margit aum├╝ller

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Dienstag, 1. Januar 2008

 

 

 

 

 

 

Zwischen dem Lesen habe ich wieder von dem kleinen See getr├Ąumt, es war, als ich einmal nahe am Einschlafen war. Jetzt stand ich auf dem Felsen ├╝ber dem See und blickte auf ihn hinab. Da sah ich am linken Ufer ein Tier mit einem braunem Fell und einem langen Schwanz aus dem Wasser kriechen. Zuerst war ich mir nicht sicher, was f├╝r ein Tier ich gesehen habe, deshalb schlug ich nach. Es war ein Fischotter.
Das ist bestimmt ein gutes Zeichen, denn der Otter fri├čt den Wurm.
Und die Fische, die fri├čt er nicht, die l├Ą├čt er in Ruhe. Auch wenn sie seine Leibspeise sind.
Vielleicht stehe ich zu hoch? Zu weit weg.

 

 

 

Mittwoch, 2. Januar 2008

 

 

 

Blumen aus Eis wachsen aus den Zweigen und Ästen, aus dem Gras, aus dem Ziegel, dem Stein, der Rinde und der Wolke.
Aus dem Wasser. Aus dem Atem der M├╝nder. Der Baum bl├╝ht nach S├╝den, winzig kleine, wei├če Sterne. Direkt am Fenster. Er bl├╝ht wieder und die Sterne duften so innig nach s├╝├čer Zitrone und nach italienischer Seife. Die Amaryllis bl├╝ht auch. Sie trieb zwei Mal; aus zwei m├Ąchtigen, eng beieinander stehenden Str├╝nken knospen nun zw├Âlf Bl├╝ten. Kelche wie Milch und Rosenwasser Gesicht an Gesicht neben den schon welkenden Schwestern, deren Sch├Ânheit fast noch subtiler ist.

 

 

 

Freitag, 4. Januar 2008

 

 

 

Das Traumbild eines sehr hohen und sehr schmalen Bauernschrankes aus dunklem Holz. Ein bi├čchen erdr├╝ckend, verschlossen. Unnahbar. Undurchdringlich. In der Mitte der beiden T├╝ren war eine s├Ąulenartige Verzierung und der Schrank schlo├č mit einer geschwungen geschnitzten Blende ab, auf der in der Mitte ein ovales, wie mit einer h├Âlzernen Kordel eingerahmtes Schild in dem selben Holz leicht geneigt befestigt war. Auf dem Schild stand: Ziege.
In der letzten Zeit tr├Ąume ich oft von Schr├Ąnken und jedes Mal erschrecke ich. Weil ich denke: Schr├Ąnke, das ist beschr├Ąnkt. Beschr├Ąnkt. Verschlossen. Zu. Im Schrank verwahrt man etwas, Kleidungsst├╝cke, verschlie├čt man Dinge, er birgt etwas, oder auch nicht. Manche sind auch leer. Verschlie├čt Dinge vor den Augen der anderen.

 

 

 

Ich habe von einem kleinen Olivenbaumzweig mit drei violetten Oliven daran getr├Ąumt, der leicht ├╝ber dem unteren Rand einer Briefmarke lag.
Luftpost bedeutet das bestimmt, die Brieftaube mit dem ├ľlbaumzweig im Schnabel. Land in Sicht.

 

 

 

Ein rosafarbener Fleck an der Zimmerdecke wurde zu einem Blumenstrau├č, zu einer Blume, er verwandelt sich weiter und weiter...

 

 

Traumhand, am Ufer des Schlafes.

 

 

 

Brunnen f├╝r Kambodscha: Spendenaufruf von Claudia Klingler.

 

 

 

Samstag, 7. Januar 2008

 

 

 

 

 

 

Neben dem Einkauf, ein paar T├Ątigkeiten im Haushalt und einer kleinen Arbeit im B├╝ro, war ich fast den ganzen Tag damit besch├Ąftigt, die T├╝rkeifotos f├╝r einen Vortrag im Frauenclub am kommenden Montagabend zu ordnen und auf CD zu brennen. Daten und Material zusammenzusuchen. Las viel Politisches und Volkswirtschaftliches ├╝ber die T├╝rkei, las ├╝ber den Volksstamm der Kurden. Am Abend guckte ich den Film Der Club der toten Dichter, den ich zwar irgendwann schon einmal gesehen hatte, mich aber nicht mehr daran erinnern konnte.

Ich habe von einem m├Ąchtigen Baum getr├Ąumt, von seinem Stamm. Der Stamm war in H├Âhe des Erdbodens voller wabenartiger H├Âhlen. Sie erinnerten mich an Bienenwaben. Ich tr├Ąumte auch von M├Ąnnern, deren H├Ąnde mit hauchd├╝nnen F├Ąden gebunden waren. Mit Angelschn├╝ren. Sie hingen f├Ârmlich daran. Da war ein sogar kr├Ąftiger Mann, er trug ein kariertes Hemd, er hielt seine mit diesem kaum sichtbaren Nylonfaden gebundenen H├Ąnde vor seinen K├Ârper und der Faden f├╝hrte von seinen H├Ąnden von ihm weg. Wie, als w├╝rde er durch diese Schnur irgendwohin gezogen. Als w├Ąre er, sein Tun, von etwas abh├Ąngig. Als w├Ąren seine H├Ąnde durch etwas gebunden. Aber durch wem oder durch was sah ich nicht.
Sp├Ąter tr├Ąumte ich noch von zwei kr├Ąftigen M├Ąnnerh├Ąnden, sie lagen im untersten Fach eines Regals aus dunklem Holz. Auch die Enden der Unter├Ąrmel waren zu sehen, es waren schwarze Unter├Ąrmel, die Unter├Ąrmel eines schwarzen Kleidungsst├╝ckes. Nichts Gestricktes, sondern etwas Gewebtes.

In der Nacht im Halbschlaf hatte ich wieder dieses dringende Gef├╝hl gehabt, da├č ich etwas Wichtiges vergessen hatte, etwas ganz Wichtiges, was ich gestern tun wollte. Dieses Wissen war sehr stark. Schlief wegen der Erk├Ąltung schlecht, fror und schwitzte und der Hals schmerzte.

 

 

 

Sonntag, 6. Januar 2008

 

 

 

“Bist Du wirklich Pfadfinder?” Wir laufen durch einen herbstlichen, lichten Wald. Rechts und links des schmalen Weges stehen schlanke Baumst├Ąmme, teilweise noch mit rotem und gelbem Blattwerk, sonnendurchflutet. Gelb und Gold. Auch der Waldboden ist mit gelbem Laub bedeckt. Zwei Jungen laufen vor mir her. Ein eindr├╝ckliches Traumbild.

 

 

 

Gerade hat es an der T├╝re geklingelt und die Heiligen Drei K├Ânige standen davor. Sie kamen sogar ins E├čzimmer. Sie sangen mir, da├č sie Friede und Liebe bringen. Ich war sehr ger├╝hrt, w├Ąhrend ich dastand und sie noch ihr Gedicht vortrugen. Das goldene Gef├Ą├č mit dem Weihrauch schwang hin und her, so da├č das ganze Zimmer duftete. Meine Nichte, sehr rot im Gesicht, war auch ein Sternsinger - sie trug den Stern, wenn ich mich recht erinnere - und der Mohr fragte nach der kleinen Katze. Er war es, der mich damals zu ihr gebracht hatte. Ich sagte ihm, da├č sie leider nicht mehr am Leben ist. Ihre weiten Umh├Ąnge bl├Ąhten sich wie Segel, himmelblau, sandbeige, als sie die Treppe zur Haust├╝re hinunterschritten.

 

 

 

“Mit der zur Verf├╝gung gestellten Finanzausstattung wird sichergestellt, da├č die notwendigen Investitionen in eine moderne auftragsad├Ąquate Ausstattung der Streitkr├Ąfte und somit die begonnene Transformation der Bundeswehr zu einer ÔÇ×Armee im Einsatz“ fortgesetzt werden k├Ânnen. Die dem Bundesministerium der Verteidigung zur Verf├╝gung gestellten Haushaltsmittel tragen dabei der ver├Ąnderten sicherheitspolitischen Lage Rechnung.” Quelle

 

 

 

Was ist darin?
Eine Welt.
Perlmutt.
Geschichten vom Menschen.
R├╝hrselig preisen dich die Wogen am Abend und der Verlust deiner Tr├Ąnen stimmt dich froh.

 

 

 

Die gr├╝ne Sonne

 

 

 

Dienstag, 8. Januar 2007

 

 

 

Jemand, ein Mann, schenkte mir ein Getr├Ąnk ein. Er schenkte mir eine milchigwei├če Fl├╝ssigkeit aus einer langen, sehr schmalen und eckig geformten Glasflasche in ein geschwungenes Glas, das bereits halbvoll mit Wasser war. Er hielt mir das Glas an seinem Stiel genau vor mein Gesicht. Ich h├Ârte sogar das Ger├Ąusch, das Gluckern der Fl├╝ssigkeit, wie sie aus der Flasche in das Glas lief. Er reicht es mir.
Sah auch seinen ├ärmel, einen wei├čen Wollpullover. Ich erschrak.
Olivenb├Ąume, die Wipfel bl├╝hender Olivenb├Ąume an einem Abhang von oben. Sie haben unz├Ąhlige winzig gelbe Bl├╝ten. Sonnenbeschienen. Dann gr├╝ne Thuja...

 

 

 

Ich tr├Ąume, da├č ich wieder an einem Rennen teilgenommen habe. Ich sah mich in meinem ersten Rennoverall. Und da war auch wieder dieses Gef├╝hl, das man hat, wenn man “vorne mit dabei ist”.

 

 

 

Gestern Abend, der Vortrag, hat mir Freude gemacht. Auch wenn er nicht perfekt war und ich ab und an Probleme hatte, mich auszudr├╝cken. Erst wollte der Beamer nicht, aber gerade noch rechtzeitig klappte die Kommunikation mit dem Laptop. Vor allem die Fotos sind gut angekommen. Christiane hat sich ausdr├╝cklich bedankt, weil es ihr so gefallen hat. Das freute mich besonders, denn ein Lob von ihr bedeutet mir viel. Daheim angekommen, es war schon elf, war ich immer noch ganz aufgedreht und konnte lang nicht einschlafen. Bevor ich einschlief hoffte ich auf einen Hinweis, einen Traum. Und dann tr├Ąume ich unter anderem vom Autorennen. Heute morgen um sechs als der Wecker klingelte mu├čte ich mich zwingen, da├č ich aus dem Bett kam.
Wo ich mir doch f├╝r heute so viel vorgenommen hatte. Ich wollte neben der Arbeit soviel tun, abkl├Ąren, neu anfangen, und erwartete f├╝r diesen Tag auch so etwas wie ein Wunder.
Ich habe sogar eine kleine Liste von allem geschrieben, damit ich ja nichts vergesse.
W├Ąre erst am liebsten m├╝de liegengeblieben.
Ich habe mir vorgenommen, da├č ich versuche jeden Morgen den Sonnengru├č zu machen. Soweit ich ihn kann. Dann habe ich mir vorgenommen, soweit es m├Âglich ist, jeden Tag eine halbe Stunde in mich zu gehen, mich zu sammeln, mich zu konzentrieren und zu meditieren.
Ich habe auch Frau H geschrieben.
 ...Tat das andere noch nicht. Denn, wie kann ich etwas tun, von dem ich nicht wei├č, wie? Und wenn ich es w├╝├čte, w├Ąre es nichts wert, eben weil ich es wei├č. Mu├č r├╝ckw├Ąrts gehen.

 

 

 

(...)

Etwas ist geschehen,
es geschieht immer noch.
Es ist verbindlich!
Es war in der Nacht,
und es ist jetzt am Tag.
Jetzt erst recht.
Wer war wer?
Ich war in ihr …
und sie war um mich.
Wer auf der Welt kann
Von sich behaupten,
er war je mit einem anderen
Menschen zusammen?
Ich bin zusammen.
Kein sterbliches Kind
wurde gezeugt,
sondern ein unsterbliches gemeinsames Bild.
Ich habe in dieser Nacht
das Staunen gelernt.
Sie hat mich heimgeholt,
und ich habe
heimgefunden.
Es war einmal.
Es war einmal,
und also wird es sein.
Das Bild, das wir gezeugt haben,
wird das Begleitbild
meines Sterbens sein.
Ich werde darin gelebt haben.
Erst das Staunen
├╝ber uns zwei,
das Staunen
├╝ber den Mann und die Frau
hat mich zum Menschen gemacht.
Ich … wei├č … jetzt,
was … kein … Engel … wei├č

 

Das Lied vom Kindsein von Peter Hanke
aus dem Film “Der Himmel ├╝ber Berlin” von Wim Wenders

 

 

 

Mittwoch, 9. Januar 2007

 

 

 

Traumbilder

Das schemenhafte Gesicht eines Mannes nahe vor meinem Gesicht, ganz nahe vor mir. In Blaut├Ânen. Er hat sich gerade nach mir umgedreht, er hat eine rote Nelke quer in seinem Mund, hielt ihren Stil mit seinen Z├Ąhnen fest. Fast wie der Rosenkavalier. Noch ein Traumbild von meinem Vater in seinem blauen Arbeitsanzug. Er h├Ąlt einen gro├čen schmiedeeisernen Bottich in seinen H├Ąnden vor sich, vor seinem Bauch. Der Bottich ist leicht nach vorne gekippt und mit einer wei├čen Fl├╝ssigkeit wie Milch angef├╝llt. Er sagte etwas zu mir. Margit, ... , sagte er.

 

 

 

Heute war ich im Tai Ji Kurs. Es ergab sich zuf├Ąllig, durch einen Freund. Er schrieb davon und ich hatte mir gerade ein Buch dar├╝ber besorgt, in dem ich las. Ich denke oft, da├č alles was durch ihn kommt unter einem guten Vorzeichen steht. Also fuhr ich nach der Arbeit in die Stadt. “Ein neues Gesicht”, sagte der sympathische Lehrer sofort l├Ąchelnd, ging nahe zu mir hin und sah in meines. Er sah gar nicht so aus, wie ich erwartet hatte. Er hatte halblange schwarze Haare und war ganz wei├č und l├Ąssig angezogen. Ich nickte, l├Ąchelte auch und antwortete, da├č mein Bekannter gesagt h├Ątte, ich k├Ânne vielleicht mitmachen. Schob ihn vor. Er z├Âgerte erst etwas, denn, wie ich sp├Ąter merkte, geht es um den Platz f├╝r die ├ťbungen. Der Kurs ist einem hohen Raum unter dem Dach, einer Art Kirchenraum. Der Boden ist mit dunkelgr├╝nem Teppichboden ausgelegt, die schr├Ągen W├Ąnde des Daches teilweise mit Holz verkleidet. Links vorne ist eine T├╝re, sie f├╝hrt in einen schmalen und sehr hohen Raum, in eine kleine Kappelle mit einem einzigen gotischen Fenster, einer goldenen Spiralschnecke an der Wand und einem achteckigen Symbol auf dem Boden.
Es ist eine kleine Gruppe, ganz unkompliziert, ich f├╝hlte mich sofort wohl, in einer angenehmen Atmosph├Ąre.
Ich glaube, da├č dies der beste Entschlu├č seit langem war endlich etwas in diese Richtung f├╝r meinen K├Ârper zu tun und freu mich schon auf den n├Ąchsten Mittwoch.

 

 

 

Lippenbekenntnis
Bekenntnis der Lippen.

Lippen bekennen: Wort.
Lippen bekennen: Spruch.
Lippen bekennen manchmal automatisch.
Lippen bekennen sich
zum Ku├č.

Und das Herz?
Bewegt den Mund.

 

 

 

Donnerstag, 10. Januar 2007

 

 

 

Traumgesicht (eine Collage)

 

 

 

Hellblaue Fl├╝gel, aus denen es Tropfen auf die Erde regnet.

 

 

 

Freitag, 11. Januar 2008

 

 

 

Traumbild

ÔÇ×Wir sind ein kr├Ąftiger Thunfisch!“ Und der Thunfisch zitterte vor Angst, als die Frau kommt, um ihn aus dem Wasser herauszuziehen, ihn zu t├Âten und um ihn anschlie├čend zu essen.

 

 

 

Sonnenaufgang. Blau und licht. Wie ein flutendes Rokoko-Gem├Ąlde an der Decke einer Kuppel, das ├╝ber der noch still und k├╝hl daliegenden Landschaft unwirklicher Himmel ist. Eine einzige Wolke gleich einer Welle, gleich einer Locke, einer Str├Ąhne vom sich ringelnden Haar des Weihnachtsengels, zeigte inmitten von diesem von der Sonne golden durchschienen Blau in die Tiefe hinab. Eine Schwingung aus unendlich kleinen Tr├Âpfchen. Dieses lichte Blau, es war unglaublich. Die wei├če Locke, eine Flugzeugspur vielleicht, zeigte genau auf das kleine Dorf. Das mit Rauhreif bedeckt noch schlafend zwischen den weiten Feldern lag. Wer hat das nur gemalt? Der Rauch aus dem Schornstein eines gelben Hauses quoll lautlos senkrecht in die H├Âhe. Von S├╝den kommend tanzten vier entz├╝ckend schlangenf├Ârmige W├Âlkchen im Gleichschritt hintereinander ├╝ber die ├Ątherische und golden leuchtende Weite, sie glichen h├╝bschen mausgrauen Fischen, springenden Delphinen. Bei ihrem Anblick tat ich einen leisen, freudigen Schrei, so seltsam und unglaublich schien ihr Vorhandensein, dieses Spiel der Natur. Purpur und Violett brandeten am Horizont. Brodelndes Wolkenmeer, das an dieser wandernden Scheidelinie zwischen Erde und Himmel endlos und immer wieder wie aus einer unsichtbaren Dimension neu geboren wurde. Es war ganz still. Nur das Ger├Ąusch des Autos, in dem ich sa├č. Nebel zwischen den B├Ąumen und in den Senken, sie verzerrten milchig den Blick, lie├čen das Dahinterliegende unscharf und schemenhaft erscheinen. Schweben. Und dahinter, dar├╝ber, wie eine riesige Filmleinwand mit einem unglaublichen Bild gespannt, dieser Morgenhimmel. Verzaubertes Land.

 

 

 

Samstag, 12. Januar 2008

 

 

 

Brief an mich

Ein Traumgesicht: Bei dem kleinen Ort H, der eigentlich nur aus zwei H├Ąusern und einem Reitgut besteht, ich gehe auf der Landstra├če in Richtung T. Der Wald, die weite, karge Flur. In meiner linken Hand halte ich einen Brief, der f├╝r mich bestimmt ist. Meine Adresse ist handschriftlich auf dem Umschlag in fein s├Ąuberlicher Schrift notiert, mit einem schwarzen Stift, sie gleicht der Handschrift meiner Mutter. Die Handschrift der Mutter meines Freundes. Der dicke Briefumschlag in meiner Hand f├╝hlt sich sehr weich an, das Kuvert ist wei├č und aus einem besonderen Papier, schon etwas abgegriffen, er ging wohl durch viele H├Ąnde, der Brief ist auch gr├Â├čer als ein normaler Brief, n├Ąmlich im Format A 5. Betaste vorsichtig den Umschlag und ├╝berlege, was darin sein k├Ânnte. Bestimmt sehr viel, ich f├╝hle es, denn er ist so dick. Ich halte diesen Brief an mich in meiner linken Hand und frage mich, w├Ąhrend ich weiter darauf blicke, wer mir wohl schrieb, von wem dieser Brief wohl stammt. Gleichzeitig bin ich sehr aufgeregt und voller freudiger Erwartung, ihn zu ├Âffnen und ihn zu lesen. Ich wei├č, da├č es ein besonderer Brief ist, vielleicht sogar ein Liebesbrief. Mein Herz klopft. Ein Brief an mich! Beim ├ľffnen, ich stehe in der Waschk├╝che, sehe ich, da├č der Briefumschlag mit bunten Zeitungsschnipseln angef├╝llt ist, rotweinrot gemusterte Schnipsel von Anzeigenbl├Ąttern mit sch├Ânen Orientteppichen, aus denen ich einst Collagen fertigte... Der Brief ist von mir selbst. Ich habe ihn selbst einmal geschrieben. Ich habe ihn an mich selbst geschrieben. Damit ich nicht vergesse, da├č ich mich liebe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend sah ich einen Fernsehfilm auf dem Dritten ├╝ber eine Frau, die unbedingt B├Ąuerin auf den Sterntaler-Hof werden wollte und die daf├╝r sogar den Tod anderer in Kauf nahm. Ich f├╝rchte, sie hat kein Herz, sagte ihr Mann, der Schnitzer war, einmal leise zutiefst ersch├╝ttert zu sich selbst. Das war eine Schl├╝sselstelle.
Als er seinen Geist aufgab zog gerade eine Schafherde vor seinem Haus vorbei.
Der Film ... ich sah die ganze Zeit mich selbst in ihrer Rolle. Da├č ich das war, die all das tat.
Ich m├Âchte solche Filme nicht mehr ansehen.

 

 

 

Das Bild stellt drei Sch├Âpfe noch ungebleichter Schafswolle dar, an denen je ein klarer Tautropfen h├Ąngt. Dann tr├Ąumte ich noch den Satz: Schafe sind gef├Ąhrlicher als Hunde.

 

 

 

Sonntag, 13. Januar 2008

 

 

 

Traumbilder

Eine Collage einer Sonnenblume, allerdings hatten die ├Ąu├čeren Bl├Ątter die Farbe des Blumeninneren und das Blumeninnere hatte die Farbe der ├Ąu├čeren Bl├╝tenbl├Ątter, war also gelb. Etwas oben an der Decke, etwas Goldenes... Eine Hand, eine Hand zeigt eine l├Ąngliche H├╝lse, eine Art Beh├Ąltnis, worin viele Minen sind. Graphitminen in verschiedenen St├Ąrken. Auch eine ganz dicke Graphitmine. Die Minen sind sehr lang und erinnern mich vom Anblick her an die d├╝nnen Nadeln, mit welchen man Vergaserd├╝sen reinigt.

 

 

 

Tr├Ąumte, da├č drei K├╝he in meiner Toilette sind. In diesem schmalen und langen, sehr wei├čen Raum halten sich drei gro├če K├╝he auf, sie sitzen auf dem gefliesten Boden. Die K├╝he sind sehr sch├Ân, ich mag sie sehr, sie sind wei├čbraun gefleckt und ihr seidenweiches Fell ist sogar gelockt. Sie sind auch vollkommen sauber. Sie blicken mich mit ihren gro├čen, treuen und geduldigen braunen Augen g├╝tig an. Eine der drei K├╝he schl├Ąft sogar in meiner Toilette. Im Traum ging das, obwohl die Kuh so gro├č war, die Toilette erinnerte auch ein wenig an eine wei├če Emailleduschwanne. Zwar war die Toilette nicht schmutzig, aber sie ist feucht wegen des Wassers, das st├Ąndig darin steht, auch kalt und unbequem, und ich machte mir Sorgen um die Kuh. Ich fragte sie, w├Ąhrend ich nahe bei ihr lag und sie streichelte, sie umfing, ob diese unbequeme Schlafposition sie nicht st├Âren w├╝rde. Sie verneinte. Sie sagte, es w├╝rde ihr nichts ausmachen. Aber ich selbst dachte f├╝r mich, da├č ich es ├Ąndern m├╝├čte. Da├č das so nicht geht.

 

 

 

Herzen. Wenn man jemanden ans Herz dr├╝ckt, dann umf├Ąngt man ihn. Umfangen. Das Herzau├čen umf├Ąngt den anderen. Das fand ich gerade im Lexikon.

 

 

 

 

 

Das ist eine Blume, eine Tulpe. Mit Augen.

 

 

 

“Le coeur a ses raisons, que la raison ne cona├«t point... “
(Das Herz hat Gr├╝nde, welche die Vernunft nicht auszuloten vermag... )
((Das ist von Blaise Pascal. Es k├Ânnte aber auch von Mrs. Who, Mrs. Which oder Mrs. Whatsit aus dem Buch Spiralnebel 101 sein. Sie waren einmal Sterne, Sonnen, die sich f├╝r das Licht hingegeben haben. Sie sind schon sehr alt, und da ihnen das Kommunizieren in der menschlichen Sprache sehr schwerf├Ąllt, haben sie sich meist, wenn sie etwas mitteilen wollten, vor allem durch Verse und Sprichw├Ârter, zum Beispiel von Shakespeare, ausgedr├╝ckt. Da brauchten dann die Kinder manchmal eine Weile, bis sie wirklich verstanden, denn es ging oft sehr tief. (Wenn sich ein Stern hingibt, dann explodiert er und erhellt dadurch die Dunkelheit, so war das in dem Buch. Das ist etwas ganz Gro├čes.) Ich merke gerade, da├č sie f├╝r mich keine Phantasiegestalten sind. ))

 

 

 

War eigentlich den ganzen Tag durcheinander.

 

 

 

Montag, 14. Januar 2008

 

 

 

Meine Schwester hat gestern Abend leckeres Coc au vin in zwei gro├čen Pfannen mitgebracht, dazu gab es Endiviensalat, als Vorspeise feingehobelte Rote Beete und Pilze mit Rucola. Zum Nachtisch verspeisten wir die Reste der t├╝rkischen S├╝├čigkeiten, Pl├Ątzchen und den Baumkuchen, den ich an Heilig Abend gekauft hatte. Er schmeckte ausgezeichnet. Mein Freund wollte eigentlich die zwanzig Kilometer dorthin zu Fu├č gehen. Als ich ankam war er noch nicht da und ich machte mir Gedanken, denn drau├čen war es pl├Âtzlich sehr nebelig, man sah kaum die Hand vor den Augen. Eine dumpfe Welt aus Watte. Ich dachte, wenn er jetzt im Wald ist, verirrt er sich wom├Âglich. Wenig sp├Ąter rief er an und sagte, da├č er ├╝ber das Keyboard-Spielen die Zeit vergessen h├Ątte und nun doch mit dem Auto k├Ąme. Mein Vater erz├Ąhlte lustige Geschichten. Seine Augenbrauen standen dabei weit nach oben ab, w├Ąhrend sich die Augen vor Lachen immer mehr verengten, und mein Schwager machte einen Test mit uns. Der Test geht folgenderma├čen: Er gibt mir hundert Euro, einfach so. Er w├╝rde mir auch hunderf├╝nfzig geben, Bedingung hierf├╝r aber ist, da├č ich z. B. meinem Tischnachbarn davon abg├Ąbe. Wieviel ich abgebe, steht mir frei, doch ich mu├č ihm in jedem Fall etwas geben, sei es nur einen Euro, denn nur dann w├╝rde ich die hundertf├╝nfzig erhalten. Die Frage war nun, wie ich handeln w├╝rde, was ein jeder dem anderen in so einem Fall geben, wie er sich verhalten w├╝rde. Rein theoretisch nat├╝rlich. Die Meinungen variierten.
K├Ąme wohl nicht auf die Idee, mir so etwas auszudenken, aber sp├Ąter gr├╝belte ich noch dar├╝ber nach.
Ich war auch nicht recht bei der Sache, war ├╝berhaupt nicht da, irgendwo weit weg, bl├Ątterte im Stern und in einem Geo-Heft mit einem Beitrag ├╝ber eine fr├╝hgeschichtliche Ausgrabungsst├Ątte in der T├╝rkei, welche die Wissenschaftler vor R├Ątsel stellt. Die Darstellungen und Erkl├Ąrungen in dem Magazin waren ganz anderer aufgemacht, als ich vor einigen Jahren an anderer Stelle schon einmal von diesem Ort las, was mich sehr entt├Ąuschte. Es handelte sich um eine St├Ątte, an der viele T-f├Ârmige Steine auf eine bestimmte Art und Weise aufgestellt waren. Das Tau. Ich glaube, in einem der H├Ąuser in dieser Stadt sah ich einmal diese Darstellung von den kopflosen Menschen, ├╝ber die ein riesiger Vogel kam. Ich las die Zeichnung damals so: Der gro├če Vogel bringt den Menschen den Kopf. Etwas, wof├╝r der Kopf steht.
Der Name des Ortes f├Ąllt mir leider gerade nicht ein.
Ging etwas fr├╝her, ich wei├č auch nicht, es war erst acht, fuhr nicht auf direktem Weg nach Hause. Auf dem Kirchplatz vor der Kirche steht eine kleine Figurengruppe in einem Rondell, in einer Art ├╝berdachten Tempel, die ich betrachten wollte. Stra├čenlampen warfen orangefarbenes Licht auf das Kopfsteinpflaster des Platzes, Nebel, kein Mensch weit und breit auf der Stra├če. Die eindringliche Figurengruppe, sie ist aus dem 15. Jahrhundert, zeigt die n├Ąchtliche Szene am ├ľlberg. Die drei Apostel in ihren Reaktionen. Jesus, der vor einem Felsen kniet und zu dem gro├čen goldenen Kelch, der auf dem Felsen steht, betend aufblickt.
Am Donnerstag Morgen f├╝hlte sich die Handinnenfl├Ąche der rechten Hand ganz seltsam an, irgendwie dick. Wahrscheinlich lag das am Tai Ji. Vielleicht ist etwas blockiert. Als der Lehrer meine H├Ąnde bef├╝hlte, sagte er: “Eiskalt.” So wie die F├╝├če. Die Katze hat stets warme Pfoten.

Gestern habe ich schmunzelnd auf das Bild hin gedacht: “Na, hoffentlich der Richtige.”

 

 

 

Einmal, im November, hatte ich diesen Traum. Er schockierte mich sehr, so da├č ich ihn erst gar nicht aufschreiben konnte, dachte st├Ąndig daran. Ich tr├Ąumte, da├č ich in meinem alten Bett schlafe, diesem sch├Ânen wei├čen schlichten Holzbett, das mir meine Oma vermacht hatte. Das Bett steht wie fr├╝her in meinem Kinderzimmer direkt vor dem Fenster nach Norden. Ich schlafe auf meiner linken Seite liegend darin, so da├č mein Gesicht dem Fenster zugewandt ist. Jede Nacht besucht mich ein Mann. Aber ich wei├č nicht, wer er ist. Wenn ich schlafe kommt er durch die Zimmert├╝re herein, schl├╝pft unter meine Decke und legt sich zu mir. Ich mag ihn, obwohl ich nicht sehe, wer er ist, er ist mein Freund, mein Geliebter. Er ber├╝hrt mich und ich drehe mich zu ihm hin, wende mich zu ihm um und wir schlafen miteinander. Schon lange geht das so. Meine Eltern schlafen ebenfalls in dem kleinen Kinderzimmer. Meine Mutter schwebt links etwas h├Âher und mein Vater auf der rechten Seite des Bettes. Sie entdecken meinen n├Ąchtlichen Besuch und sind au├čer sich. Vor allem mein Vater ist entsetzt. Schnell beziehe ich das Unterbett neu, wechsle das verd├Ąchtige Laken, in dem ich es an beiden Enden mit weit auseinandergebreiteten Armen ergreife, in einem Zug vom Bett nehme und schlie├člich schnell zusammenfalte. Gleichzeitig breite ich eine alte Wolldecke ├╝ber die Matratze. Diese graubeige leicht gemusterte Wolldecke kenne ich ebenfalls aus meiner fr├╝hen Kindheit. Ihr Rand ist gr├╝n eingefa├čt. Tue das zusammengekn├╝llte Laken unter den Augen meiner Mutter m├Âglichst unauff├Ąllig in den W├Ąschekorb aus Weidengeflecht f├╝r die Schmutzw├Ąsche, der ebenfalls in dem Zimmer an der gegen├╝berliegenden Wand steht. Nun steht meine Mutter mit mir vor ihrem alten Schlafzimmerschrank. Sie h├Ąlt einen kleinen wei├čen Zettel in ihren H├Ąnden hoch, der rechts und links einmal umgefaltet ist, so da├č er auch einen Schrank zum Aufklappen ├Ąhnelt. Sie fand diesen Zettel von mir und liest mir vor, was ich mit Bleistift darauf geschrieben habe, dabei sieht sie mich streng an.
Da merke ich mit gro├čem Erschrecken, da├č mein unsichtbarer Geliebter ein Geist sein mu├č. Er hat sich auch durch Botschaften und ├äu├čerungen in meinem Tagebuch angek├╝ndigt. Ich sch├Ąme mich zutiefst wegen dieser Ungeheuerlichkeit, bin wie gel├Ąhmt. Lange im voraus hat er, der Geist, darauf hingearbeitet, mit mir zusammensein zu k├Ânnen.

 

Ich verstehe es so: Der Geist, dieser Mann, ist etwas in mir, dem ich mich hingegeben habe.

 

 

 

Dienstag, 15. Januar 2008

 

 

 

Vor dem Einschlafen sah ich eine Frau vor mir her schreiten. Ich sah nur ihre F├╝├če, sie trug rote Ballerinas und um ihre zarten Fesseln schwebte, besser gesagt baumelte, ein ganz filigraner weiter Rock aus wei├čer Spitze in einem ornamentalen Blumenmuster hin und her. Das sah sehr sch├Ân aus. Sie geht vor mir, und ein Mann.

Noch ein Traumbild: Sie suchen die gr├╝ne Libelle im Bus und wecken sich dabei gegenseitig auf. Zupfen und sto├čen sich leicht. Die gr├╝ne Libelle ist sehr sch├Ân.

 

 

 

wenn jemand g├Âttlicher als gott sein m├Âchte,
stirbt die liebe. Las ich.

 

 

 

Heut tr├Ąumte ich, da├č wir nach Norderney fahren. Die Insel liegt ganz im Westen und ist ein langer, schmaler Streif vor der K├╝ste mit einer kleinen Stadt mit modernen, silbrigen Hochh├Ąusern davor auf dem Festland. Ich kann es nicht erwarten von dieser Stadt auf die eigentliche Insel zu kommen. Wir bekommen ein Zimmer in einem Hotel, ein Zimmer mit Meerblick hei├čt es, ein Mann f├╝hrt uns hinauf. Doch unser Zimmer hat einen Blick auf die Stadt, merke ich ein wenig entt├Ąuscht, und nicht auf das Meer, wie die beiden anderen Zimmer, welche die anderen erhalten. Das Zimmer hat die Nummer f├╝nfzehn. Es ist ein sehr sch├Ânes Zimmer. Mitten darin steht ein Doppelbett aus dunklem Holz. Und auf einmal sind da auch zwei Fenster nach Osten und nun doch ein Ausblick nach Norden. ├ťberhaupt ist das Zimmer sehr licht, die W├Ąnde wirken wie gar nicht vorhanden. Es gibt auch leichte Lamellenvorh├Ąnge, die man bei Bedarf zuziehen kann. Ich kann es nicht erwarten hinunter an den Strand zu gehen. Dort spazieren viele Menschen. Der Strand ist sehr gelb, er leuchtet regelrecht, und das Wasser tiefblau. Der Horizont ist dunkelblau, so als z├Âge ein Gewitter auf, der Himmel wirkt zum Greifen nahe. Als g├Ąbe es keine Ferne mehr. Doch es sind keine Gewitterwolken, es sieht nur so aus, es ist kein drohendes Unwetter. Die Luft ist schwanger vom Salz, vom Dunst und von der Feuchtigkeit, eigent├╝mlich dicht, aber gleichzeitig belebend und flirrend, so als l├Ąge die ganze Kraft der See in ihr.

Tr├Ąumte noch, wie ich aussehe, und das war erschreckend, dieses Gef├╝hl, das ich bei meinem Anblick empfand. Da├č ich das bin. Auch fremd. Ich war sehr sehr d├╝nn und sehr gro├č, irgendwie langgezogen, eine ganz seltsame, au├čerirdische, graugelbliche Gestalt, und stand auf einem kleinen Sockel wie eine Statue, die Beine eng nebeneinander, meine Arme hielt ich vor meiner Brust gekreuzt, wie manche ├Ągyptische Statuen. Ich hatte verwaschen mittelbraune, dicke, halblange Haare, einen Pagenkopf.

 

 

 

Ein winzig kleines s├╝├čes Baby.
Niemandes Klein, so ist der Name des Kindes.
Es hat noch keine Eltern.
Sie nimmt sich des Babys an, sie nimmt es zu sich.

 

 

 

Schauen Sie einmal hier! Das Pferd in der Blume (durch welche man auf dem h├Âchsten Bergwipfel atmet) ist die wahre Gestalt von Mrs. Who, Mrs. Which und Mrs. Whatsit. Allerdings haben sie keinen Pferdekopf, sondern den Oberk├Ârper und das Haupt eines jungen, erhabenen Mannes - eigentlich ist es kein Mann, es ist weder ein Mann noch eine Frau - so sch├Ân und strahlend, da├č man den Anblick kaum ertragen kann. Die Fl├╝gel schillern in allen Regenbogenfarben und das Fell dieser wundervollen Wesen ist auch nicht schwarz, sondern wei├č. Ihre innere Sch├Ânheit nach au├čen gezeigt. Auf dem R├╝cken des einen Wesens, Mrs. Who, ritten die Kinder einmal zum h├Âchsten Berg auf dem Planeten, ich glaube, es war der Planet, auf dem die Gl├╝ckliche Mitte lebte, hinauf, um weit in das Universum hineinzusehen. Um etwas Bestimmtes zu sehen und wahrzunehmen. Das Wesen wollte den Kindern etwas zeigen, was sie sehen mu├čten.
Vorhin sprang ein Eichh├Ârnchen im Hof herum. Es war ganz und gar hellbraun bis auf seinen wei├čen Bauch und sah unglaublich possierlich aus. In letzter Zeit sehe ich erstaunlich viele Eichh├Ârnchen, erst neulich ein schwarzes, ebenfalls im Hof. Denn eigentlich ist er nicht besonders eichh├Ârnchenfreundlich, mit all den Autos. Es gibt hier auch kaum N├╝sse.

 

 

 

Heut stie├č ich noch auf zwei interessante Links, einmal ein lesenswertes und nachdenkenswertes Interview mit dem Geiger Yehudi Menuhin und dann noch ein ebenfalls sehr nachdenkenswerter Tagebucheintrag von Herrn Schweisfurth.

 

 

 

Donnerstag, 17. Januar 2008

 

 

 

Key to your heart
gefunden bei Sonne und Meer

 

 

 

 

Freitag, 18. Januar 2008

 

 

 

 

 

 

Einfach zum Nachdenken.

 

 

 

(Ferner haben Forscher aus den USA jetzt zum ersten Mal einen menschlichen Embryo, ein menschliches Wesen, aus einer ‘erwachsenen Hautzelle’ geklont.)

 

(Eine Chim├Ąre ist ein Wesen, dessen K├Ârper aus genetisch verschiedenen Zellen aufgebaut ist. In o. g. Fall ein Embryo halb Mensch halb Tier, zum Beispiel halb Kuh.)

 

 

 

Am Wochenende war eine Fotografie einer kleinen graugetigerten Katze in der Zeitung, die ein neues Zuhause sucht. Eine Anzeige vom Tierschutzverein. Der Gesichtsausdruck und die ganze Haltung des Kopfes der kleinen Katze war unglaublich traurig und man konnte ihren seelischen Zustand vollkommen daraus ersehen. Ich habe die Fotografie aus der Zeitung herausgerissen. Sie liegt auf dem E├čzimmertisch.
Im Umgang mit meinen Katzen stelle ich auch immer wieder fest, wie sehr sie an ihren Menschen h├Ąngen, auf ihn fixiert sind, wie sehr sie Streicheleinheiten ben├Âtigen und was f├╝r sensible Gesch├Âpfe es eigentlich sind. Manchmal sind sie nat├╝rlich auch stur und trotzig wie kleine Kinder und wollen unbedingt ihren Willen durchsetzen. Und eine Katze hat einen starken Willen. Er sagte einmal, als er gerade eine der Katzen streichelte, da├č eine Katze eigentlich nichts zur├╝ckgibt. Also man streichelt und krault, die Katze liegt da und schnurrt vielleicht, aber sonst ist nichts. Die Katze streichelt mich nicht. Ich konnte nachvollziehen, was er meint, denn als junge Frau empfand ich beim Streicheln meines ersten Katers einmal ├Ąhnlich. Es war damals, ich wei├č nicht, wie ich es beschreiben soll, ein seltsam leeres Gef├╝hl in mir. So, als h├Ątte ich etwas gegeben und daf├╝r nichts zur├╝ckerhalten. Jetzt empfinde ich zum Gl├╝ck nicht mehr so und freue mich sie zu streicheln. Und es ist auch nicht so, da├č die Katze nichts zur├╝ckgibt. Vielmehr gibt sie sehr viel. Es ist wohl etwas, das ich erst lernen mu├čte. Oder wieder lernen mu├čte. Ich glaube, das ist etwas ganz Wichtiges. Man wird weicher dadurch. Durch den Umgang mit Tieren.

 

 

 

Ein Traumbilder: Ich ├Âffne die T├╝re zum K├╝hlschrank, um etwas herauszunehmen. Das kleine, silberne T├Âpflein mit dem Rest K├╝rbisgem├╝se, dachte ich. Doch da steht auf einmal der gro├če silberne Topf gef├╝llt mit etwas mitten im K├╝hlschrank, was ich wohl einmal gekocht habe. Nehme ihn heraus. ... Habe so viel nicht gesehen... z. B. lag auf einer der oberen Treppenstufen zu meiner Wohnung lange Zeit ein A4 gro├čes Heft, ohne da├č ich es beachtet habe, ohne da├č ich es nahm. Auf dem Einband war ein Bild, etwas Gemaltes, mit blau. Jetzt ist es fort. Hinweise... Habe so oft falsch reagiert...

 

 

 

Samstag, 19. Januar 2008

 

 

 

Im Traum schlug ich ein Yellow-Press-Heft auf. Die Zeitung war aus einem d├╝nnem, ganz leichten Papier. Auf der rechten Seite stehen in einem gro├čen blauen Herz in Schr├Ągschrift die Worte: Die Liebe ├╝bereinander. Die darauffolgende Seite ist aus irgendeinem Grunde unten noch mit der aufgeschlagenen Seite verbunden, noch nicht durchtrennt, so da├č ich sie umbl├Ąttern kann. Also mu├č ich sie dort unten aufrei├čen

 

 

 

Tr├Ąumte von einer Landkarte, von einem Atlas. Sehe erst die Alpen, Norditalien. Ob auch der Landstrich gezeigt wird, wo ich lebe? Eine beige Stra├če, dann macht sie eine Biegung nach rechts und f├╝hrt nun waagrecht durch das Bild, durch die Landschaft. Das Land oberhalb der Stra├če hei├čt Sonne und das Land unterhalb der Stra├če Meer. So stand es auf der Karte.

 

 

 

 

 

 

Ich tr├Ąumte auch von einem riesigen Krokodil. Wir (der Frauenclub) sind in ein Land gereist und da ist auf einmal ein riesiges Krokodil. Es steht im Schlamm zwischen dunklen Wasserpf├╝tzen. Sein Kopf ist unheimlich gro├č. Ich erschrak sehr und stand entsetzt direkt vor diesem Ungeheuer. Es rei├čt sein Maul drohend auf. Es ist sehr gef├Ąhrlich. So stelle ich mir die Krokodile der Urzeit vor. Es ist lediglich durch zwei waagrecht gespannte Stacheldrahtdr├Ąhte von mir, von uns, getrennt. Wird dadurch “in Schach gehalten”. Alles beide, das Krokodil aber auch der Stacheldraht wirkten alles andere als richtig. In dem Land, in das wir gereist sind, ist eine gef├Ąhrliche Situation, mir wird das jetzt erst bewu├čt, denn auch die Regierung ist korrupt.

 

 

 

Herr Dr. Fischer hat mir am vorletzten Donnerstag geschrieben. Er ist f├╝r das Liederlexikon des Landes Baden W├╝rttemberg u. a. mitverantwortlich, das ich hier sehr gerne verlinke. Einige der Lieder kenne ich noch als Kirchenges├Ąnge, andere sind mir wiederum von Singspielen aus dem Kindergarten vertraut. Manche sind mir sehr lieb.

 

 

 

 

 

 

Rotes Blatt

 

 

 

Vermisse den Schnee, heuer. Das rote Blatt ist von einem Weihnachtsstern. Heut stand ein umfangreicher Artikel ├╝ber den Schutzpatron der Tr├╝ffelsucher in der Provence in der Wochenendausgabe der Zeitung. Es ist der Heilige Antonius der Gro├če (hier auch etwas mit Antonius von Padua vermischt, der ja Verlorenes und Vergessenes wieder zur├╝ckbringt)! Die Bauern ehren ihn am dritten Sonntag im Januar. Das wu├čte ich gar nicht.
Ich habe auch von Pilzen getr├Ąumt. Von zwei gro├čen Steinpilzen mit hellbraunen Kappen in einem rosa Plastikeimerchen. Das rosa Plastikeimerchen pa├čte nicht so recht, fiel mir mit ein wenig Beklemmung auf, denn eigentlich sammelt man Pilze doch am besten in einem Weidenkorb.
Ein kleiner graugetigerter Kater hat sich in meine Mutter verliebt. Jeden Morgen um sechs und auch am Abend besucht er sie, er sitzt vor der Terrassent├╝re - sie sieht dann seinen kleinen Umri├č mit den spitzen Ohren im D├Ąmmerlicht, seinen Kopf wie er hin- und hergeht wenn er sie bei ihrer fr├╝hmorgentlichen Arbeit beobachtet - und wartet geduldig, bis sie die T├╝re ├Âffnet und ihn streichelt. Eigentlich sind es zwei kleine Kater, Geschwister. Sein wei├čgrauer Bruder war am Anfang viel zutraulicher und frecher, w├Ąhrend der kleine graugetigerte Kater sich sehr scheu und zur├╝ckhaltend verhielt. Und jetzt verzehrt er sie mit seinen Augen und tut alles, damit sie ihn ihre Aufmerksamkeit schenkt. Er wohnt nur ein Haus weiter.

Ein Geschenk, ein Buch mit einer Karte f├╝r mich! Ich erhielt Post von Uli aus M├╝nchen. Der gro├če Umschlag lag auf meinem Schreibtisch und ich sah lang darauf, ohne zu registrieren, von wem der Brief in Wirklichkeit ├╝berhaupt war. Betastete ihn vorsichtig, f├╝hlte, da├č ein Buch darin sein mu├čte, aber warum ist er nicht weich, dachte, begriff ich erst gar nichts.
Das Buch hei├čt Nutze die t├Ąglichen Wunder (Was das Unbewu├čte alles mehr wei├č und kann als der Verstand). Auf dem Buchumschlag ist ein blauer Wolkenhimmel mit einem gro├čen Regenbogen ├╝ber zwei ge├Âffnet ineinandergelegte H├Ąnden zu sehen, in welchen aus einem Samen eine zarte Pflanze getrieben ist. Auf der Karte sind zwei kleine Spatzen auf einem Fr├╝hst├╝ckstisch abgebildet, die sich an den Kr├╝meln auf dem Teller g├╝tlich tun. Und gelbe Blumen. Gelbe Blumen vom Nachtigallenberg. Was du suchst ist nicht auf den Gipfeln der Berge, nicht in den Tiefen der Meere, sondern in deinem Herzen, steht in wei├čer Schrift darauf, auf der R├╝ckseite handgeschrieben ein lieber Gru├č.
Vor Weihnachten waren wir in einem kleinen vegetarischen Restaurant zusammen Essen gewesen. Sie hatte dort, um mir eine Freude zu machen, einen Tisch bestellt, und als sie es mir sagte wu├čte ich erst nicht so recht. Hatte Scheu und Hemmungen dorthin zu gehen. Die Besitzer waren einmal Kunden von uns. Das Essen war ausgesprochen k├Âstlich. Gleich zu Anfang bekamen wir vom Hausherren, der mich gleich erkannte und freudig begr├╝├čte, ein besonderes Wasser serviert. Er brachte uns sp├Ąter, nachdem wir auf das Thema “Wasser” zu sprechen gekommen sind, auch das Buch Die Botschaft des Wassers, das an der Wand gelehnt gestanden war. Wir bestellten toskanischen Brotsalat. Als Hauptgericht a├č ich einen goldgelben, gebackenen Apfel in einer Cidre-So├če, der mit d├╝nnen, gebratenen Tofuscheiben schichtweise gef├╝llt war. Dazu wurden noch hausgemachte Reibekuchen, also Kartoffelbaggers, serviert.
Meine Freundin hat mir das Buch deshalb geschenkt, weil die Autorin darin auch ├╝ber die Botschaft des Wassers schreibt, also von dem Buch, in dem ich an diesem Abend so interessiert und fasziniert gebl├Ąttert hatte.

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 20. Januar 2008

 

 

 

Auf meinem Schreibtisch liegt eine gro├če T├╝te wie eine Schult├╝te, sie ist aus hellem Packpapier und noch verschlossen. Sonnenaufgang. Eine gelbrote Sonne steigt hinter Baumge├Ąst auf, das gegen den heller und heller werdenden Himmel ganz schwarz wirkt. Meine kleine Katze, Minze, sitzt wartend vor der E├čzimmert├╝re, obwohl diese nur angelehnt ist. Durch die drei Milchglasscheiben der T├╝re glei├čt hellwei├čes Morgenlicht. Sonnenaufgang. Eine Sonne wei├č wie der Mond steigt rasch ├╝ber einen hohen, kegelf├Ârmigen Berg auf. Sie geht etwas rechts von dem Berg auf. Man sieht sie regelrecht ├╝ber den Himmel wandern. Das B├╝chlein mit den Morgenandachten: Eine der hinteren Seiten ist nicht wie die anderen mit schwarzen Buchstaben bedruckt, sondern die Seite ist mit blauer Tinte handbeschrieben. Auf der R├╝ckseite dieser Seite stehen auch ein paar Zeilen mit einem roten Stift geschrieben.

 

 

 

 

 

 

Das Land, in dem der Pinguin lebt:
Der Baum hat seine Bl├Ątter verloren.
Jetzt wachsen Diamantbroschen darauf.

 

 

 

Rosa tr├Ągt der Wind vor sich her, Rosa, gl├╝hendes. Wandert ├╝ber dem Himmel. Zieht von Westen nach Osten hin. Wolkenstreifen. Bahnen. Gesprengeltes, Fahnen jagen. Sturm. Die sich weich bewegenden Arme der Frau spielen im Wind mit dem Kind. Graue Schleier wogen vor dem ├Ątherisch leuchtenden Blau. Es d├Ąmmert schon.
Vogel, flieg!

 

 

 

Noch einmal: Madredeus.
(Ein rundes Fenster aus Glas, blau und rot. Und die Steine. Es ist wegen des Buches Traumsteine, das ich ├╝ber Silvester las.)

 

 

 

 

 

 

Montag, 21. Januar 2008

 

 

 

Ein Traumbild von einem gro├čen Album, von einer Schallplatte. Auf dem schwarzen Hochglanzcover waren vier archaische Eingeborenenmasken in den Farben schwarz, rot und hellblau um die Mitte herum abgebildet. Das Album hing rechts an einer Wand und ich nahm es mit meinen H├Ąnden ab. Es war schwer, gewichtig, ich sp├╝rte sein Gewicht in meinen Armen, und es war weitaus gr├Â├čer als eine herk├Âmmliche Schallplatte, mindestens vier Mal so gro├č. Das Album war aus einem festen Karton mit wahrscheinlich mindestens zwei riesenhaften Schallplatten darin. (Allerdings war der Ausdruck der Masken ganz unpers├Ânlich, also nicht so, wie ich es gemalt habe. In der Traumfrequenz und auch jetzt finde ich sie sehr interessant, sie erinnern mich an die archaischen Masken von afrikanischen St├Ąmmen, von Indianerst├Ąmmen oder auch an Masken der Aborigines. Ich dachte, vielleicht ist die Musik dieser St├Ąmme in dem Album aufgezeichnet. Oder vielleicht hat es irgendeine schamanische Bedeutung.)
(Die Masken sehen mir ein wenig ├Ąhnlich, finde ich, n├Ąmlich wenn ich ein Gesicht ziehe.)

 

 

 

 

 

 

Noch ein Traum vom Verreisen. Wieder einmal. Wir fahren pl├Âtzlich wohin, n├Ąmlich zu einem Ort, an dem es sch├Ân ist, und ich freue mich sehr. Wir verreisen aus dem Hotelzimmer, in dem wir wohnen, nach Portugal. Wir, das sind meine Mutter, meine j├╝ngste Schwester und ich. Doch die Zimmerwirtin, welche im Traum meine Tante ist, sagt, da├č sie das melden mu├č. Sie m├╝sse da und da anrufen. Sie bet├Ątigt auch noch Tasten wie von einem Kartenleseger├Ąt, gibt wohl dadurch unsere Abreise dem gro├čen Chef bekannt. Wie unn├Âtig und b├╝rokratisch, fast wie eine ├ťberwachung, denke ich, denn wir sind doch in sieben Tagen wieder zur├╝ck. Und eigentlich geht es niemanden etwas an, denn das Zimmer ist bezahlt. Ich lasse sogar meinen gut gef├╝llten K├╝hlschrank zur├╝ck, ferner einige Kleidungsst├╝cke. Sehe mich auf dem Boden vor einem kleinen Regal knien und packen. Ich stecke drei Paar Schuhe in eine Art flache Tasche aus mittelbraunem Kunstleder. Darunter waren auch schon ├Ąltere Badeschlappen aus wei├čem Frottee mit einem kleinen Absatz. Das Zimmer war diesmal mit schlichten Holzm├Âbeln eingerichtet. Es wirkte nicht besonders sch├Ân, sondern schon verwohnt. Es standen zwei einzelne Betten darin. Und es gab eine separate Dusche mit Toilette. Ich bemerkte auch, da├č das T├╝rschlo├č des Zimmers nicht mehr funktionierte. Da war ein Halbrund wie mit einem wei├čen oder gr├╝nen Klebeband beklebt. Jemand machte sich am fr├╝hen Morgen von der anderen Seite daran, es auszuwechseln.

 

 

 

Da sa├č ein Mann alleine an einem Tisch, der las in einem Buch, eine Frau in einem roten Kleid auf dem Einband. Er liest in meinem Buch, er liest in mir, liest mir die St├Ąbe rund und gl├Ąttet mich mit seinem Mund. Jetzt l├Ąuten die Glocken drau├čen.

 

 

 

Er hat eine Rosenknospe in seinem Ohr. In seinem linken.
Die Knospe bedeutet: Horch!
Bedeutet: Bl├╝he!
Bedeutet das Lied der Natur.

 

 

 

Um f├╝nf Uhr auf, da der Zug schon um viertel vor sieben ging. Mein Freund fuhr mich in die Stadt. Im Bahnhof herrschte bereits emsiger Betrieb. Menschen eilten, vor allem Sch├╝ler, Damen, Frauen, Angestellte, M├Ąnner mit dunklen Taschen. Eine Schlange vor der Theke der B├Ąckerei. Betrachtete die Auslagen des Buchladens.
Gestern waren wir zusammen essen, ich trank Wei├čwein und abschlie├čend einen Espresso. Tat in der Nacht kein Auge zu.
Ich tr├Ąumte oder bemerkte im Halbschlaf, da├č meine Augen vom Schlafen vollkommen zugeklebt waren. Doch nicht mit Sand, sondern mit einer Art festen, wei├čen Gips, den ich dann aus den Augen und sogar von den noch geschlossenen Lidern entfernte. Ich zupfte diese dicke Schicht ab, wischte mir die harten, wei├čen Kr├╝mel aus den Augenwinkeln, denn sie dr├╝ckten.
Am Morgen war ich immer noch nerv├Âs und aufgedreht, obwohl ich an diesem Tag fast nichts anderes zu tun hatte, als Zug zu fahren. Ihm sei das ganz unverst├Ąndlich, sagte er. Ich verstehe es auch nicht. In N├╝rnberg blieben die T├╝ren des vollbesetzten ICE’s fest verschlossen. Der Schaffner versuchte es mit dem Nothebel, wir Passagiere beobachteten ihn bei seinem Bem├╝hen. Doch der Mechanismus regte sich nicht, es tat sich gar nichts. Schlie├člich gingen wir alle durch den ganzen Zug unter den Augen der anderen Fahrg├Ąste auf den Sitzreihen, welche Bemerkungen machten, nach vorne, eine schier endlose Schlange, und stiegen durch die vorderste T├╝re aus, denn diese lie├č sich zum Gl├╝ck ├Âffnen. Ich war sehr erleichtert im Freien zu sein und rannte mit bis zum Hals klopfenden Herzen zum Anschlu├čzug. Fuhr auch durch Karlsruhe. Einmal hatte ich einen schrecklichen Hustenreiz, ich konnte gar nicht mehr aufh├Âren zu husten und zu w├╝rgen. Mir war es sehr peinlich in das Schweigen der anderen Fahrg├Ąste hineinzuhusten. Zu meiner Verzweiflung wurde es immer schlimmer anstatt besser, so sehr ich mich versuchte zu beherrschen. Irgend etwas Trockenes, Hartes, hing zusammen mit einem winzigen Fusel in meiner Kehle. Irgendwann traten mir die Tr├Ąnen in die Augen. Am liebsten w├Ąre ich im Boden versunken.
Ab und zu las ich in dem B├╝chlein, das ich mitgenommen hatte. (Eigentlich hatte ich drei B├╝cher dabei.) Es handelte von der Verslehre. Allerdings behauptet der Autor im systematischen Teil des B├╝chleins, da├č der Grund, warum es Verse g├Ąbe, vor allem die ├Ąsthetische Lust der Wahrnehmung derselben sei. Ich dachte dar├╝ber nach und konnte diese Ansicht nicht teilen, denn ich wei├č sicher, da├č manche Verse weit mehr transportieren und auch ausl├Âsen k├Ânnen als ├Ąsthetische Lust. Da├č sie n├Ąmlich auch Wirkung haben k├Ânnen. Mitunter das tiefste Innere eines Menschen, sein Herz, zu ber├╝hren verm├Âgen. Und manch eine Dichtung ist magisch, enth├Ąlt Zauberkraft. Rudolf Meyer schreibt in seinem Buch “Die Weisheit der Deutschen Volksm├Ąrchen”, da├č die Magie der Dichtung den alles zerzausenden Verstand f├╝r eine kleine Weile davonjagen kann. “Die Sprachkraft, in Rhythmus und Alliteration hinein ergossen, trug die Seele noch m├Ąchtig ├╝ber sich hinaus; sie verband sie dem sch├Âpferischen Hauch der Weltenweisheit.” Und ├╝ber das M├Ąrchen Die G├Ąnsemagd schreibt er: “Die K├Ânigstochter kann den Wind beschw├Âren. Sie hat Zaubergewalt ├╝ber den Atem durch das von G├Âtterkraft erf├╝llte Wort.” Ja, und manche Dichtung ist heilig. Heiliges Lied.
Im B├╝chlein ├╝ber die Verslehre las ich ferner, da├č diese Lust nur im Augenblicke der Wahrnehmung sei, weshalb man zum Beispiel ein sch├Ânes Bild immer wieder betrachten m├Âchte. Auch das stimmt nicht ganz, finde ich. Denn es gibt die Resonanz. Den Anklang. Schwingung. Ausl├Âser sein. Verbinden. Verbunden sein. Wort schafft Verbindung. Schafft Wirklichkeit.
Es handelte sich in jedem Fall um einen sehr theoretischen und schwer zu lesenden Text.
Eine obdachlose Frau zog drau├čen im kalten Wind einen leeren Bierkasten hinter sich her, w├Ąhrend ich wartend und frierend hinter der Glasscheibe der Bahnhofst├╝re in meinem grauen Damenmantel stand, der mir zu eng ist. Auf der R├╝ckfahrt wurde ich einmal so m├╝de, da├č ich halten mu├čte. Schlief sofort ein. Daheim angekommen fand ich ein Kalenderblatt vom vergangenen Wochenende auf meinem Schreibtisch, das mir meine Mutter hingelegt hatte. Ich habe ihr n├Ąmlich einen Kunstkalender geschenkt und sie gebeten, mir die abgerissenen Bl├Ątter mit den Bildern der einzelnen Tage hinterher ebenfalls zu zeigen, was sie gerne tat. Die Hl. Elisabeth und eine hl. M├Ąrtyrerin, ein Gem├Ąlde von Matthias Gr├╝newald, war auf dem Kalenderblatt verbunden mit einem Hinweis zu der Ausstellung “Gr├╝newald und seine Zeit” in Karlsruhe abgebildet.
(Ich habe das erst heute, also am Samstag, ganz fertiggeschrieben.)

 

 

 

Dienstag, 22. Januar 2008

 

 

 

Tr├Ąumte, da├č wir bei ihm daheim in seiner Wohnung sind. Und ich freute mich sehr.
Er wohnt in einer ganz sparsam eingerichteten Altbauwohnung. Das schmale Schlafzimmer ist bis auf ein Bett, das vor dem gro├čen und sch├Ânen Jahrhundertwende-Fenster steht, ganz leer. Es ist ein Hochbett aus wei├č lackiertem Holz, das er selbst gezimmert hat. Es ist vielleicht einen Meter zwanzig hoch und endet genau auf der H├Âhe des Fenstersimses. Eine Leiter f├╝hrt zu der Schlaffl├Ąche hinauf. Das Zimmer sieht genau so aus wie mein altes Schlafzimmer, mein altes Kinderzimmer, nur das Fenster ist viel gr├Â├čer und sch├Âner, es ist halbbogenf├Ârmig und vielfach unterteilt. Die W├Ąnde sind schlicht wei├č gestrichen und auf dem Fu├čboden ist ein grauer Filzteppichboden verlegt, genau wie in meinem Zimmer. Rechts an der Wand stand noch ein Schreibtisch, der dann aber, glaube ich, verschwunden war, er nahm etwas davon oder zeigte auf etwas, was darauf stand, und ich kann mich noch an eine gr├╝ne Zimmerpflanze mit orangenen Fr├╝chten erinnern.
Er sortierte rigoros Kleidungsst├╝cke von sich aus. Eine Frau in meinem Alter, welche neben mir stand, sagte sp├Ąter etwas zu seinem Jungen, als dieser scheu in das Zimmer trat und zum offen stehenden Schrank ging, um etwas daraus hervorzuholen. Der Junge ist sehr h├╝bsch. Er ist etwa 8 Jahre alt, ein Negerkind mit schwarzen krausen Haaren und einem anmutigen Gesicht. Er tr├Ągt wohlausgesuchte, legere Kleidung aus weichen Naturfasern, welche ihm ausgezeichnet stehen. Die Frau, bei der ich stand, machte eine Bemerkung wegen der aussortierten Kleider. Da├č man doch ein paar Kleidungsst├╝cke brauchen w├╝rde, sagte sie, man doch nicht gar nichts haben k├Ânne. Der Junge hatte es erst eilig an uns vorbeizugehen. Er hat wohl mitbekommen, was die Frau laut urteilte. Es war so, da├č die Meinung der Frau auch auf mich ├╝bergriff, ich dasselbe dachte wie sie. Warum das alles, warum alle Kleidung weggeben, ein paar St├╝cke k├Ânnte ich doch noch behalten? Au├čerdem habe ich gar nicht mehr viel. Dann aber, als der Junge an uns vorbeiging, ich sehr verlegen wurde, mich ihre ├äu├čerung peinlich ber├╝hrte und ich mich sch├Ąmte. Es waren rote Kleidungsst├╝cke, welche er aussortiert hat. Sie hingen daf├╝r ├╝ber einem W├Ąschest├Ąnder, waren frisch gewaschen.
Er hat auch noch eine kleine Tochter, ein kleines M├Ądchen, ebenfalls ein Negerkind. Sie ist im anderen Zimmer. Nun sind wir, ich und diese anderen beiden Frauen, in dem anderen Zimmer. Es kamen noch mehr Frauen durch die offene T├╝re herein. Seine Frau, zwei Frauen waren seine Frau. Sie war auch eine zierliche Frau mit halblangen, haselnu├čfarbenen Haaren und trug ein bodenlanges gelbes Kleid aus einem hauchd├╝nnem Stoff. Wir begr├╝├čen uns freundlich. Ich stand hinter den anderen beiden Frauen und wir gaben uns zwischen diesen hindurch herzlich die Hand.

 

 

 

Die Email, ich habe sie ausgedruckt, sie liegt auf meinem Schreibtisch und ich lese sie immer wieder.
Kann es gar nicht fassen, gar nicht auf einmal fassen.
Las sie nicht einmal w├Ąhrend der Arbeit ganz durch, konnte es nicht, brachte es nicht fertig, ├╝berflog sie nur, sondern erst am Abend richtig.
Sie erw├Ąhnt auch Friedrich Weinreb, der von der Aufgabe schreibt, die uns allen aufgetragen ist. Sie schreibt, da├č f├╝r ihn Aufgabe das Aufgeben unserer Identit├Ąt in dieser Welt bedeutet. Innerlich.

Es ist nicht so, da├č ich ohne Erwartungen war beziehungsweise bin. Vielleicht manchmal... Meist hoffte ich so, da├č endlich etwas passiert. Eine ├änderung eintreten w├╝rde.
Aber ich hatte nie besonders viel Mut, was mich betrifft.

 

 

 

Mir ist vorhin wieder ein Satz eingefallen, den ich einmal in Gro├čbuchstaben hier herein geschrieben habe.

 

 

 

Mittwoch, 23. Januar 2008

 

 

 

Traumbild am Morgen. Ich sah mich an der alten Kreuzung auf der Bundesstra├če am Stadtrand stehen, welche es jetzt nicht mehr gibt und die der Schnellstra├če gewichen ist. Ich f├╝hrte einen m├Ąchtigen, schwarzwei├č gescheckten Bullen an einer Leine nach Hause. Die Leine war mit dem Nasenring verbunden, er ging rechts von mir. Das m├Ąchtige Tier schritt ohne Probleme neben mir, als w├Ąre er gar nicht wirklich vorhanden, so da├č die d├╝nne Leine in der Mitte leicht herabhing. Auf der anderen Seite der Kreuzung stand ein Mann, der ein kleines schwarzes Stierkalb an seiner Leine hielt. Ein M├Ądchen war kurz bei ihm und tat etwas. Ich ├╝berquerte die Kreuzung mit dem Ochsen, ging an dem Mann vorbei weiter nach Hause. - Eigentlich notierte ich in beiden F├Ąllen Ochse. Ich glaube, da├č deshalb der Name in seiner urspr├╝nglichen Bedeutung gemeint ist.

Und ein sch├Ânes, orientalisch anmutendes Bild von zwei Pfauen ├╝bereinander, ineinander gewoben. Ihr Gefieder war nachtblau und dunkelgr├╝n.

 

 

 

 

 

 

In einer Vitrine sah ich die kleine Bronzestatue einer zierlichen nackten Frau hinter dem Glas. Sie sa├č auf ihren Fersen. Ihren linken Arm hielt sie leicht angewinkelt ├╝ber ihren Kopf gestreckt, um mit ihrer Hand ganz selbstvergessen einen Fl├╝gel zu ber├╝hren, der ihr anstelle ihres rechten Arms gewachsen war.

 

 

 

In dem kleinen Gesch├Ąft stand eine Fotografie eines ├Ąlteren Mannes in einem schwarzen Rahmen seitlich auf der Theke. Daneben brannte eine Kerze zum Gedenken. Der Seniorchef des Hauses war gestorben.

 

 

 

Der Lehrer z├╝ndete wie wie immer die zwei Kerzen auf dem altar├Ąhnlichen Tisch an, der vorne an der Wand steht. Gerade f├Ąllt mir auf, da├č ich nicht einmal seinen Namen wei├č. Legte ein Band mit leiser chinesischer Musik ein. Mir gef├Ąllt, wenn wir, die Gruppe, alle im Einklang sind, also gemeinsam die Schrittfolgen und Bewegungen in harmonischer Art und Weise ausf├╝hren. Allerdings klappt das bei mir nicht besonders gut. Ich kann es nur, wenn ich dabei immer wieder zum Lehrer oder zu jemand anderen aus der Gruppe schiele. Daheim vermag ich mich kaum mehr an die Bewegungsabl├Ąufe zu erinnern, so ist auch das ├ťben schwierig. Das einzige, was mir gelingt, ist das Stehen. Wahrscheinlich mu├č ich einfach so oft den Kurs besuchen, bis mir alles vollkommen in Fleisch und Blut ├╝bergegangen ist, so da├č ich die Bewegungen ganz ohne Kopf ausf├╝hren kann. Ich habe die Stunde sehr gern und freu mich jedes Mal darauf.

 

 

 

Donnerstag, 24. Januar 2008

 

 

 

Im Traum war ich mit meinen Eltern im Urlaub. Dann bei einem Bekannten, der ein Restaurant betreibt. Mein Vater wollte unbedingt in das Zimmer im ersten Stock, welches ├╝ber dem Speiseraum ist, und dort oben essen. Der Bekannte sagte aber, da├č das nicht gehen w├╝rde, denn es ist ein besonderes Zimmer. Doch dann ging es doch, ein anderer Mann, wohl ein hoher Angestellter seines Restaurants, teilt es uns ernst mit und f├╝hrt uns nach oben. Dort oben in diesem besonderen Zimmer, in das normalerweise keine Fremden zutritt haben, steht ein Tisch und an der wei├čen Wand schlichte, wei├če Regale. In dem Regal stehen viele indische G├Âtterstatuen aufgereiht. Verschiedene, sehr interessante Bronzestatuen. Manche stellen auch Fische dar. Der andere Mann wei├čt extra noch einmal auf diese Statuen hin, die wohl f├╝r den Bekannten etwas Besonderes, sehr wertvoll sind. Doch mein Vater will pl├Âtzlich weiter, er will auf einmal nicht mehr in dem Zimmer essen, obwohl er es doch gesagt hatte, sondern gehen. Ich empfinde das als ├Ąu├čerst unh├Âflich und es widerstrebt mir, ihm zu folgen.

 

 

 

In der Nacht schwebte ein Spinnennetz mit einer Fliege darin langsam von rechts nach links ├╝ber meinem Bett.

 

 

 

Anstrengende Tage. Eine verschleppte Erk├Ąltung.

 

 

 

Freitag, 25. Januar 2008

 

 

 

 

 

 

In der Schw├Ąrze hinter den Lidern tanzen und rotieren manchmal Lichtpunkte. Ein Feuer. Ein kleines, prasselndes Feuer, einmal sah ich es nahe, dann wieder fern, es loderte und brannte ohne Unterla├č. Ein Feuer, nicht in einem Topf, sondern es loderte aus einem kleinen Scheiterhaufen Holz.
Nein, es geht nicht aus.

 

 

 

Kleine Meerkatze

 

 

 

Drau├čen leuchtet der Sternenhimmel, er beh├╝tet das kleine Dorf. Das pl├Ątschernde Wasser des Baches schimmert blau in der Silbernacht. Ein Kind blickt still durch ein Fenster hinaus in die Dunkelheit. In seinem Herzen brennt eine Kerze, deren Licht milchwei├č durch seine Haut und durch die offenen Tore der Iris seiner blanken Augen scheint.

 

 

 

Morgen

 

 

 

Samstag, 26. Januar 2008

 

 

 

Finde deinen Weg zu uns, sagte ein ├Ąlterer Mann im Traum zu mir. ├ťber vergangene Jahre. Der Mann trug einen schwarzen Anzug und ein wei├čes Hemd. Er wirkte von seiner Statur her eher hager, er hatte dichte, kurze Haare und einen ebensolchen, sehr dichten, aber sorgf├Ąltig gestutzten Bart, der auch sein Kinn bedeckte. Haare und Bart waren braun mit einem fast unmerklichen Rotstich.
Es ging dabei um das: Stirb, bevor du stirbst.
Er sagte es, weil mich das die ganze Woche besch├Ąftigt hat. Diese Stelle.
Nun verstehe ich nicht ganz, was er damit meint: ├ťber vergangene Jahre? Wie geht das? Was bedeutet das? ├ťber mein vergangenes Leben? Soll ich es anschauen. Ist darin ein Hinweis enthalten, verborgen? Soll ich ├╝ber die vergangenen Jahre gehen? Vielleicht soll ich etwas aus diesen Jahren nutzen?
Am letzten Sonntag ├╝berlegte ich st├Ąndig: Was war mir die ganze Zeit ├╝ber, auch davor, immer sehr wichtig? Wohin soll ich meinen Weg finden?
Jetzt wei├č ich vielleicht, was er meinen k├Ânnte, ich fand, ich las etwas.

 

 

 

Sonntag, 27. Januar 2008

 

 

 

Ein Traum: Sollte das Licht fotografieren. Da fotografierte ich das Spiel der Sonnenstrahlen, welche golden auf der Au├čenwand eines Geb├Ąudes gleich unter dem flachen Dach reflektierten. Wie das leuchtete! Warm und gelb. Sein Urteil fiel daraufhin so hart und vernichtend aus, da├č ich entsetzt davonlief. Weg von dem Geb├Ąude. Ich war vollkommen schockiert. Das Tun der anderen beiden Frauen hingegen lobte er. Dabei habe ich mir solche M├╝he gegeben und hat mir das Fotografieren der goldenen Lichtfl├Ąchen auf der Fassade so viel Freude gemacht.
Als ich wacher wurde erkannte ich aber, da├č ich das Licht auf einem monumentalen Geb├Ąude aus einem Metall, es war ganz und gar aus Kupferblech zusammengenietet, fotografiert habe. Hohe S├Ąulen standen rechts und links, gingen in die Au├čenwand ├╝ber, ebenfalls aus Kupferblech. Es war gar kein richtiges Geb├Ąude, es glich eher einem Tresor, einem verschlossenen Kasten, einem Tempel, der aber weder eine Eingangst├╝re noch Fenster besa├č, mit einem schmalen Grasstreifen au├čen herum.
In dem Grasstreifen wuchsen auch Obstb├Ąume, die aber kahl und blattlos dastanden.

 

 

 

In einem Traumbild schnitt ich die d├╝rren bereits vertrockneten Zweiglein der abgebl├╝hten Rosenbl├╝ten ab, die noch zwischen drei oder vier roten Tomaten hervorstanden. Im Traum war es so, da├č Tomaten und Rosen wohl zusammen an einem Strauch wuchsen, gleich einem Blumenstrau├č. Erst bl├╝hen die Rosen, und dann, wenn diese abgebl├╝ht sind, sind die Tomaten reif. Ein Mann mit einer Glatze erkl├Ąrte den Sinn von Tai Ji. Er erkl├Ąrte es so: Tai Ji entbl├Â├čt den Vogel, der entbl├Ąttert wurde. Dazu zeigte er auch ├ťbungen.

 

 

 

Der Baum mit den kleinen wei├čen Bl├╝tensternchen bl├╝ht immer noch. Und auch das ganze Zimmer duftet immer noch nach Zitronen und nach Frische, jedes Mal, wenn ich es betrete.

 

 

 

Licht und Licht.

 

 

 

Wi├čt ihr, was sch├Ân ist?
DIE TAT DES GUTEN DIENERS,
DIE MEHR IST, ALS N├ľTIG.

Der K├Ârper bewegt sich - das ist n├Âtig.
Der Tanz ist “Mehr”,
und wenn er wirklich Tanz ist - ist er sch├Ân.
Die Stimme ist n├Âtig - das Lied ist “Mehr”.
Die Formgebung ist n├Âtig - nur das “Mehr” ist sch├Ân.

(...)

aus: Die Antwort der Engel;
S. 125

 

 

 

Montag, 28. Januar 2008

 

 

 

 

 

 

Morgensternband
Morgensternbande
Band zum Stern.
So hei├čt das Bild.

 

 

 

Momentan versuche ich mich an den Abenden wieder an einem Holzschnitt: Eine kniende Frau im Profil. Sei tr├Ągt eine Krone auf ihrem Haupt und h├Ąlt einen strahlenden Stern in ihren H├Ąnden, von dem Lichtb├Ąnder ausgehen.

 

 

 

Dienstag, 29. Januar 2008

 

 

 

Eine schon etwas ├Ąltere, sehr grazile Frau mit wei├čen Haaren, sie tr├Ągt sie zu einem Pagenschnitt geschnitten, und in einem wei├čen, dicken Strickrolli aus einer weichen, fluffigen Wolle, kommt nahe vor mein Gesicht. Der Rolli ist zwei rechts zwei links gestrickt. Sie hat ihre Lippen dezent rot geschminkt und sieht mich freundlich an. Sie deutet hinten auf ihren Nacken, dorthin, wo sie Schmerzen hat. So, als wolle sie mir diese Stelle zeigen.

 

 

 

Tore

 

 

 

Heute erhielt ich einen Brief. Aus dem warmgelben Briefumschlag glitt ein rosafarbenes Herz. Herz, das ├╝ber die Br├╝cke geht. Das Br├╝cke ist.
Immer wieder betrachte ich es.
Br├╝cke zu den Zypressen, welche am anderen Ufer in den vollkommen blauen Himmel hineinwachsen.

 

 

 

Heute sah ich ein Schiff auf dem Flu├č, als ich gerade auf der Stra├če daneben fuhr, welches Antonia hie├č. Es waren eigentlich zwei Schiffe, zwei gro├če Lastk├Ąhne, die miteinander verbunden waren. Sie fuhren in Richtung S├╝den, Richtung Rhein-Main-Donau-Kanal. Fast immer achte ich auf die Namen der Schiffe, wenn ich dort fahre. Ein lieber Freund schrieb mir in der letzten Woche, er schrieb auch von “Zufall”. Von Zufall. Nicht im Sinne der eher abf├Ąllig beil├Ąufigen Bedeutung, die das Wort heute f├╝r viele Menschen hat, auch f├╝r mich manchmal, sondern vielmehr von der wahren Bedeutung des Wortes, n├Ąmlich da├č einem etwas “zu f├Ąllt”.
Er hat auch gefragt, ob ich beziehungsweise wir im Fr├╝hjahr nicht zusammen mit unseren gemeinsamen Holzschnittlehrer, seiner Frau und ihm nach S├╝dwestindien reisen m├Âchten. In eine kleine Ayurvedaklinik, welche sie sehr gut kennen und in der diese schon mehrere Male wegen der Gesundheit waren. Als ich im Internet nachschlug, fand ich, da├č in S├╝dwestindien auch die Heimat der sogenannten “Thomaschristen” ist, also von Christen, welche sich auf den Apostel Thomas berufen. Es ist wegen des Perlenliedes aus den Thomas-Akten, weshalb mich das so interessiert. Ich habe mich sehr ├╝ber das Angebot gefreut gehabt, war tagelang aufgeregt, er schrieb es auch in blauer Schrift, obwohl ich nicht mitkommen werde, kann, denn man l├Ądt ja nicht jeden x-beliebigen ein, zusammen mehrere Wochen in einem fremden Land zu verbringen.
Ich war noch nie in Indien.

 

 

 

“Was denkst du, Margit?” fragte mich meine Freundin mehrmals eindringlich und deutlich vor dem Einschlafen.

 

 

 

Du fehlst mir
als sonst alle.

 

 

 

Meine Mutter fand noch einen schwarzen Einband, es ist eine Buchh├╝lle was weichem Leder, im Umschlag. Sie zieht sie heraus und zeigt sie mir. Sie besteht nicht aus zwei Tafeln wie die Gesetzestafeln, sondern aus dreien. Eine Tafel mehr. Auf der dritten Tafel, besser gesagt auf der dritten H├╝lle war etwas in feinen Pastellfarben in das Leder gepr├Ągt, ein Engelmotiv. Ganz leicht. Vielleicht so in der Art, wie ich es gezeichnet habe.

 

 

 

Mittwoch, 30. Januar 2008

 

 

 

Abends im Kurs haben wir Dehn- und Entspannungs├╝bungen auf dem Boden gemacht. Ich bin sehr ungelenkig und kann nur mit M├╝he meine Zehen ber├╝hren, w├Ąhrend der Lehrer vorne seine F├╝├če mit den H├Ąnden ganz und gar umfa├čt hat und sogar dabei noch seine Stirn sanft auf sein Knie legte. Sp├Ąter stellten wir uns eine bl├Ąulichwei├če Energiekugel ├╝ber unserem Nabel vor, die gr├Â├čer und gr├Â├čer wurde. Wuchs und wuchs.
Er sprach auch von der Seele, die w├Ąchst, sich erhebt, schlie├člich sogar ├╝ber dem K├Ârper schwebt. Und er sprach von einer Art “├ľffnung” in der Sch├Ądeldecke, welche unterschiedlich gro├č ausgebildet sein kann. W├Ąhrend er sprach lagen wir mit geschlossenen Augen auf unseren Decken, er immer weiter redete, ich schwerer und schwerer wurde und dabei tiefer und tiefer in den Boden, in die Erde, hinein sank. Er sagte: Eine wundersch├Âne Bl├╝te w├Ąchst daraus. Aus dieser ├ľffnung. Ich stellte mir bildlich vor, wie bei uns allen jeweils eine ├Ątherisch durchscheinende Bl├╝te in Rosa oder Flieder, in Vergi├čmeinnnichtblau, in Scharlach, in hellem Violett oder in Lichtgelb - je nach Naturell des einzelnen - aus dem Scheitel sprie├čte, sich langsam in den Raum hinein ├Âffnete, entfaltete, gr├Â├čer und immer gr├Â├čer wurde - gleich einem Schmetterling, der mit zusammengefalteten, noch feuchten Fl├╝geln aus seinem Kokon schl├╝pfte - nach und nach den ganzen Menschen einh├╝llte und schlie├člich die zarten Bl├Ątter der andern Bl├╝ten ber├╝hrte.

 

 

 

Donnerstag, 31. Januar 2008

 

 

 

Im Traum sah ich jemanden, der die Sonne fotografierte. Doch der Fotoapparat warf dabei einen Schatten auf sein Gesicht.

 

 

 

Heute habe ich gelogen. Eigentlich ganz unn├Âtig. Sage ich jetzt. Es ging um etwas Pers├Ânliches, etwas, bei dem ich dann doch Scheu hatte es geradeheraus zu sagen, wie es ist, obwohl es ganz und gar nichts Schlimmes war. Hatte keinen Mut. Ging ganz leicht ├╝ber meine Zunge. Immer noch Angst. Immer noch. Vor Geschrei und erkl├Ąren m├╝ssen. Vor dem Rechtfertigen m├╝ssen. Vor einer Auseinandersetzung. In diesem Moment war ich wieder ein kleines M├Ądchen, voller Angst, das flunkert, das zu Methoden greift, um zu vermeiden. Ein Wust an pl├Âtzlich aufwallenden, unzusammenh├Ąngenden und unklaren Gef├╝hlsmustern, so, als w├╝rde ich alles falsch machen, der sich dann wie ein Ring um meine Brust zu legen scheint.

 

 

 

Wenn ich jetzt alte Tagebucheintr├Ąge von mir lese, kann ich manches davon nicht mehr nachvollziehen. Wer war das, der dies alles schrieb? Wer ist diese Person? Bin das wirklich ich, Margit? Wieviel davon war echt, wieviel davon Schmerz, wieviel davon

 

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