpe, den Kreis aus Steinen und lockt die rote Amsel nahe heran. Spielt sterbend mit dem Licht. Moos zittert. Der Schatten schmilzt, wird dünner und dünner.

 

 

 

 

 

 

Fuhr zu einem Ort, von dem ich in der letzten Woche geträumt hatte. Ich träumte das Wort Tagesausflug und den Namen des Ortes. Also fuhr ich heute hin, raffte mich auf. Die Sonne schien, doch es war eisigkalt und ich mußte mich regelrecht überwinden, dort angekommen aus dem Auto zu steigen. Vor der Kirche, deren Fundamente auf das 11. Jahrhundert zurückgehen, erhebt sich eine sehr hohe steinerne Säule aus einem Stern heraus. Der Stern ist begrenzt von einem halbhohen Eisenzaun, in deren Mitte die mächtige Säule steht. Diese sternförmige Einfassung hat mich an Medugorje erinnert. Rosen wuchsen darin. Ganz oben, am Ende der Säule, die Welt, die Weltkugel, darauf stehend: Maria mit dem Jesuskind. Mit strengem Blick, wie ich fand, sah sie auf mich herunter, die ich da unten stand. Rechterhand von dem Platz war ein kleines Haus mit einem Hinweisschild, von dem ein riesiger, goldener Schlüssel schaukelte. Der Schlüssel, da hängt er. Baumelte im Wind. Unten an der Straße ein Geschäft mit Namen “Oase der Engel”. In der Kirche befindet sich eine Schnitzfigur des Heiligen Sebastian aus der Werkstatt Tilmann Riemenschneiders, die recht außergwöhnlich ist. Ein Plakat im Schaukasten des Pfarramtes fesselte meine Aufmerksamkeit, es zeigte ein Gemälde von Martin Schongauer, Noli me tangere. Fasziniert betrachtete ich die Szene, die es darstellte, diesen Jesus, der in dem paradieshaft anmutenden Garten regelrecht schwebte. Daheim durchsuchte ich das Internet nach dem Gemälde, welches mir so gefallen, so einen seltsamen Reiz auf mich ausgeübt hat. Der Gärtner ist’s...
Hinter den Fenstern Orchideen.

 

 

 

 

 

 

Wieder daheim las ich auf dem Sofa und schlief ein. Es war so eine andere Art von Müdigkeit, eine angenehme. Die Buchstaben verschwammen vor meinen Augen und ich legte das Buch beiseite, um mich wohlig auszustrecken.
Ich träumte, daß ein Baum gefällt wurde und ich stand wie ein kleines Mädchen davor. Stand ganz nahe bei dem Baum, um zuzusehen. Meine beiden Hände hinter dem Rücken verschränkt, sehr neugierig. Mein Freund sägte Äste ab. Eine Freundin mag es auch ganz bunt und wir zeichnen zusammen. Auf ihre Vorschläge hin habe ich schon eine Idee, wie es weiter gehen könnte, und fange gleich ganz rechts an, zeichne begeistert und voller Elan ein Muster vor, ein bestimmtes Muster. Ich weiß, daß es ihr auch gefallen wird. Dann ein weißes Lamm rechts an einer Wand. (...)
Ich wurde wacher und träumte weiter, daß ich aus mir heraus trat und ein Stück weit über mir schwebte. Mir wurde irgendwie leichter. Ich trat ungefähr an der Stelle, an der das Brustbein, ist aus mir heraus, von diesem Ort aus, und mir kam es so dann so vor, als schwebte ich vielleicht zwanzig Zentimeter über meinen schlafenden Körper. In meinen Ohren rauschte und brauste es gewaltig. Auf einmal merkte ich aber, daß mein Oberkörper absank, die Beine dagegen noch oben waren. Die Kraft meiner Gedanken half nicht gegen diese Schieflage, so sehr ich es wünschte, im Gegenteil wurde es dann eher noch schlimmer, je mehr ich mich denkend bemühte, mich wieder zu erheben. Ich bemerkte, daß hierfür eine ganz andere Art von Konzentration notwendig war. Etwas konzentrierte sich im ganzen Körper, sammelte sich irgendwie, eine Substanz vielleicht, die in ihm überall vorhanden war. Auf eine Eingebung hin fragte ich, ob da noch jemand sei... aber ich erhielt keine direkte Antwort. Von dieser gewaltigen Anstrengung war ich vollkommen fertig. Ich sah mich, während mein Körper immer noch auf dem Sofa lag, gebückt auf dem Sofa sitzen, mit einer Hand meinen Kopf stützend, die Haare hingen mir wirr ins Gesicht, sie waren recht kurz und dunkelblond, und und ein sehr großer Schweißtropfen hatte sich auf meiner Stirne gebildet.
Draußen schneite es.

 

 

 

Dienstag, 25. März 2008

 

 

 

Wie ist das, wenn die Sonne nicht mehr scheint?
Dann wäre ewig Nacht.
Dann lebte ich im Nachtkleid.
Doch lieber das Tagkleid, das Tagkleid, das ist blau und grün und rot und gelb.
Und das Nachtkleid, das hat keine Farben.
Aber die Sterne.
Aber um die Sterne täte es mir leid. Und um den Silbermond. Wenn ich wählen müßte.

 

 

Denn sein Silber fließt wie Schnee über die wogenden Schattenfalten.
Wünsche mir einen Stern auf der Stirne und einen zweiten, sanft leuchtenden, in meinem Herzen.

 

 

 

Das blaue Herz. Hellblautürkis. Wie das Meer an manchen Sommertagen. Auf einmal erkannte ich in dem hellen Blau viele Gesichter, die hervortraten. Aus der Bläue. Auch die Gesichter waren ganz blau, ihre Haut. Das Gesicht eines Mannes, zum Beispiel. Sie sahen mich an. Wie aus einer anderen Welt.
Es bedeutet auch: Aus dem Herzen.

 

 

 

Ich träumte noch, daß eine Frau eine Türe mit einem riesigen Schlüssel aufsperrte. Und daß ich mir eine kleine Wohnung ansehe, in einem Altbau. Sie liegt im Hinterhaus, ist sehr günstig, klein, aber vor allem sauber. Sie ist möbliert, aber es stehen nur wenige Möbelstücke darin, die eigentlich auch gar nicht schlecht sind. Die Möbel sind alle leer, was wichtig ist, in der ganzen Wohnung liegt nichts Altes herum, und es ist sauber. Kein Staub zu sehen. Hier könnte ich es mir gemütlich einrichten. Ein Fenster geht nach links in einen Hof und das andere nach rechts in einen anderen Hof. Geradeaus nach hinten raus ist die Eingangstüre. Die Wohnung liegt im ersten Stock. Rechts von der Eingangstüre, es ist eine schöne, ältere Holztüre, ist ein Waschbecken, darüber hängt ein Spiegel. Ich denke, daß ich hier einziehen werde. Die Wohnung ist nicht schlecht, ganz schlicht halt, ich habe schon einmal in so einer kleinen Wohnung gelebt. Hier bin ich für mich und ich kann tun was ich will. Das einzige Manko ist, da sie im Hinterhaus liegt, daß sie wahrscheinlich den ganzen Tag über keine direkte Sonne hat. Will ich die Sonne genießen muß ich die Wohnung also verlassen, nach draußen gehen. Das ist das einzige, was ich vermissen werde, die Sonne, wenn sie durch das Fenster scheint. Mein Gesicht im Spiegel. Meine Haare sind sehr fettig. Mache mich fertig, zu den anderen zu gehen... (Ich werde den Tag über immer zu den anderen gehen.)
Noch ein Traum: Rettete wieder zwei Kinder aus dem Bach. In Holzschlappen ging ich durch das lehmbraun gefärbte Wasser, durch den angeschwollenen Bach. Die Kinder waren auf einem Stein mitten im Bach, ziemlich weit auf der linken Seite. Genau in Höhe der Brücke. Ich ging unter der Brücke durch das Wasser zu dem Stein. Und halte gleichzeitig noch den roten Kater in meinen Armen, während ich die beiden Kinder rettete. Das Wasser war bis zu dem Stein ganz sauber und hatte diese typisch grünstahlblaue Farbe, aber ab dem Stein war es auf einmal lehmbraun. Es machte mir nichts aus, in das Wasser zu gehen.

 

 

 

Am Abend, ich lag schon im Bett, hat Yoda der rote Kater erbrochen. Ich erwachte von dem Geräusch und eilte in das andere Zimmer. Da sah ich einen großen Haufen auf dem Boden. In den von den Magensäften bereits aufgeweichten Trockenfutter bewegte sich etwas. Dieses Etwas war sehr bleich und platt wie ein Band, vielleicht über einen Zentimeter breit und sehr sehr lang. Es lag ineinander verschlungen da, lebendig. Er hatte einen Wurm erbrochen, ganz offensichtlich einen Bandwurm, den ersten Bandwurm, den ich in meinem Leben sah! Während ich den Wurm betrachtete dachte ich stöhnend: “Du hast also in dem Bauch der Katze gelebt!” Konnte es mir kaum vorstellen, kaum fassen, denn der Wurm war so lang und so groß. “Yoda”, dachte ich entsetzt, “Yoda, was ist da wohl noch alles in dir?”
Yoda der Kater saß derweil mit großen Augen vor der Korridortüre und wollte möglichst schnell raus, weg, ohne sich im geringsten um die Bescherung zu kümmern.
Faste mir ein Herz und begann mit viel Toilettenpapier alles aufzuputzen. Spülte den Wurm die Toilette runter. Aber vielleicht war das ein Fehler? Vielleicht hätte ich ihn zur Tierärztin bringen sollen, damit sie ihn begutachtete? Vielleicht war er gefährlich? Doch allein nur der Gedanke, ihn irgendwie aufzuheben zu müssen und in eine Gefäß zu tun erschien mir ganz undurchführbar. Dann wischte und desinfizierte ich den Boden mit Reinigungsmittel.
Der Vater meines Freundes erzählte vor ein paar Jahren einmal, daß er eindrücklich von einem Bandwurm geträumte hatte, der in ihm war und der dann, glaube ich, auch aus seinem Rachen herausgeschaut hatte. Ihn lachend ansah.

 

 

 

Mittwoch, 26. März 2008

 

 

 

Im Traum aß ich selbstgemachten Quark. ... Ich zog ein neues Kleid für jemanden an, es war ein Samtkleid in einem gedämpften rot. Es mutete vom Schnitt griechisch oder römisch an, war vorne elegant gerafft. Es war ärmellos und recht kurz. Man muß schlank sein, daß es einem steht. ... Aß Brot mit Leberwurst.

 

 

 

Donnerstag, 28. März 2008

 

 

 

Ich träumte, daß eine Hand die verblühten und mittlerweile etwas vertrockneten rosaroten Rosenblüten an einem Rosenstöcklein abschneidet. Da kommen auf einmal sonnengelbe, ganz flaumige Federn zwischen den dunkelgrünen Rosenblättern zum Vorschein. Es ist eine Blütenknospe aus gelben Federn! Die Hand streicht vorsichtig darüber und hält diese ganz ungewöhnliche Knospe für einen Moment so, als würde sie sie liebevoll betrachten.
Was wohl aus einer Federknospe geboren wird, wenn sie sich einmal öffnet, erblüht? Ein Kolibri? Der Herzvogel.

 

 

 

Freitag, 29. März 2008

 

 

 

Gestern Abend gepackt. Davor den Film Taxi zur Hölle angesehen.
Legitimiert ein Papier, auf dem steht, was erlaubt ist und was nicht, ein Tun? Das fragte ich mich. Wie stark muß man sein, da auszubrechen?
Um anders zu handeln. Um richtig zu handeln.
Erschreckend schon die äußere Diskrepanz des Lebens der Menschen in den Ländern. Auf der einen Seite die wohlgenährten Amerikaner, gut gekleidet, von Luxus umgeben - wir - und auf der anderen Seite Menschen in äußerster Armut lebend. Der Feind, gegen den Krieg geführt wird. Krieg gegen den Terrorismus.
Am Vormittag habe ich noch neben Büroarbeit, Putzen und alles schnell fertig machen ein Auto in der Stadt abgeliefert. An der Tür hing ein Schild: Komme gleich wieder und in dem Schaufenster daneben standen zwölf Holzbüsten der Apostel aufgereiht, in der Mitte Jesus. Die betrachtete ich. In dem zweiten Fenster stand eine große Marienfigur. Bekam drei Gläser Honig geschenkt.
Auf der Hinfahrt gerieten wir bei Würzburg wegen einer Baustelle in einen Stau. Dann sah ich vier Rehe ganz nahe der Autobahn in einem Feld grasen. Das sah wunderschön aus. Und es war auch etwas Schlimmes: Ein schwarzes Auto, ein Van, überholte mich im strahlenden Sonnenschein des Freitagnachmittages und da kam zur gleichen Zeit ein großer Greifvogel von rechts oben majestätisch herabgeflogen. Der Greifvogel nahm anscheinend das Auto nicht wahr und der Fahrer des Wagens auch nicht den Greifvogel. Keiner von beiden schien den anderen zu bemerken. So prallte der große Vogel mit voller Wucht oben links gegen die Scheibe des fahrenden Wagens und die Federn flogen! Ich dachte: Oh mein Gott! Das Auto fuhr weiter, als wäre nichts gewesen, ich fuhr vor Schreck langsamer, bremste ab, und der Fahrer des weißen Transporters hinter mir, ich sah es im Rückspiegel, hob deshalb lamentierend die Hände. Am liebsten hätte ich angehalten und nach dem Vogel gesehen.
Wir fuhren dann über Straßburg, weil auf einem Banner, das an einer Brücke über die Autobahn gespannt war, in schwarzer Schrift auf orangefarbenem Grund “Stau” stand. In Straßburg steckten wir im Feierabendverkehr fest, doch das letzte Stück flogen wir dahin. Ich rief Andreas zu: “Wir müssen raus, die Ausfahrt, wir sind schon da!” In letzter Sekunde riß er das Lenkrad nach rechts und bog ab. Ausfahrt Nummer 23, nahm ich gerade noch aus den Augenwinkeln wahr.

 

 

 

Beim Einschlafen war ich immer noch aufgeregt von dem Tag und von dem Abend. Vom gemeinsamen Abendessen in diesem Lokal mit den vielen kleinen Hexen, die überall von der Decke hingen. Wir aßen Flammkuchen. Eine Dame mir gegenüber erzählte, daß sie Frau Haich über lange Jahre hinweg jeden Sommer besucht hat. Ich horchte fasziniert. Sie erzählte noch, daß sie stets nach Meran in den Urlaub fahre, wegen der schönen Kirchen dort. Ich verstand: wegen der Kirschen. Was für ein schöner Vergleich. Den Kirchen gleichen manchmal roten Kirschen. Zumindest in der Traumbildsprache.

Hörte Vogelgezwitscher beim Einschlafen. Einmal sang ein Vogel alleine, dann meinte ich wieder, mehrere zu hören. Er sang in meinem Ohr. Ein Rotkehlchen.
Ich träumte, daß entlang der französischen Autobahn zwischen Straßburg und Colmar, auf der wir fuhren, am Grasrangen, viele viele Schafe grasten und herumsprangen. Ich fuhr und fuhr und am Rand der Straße standen immer wieder Schafe. Dann träumte ich von einem bestimmten Vogel, genauer gesagt von einer Zeichnung dieses Vogels. Allerdings war die Zeichnung quer, so daß seine Füße rechts waren und sein Kopf links. Der Vogel, sein Umriß, war schwungvoll mit schwarzer Tusche gezeichnet und in dem Leib des Vogels waren viele arabisch anmutende Schriftzeichen in schwarz und weiß hineingeschrieben. Er hatte so einen langen und gebogenen Schnabel und sein Leib war etwas rundlich. Ich glaube, es war ein Ibis. Der Hintergrund war orange.
Eine Frau geht vor mir eine Treppe hinunter. Ich sehe ihre sorgfältig im Nacken auf eine bestimmte Art und Weise zusammengefaßten Haare.
Blätterte durch ein großes Heft oder durch ein großes Buch, alle Seiten waren leer, ganz weiß. Blätterte zurück, also von hinten nach vorne. Da schlage ich eine Seite auf, auf welcher zwei Blumen und zwei Schmetterlinge abgebildet waren. Ein Schmetterling flog in der Luft und der andere saß auf einer der beiden gerberaähnlichen Blüten. Es war eine aufwendige und akkurat ausgeführte Zeichnung in der Art der Darstellungen in alten Botanik- oder Naturkundebüchern. Die linke Buchseite war wieder ganz weiß, allerdings war sie wesentlich breiter als die rechte Buchseite mit der Zeichnung, was ja eigentlich gar nicht möglich sein kann. Die rechte Buchseite mit der Zeichnung hieß, besser gesagt der Titel der Zeichnung mit den beiden Blumen und den Schmetterlingen lautete: “Befreien”.
Noch einmal das aufgeschlagene Buch. Eine kleine rote Kerze brannte davor. Dann der Satz: Er nahm massenweise Erinnerungen mit... . Und der Brotbackkorb. Darin lagen die zwei angebrochenen Beutel Vogelfutter.
Dann noch ein Alptraum, daß Männer Hämmer und Beile nach uns warfen und auch unseren Ford Mustang, mit dem wir unterwegs waren, trafen. Rief die Polizei. Allerdings gab ich ihnen selbst das Fläschen mit dem hochempfindlichen Sprengstoff, das Beweismittel, ich händigte es ihnen selbst aus!

 

 

 

Samstag, 29. März 2008

 

 

 

Die Hände reichen...

 

 

 

Las ich auf einem Grabstein im Kreuzgang des alten Dominikanerinnen Klosters.

 

 

 

Eintritt
in diesen Raum

 

 

 

Für einen Moment glühte die Sonne goldgelb durch die gelbe Blumenrosette des bunten Glasfensters, so daß sie aussah wie ein leuchtender Schmetterling. Ein gelber Schmetterling genau über dem verschlungenen Rankenwerk der dritten Schauseite des Altars. Für uns.

 

 

 

Nach dem Mittagessen beschloß ich, mich auf die Suche nach Schmetterlingen zu machen. Oder besser gesagt sah ich auf einmal überall nur noch Schmetterlinge durch den frühsommerlichen Sonnenschein des kleinen französischen Städtchens schwirren. Ich hatte eigentlich gar keine Wahl.
Überhaupt war dieser ganze Tag voller Wunder und Überraschungen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen.

Einer setzte sich sogar auf den Saum meines Mantels...

“La puissance qui change la vie” stand auf dem Werbeplakat mit der kleinen schelmisch blickenden Meerjungfrau. Im Fenster rechts daneben, kaum erkennbarer, ein kleiner purpurner Schmetterling.

 

 

 

Was ich besonders mochte: Ihre Stimme, wegen der Kopfhörer ganz nahe an meinem Ohr, langsam, mit Bedacht die Worte wählend. Pausen.
Und gleichzeitig die Bildtafeln des Altars betrachten. Mein Herz klopfte.
Der Moment der Stille zu Beginn des Zusammenseins am Abend im Hotelzimmer, bei dem sie uns führte. Sie sprach davon, Dankbarkeit zu empfinden, Dankbar zu sein, daß wir hier zusammen sein dürfen, daß uns das geschenkt wird. Schloß die Augen. Es war ganz anders, als die wenigen Male, wenn ich manchmal für mich alleine versuche in mich zu gehen. Da war wie eine Kraft, ein Sog, bildlich vergleichbar vielleicht mit zwei leuchtend glitzernden, flutenden Strömen rechts und links. Wenn ich ihnen eine Farbe geben dürfte, so wären sie golden, denn so sah ich sie für mich. Mächtige Säulen aus einer wunderbaren Substanz. Gleichzeitig aber floß ein Strom mit tausend Sternen kelchförmig nach oben, ähnlich der geschwungenen Form der Blüte einer Tulpe, und von dort verbreitete er sich weit nach allen Seiten hin, um sich dann langsam wieder herabzusenken. Ein Sternenregen.
Und ich verspürte Dankbarkeit hier in dieser Runde sitzen zu dürfen. Konnte dankbar sein. Fülle.
Segen.
Eine Rose stand in einer Vase auf dem Tisch im Zimmer, um den herum wir alle saßen, und eine Kerze brannte. Ferner zwei Teller. In einem befanden sich große Schokoladekugeln, die in Stanniolpapier verpackt waren, und in dem anderen lagen Nüsse.

 

 

 

In dem Museum Unterlinden hing zu meiner Überraschung auch das Gemälde im Original, welches ich am Ostermontag auf dem Plakat so verzaubert betrachtet habe: Noli me tangere.

 

 

 

Schmetterlingsfliesen und weil das Licht darauf fiel...

 

 

 

Sonntag, 30. März 2008

 

 

 

Im Bett liegend malte ich drei Zeilen in einer Phantasieschrift in das Traumbuch. Malte Kringel und Schleifen, schrieb unbekannte Zeichen nieder. Träumte wieder sehr viel.
Gestern, beim Mittagessen in einem der kleinen Restaurants gleich beim Museum, fiel mir ein Mann auf. Er lief mit anderen über die Straße. Er sah aus wie D. Seltsam, das gibt es doch nicht, zuckte ich innerlich. Daß er hier ist, ausgerechnet an diesem Ort, nach all den Jahren.
Aber vielleicht habe ich mich getäuscht und es war jemand anderes, war es nur eine zufällige Ähnlichkeit. Spazierte durch die Straßen des Städtchens. Über den Markt. Die Stände wurden gerade aufgebaut. Viele bunte Schuhschachteln lagen nebeneinander aufgereiht auf einem unendlich langen Tisch. For you, stand auf einer dieser Schachteln in romantischer Schrift, die mit bunten Blumen bedruckt war. Einmal sah ich Karla, sie saß in der kleinen Straßenbahn und fuhr an uns vorüber. Wir winkten uns zu.
Eine Frau setzte sich dazu, oder saß auf einmal neben uns, gestern, auf der Holzbank vor dem strahlenden Christus der Auferstehung. Sie hatte glatte graue Haare und ich glaube auch hellgraue Augen. Sie erzählte uns, daß sie mit alten Menschen arbeitet und in ihrem beruflichen Alltag oft nicht wisse, ob sie den Menschen, den sie daheim besucht, noch lebend oder bereits tot vorfinden würde. Sie sagte, daß ihr dieses Bild Kraft gäbe, wenn sie vor solch einer verschlossenen Türe stehen und nicht wisse, was sie dahinter erwarten würde. Sie stelle sich vor, daß sie selbst mit dieser Sonne bekleidet wäre, in diese Sonne hineinschlüpfte.

 

 

 

Rosenwind

 

 

 

In dem oberen Fenster spiegelte sich ein Baum, das Laub des letzten Jahres bewegte sich im Wind. Und in den Auslagen darunter hofften kunstvoll verpackte Fische aus Schokolade auf hungrige Mäuler.

 

 

 

Hätte das nicht sagen sollen.

 

 

 

Etwas in den Augen des Anderen sehen. Etwas Zartes. Brauner Glanz. Etwas, das ganz unschuldig ist, etwas, wie ein kleines Kind. Wie ein Licht.
So etwas Unaussprechliches, Reines.

 

 

 

Was war sonst noch? Am Sonntagmorgen tat ich mich schwerer mit dem Aufstehen, war müder.
Bei zwei Gelegenheiten empfand ich ein heftiges Déjà-Vu. Nämlich als wir ein Detail auf dem Gemälde der Auferstehung angesehen haben und als Karla eine Frage zu einem Apostel stellte.
Sie umarmte mich.
Es war das erste Mal für mich, daß ich mit einer Gruppe zusammen war. Mit einer Gruppe, welche die gleichen Interessen verband.
Vielleicht ist es möglich, daß wir einmal wieder zusammenkommen können.
Manchmal, wenn ich Gesagtes oder Handlungsweisen von mir rekapituliere, werden mir meine Grenzen schmerzlich bewußt. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Viel Hartes in mir.
Ich kann mich bemühen.
Am Abend nahm ich mir eines der Hefte zum Lesen mit ins Bett, als Gute-Nacht-Lektüre. Ich überlegte erst, welches ich nehmen sollte, nahm dann das Heft mit dem Titel Sein und Werden, weil ich daran dachte, daß sie es mir ausgesucht hatte. Schlug eine Seite auf und begann zu lesen. Es war die Geschichte von der kleinen Raupe.

 

 

 

Montag, 31. März 2008

 

 

 

Martern, wie mit flehend in den Himmel erhobenen Astarmen. Ein Traumbild.

 

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